Infanterieschule der Reichswehr

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Die Infanterieschule der Reichswehr in München, später Dresden, war die Waffenschule für die Offizieranwärter der Infanterie-, Kraftfahr- und Pioniertruppe der Reichswehr.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund des Versailler Vertrags war in Deutschland nur noch die Ausbildung von Truppenoffizieren gestattet, jedoch keine Generalstabsausbildung mehr. Daher waren die Waffenschulen die höchsten Ausbildungseinrichtungen der Reichswehr. Da die Auswahl und Einstellung der Anwärter den Regimentskommandeuren oblag, konnte die bestehende Struktur eines Offizierskorps „aufrechterhalten“ werden, das die Weimarer Republik im Grunde ablehnte.

Gebäude der Infanterieschule der Reichswehr in München, Februar 1924

Die Infanterieschule wurde am 27. Mai 1920 im Gebäude der früheren Kriegsschule der Bayerischen Armee in der Blutenburgstraße 3 eröffnet und unterstand dem Inspekteur des Erziehungs- und Bildungswesens im Reichswehrministerium, der unmittelbar dem Chef der Heeresleitung zugeordnet war.

Beteiligung am Hitlerputsch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Großteil der ca. 350 Offiziere, Offizieranwärter und Mannschaften war mehr oder weniger in Ludendorffs und Hitlers Deutschem Kampfbund aktiv. Bereits Mitte Oktober 1923 empfahl der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, die vorübergehende Schließung der Schule, konnte sich aber gegen die Bedenken des Reichskanzlers Gustav Stresemann nicht durchsetzen.

Am 8. November 1923 gelang es den Putschisten, den Schulkommandeur festzunehmen, und 20 Offizieren sowie 80 Offiziersanwärtern, sich als sogenannte Sturmkolonne Ludendorff am Hitlerputsch zu beteiligen. Das Verhalten der Schule hatte später ein Nachspiel. Der Kommandeur und verschiedene Offizier mussten ihren Abschied nehmen, andere Offiziere wurde disziplinarisch bestraft. Von den Waffenschülern wurden zwei wegen Hochverrats vor Gericht gestellt.[1]

Nach der Beendigung des Putsches wurde die Infanterieschule zeitweilig auf den Truppenübungsplatz Ohrdruf verlegt. In einem Flügel des Schulgebäudes wurde 1924 der Hitler-Ludendorff-Prozess durchgeführt. 1926 erfolgte die endgültige Umsiedlung in die Dresdener Albertstadt, heute Offizierschule des Heeres. Die in München verbleibende Pionierschule wurde am 1. Oktober 1936 nach Berlin-Karlshorst verlegt.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[2]
Generalmajor Otto von Lossow 16. Mai 1920 bis 31. Dezember 1922
Generalmajor Friedrich Lindemann 1. Januar bis 30. April 1923
Generalmajor Hans Tieschowitz von Tieschowa 1. Mai 1923 bis 31. März 1924
Generalmajor Joachim von Amsberg 1. April 1924 bis 31. Januar 1927
Generalleutnant Alexander von Falkenhausen 1. Februar 1927 bis 31. Januar 1930
Oberst/Generalmajor/Generalleutnant Wilhelm List 1. Februar 1930 bis 30. September 1933
Oberst/Generalmajor Walter Schroth 1. Oktober 1933 bis 31. Dezember 1934
Oberstleutnant/Oberst Hans-Valentin Hube 1. Januar 1935 bis 18. Oktober 1939

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Militärgeschichtliches Forschungsamt durch Friedrich Forstmeier (Hrsg.): Deutsche Militärgeschichte in sechs Bänden. 1648–1939. Band 3. Abschnitt VI: Reichswehr und Republik 1918–1933. Pawlak, Herrsching 1983, ISBN 3-88199-112-3.
  • Harold J. Gordon: Hitlerputsch 1923. Machtkampf in Bayern 1923–1924. Bernard und Graefe, Frankfurt am Main 1971, ISBN 3-7637-5108-4.
  • Bruno Thoß: Der Ludendorff-Kreis 1919–1923. München als Zentrum der mitteleuropäischen Gegenrevolution zwischen Revolution und Hitler-Putsch (= Miscellanea Bavarica Monacensia 78 = Neue Schriftenreihe des Stadtarchivs München 98). Stadtarchiv, München 1978, ISBN 3-87913-087-6 (Zugleich: München, Univ., Diss., 1978).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kai Uwe Tapken: Die Reichswehr in Bayern von 1919 bis 1924. Verlag Dr. Kovač. Hamburg 2002. ISBN 3-8300-0646-2. S. 399.
  2. Dermot Bradley (Hrsg.), Günter Wegner: Stellenbesetzung der Deutschen Heere 1815-1939. Band 1: Die Höheren Kommandostellen 1815-1939. Biblio Verlag. Osnabrück 1990. ISBN 3-7648-1780-1. S. 775.

Koordinaten: 48° 8′ 49″ N, 11° 32′ 58,3″ O