Primitivo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Zinfandel)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Primitivo
Synonyme Crljenak Kaštelanski, Zinfandel – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
Primitivo
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe blauschwarz
Verwendung
Herkunft Kroatien
VIVC-Nr. 9703
Liste von Rebsorten

Primitivo (in USA Zinfandel, in Kroatien Crljenak Kaštelanski genannt) ist eine ursprünglich aus Kroatien stammende Rotweinsorte. Die Weine zeichnen sich durch ein charakteristisch würziges, an Zimt, Nelken, schwarzen Pfeffer und dunkle Waldfrüchte erinnerndes Aroma aus.

Abstammung und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rebstock des Zinfandel (Crljenak kaštelanski) in Kroatien

Um 1825 importierte der Rebschulenbetreiber George Gibbs aus Long Island die Sorte mit verschiedenen anderen aus Wien (Gumpoldskirchen) in die USA. Aus dieser Zeit stammt vermutlich der Name Zinfandel, da einige Autoren vermuten, dass bei den Sendungen aus Österreich die Bezeichnung des ‘Zierfandler’ irrtümlich einem Paket Crljenak kaštelanski zugeordnet wurde. Nach Morris L. West wurde Zinfandel von Oberst Agoston Haraszthy aus Ungarn herübergebracht. Bevor sie nach Kalifornien kam, wurde sie vorwiegend als Tafeltraube angebaut.

Bereits ab den 1960er Jahren war nach dem europäischen Ursprung des Zinfandel gesucht worden. Dem amerikanischen Pflanzenpathologen Austin Goheen fiel bei einer Italienreise der Primitivo auf und er brachte die Sorte mit nach Kalifornien, um sie mit Zinfandel zu vergleichen. Aufgrund seiner Untersuchungen, die jedoch auf sichtbare Kriterien beschränkt waren, vermutete er, dass die Sorten identisch seien, den endgültigen Beweis konnte er jedoch nicht erbringen. Dies gelang erst 1999 Carole Meredith, Professorin für Önologie an der Universität in Davis, die die Identität auch auf DNS-Ebene zweifelsfrei feststellen konnte.

Da Nachforschungen ergeben hatten, dass die Primitivo-Rebe auch in Apulien erst seit 150 bis 250 Jahren angebaut wurde und Zinfandel Mitte des 19. Jahrhunderts nach Kalifornien kam, blieb die Frage, wo der gemeinsame Ursprung beider Rebsorten zu finden sein könnte. Meredith und ihre Mitarbeiter waren schon in den 1990er Jahren Hinweisen gefolgt, nach denen ein Ursprung der Rebsorte in Kroatien liegen könnte. Sie brachten über hundert verschiedene Proben mit, um sie zu vergleichen, aber eine identische Sorte war nicht darunter. Die fanden sie erst Ende 2001 in der alten Sorte Crljenak kaštelanski.[1]

Der Crljenak stammt aus dem kroatisch-ungarischen Grenzgebiet. Die unempfindliche Rebsorte wurde wetterbedingt eher im sonnenreichen Dalmatien angebaut. Der Name entstammt dem kroatischen Dialekt des Međimurje und bedeutet übersetzt „der Rötliche“.[2]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zinfandel wird überwiegend in Kalifornien angebaut. Aus ihr können unterschiedliche Weine hergestellt werden: Rotwein, Rosé (Blush Zinfandel, zumeist mit Restsüße) oder ein heller Blanc de Noirs (White Zinfandel, wenn ohne Schalen vergoren). Zinfandel gehörte schon 1919 zu den fünf wichtigsten Rebsorten der USA und war sowohl als Tafeltraube wie auch als Hauswein während der Prohibition beliebt. Die Rebe hat so hohe Bedeutung erlangt, dass sie als Edelrebe bezeichnet wird. Mit einem Anstieg von 13.200 ha auf über 20.000 ha (in den Jahren 1990 bis 1998) wurde sie zeitweise die meistangebaute Rebsorte der USA. In neuerer Zeit wurde sie vom ‘Cabernet Sauvignon’ überholt, ist aber mit 11 % die zweitwichtigste Sorte im US-amerikanischen Anbau.[3] Die deutsche Aussprache des Sortennamens ist „Zinfandel“, die amerikanische differiert etwas.[4] Früher war Zinfandel in Deutschland nicht zum Anbau zugelassen; erst seit ein paar Jahren gibt es hier auch ein paar Rebflächen. Es gibt jedoch winzige Restbestände wohl aus der Zeit um 1800.

Die Rebsorte Primitivo ist mit Zinfandel identisch (Näheres dazu siehe im Abschnitt Abstammung und Geschichte), daher vermarkten italienische Primitivo-Winzer ihren Wein teilweise unter dem bekannteren Namen Zinfandel. Die bekannteste italienische Anbauzone für Primitivo ist Manduria in der Region Apulien, wo es die DOC-Zone Primitivo di Manduria gibt, allerdings werden auch einige vorzügliche Exemplare unter der IGT Primitivo di Puglia verkauft.

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist starkwollig behaart und an den Spitzen leicht rötlich gefärbt. Die gelblichen Jungblätter mit ihren orange- bis bronzefarbenen Flecken sind nur spinnwebig behaart und glänzend.
  • Die mittelgroßen bis großen Blätter sind meist fünflappig (in seltenen Fällen sieben- und gar neunlappig) und ausgeprägt tief gebuchtet. Die Stielbucht ist lyren-förmig offen. Das Blatt ist spitz gesägt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten eng gesetzt. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist nur leicht blasig. Im Herbst färben sich nur die Zahnspitzen der Blätter rötlich.
  • Die walzen- bis konusförmige Traube ist geschultert, mittelgroß, sehr schlank in der Form und sehr dichtbeerig. Die rundlichen Beeren sind mittelgroß bis groß und von blauschwarzer Farbe. Die Schale der Beere ist mäßig dick. Das Aroma der saftigen Beere ist neutral.

Reife: mittelfrüh – zirka 20 Tage nach denen des Gutedel. Schwierig ist sein Reifeverhalten. Oft finden sich unter reifen Trauben unreife grüne Beeren, so dass von Hand nachgelesen werden muss. In heißen Klimaten wie Kalifornien kann bei Erreichen der Vollreife nicht zugewartet werden, weil diese sehr rasch in Überreife umschlägt, die auch bei kleinen Anteilen in Kombination mit Edelfäule Qualitätsverluste verursacht.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sorte gedeiht gut auf Böden, die flachgründig sind. Anfällig ist die Rebsorte für Grauschimmelfäule (Botrytis cinerea), und sie neigt häufig zu starkem Verrieseln – die Folge sind ungleichmäßige Erträge.[5]

Synonyme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Synonyme (31): Cjutiitza, Crljenak Crni, Crljenak Kaštelanski, Crnii Krstacha, Gioia Del Colle, Grakosija, Gratosija, Kastelanac, Krakosija, Kratkochiva Noir, Kratkosica, Kratkosija, Kratkosija Crna, Kratosija, Kratosijo, Ljutiitza, Locale, Morellone, Plavac Veliki, Pribidrag, Primaticcio, Primativo, Primitivo Di Gioia, Primitivo Nero, Starinski Plavac, Trebidrag, Tribidrag, Uva Della Pergola, Uva Di Corato, Zin, Zinfandel.[6]

Abkömmlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus einer vermutlich natürlichen Kreuzung mit Dobričić von der Insel Šolta entstand Mali Plavac.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Primitivo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Primitivo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nancy Sweet: The Zinfandels of FPS (PDF; 1,4 MB), UC Davis FPS Grape Program Newsletter, November 2007. Geschichtlicher Abriss in englischer Sprache
  2. Nancy Sweet: [1]
  3. National Agricultural Statistics Service: Grape Acreage Reports; veröffentlicht durch USDA am 13. April 2007; [2]
  4. http://www.zinfandel-net.de/index.php/reb-men/videos-men
  5. Hans Ambrosi, Bernd H. E. Hill, Erika Maul, Ernst H. Rühl, Joachim Schmid, Fritz Schumann: Farbatlas Rebsorten, 3. Auflage, Eugen Ulmer, 2011, ISBN 978-3-8001-5957-4.
  6. Primitivo in der Datenbank Vitis International Variety Catalogue des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof (englisch), abgerufen am 12. November 2016