Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst

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Deutsch-Russisches Museum
Berlin-Karlshorst
2013-06 Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst anagoria.JPG
Museumsgebäude im früheren Offizierskasino
Daten
Ort Berlin
Art Militärmuseum
Eröffnung 10. Mai 1995
Leitung Jörg Morré
Website www.museum-karlshorst.de
ISIL DE-MUS-817516

Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst ist ein den deutsch-sowjetischen und deutsch-russischen Beziehungen gewidmetes Museum in Berlin-Karlshorst. Der größte Teil der Dauerausstellung informiert über den völkerrechtswidrigen Deutsch-Sowjetischen Krieg 1941–1945, der in der Sowjetunion bzw. dem heutigen Russland als „Großer Vaterländischer Krieg“ bekannt ist.

In dem Gebäude wurde am 9. Mai 1945 kurz nach null Uhr die ratifizierende Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Da in der Sowjetunion die Kapitulation erst nach diesem Akt bekanntgegeben wurde und, auch durch die Zeitverschiebung (siehe Moskauer Zeit), das Inkrafttreten auf den 9. Mai fällt, wurden und werden in der Sowjetunion und dem heutigen Russland die Feierlichkeiten zum „Tag des Sieges“ erst an diesem Datum begangen, das dort gesetzlicher Feiertag ist.

Allgemein steht jedoch der 8. Mai 1945 als VE-Day (Victory in Europe Day) für das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Museumsgebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Relief im Museum

Das Museum befindet sich in dem in den 1930er-Jahren errichteten Offizierskasino der Heerespionierschule der Wehrmacht in der Zwieseler Straße.

Am 7. Mai 1945 unterzeichnete im Obersten Hauptquartier der Alliierten Expeditionsstreitkräfte in Reims der hierfür von Karl Dönitz autorisierte Generaloberst Alfred Jodl eine Urkunde über die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht. Diese trat am 8. Mai um 23:01 Uhr MEZ in Kraft.[1] Da diese militärische Kapitulation lediglich von Jodl, nicht aber von den Oberbefehlshabern der einzelnen Teilstreitkräfte der deutschen Wehrmacht unterzeichnet worden war, wurde vereinbart, ein zweites Dokument dieser Kapitulation von Vertretern des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) sowie den Oberbefehlshabern von Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine gegenzeichnen zu lassen.[2] Daraufhin wurde am 9. Mai 1945 kurz nach null Uhr in dem großen Speisesaal der Heerespionierschule Karlshorst die ratifizierende Kapitulationsurkunde unterzeichnet.[3]

Nachdem das Haus ab Mai 1945 zunächst der Chef der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Amtssitz nutzte, erhielt die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nach ihrer Gründung am 7. Oktober 1949 hier die staatliche Vollmacht.

In Zusammenarbeit mit der sowjetischen Regierung richtete die DDR später dort das Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg ein. Es wurde 1967 eröffnet und war eine Außenstelle des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau.

Die nach der Deutschen Wiedervereinigung (1990) in Folge des Zwei-plus-Vier-Vertrags (1991) getroffenen Vereinbarungen über den Abzug der sowjetischen Streitkräfte auf dem Gebiet der ehemaligen DDR einigten sich die Partner, an diesem historischen Ort gemeinsam an die Geschichte des Deutsch-Sowjetischen Krieges und das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft zu erinnern.

Nach einer Umgestaltung wurde im Mai 1995 das Deutsch-Russische Museum eröffnet.

Dauerausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. April 2013 wurde das Museum nach rund einem Jahr Schließung und einer grundlegenden Überarbeitung der Dauerausstellung wiedereröffnet.

Das Deutsch-Russische Museum Berlin-Karlshorst zieht jährlich ca. 40.000 Besucher an und vermittelt auf ca. 1000 m² eine Vorstellung von der Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen von 1917 bis 1990. Im Mittelpunkt steht dabei der von 1941 bis 1945 dauernde Deutsch-Sowjetische Krieg, insbesondere der Alltag von Soldaten und Zivilisten beider Seiten.

Zentraler Ort der Dauerausstellung ist der im alten Zustand verbliebene ehemalige Speisesaal des Offierskasinos, wo die Kapitulationsurkunde unterzeichnet wurde. Dort ist in einer Endlosschleife eine Filmaufnahme des damaligen Geschehens zu sehen. Neben den neuen, modern gestalteten Ausstellungsräumen sind auch Teile der alten Ausstellungen sowie Denkmäler aus sowjetischen Zeiten zu sehen. Auf dem Außengelände befinden sich ein Denkmal, in das ein auf einem Podest aufgestellter sowjetischer T34-Panzer integriert ist, sowie eine Sammlung von weiterem sowjetischen Militärgerät aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit.

Sonderausstellungen und andere Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Ausstellungsräumen

Das Museum Karlshorst zeigt pro Jahr zwei bis drei Sonderausstellungen. Hierfür steht seit Ende 1997 ein 100 m² großer Raum zur Verfügung. Schwerpunkte sind die Erinnerung an den Krieg sowie Themen der deutsch-sowjetischen/russischen Beziehungen, wie insbesondere Photos aus dem Krieg, aber auch künstlerische fotografische Auseinandersetzungen mit der Thematik. Hierfür können die Mitarbeiter des Museums auf eine umfangreiche Sammlung zurückgreifen.

Ein Teil der Sonderausstellungen wurde bereits in anderen deutschen sowie russischen und ukrainischen Städten gezeigt.

Zu jeder Sonderausstellung veröffentlicht das Museum einen meist auch im Buchhandel erhältlichen Katalog in deutscher und russischer Sprache. Daneben organisiert es wissenschaftliche Tagungen bzw. Konferenzen sowie Studienreisen.

Im Auftrag der Bundesregierung (Kabinett Merkel II) richtete das Museum 2011 den zentralen Gedenktag zum 70. Jahrestag des „Unternehmens Barbarossa“, dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 aus.[4] Neben einem Gedenkkonzert in der Berliner Philharmonie erinnerten an dieses historische Datum auch eine bis Ende 2012 andauernde Veranstaltungsreihe, eine Wanderausstellung in Deutschland, der Europäischen Union und Russland sowie eine internationale Tagung zu Krieg und deutscher Besatzungspolitik in der UdSSR.

Trägerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Deutsch-Russische Museum ist eine bisher einmalige binationale Einrichtung, die von der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation getragen wird. Dem 1994 gegründeten gemeinsamen Trägerverein gehören zu gleichen Teilen deutsche und russische Institutionen an. Der Vorsitz wechselt zwischen dem Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums und dem Direktor des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau. Ergänzt wird der Verein durch die Mitgliedschaft der Museen des Großen Vaterländischen Krieges in Minsk und Kiew. Mit seinen Ausstellungen und Veranstaltungen schafft das Museum Räume für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte, für Bildung und Begegnung sowie für die Verständigung zwischen Deutschen und Russen. Alljährlich findet zum 8. Mai, dem Tag des Endes des Krieges in Europa, ein Museumsfest statt.

Sammlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Wunden entfernte Granatsplitter und Projektile sowie Ausrüstungsgegenstände der sowjetischen Sanitätstruppe aus dem Bestand des militärmedizinischen Museums Sankt Petersburg vermitteln ein Bild von der menschlichen Tragödie des Krieges.

Die Sammlungen des Museums bestehen zum größten Teil aus Objekten des Zentralen Streitkräftemuseums in Moskau. Hinzu kommen Objekte und Leihgaben aus anderen deutschen und osteuropäischen Sammlungen, Schenkungen und Nachlässen. Die Sammlungstätigkeit des Museums umfasst die Bereiche Schriftgut, Plakate, Alltagskultur, Militaria mit einem Schwerpunkt auf Militärmedizin sowie Fotografien. Das wachsende Bildarchiv beinhaltet hauptsächlich Aufnahmen sowjetischer und deutscher professioneller und Amateurfotografen aus der Zeit des Krieges.

Das Museum verfügt über eine rund 3.000 Bände umfassende Spezialbibliothek zu den deutsch-sowjetischen Beziehungen mit dem Schwerpunkt Krieg an der Ostfront. Sie ist nach Absprache auch für auswärtige Nutzer für wissenschaftliche Zwecke nutzbar.

Bisherige Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ilja Ehrenburg und die Deutschen. (27.11.1997–18.1.1998)
  • Das mitfühlende Objektiv. Michail Sawin. Kriegsfotografie 1941–1945. (30.4.–31.5.1998)
  • Nach Berlin!Timofej Melnik. Kriegsfotografie 1941–1945. (22.10.–13.12.1998)
  • Mordfelder. Henning Langenheim. Orte der Vernichtung im Krieg gegen die Sowjetunion. (28.1.–18.4.1999 und 5.11.2004–30.1.2005)
  • Nikolai Bersarin, Generaloberst, Stadtkommandant (Berlin). (7.9.–21.11.1999, 8.5.–1.6.2003 und 1.4.–9.5.2004)
  • Heimatfront. Iwan Schagin. Kriegsfotografie 1941–1945. (10.12.1999–6.2.2000; 2005 in Schwerin)
  • Foto-Feldpost. Geknipste Kriegserlebnisse 1939–1945. (30.3.–16.7.2000)
  • Moskau-Berlin. Straßenbilder von Valerij Stignejew, Fotos 1996–1998. (26.12.2000–11.2.2001)
  • Dokument und Konstrukt. Arkadij Schaichet. Fotografie zwischen N.E.P. und Großem Vaterländischen Krieg. (29.3.–27.5.2001)
  • Juni 1941: Der tiefe Schnitt. (22.6.–20.9.2001; gleichzeitig auch in Moskau und Kiew eröffnet)
  • Moskau im Krieg. 1941–1945. (22.11.2001–17.2.2002)
  • Diesseits – jenseits der Front. Michail Trachmann. Kriegsfotografie 1941–1945. (16.4.–18.8.2002)
  • Mascha, Nina und Katjuscha. Frauen in der Roten Armee. (16.11.2002–23.2.2003; 2003 in Ravensbrück; 2004 in Nowosibirsk)
  • Beutestücke. Kriegsgefangene in der deutschen und sowjetischen Fotografie 1941–1945. (14.6.–12.12.2003)
  • Stalingrad erinnern. Stalingrad im deutschen und russischen Gedächtnis. (15.11.2003–21.3.2004; 2004 Moskau und Wolgograd)
  • Blockade Leningrads. 1941–1944. Dossiers. (15.5.–5.9.2004; 2005 in Hamburg)
  • Triumph und Trauma. Sowjetische und postsowjetische Erinnerungen an den Krieg 1941–1945. (4.5.–11.9.2005)
  • Kriegsspuren. Porträts deutscher und russischer Veteranen von Martin Hertrampf. (17.11.2005–19.2.2006)
  • Russland und Deutschland: Kapitel aus der diplomatischen Geschichte, 1955–2005. Fotoausstellung der Presseagentur Nowosti. (8.3.–18.4.2006)
  • Schussfeld. Die Schlacht um die Seelower Höhen 1945. Eine fotografische Spurensuche von Karl Böttcher. (8.5.–18.6.2006)
  • Um zu Überleben – Deutsche und sowjetische Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges. Eine Ausstellung des Memorialmuseums deutscher Antifaschisten in Krasnogorsk bei Moskau (Filiale des Zentralen Museums des Großen Vaterländischen Krieges). (8.9.–5.11.2006)
  • Kunst im Auftrag. Boris Ignatowitsch. Fotografien 1927–1946. (17.11.2006–11.2.2007)
  • Das Haus in Karlshorst. Geschichte am Ort der Kapitulation. (20.4.–8.7.2007)
  • Die Suche nach dem Panorama: Wünsdorf – Moskau – Berlin. Installation. (6.9.–4.11.2007)
  • Stalingrad. Eine Fotoausstellung der Nachrichtenagentur RIA Nowosti. (23.11.2007–14.2.2008)
  • Unsere Russen – Unsere Deutschen. Bilder vom Anderen 1800–2000. (Schloss Charlottenburg, 8.12.2007–2.3.2008; Moskau, Staatliches Historisches Museum, April–Juni 2008)
  • Juni 1941 – der tiefe Schnitt. 20 Biografien aus dem Krieg gegen die Sowjetunion, 17. Juni bis 14. August 2011
  • Krieg, Holocaust, Gedenken. Eine Ausstellung des Weißrussischen Staatlichen Museums des Großen Vaterländischen Krieges 1941–1945, Minsk, 22. September bis 17. November 2011.
  • Propagandafotograf im Zweiten Weltkrieg: Benno Wundshammer, 13. November 2014 – 15. Februar 2015.
  • Juni-Briefe. Ungelesene Feldpost aus Kamenez-Podolsk 1941, 30. Juni 2016 – 28. August 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Jahn: Konfrontation und Kooperation: Vom Kapitulationsmuseum der sowjetischen Streitkräfte zum Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst. In: Olga Kurilo (Hg.): Der Zweite Weltkrieg im Museum: Kontinuität und Wandel, Berlin 2007, S. 47–61. ISBN 978-3-930064-82-3.
  • Peter Jahn: Gemeinsam an den Schrecken erinnern. Das deutsch-russische Museum Berlin-Karlshorst. In: Hans-Martin Hinz (Hrsg.): Der Krieg und seine Museen. Für das Deutsche Historische Museum, Campus, Frankfurt am Main u. a. 1997, ISBN 3-593-35838-7, S. 11 ff.
  • Kristiane Janeke: Windows of opportunity. Gedanken zu den deutsch-russischen Kulturbeziehungen. In: Heidrun Hamersky, Heiko Pleines, Hans-Henning Schröder (Hg.): Eine andere Welt? Kultur und Politik in Osteuropa 1945 bis heute. Festschrift für Wolfgang Eichwede, Stuttgart 2007, S. 59–68. ISBN 978-3-89821-751-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsch-Russisches Museum Karlshorst – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 52° 29′ 10″ N, 13° 32′ 23″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Da im Deutschen Reich die Sommerzeit galt, war der Waffenstillstand tatsächlich am 9. Mai ab 0:01 Uhr, hierzu Kapitulationserklärung: Das Papier, das den Krieg beendete, Spiegel Online, Panorama, 8. Mai 2005.
  2. UNDERTAKING (Memento vom 26. September 2007 im Internet Archive) (Museum Karlshorst).
  3. Info zu Kriegsverlauf Kapitulation, Deutsches Historisches Museum (DHM); siehe weiterhin Die Kapitulation. Ausführliche Darstellung beim Online-Informationsangebot des Deutsch-Russischen Museums
  4. Presseinformation des Deutsch-Russischen-Museums (PDF; 235 kB), Berlin-Karlshorst, 16. März 2011.