Zealandia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zealandia
Topographie von Zealandia
Topographie von Zealandia
Lage: im südwestlichen Teil des Pazifischen Ozeans, östlich bis südöstlich des Kontinents Australien
Koordinaten nördlichster Punkt: 18° 30' S, 158° 40' O
Geokoordinaten [1]
Koordinaten westlichster Punkt: 23° 20' S, 155° 10' O
Geokoordinaten [1]
Koordinaten östlichster Punkt: 42° 40' S, 167° 45' W
Geokoordinaten [1]
Koordinaten südlichster Punkt: 56° 10' S, 164° 50' O
Geokoordinaten [1]
Fläche: 4,9 Mio km2 [2]
Nord-Süd-Ausdehnung: rund 4200 km [1]
Ost-West-Ausdehnung (nördliche Hälfte): rund 2800 km [1]
Ost-West-Ausdehnung (südliche Hälfte): rund 2350 km [1]

Zealandia (ziːˈlændiə) ist ein größtenteils unter Wasser liegender, noch nicht offiziell anerkannter geologischer Kontinent im Pazifischen Ozean, zu dem die Hauptinseln Neuseelands (Nordinsel und Südinsel), die Stewart Island, die Chatham Island, Neukaledonien und ein paar kleinere Inseln gehören. In Neuseeland wird Zealandia auch als New Zealand Continent bezeichnet.[3]

Namensherkunft

Der Begriff Zealandia wurde erstmals 1995 von dem amerikanischen Geologen Bruce P. Luyendyk von der University of California verwendet, der ihn als Sammelbegriff für Neuseeland, der Chatham Rise (rise: engl. Erhebung), dem Campbell Plateau und der Lord Howe Rise verwendete. Er definierte den Begriff für eine große Region zusammenhängender kontinentaler Erdkruste, allerdings noch nicht als Definition als Kontinent gedacht.[4] Seither sind mehr als 20 Jahre vergangen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich des „Unterwasserkontinents“ haben zugenommen.[5] So forderte im Februar 2017 eine Gruppe von Wissenschaftlern (neun Neuseeländer, ein Neukaledonier und eine Australierin) in der März-Ausgabe von GSA Today, einem wissenschaftlichen Journal der Geological Society of America, Zealandia als Kontinent anzuerkennen und publizierten hierzu ihre Erkenntnisse und Argumente.[6]

Geographie

Entsprechend der oben erwähnten Veröffentlichung erstreckt sich Zealandia über eine Fläche von 4,9 Millionen Quadratkilometern von Neukaledonien mit der Norfolk Ridge, dem Kenn Plateau, der Lord Howe Rise und der Dampier Ridge im Norden über das Challenger Plateau und Neuseeland bis zum Campbell Plateau mit den Inseln Auckland Islands und Campbell Island im Süden und der Chatham Rise mit den Chatham Islands im Osten. Der scheinbar isoliert liegende Gilbert Seamount (nordwestlich von Fiordland) und der Ballons Seamount östlich des Campbell Plateaus zählten die Wissenschaftler ebenfalls zum Kontinent.[4] Von dem so umrissenen Kontinent liegen 94 % unterhalb des Meeresspiegels.[2]

Zu den größten unter dem Meeresspiegel liegenden Erhebungen gehören die Lord Howe Rise, das Challenger Plateau, das Campbell Plateau, die Norfolk Ridge und die Chatham Rise.[4] Zu den höchsten Erhebungen über Wasser zählen die beiden Hauptinseln Neuseelands, gefolgt von Neukaledonien und zahlreichen kleineren Inseln. Zwischen der Norfolk Ridge im Nordosten und der Lord Howe Rise westlich davon erstreckt sich der New Caledonia Trough, eine Senke, die sich nach Süden bis zum Challenger Plateau hinzieht. Eine weitere Senke, der Bounty Trough, trennt im Osten die Chatham Rise von dem Campbell Plateau.[7]

Geologie

Der Untergrund Zealandias besteht aus kontinentaler Kruste, die eine Dicke von 10 bis 30 km aufweist und in Southland, im Süden der Südinsel Neuseelands, dicker als 40 km ist. Damit erweist sich die Erdkruste Zealandias insgesamt als dünner als die anderer Kontinente, deren Kruste im Mittel zwischen 30 und 46 km dick ist. Die dünnste Kruste Zealandias weist der 2200 km lange und 200 bis 300 km breite New Caledonia Trough auf, der 1500 bis 3500 m tief ist.[8]

Die Besonderheiten Zealandias sind möglicherweise durch unterschiedliche tektonische Prozesse der vergangenen 400 Millionen Jahre bedingt. Vor 125 bis 400 Mio. Jahren, als der heutige Teil Zealandias noch Teil Gondwanas war, bewegte sich die Pazifische Platte in Richtung der östlichen Grenze Gondwanas. Sedimentschichten wurden angehoben und zu Gebirgen aufgeworfen. Vor etwa 125 Mio. Jahren kehrte sich der Prozess um und die Platten divergierten für rund 100 Mio. Jahre. Zealandia spaltete sich vom australischen Kontinent ab, die Tasmansee entstand, und die Erdkruste wurde gestreckt. Während der Seeboden der Tasmansee sich später hob, senkte sich der östliche Teil, Zealandia, ab und versank überwiegend im Ozean. Vor rund 23 Mio. Jahren änderte sich die Situation erneut und die Pazifische Platte wanderte wiederum nach Westen gegen die Australische Platte, ein Prozess, der noch anhält. Unter dem erneuten Druck entstanden Neuseeland und die Auffaltungen seiner Bergketten, allen voran die Neuseeländischen Alpen.[9]

Während sich allerdings auf der Nordinsel Neuseelands und nördlich davon die Pazifische Platte unter die Australische Platte schiebt, arbeiten die beiden Platten auf der Südinsel und südlich davon seitlich gegeneinander, sodass der Teil östlich der Alpen nach Süden wandert und der westliche Teil leicht nach Norden. Diesem Prozess ist es wohl geschuldet, dass zwischen dem New Caledonia Trough nördlich dem Challenger Plateau und dem Bounty Trough östlich von Neuseeland ein Versatz entstanden ist und beide, die ursprünglich eine zusammenhängende Vertiefung im Kontinent darstellten, nun separiert sind.

Vulkanismus fand in Zealandia vor, während und nach dem Loslösen Antarktikas und Australiens von Gondwana statt. Auch wenn sich Zealandia bereits bis zu 6000 km von Antarktika entfernt hat, so weist das zugrunde liegende Magma die gleiche Zusammensetzung auf wie das der vulkanischen Vorgänge in Australien und Antarktika. Vulkanische Bildungen sind weit verbreitet, aber abgesehen von den großen Schildvulkanen, die Banks Peninsula und Otago Peninsula formten, wurden nur geringe Mengen vulkanischer Produkte gefördert. Vulkanische Hauptphasen lagen in der Oberkreide und im Känozoikum. Die Ursache des Vulkanismus ist unklar, möglicherweise geht er auf einen Mantelplume zurück, über den Zealandia hinwegzog, und der Hotspot-Vulkanismus auslöste. Auf diese Weise könnte die Kette der untermeerischen Vulkane der Lord Howe Seamount Chain entstanden sein.

Ein versteinerter Baumstamm am Ufer der Curio Bay

In der Curio Bay bilden versteinerte Baumstämme und in Lebendposition erhaltene Wurzelstöcke einen versteinerten Wald. Die Bäume waren verwandt mit modernen Kauri-Bäumen und Araukarien und wuchsen im Jura vor 180 Ma, also noch vor der Trennung Zealandias von Gondwana.[10] Der Wald wurde von vulkanischen Schlammströmen überdeckt. Während der Diagenese des Schlamms wurde das pflanzliche Material durch Kieselsäure ersetzt und so versteinert. Heute liegt es wieder an der Erdoberfläche, freigelegt von der Erosion durch die Meeresbrandung.

Während der letzten Kaltzeiten muss ein größerer Teil Zealandias über die Meeresoberfläche gereicht haben als es heute der Fall ist. Darauf weist der Fund eines Säugetier-Kiefers in der Gegend von Otago hin.[11]

Ressourcen und Rohstoffvorkommen

Es wird vermutet, dass der Seeboden Zealandias reich an Rohstoffen ist. Seit Jahren findet der größtenteils noch unerforschte „Kontinent“ auch unter Rohstoffgesichtpunkten zunehmend Aufmerksamkeit.[12] Neben den bekannten Lagerstätten von Öl und Gas werden auch Sulfid- und Eisenmanganknollen-Vorkommen vermutet.[13]

Erdöl- und Erdgasvorkommen

Seit 1865 sind Erdölvorkommen in Neuseeland bekannt. In diesem Jahr begann man in Taranaki Erdöl zu gewinnen. 1959 folgte die Erschließung des Maui Gas Field vor der Taranaki-Küste, das ab 1979 Neuseeland unabhängiger in der Gasversorgung machte. 1993 folgte die Erschließung des McKee-Erdölfeldes rund 20 km vor der Küste von New Plymouth. Seit den 1970er Jahren werde rund um Neuseeland in 17 weiteren unterseeischen Becken Öl und Gas vermutet und in dem meisten davon aktiv nach ertragreichen Feldern gebohrt und gesucht.[14]

Eisensand

Seit über 150 Jahren ist die Existenz von eisenhaltigen Sanden an der Westküste der Regionen Waikato und Taranaki auf der Nordinsel bekannt. Seit den 1960er wird das Eisen produktiv gewonnen und zur Stahlerzeugung genutzt, teilweise auch exportiert.[15]

Kriterien für eine Anerkennung als Kontinent

Damit Zealandia als Kontinent anerkannt werden kann, muss es vier grundlegende Kriterien erfüllen:

  1. die kontinentale Kruste muss sich ausreichend hoch von der ozeanischen Kruste abheben.
  2. es muss eine Vielfalt von Gesteinstypen vorhanden sein. Diese müssen aus den drei grundlegenden Typen Eruptiv-, Sediment- und Metamorphgestein bestehen. (Eruptivgestein entsteht durch Vulkanismus, Sedimentgestein durch Erosion und Metamorphgestein durch die Umwandlung von Sedimentgestein unter Druck und Hitze in der Erdkruste.)
  3. die kontinentale Kruste muss dicker sein als die ozeanische Kruste und die seismische Ausbreitungsgeschwindigkeit muss niedriger liegen.
  4. das betreffende Gebiet muss einen ausreichend großen Umfang besitzen, um als Kontinent anerkannt zu werden und nicht als Mikrokontinent zu gelten. Wie groß ein Gebiet sein muss um als Kontinent zu gelten, wurde bisher allerdings in der Wissenschaft nicht ausreichend diskutiert und nicht festgelegt.[16]

Die Argumente für eine Anerkennung

Die oben erwähnten Wissenschaftler trugen folgende Argumente zusammen, nach denen Zealandia als Kontinent gelten müsste:

  1. mit einer zusammenhängen Größe von 4,9 Mio. km2 wäre Zealandia ausreichend groß.
  2. Zealandia liegt separat genug vom australischen Kontinent, um nicht als dessen Fragment oder als Mikrokontinent zu gelten.
  3. Zealandia hebt sich mit einer durchschnittlichen Höhe von 1100 m vom Seeboden der ozeanischen Kruste ab.
  4. zahlreiche geologische Untersuchungen der Zealandia betreffenden Inseln und des Seebodens in den vergangenen 20 Jahren haben ausreichend Nachweise erbracht, dass die für einen Kontinent typischen geologischen Minimalanforderungen erbracht sind. So ließ sich überall Granit, Grauwacke, Schiefer und siliciumhaltiges Gestein aus dem Paläozoikum und dem Mesozoikum nachweisen.
  5. die Kruste Zealandias ist zwischen 10 und 30 km dick und damit dicker als die ozeanische Kruste, die in der Regel eine Stärke von 7 km hat.
  6. des Weiteren ist unwiderrufen, dass Zealandia einst zum Superkontinent Gondwana gehörte und sich von dem Kontinent Australien später abspaltete.[17]

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Koordinaten- und Längenbestimmungen von Zealandia wurde durch Google Earth vorgenommen.
  2. a b Mortimer u. 10 Co-Autoren: Zealandia: Earth’s Hidden Continent. In: GSA Today. 2017, S. 1.
  3. Keith Lewis, Scott D. Nodder, Lionel Carter: Sea floor geology - Zealandia: the New Zealand continent. In: Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand. Ministry for Culture & Heritage, 22. Juni 2006, abgerufen am 25. Februar 2017 (englisch).
  4. a b c Mortimer u. 10 Co-Autoren: Zealandia: Earth’s Hidden Continent. In: GSA Today. 2017, S. 3.
  5. Ellen Hunt: Zealandia – pieces finally falling together for continent we didn't know we had. In: The Guardian. Guardian News and Media Limited, 17. Februar 2017, abgerufen am 27. Februar 2017 (englisch).
  6. Mortimer u. 10 Co-Autoren: Zealandia: Earth’s Hidden Continent. In: GSA Today. 2017, S. 1–9.
  7. Wissen neu erleben - Ozeane. BLV Buchverlag, München 2005, ISBN 3-405-16817-1, Der Pazifische Ozean, S. 32–33.
  8. Mortimer u. 10 Co-Autoren: Zealandia: Earth’s Hidden Continent. In: GSA Today. 2017, S. 5.
  9. The History of Zealandia. GNS Science, abgerufen am 25. Februar 2017 (englisch).
  10. Curio Bay/Porpoise Bay. Department of Conservation, abgerufen am 21. Januar 2016 (englisch).
  11. Campbell, Hutching: In Search of Ancient New Zealand. 2007, S. 183–184.
  12. Earth's newest continent 'Zealandia' was found thanks to a giant underwater land grab. In: Business Insider Australia. Allure Media, 24. Februar 2017, abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch).
  13. New survey published on NZ mineral deposits. In: Crown Minerals. Ministry of Economic development, 30. Mai 2007, archiviert vom Original am 16. Oktober 2008, abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch, Originalwebseite nicht mehr verfügbar).
  14. History of petroleum. In: Crown Minerals. Ministry of Economic development, 19. Januar 2017, abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch).
  15. History of minerals and coal. In: Crown Minerals. Ministry of Economic development, 19. Januar 2017, abgerufen am 28. Februar 2017 (englisch).
  16. Mortimer u. 10 Co-Autoren: Zealandia: Earth’s Hidden Continent. In: GSA Today. 2017, S. 2–3.
  17. Mortimer u. 10 Co-Autoren: Zealandia: Earth’s Hidden Continent. In: GSA Today. 2017, S. 3–5.