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Hiddensee

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Hiddensee
Satellitenbild von Hiddensee
Satellitenbild von Hiddensee
Gewässer Ostsee
Geographische Lage 54° 32′ N, 13° 5′ OKoordinaten: 54° 32′ N, 13° 5′ O
Hiddensee (Mecklenburg-Vorpommern)
Hiddensee
Länge 16,8 km
Breite 3,7 km
Fläche 19 km²
Höchste Erhebung Bakenberg
72,5 m
Hauptort Vitte

Hiddensee ist eine deutsche Insel in der Ostsee. Sie liegt unmittelbar westlich vor Rügen und gehört zum Landkreis Vorpommern-Rügen in Mecklenburg-Vorpommern. Die gesamte Insel gehört mit einigen angrenzenden Inseln zum Gebiet der Gemeinde Insel Hiddensee.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Inselname taucht als „Hedinsey“ in der Prosa-Edda auf und als „Hithinsö“ in den Gesta Danorum des Saxo Grammaticus. Beides bedeutet so viel wie „Insel des Hedin“ oder „Hedinsinsel“.[1] Der legendäre Norwegerkönig Hedin soll hier um eine Frau oder auch nur um Gold gekämpft haben. Unter dänischer Herrschaft war offiziell „Hedins-Oe“ gebräuchlich. Bis 1880 hieß die Insel auch in deutschen Karten noch „Hiddensjö“, 1929 in deutschen Reiseführern noch „Hiddensöe“. Die vollständige Eindeutschung und Umdeutung zu „Hiddensee“ ist also relativ jung.

Übersichtskarte von Hiddensee
Luftbild der Steilküste am Leuchtturm Dornbusch, Nordhaken der Insel Hiddensee

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Physische Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hiddensee, der Insel Rügen westlich vorgelagert, ist innerhalb des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft die größte Insel. Sie ist etwa 16,8 Kilometer lang, an der schmalsten Stelle etwa 250 Meter und an der breitesten etwa 3,7 Kilometer breit. Die Insel unterteilt sich in einen hügeligen, über 70 Meter hohen Nordteil (Dornbusch, höchster Punkt ist der Bakenberg mit 72,7 m ü. NHN[2]), eine Dünen- und Heidelandschaft im zentralen Abschnitt (Dünenheide) und einen flachen, nur wenige Meter hohen Südteil, den Gellen. Im Nordosten befinden sich die beiden drei Kilometer langen Sandhaken Altbessin und Neubessin. Begrenzt wird die Insel durch den Schaproder Bodden und Vitter Bodden im Osten, den Gellenstrom (die Fahrrinne nach Stralsund) im Süden und die offene Ostsee nach Westen und Norden.

Siedlungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grieben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grieben ist der nördlichste Ort auf der Insel. Sein Name (abgeleitet vom slawischen Wort für Pilz) deutet darauf hin, dass der Ort einer der beiden Siedlungen auf der Insel war, die bereits zu slawischer Zeit vor der Ankunft der deutschen Mönche im 13. Jahrhundert existierte. Zu Zeiten der Existenz des Klosters wurden für Grieben acht Katen genannt. Die Zahl der Häuser hat sich bis zur Neuzeit kaum verändert.[3]

Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entstand um das Ende des 13. Jahrhunderts gegründete Kloster Hiddensee. Ende des 19. Jahrhunderts bestand er nur aus Kirche, Gutshaus, Pfarr- und Schulhaus und zwei Arbeiterhäusern und wuchs erst danach zu seiner heutigen Größe.[4] Hier siedelten sich eine Reihe von Künstlern an, bekannt ist Kloster als Wohnort von Gerhart Hauptmann geworden, der auf dem dortigen Inselfriedhof begraben wurde.

Vitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vitte wurde erst 1513 urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich von einem Gattungsnamen ab, dem niederdeutschen Wort für eine Niederlassung von Heringsfischern. Vitte wurde bald der größte Ort der Insel und ist es bis heute.[3]

Glambeck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben Grieben war Glambeck eine der beiden zu slawischer Zeit existierenden Siedlungen der Insel, der Name leitet sich von tiefer Ort ab. Bereits vor 1700 wurde der Ort zur Wüstung. Heute erinnert ein Flurname für ein Landstück etwa einen Kilometer nördlich von Neuendorf an den Ort.[3]

Neuendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort entstand um das Jahr 1700, vermutlich als Ersatz für das aufgebene Dorf Glambeck. Hier hat sich der Charakter des alten Fischerdorfes am stärksten auf der Insel erhalten. Seine Bebauungsstruktur mit Häusern auf gemeinschaftlich genutztem Wiesengelände ohne angelegte Wege gilt als einmalig, der Ort steht als Ganzes unter Denkmalschutz.

Plogshagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plogshagen ist eine Gründung aus Zeiten der Kolonisation durch deutsche Siedler nach Klostergründung. Der Name leitet sich vermutlich vom Personennamen Plog ab.[3] Heute ist Plogshagen weitgehend mit Neuendorf zusammengewachsen.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landveränderungen von 1886 bis 2000

Die Insel Hiddensee ist geologisch gesehen eine sehr junge Landschaft und entstand während der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren. Diese hinterließ hier eine Jungmoränenlandschaft. Durch das abtauende Inlandeis hob sich das darunter liegende Land und die Senken wurden mit Wasser gefüllt, der Vorgänger der späteren Ostsee, der Ancylussee entstand. So blieben nur noch die herausragenden Höhenrücken wie der Dornbusch als Inseln bestehen. Die Großformen der Küsten im südlichen Bereich der Ostsee formten sich durch die Littorina-Transgression vor etwa 7000 bis 2500 Jahren. Vor zirka 5.000 Jahren erreichte der Meeresspiegel sein heutiges Niveau und der Dornbusch und zwei weitere Inselkerne wurden zu Inseln. Vor 4500 Jahren wurde der Salzwasserzustrom aus der Nordsee stark eingeschränkt. Die Ostsee süßt seitdem langsam aus. Durch die Küstenerosion (Landabtragung, Verdriftung und Ablagerung) erlangten die damaligen Inseln im Laufe der Zeit ihre heutige Gestalt. So wurden die ehemaligen drei Inselkerne durch Anschwemmungen miteinander verbunden. Dieser Prozess trägt im Norden am Dornbusch immer noch Sand ab. Im Jahr 2000 brachen an der Nordspitze Hiddensees im Bereich des „Toten Kerls“ zweimal 60.000 m³ Geschiebemergel ab und rutschten ins Meer. Im Durchschnitt verliert die Kliffkante des Dornbusch etwa 30 cm jährlich. Mitte März 2004 rutschten nochmals rund 10.000 m³ ins Meer. Geologisch gesehen ist Hiddensee ein sich in stetem Wandel befindendes Gebiet. Die an der Nordspitze abgetragenen Landmassen werden an der Südspitze und an der Ostseite zum Schaproder Bodden hin wieder angespült. So entstanden an der Südspitze der Insel der Gellen und an der östlichen Seite der Nordspitze die beiden geologisch sehr jungen Sandhaken (Landzungen) Altbessin und Neubessin. Altbessin begann sich vor etwa 300 bis 400 Jahren herauszubilden und war schon Mitte des 19. Jahrhunderts über drei Kilometer lang. Seit damals ist er kaum noch gewachsen. Dagegen wächst der um 1900 entstandene benachbarte Neubessin jährlich um 30 bis 60 Meter und erreicht auch schon eine Länge von drei Kilometern. Inzwischen ist ein dritter Bessin im Entstehen. Auch die Südspitze wächst als sogenanntes Windwatt weiter in den Bodden.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klimadiagramm von Kap Arkona

Auf Hiddensee herrscht makroklimatisch Ostseeküstenklima mit häufigem Wechsel zwischen maritimen und kontinentalen Einflüssen. Charakteristisch sind dabei häufige, lebhafte und wechselnde Winde und eine lange Sonnenscheindauer. Diese beträgt im Durchschnitt 1850 Stunden pro Jahr. Damit nimmt Hiddensee eine Spitzenstellung in Deutschland ein. Eine Besonderheit ist bei schwachen, ablandigen Windverhältnissen die so genannte transperiodische Windzirkulation, die durch die unterschiedlichen Temperaturen über dem Meer und dem Land entsteht. Dabei setzt ein Seewind am späten Vormittag ein, der am Nachmittag oder Abend wieder nachlässt.

Die langjährige Jahresmitteltemperatur liegt auf der Insel bei 8 °C. Die mittlere Windgeschwindigkeit im Ort Kloster beträgt 7 m/s. Im Vergleich zur nahe gelegenen Insel Rügen ist die jährliche Niederschlagsmenge auf Hiddensee deutlich geringer und liegt bei 540 Millimeter.

Im Jahr 2008 war, wie der Wetterdienst Meteomedia mitteilte, Hiddensee-Dornbusch mit 2168 Sonnenstunden der sonnenreichste Ort in Deutschland.[5] Die Daten wurden durch eine Meteomediaeigene Wetterstation (54° 36′ 0″ N, 13° 7′ 12″ O; 69 m ü. NN) gesammelt.

Flora und Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hiddensee ist die größte Insel des Nationalparkes Vorpommersche Boddenlandschaft und vereinigt eine alte Kulturlandschaft mit den Hutungen der ursprünglich vorhandenen Dünenheide. Die großen Neulandbildungen im Nordosten (Alter und Neuer Bessin) und Süden (am Gellen) Hiddensees bieten Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere, wie Würmer und Muscheln. Diese dienen dann vielen Zugvögeln als Nahrung. So ist die Inselumgebung einer der bedeutendsten Kranichrastplätze Deutschlands. Die Südspitze der Insel sowie der Neue Bessin wurden deshalb der Schutzzone I des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft zugeordnet und dürfen nicht betreten werden. Auf der Insel gibt es zwei Naturschutzgebiete, das NSG Dünenheide zwischen Neuendorf und Vitte und das NSG Dornbusch und Schwedenhagener Ufer im Norden.

Die Naturschutzgesellschaft Hiddensee und Boddenlandschaft unterhält in Vitte im Nationalparkhaus eine ständige Ausstellung zur Fauna und Flora.

Seit 1936 arbeitet die Vogelwarte Hiddensee auf der Insel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Steinzeit bis zum Ende des 17. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Besiedlungen der Insel erfolgten in der mittleren und jüngeren Steinzeit. Nachdem im 6. Jahrhundert n. Chr. die germanische Bevölkerung den südlichen Ostseeraum verlassen hatte, nahmen die Ranen (Slawen), die 1168 von König Waldemar I. von Dänemark durch die Eroberung der Festung Jaromarsburg am Arkona auf Rügen besiegt, christianisiert und unter dänische Lehnsabhängigkeit gebracht worden waren, Besitz von der Insel. Hiddensee stand damit unter dänischer Hoheit. Am 13. April 1296 schenkte der Rügenfürst Wizlaw II. die Insel Hiddensee „so wie sie vom Salzmeere umflossen“ dem Kloster Neuenkamp. Hier entstand eine Zisterzienserabtei namens Nikolaikamp, benannt nach dem Heiligen Nikolaus als dem Schutzpatron der Seefahrer. Tatsächlich hieß das Kloster während der gesamten Zeit des Bestehens Kloster Hiddensee.[6] Im Herbst 2008 entdeckten Archäologen bei Grabungen unter der Leitung des Mittelalterarchäologen Felix Biermann auf dem Gelände des ehemaligen Zisterzienserklosters zehn Bestattungen. Neun Gräber fanden sich nördlich der Klosterkirche und eines im Kreuzgang östlich des Westflügels der Klausur. Bettina Jungklaus untersuchte die Skelette der sieben männlichen und zwei weiblichen Erwachsene sowie eines jungen Mädchens anthropologisch. Ein 20- bis 30-jähriger Mann wies eine verheilte Hiebverletzung am rechten Stirnbein auf. Es gab eine gemeinsame Bestattung eines 50–60 Jahre alten Mannes mit einem 14–15-jährigen Mädchen, bei der der Mann mit seiner rechten Hand den linken Arm der Jugendlichen umfasst hielt. Die Krankheitsbelastung war auffallend niedrig. Am häufigsten konnte Zahnstein und Parodontose festgestellt werden. Karies fand sich nur an einem Gebiss, was für mittelalterliche Bevölkerungen ungewöhnlich wenig war.[7][8]

Zeitgleich mit dem Aufbau des Klosters wurden in den Jahren 1302 bis 1306 auf dem Gellen im Süden der Insel die Gellenkirche, ein kleines Leuchtfeuer, Luchte genannt, sowie der erste Hafen gebaut. Die Fundamente dieser Bauwerke befinden sich (heute) westlich des Gellens in der Ostsee.

Im Jahr 1332 erfolgte die Kirchweihe der Inselkirche, bestimmt für die Bauern und Fischer der Insel, im heutigen Ortsteil Kloster außerhalb der Klostermauern. Mit der Überführung des Taufsteines aus der Gellenkirche in die neue Kirche wurden seitdem seelsorgerische Aufgaben von dort ausgeführt. Das um 1781 eingebaute Tonnengewölbe erhielt 1922 durch den Berliner Maler Nikolaus Niemeier eine Ausmalung mit Rosendekor.

Kreuz des Hiddenseer Goldschmucks in Stralsund

Im Verlauf der Reformation wurde das Kloster 1536 aufgelöst. Während des Dreißigjährigen Krieges von 1618 bis 1648 brannten Soldaten auf Anordnung von Wallenstein im Jahr 1628 den Eichenmischwald auf dem Dornbusch nieder, der damit den Dänen die Insel als Möglichkeit zur Nutzholzgewinnung entziehen wollte. Auch noch im 21. Jahrhundert ist an den Wegrändern in der Nähe des Leuchtturms wenige Zentimeter unter der Grasnarbe die Ascheschicht von damals zu erkennen. In den Jahren von 1648 bis 1815 befand sich Hiddensee wie das gesamte Vorpommern unter schwedischer Verwaltung. Von 1754 bis 1780 war Joachim Ulrich Giese Eigentümer der Insel und begann mit dem Abbau von Ton für die von ihm gegründete Stralsunder Fayencenmanufaktur.

Vom 19. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt Special Charte Insel Rügen (1829)

Ab 1815 gehörte Hiddensee mit Vorpommern bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu Preußen und war dem Landkreis Rügen (bis 1939 Kreis Rügen) zugeordnet. Im Jahr 1835 erwarb das Stralsunder Kloster zum Heiligen Geist die Insel, und 1837 bzw. 1840 wurden in Plogshagen und Kloster die ersten Schulen auf der Insel gebaut. In den Jahren zwischen 1854 und 1864 kam es im Rahmen der Ablösung der Reallasten (Bauernbefreiung) auch auf Hiddensee zu einer Neuordnung der Grundstücksverhältnisse. Während dieser Zeit, ab 1861, wurde mit der Wiederaufforstung des Dornbuschs begonnen.

In den Jahren 1864 und 1872 wurde die Insel von schweren Sturmhochwassern heimgesucht. Beim Ersteren zerbrach Hiddensee durch eine vollständige Überflutung des Mittelteils in zwei Teile, was nur durch umfangreiche Aufbaumaßnahmen wieder rückgängig gemacht werden konnte. Nach dem zweiten Sturmhochwasser soll der Hiddenseer Goldschmuck, eine Wikingerarbeit aus dem 10. Jahrhundert, gefunden worden sein. Eine Replik davon kann man heute im „Heimatmuseum Hiddensee“ besichtigen, das Original wird im Kulturhistorischen Museum Stralsund verwahrt.[9]

Hiddensee;
Aquarell auf Papier von Ernst Thoms, 1937

Im Jahr 1874 wurde im Deutschen Reich der Amtsbezirk Hiddensee gebildet. 1875 „entdeckte“ der Maler Gustav Schönleber das schwer zugängliche Hiddensee. 1888 wurden in Kloster der Leuchtturm auf dem Dornbusch, der Hafen sowie die Seenotrettungsstation fertiggestellt. Ab 1892 verkehrten erstmals regelmäßig Dampfer zwischen Stralsund und Kloster. Ab 1905, mit Gründung des Arztzweckverbandes, erhielt der erste Arzt auf Hiddensee seine Zulassung. 1927 wurde die Insel an das Stromnetz angeschlossen. Drei Jahre später wurde die Biologische Forschungsstation gegründet, aus der 1936 zusammen mit einer Vogelwarte die Biologische Forschungsanstalt Hiddensee entstand. Zwischen 1937 und 1939 schlossen sich die drei Gemeinden auf der Insel zur Gemeinde Hiddensee zusammen.

1945 bis zur Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 4. und 5. Mai im Jahr 1945 besetzten sowjetische Truppen die Insel. Im selben wie im folgenden Jahr wurde im Rahmen der Bodenreform der Gutshof Hiddensee in 18 Neubauernstellen aufgeteilt. Die zweite Fährverbindung zwischen Seehof auf Rügen und der Fährinsel musste 1952 eingestellt werden.

Die Insel gehörte verwaltungsmäßig von 1952 bis 1955 zum Kreis Bergen. Im Jahr 1953 flüchteten während der Aktion Rose einige Hoteliers in den Westen, andere wurden verhaftet. Nach dieser Aktion wurden alle Hotels auf der Insel enteignet und dem FDGB übergeben. In den fünfziger Jahren eröffneten das Heimatmuseum und das Gerhart-Hauptmann-Haus; die LPG Dornbusch wurde gegründet.

1962 begann der Deichbau zwischen Kloster und Vitte. Mit der Eindeichung der Wiesen und Weiden entlang der Boddenküste begann die größte Umgestaltung von Hiddensee. In Vitte ging das Boddenwasser zuvor bis an die Straßen Wiesenweg, Norderende und Zum Seglerhafen. Weite Teile des heutigen Hafens von Vitte sowie das ganze Gebiet mit dem heutigen Sportplatz, dem Helikopterlandeplatz und dem Seglerhafen Lange Ort wurden künstlich aufgespült bzw. trockengelegt. Auch in Kloster wurden Teile des Boddens trockengelegt, der vor dem Deichbau sich noch vom Hafen aus bis weit hinter Höhe Postweg erstreckte.[10]

Die Weiße Flotte Stralsund übernahm die Genossenschaftsreederei und die Fischer gründeten die FPG'n De Süder in Neuendorf und Swantevit in Vitte.

Erdölbohrturm im Mai 1967 nördlich von Grieben

Am 10. April 1967 begann im Ergebnis seeseismischer Untersuchungen im Norden der Insel Hiddensee mit der Forschungsbohrung „E Rügen 2/67“ die Erdölerkundung. Diese 4.602 m tiefe Bohrung erbrachte ebenso wie die bis Dezember 1968 folgenden Bohrungen „E Hiddensee 3/67, 4/68 und 5/68“ kein verwertbares Erdölvorkommen. Die bereits vorbereitete 5. Bohrung wurde abgesagt, alle Bohrungen wurden im Sommer 1971 verfüllt.[11] Das bis dahin geförderte Erdöl wurde mit Tankschiffen von einem provisorischen Hafen nahe Kloster in die Sowjetunion zur Untersuchung und Aufbereitung verschifft. Nach der Wende wurde der Ölhafen zum Seglerhafen umgebaut.

Am 7. Mai 1989 gab es bei der DDR-Kommunalwahl auf Hiddensee 4,7 Prozent Gegenstimmen. Hiddensee galt als Nische für Andersdenkende und Aussteiger, die im Sommer oft in Hotels, Restaurants oder als Rettungsschwimmer arbeiteten. Auf der kleinen Insel waren sie gut zu kontrollieren, und trotz teilweise offener Stasi-Beobachtung wurden manche Vorfälle und Treffen hingenommen. Auf Hiddensee herrschte ein intellektuelles Klima, und Künstler, Schriftsteller, Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler zogen sich hierhin zurück, wie Jo Harbort, Christine Harbort, Günter Kunert, Kurt Böwe, Harry Kupfer, Inge Keller, Günther Fischer, Armin Mueller-Stahl, Christoph Hein, Robert Rompe oder Mitglieder der Punkband Feeling B.[12] Hiddensee als „Sehnsuchtsort der Freiheit“ im Jahr 1989 ist Schauplatz des historisch genauen, gleichzeitig fantastischen Romans Kruso von Lutz Seiler. In einem Epilog erzählt der Autor von seiner späteren Recherche bei dänischen Behörden nach DDR-Flüchtlingen von Hiddensee aus, von denen seit 1961 174 umkamen. Er findet die Identität eines von 15 anonymen Todesopfern heraus.[13]

1989 bis heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1992 wurden die Forschungseinrichtungen „Versuchsstelle Schwedenhagen“ des Berliner Zentralinstitutes für Elektronenphysik und die „Versuchsstelle Fährinsel“ des Jenaer Zentralinstitutes für Mikrobiologie und experimentelle Therapie aufgegeben.

Sturmhochwasser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer wieder wurde Hiddensee von Sturmhochwassern heimgesucht. So soll die Insel im Jahr 1304 durch die Allerheiligenflut von der Insel Rügen getrennt worden sein. Dies ist aber umstritten. In den Jahren 1864 und 1865 wurde Hiddensee dreimal von Sturmhochwassern zwischen Hohen Dünschen Garn und Peterbergschen Garn, einer sehr flachen und dünnen Stelle, durchbrochen. Vom 12. zum 13. November 1872 wurde Hiddensee bei Plogshagen erneut überflutet. Noch immer droht die Teilung der Insel in einen Süd- und einen Nordteil, welche nur durch umfangreiche Küstenschutzmaßnahmen bisher verhindert werden konnte.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewohner der Insel leben hauptsächlich vom Tourismus. Der Großteil der Besucher sind Tagestouristen, jährlich hat Hiddensee etwa 50 000 Besucher.[14] Schon vor 1990 war Hiddensee ein beliebter Urlaubsort, in den 1970er Jahren befanden sich in der Hauptsaison täglich bis zu 4000 Urlauber und 3000 Tagesausflügler auf der Insel.[15] Aufgrund der angestrebten Naturbelassenheit wurde der Tourismussektor kaum weiter ausgebaut, an den Besucherzahlen hat sich seither kaum etwas geändert [16].

Ein erheblicher Teil der Fläche Hiddensees wird für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Insel wird seit 1788 unterrichtet. Am Anfang übernahm dies der Küster. Die erste Schule in Vitte wurde am 2. November 1887 gegründet. 1990 wurde die Vitter Schule zu einer Realschule. Zurzeit werden rund 50 Schüler in der ersten bis zehnten Klasse unterrichtet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personentransport mit einer Pferdekutsche

Der private Kfz-Verkehr ist auf der gesamten Insel verboten. Für öffentliche Aufgaben und landwirtschaftliche Nutzung sind nur wenige Kraftfahrzeuge zugelassen. Dadurch ist die Insel nahezu autofrei. Ein Teil der zugelassenen Fahrzeuge ist mit Elektroantrieb ausgestattet. Der Großteil des Personenverkehrs sowie ein Teil des Warenverkehrs werden mit Pferdefuhrwerken durchgeführt. Zwischen den Ortsteilen Grieben, Kloster, Vitte und Neuendorf verkehrt ein Linienbus der Rügener Personennahverkehrs GmbH (RPNV). Zu erreichen ist die Insel von Stralsund sowie von Schaprode auf Rügen mit Personenfähren der „Reederei Hiddensee“, die in Kloster, Vitte und Neuendorf anlegen. In der Sommersaison bestehen weitere Verbindungen mit Ralswiek, Breege, Wiek und Zingst. Außerdem gibt es noch Wassertaxiverbindungen mit dem Festland und der Insel Rügen.

Sehenswürdigkeiten und Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuchtturm auf dem Dornbusch

Leuchtturm Dornbusch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden der Insel, auf dem Schluckswiek im so genannten Hochland von Hiddensee, steht das Wahrzeichen der Insel, der Hiddenseer Leuchtturm. 102 Stufen führen in den seit 1994 für Besucher offenen Turm. Damit es dort oben nicht zu eng wird, können jedoch nur 15 Besucher gleichzeitig den Turm besteigen. Ab Windstärke 6 bleibt der Turm aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Das Gerhart-Hauptmann-Haus

Gerhart-Hauptmann-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ehemaligen Landhaus Modler und späterem Haus Seedorn war der Schriftsteller Gerhart Hauptmann bereits 1926 Sommergast. Vier Jahre später kaufte er es von der Gemeinde und fügte einen Anbau hinzu. Von 1930 bis 1943 verbrachte er hier mit seiner Frau die Sommermonate. Im Jahr 1956 wurde daraus das Gerhart-Hauptmann-Museum, welches auch Lesungen und Konzerte veranstaltet. Der 2012 in auffällig moderner Form auf dem Grundstück errichtete Literaturpavillon dient als Eingang und beherbergt Kasse, Museumsshop (Buchhandlung) und eine Dauerausstellung Literaturlandschaft Hiddensee.

Inselkirche Hiddensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inselkirche Hiddensee wurde 1332 vor dem Kloster errichtet, von dem heute nichts erhalten ist (das sogenannte Klostertor wurde erst nach Aufgabe des Klosters erbaut). Sie diente jahrhundertelang als Pfarrkirche für die Bewohner der Insel. 1781 wurde sie im barocken Stil umgebaut – aus dieser Zeit stammen der Kanzelaltar, Beichtstuhl, Taufengel und das Taufbecken. Das ausgemalte Tonnengewölbe, der sogenannte Hiddenseer Rosenhimmel, ist dagegen erst von 1922. Heute ist die Inselkirche Sitz der evangelischen Kirchengemeinde Hiddensee.

Lietzenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lietzenburg ist eine unter Denkmalschutz stehende Jugendstilvilla, die der Maler Oskar Kruse in den Jahren 1904/1905 errichten ließ. Sie ist ein Backsteinbau mit Natursteinfundament auf einem Hügel in der Nähe des Dornbuschs. Sie dient seit vielen Jahren als Pension für Künstler.

Heimatmuseum Hiddensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Heimatmuseum Hiddensee ist ein schlichter Putzbau in Kloster. Es bietet eine Dauerausstellung zur Inselgeschichte mit etwa 450 Ausstellungsgegenständen, einer kompletten Kopie des auf der Insel gefundenen Hiddensee-Schmucks, Akten, etwa 2.500 Fotografien, Postkarten und Dias sowie eine umfangreiche Bibliothek. Einige Werke bekannter Vertreter der Künstlerkolonie Hiddensee befinden sich ebenfalls im Bestand des Museums. Das Gebäude selbst stammt aus dem Jahr 1890 und war eine Seenotrettungsstation.

Doktorandenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur wenige Schritte vom Gerhart-Hauptmann-Museum entfernt, im Biologenweg 5, steht das 1924 von Max Taut für den Berliner Verlagsdirektor Max Gehlen errichtete Doktorandenhaus. Im Jahr 1930 kaufte die Insel-Verwaltung das Gebäude als Sommerhaus für die Biologische Station Hiddensee. Seit um 1990 dient es als Seminar- und Unterkunftsgebäude der Universität Greifswald.

Vitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationalparkhaus Hiddensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Nationalparkhaus wurde 1998 eröffnet. Das Haus im Norden von Vitte ist ein reetgedecktes Gebäude mit trapezförmigem Grundriss. Es beinhaltet eine Dauerausstellung über den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft mit dem Schwerpunkt Hiddensee. Die Ausstellung steht unter dem Leitspruch „Panta Rhei – Alles fließt“.

Asta-Nielsen-Haus und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Asta Nielsens Haus "Karusel"

Das runde Gebäude, nach dem dänischen Wort für Karussell auch Karusel genannt, entstand 1923 nach Plänen von Max Taut für die Familie Müller. Im Jahr 1928 kaufte es die Tochter der Stummfilmschauspielerin Asta Nielsen und verbrachte zusammen mit ihrer Mutter und deren Mann bis in die 1930er Jahre die Sommermonate dort. Häufige Besucher waren Joachim Ringelnatz mit Frau, Heinrich George und Gerhart Hauptmann. 1975 stellte die Gemeindeverwaltung den Bau unter Denkmalschutz; 1989 verkauften die Nielsen-Erben das Haus an die Gemeinde. 2015 eröffnete eine Dauerausstellung über Asta Nielsen. Das Haus lag bis in die 1960er Jahre direkt am Bodden (siehe Geschichte 1945 bis 1989). Gleich neben dem Asta-Nielsen-Haus steht ein weiteres Gebäude von Max Taut, das 1924 für den kaufmännischen Direktor Karl Weidermann errichtet wurde.

Die Blaue Scheune

Blaue Scheune[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blaue Scheune ist in ihrer ursprünglichen Anlage ein niederdeutsches Fachhallenhaus aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Seit den 1970er Jahren beherbergt es die Galerie des Besitzers Günter Fink. Dieser stellte hier seine Malereien mit Inselmotiven aus und verkaufte sie auch.

Henni-Lehmann-Haus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landhaus Lehmann wurde von 1907 bis 1937 als Sommersitz der Familie Henni Lehmann genutzt. Entworfen wurde der Bau durch den Schweriner Architekten Paul Ehmig. Nach einem Umbau diente das Gebäude zwischen 1938 und 1991 als Rathaus von Vitte. Seit 5. Juni 2000 heißt das Haus offiziell Henni-Lehmann-Haus und wird für Veranstaltungen und Ausstellungen sowie die örtliche Bibliothek genutzt.

Hexenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1755 als Fischerkate gebaut, gilt es als ältestes Haus von Vitte. Seit 1915 lebte im Haus die Malerin Elisabeth Büttner, ab 1930 war es der Sommersitz der Familie Pallat bzw. des 1944 ermordeten Widerstandskämpfers Adolf Reichwein und ist bis heute im Besitz der Familie. 1981 wurde das Haus in Süderende 105 unter Denkmalschutz gestellt. Vor dem Haus liegt ein Erinnerungs-Stolperstein. Das Gebäude kann von innen nicht besichtigt werden.

Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sechs Stolpersteine in Vitte erinnern an Henni Lehmann und vier weitere Malerinnen jüdischer Herkunft sowie an den Pädagogen und Politiker Adolf Reichwein, die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft wurden.

Neuendorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuchtfeuer Gellen-Hiddensee

Leuchtfeuer Gellen [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 12,30 m hohe Bauwerk (Feuerhöhe 10 m), ein Leit- und Quermarkenfeuer, befindet sich südlich von Neuendorf an der nördlichen Grenze des Gellen. Es hat die Leuchtturmnummer C2586 und die Koordinaten 54° 30′ 29″ N, 13° 4′ 28″ O. Das Leuchtfeuer trägt die amtlichen Bezeichnung „Leuchtfeuer Gellen/Hiddensee“. Der weiße Stahlturm mit roter Galerie und kegelförmigen Dach steht auf einem Natursteinsockel. Er wurde 1904 von der Firma Julius Pintsch (Berlin) aus Gusssegmenten (Tübbings) gebaut und ist seit 1905 im Probe-, seit 1907 im Dauerbetrieb. Aus derselben Produktionsstätte (Zweigwerk Fürstenwalde/Spree) stammen u. a. die in gleicher Bauweise ausgeführten Leuchtfeuer Ranzow und Kolliker Ort (Insel Rügen) sowie der Leuchtturm Norddorf (Amrum). Das Leuchtfeuer Gellen/Hiddensee markiert die nördliche Einfahrt zum Gellenstrom, im Westen die Fahrrinne des Gellenstroms und leitet im Osten durch den Schaproder Bodden. Der Leuchtturm war auf einem 5 Millionen Mark Notgeldschein von 1923 des Kreises Rügen abgebildet. In der Briefmarken-Sonderserie der DDR „Leucht-, Leit- und Molenfeuer“ aus dem Jahr 1975 zierte das Leuchtfeuer Gellen als Motiv die 10-Pfennig-Briefmarke.

Gemeindehaus Uns Tauflucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damit auch in Neuendorf Gottesdienste gefeiert werden konnten, entstand Ende des 20. Jahrhunderts das Gemeindehaus Uns Tauflucht (Unsere Zuflucht). Neben ökumenischen Gottesdiensten wird es auch für Gemeindeveranstaltungen wie Vorträge und Konzerte genutzt.

Fischereimuseum Lütt Partie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischereimuseum in Neuendorf (Hiddensee)

In den Jahren 2006/2007 wurde ein aus Ziegeln gebauter ehemaliger Netz- und Geräteschuppen aus dem Jahr 1885 zum Fischereimuseum Lütt Partie (Kleine Einheit) umgebaut. Der Name ist noch aus Zeiten, als er noch in seiner damaligen Bestimmung war. Es gab damals einen großen und einen kleinen Netz- bzw. Geräteschuppen, der eine hieß im Volksmund Grod Partie, der kleinere Lütt Partie. Seit 2007 präsentieren und erklären Fischer der Insel dort Fischereigeräte und erzählen zur Fischereigeschichte und Geschichten aus dem Arbeitsalltag von früher und heute. Träger des Museums ist der Verein „Fischereipartie Neuendorf e. V.“, der sich allein aus Spenden finanziert.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel Hiddensee genoss ab Anfang des 20. Jahrhunderts den Ruf einer Künstlerkolonie. Künstler aller Art verbrachten hier die Sommermonate und hielten ihre Eindrücke in ihrer Arbeit fest. In der Blauen Scheune in Vitte, dem Sommersitz von Henni Lehmann, traf sich von 1922 bis 1933 der Hiddensoer Künstlerinnenbund. Auch in der DDR-Zeit hielten sich zahlreiche Künstler regelmäßig auf Hiddensee auf und reflektierten den Alltag und die einmalige Landschaft in ihren Gemälden, Blättern und Büchern. Des Weiteren gibt es ein Zeltkino und die Seebühne (Figurentheater) in Vitte sowie die Galerien Am Seglerhafen in Vitte und Am Torbogen in Kloster.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel Hiddensee heißt bei den Einheimischen auch „Sötes Länneken“, süßes Ländchen.

Weil in der Weimarer Zeit viele Mitglieder der Berliner Bohème ihre Sommerfrische auf Hiddensee verbrachten, nannte man die Insel in der Hauptstadt auch das Romanische Café unter den Ostseeinseln.[17]

1974 veröffentlichte Nina Hagen den Hit Du hast den Farbfilm vergessen, in dem es heißt: „Hoch stand der Sanddorn am Strand von Hiddensee …“. Auch das Folk-Duo De Plattfööt besingt „Hiddensee, Land zwischen Luv un Lee“.

Panoramablick auf Leuchtturm und Alt- und Neubessin

Ein Flugkörperschnellboot der Bundesmarine trug von 1990 bis zu seiner Außerdienststellung 1996 den Namen Hiddensee.

Das Seenotrettungsboot Nausikaa der DGzRS ist in Vitte stationiert.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Insel wächst Sanddorn in großen Mengen. Seine Früchte werden zu alkoholischen (Sanddornlikör und Sanddorngeist) und alkoholfreien Getränken (kalter und heißer Sanddornsaft), vitaminhaltigen Speisen (Sanddorntorte und -eis) sowie Kosmetika u. a. verarbeitet. Daneben dominiert bei den heimischen Produkten Fisch, vor allem frisch gefangen und geräuchert. Eine Besonderheit ist der Hiddenseer Schmoraal, für den jede alteingesessene Hiddenseer Familie und jedes Restaurant ein eigenes Rezept hat. Inzwischen hat auch der Boddenzander seine kulinarische Qualität bewiesen. Wenig bekannt, dafür umso mehr wegen seiner grünen Gräten bestaunt, ist der Hornhecht, der auf manchen Speisekarten zu finden ist.

Hausmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hausmarken auf einem Wegweiser in Neuendorf

An vielen Häusern auf Hiddensee sind heute noch ihre traditionellen Hausmarken angebracht.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Insel war Handlungs- oder Drehort zahlreicher Filme:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2014 erschienene Roman Kruso von Lutz Seiler spielt auf der Insel Hiddensee im Milieu der Saisonarbeiter und gesellschaftlichen Aussteiger zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR 1989.

  • Herbert Ewe: Hiddensee. VEB Hinstorff Verlag, Rostock 1983.
  • Karl Ebbinghaus: Hiddensee Historie * Heimat * Humor. Ruth Gerig, Königstein/Taunus 1991, ISBN 3-928275-02-X.
  • Michael Baade, Wolf-Dietmar Stock: Hiddensee. Insel der Fischer, Maler und Poeten. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 1992, ISBN 3-88132-248-5.
  • Karin Blase: Hiddensee A–Z. Demmler Verlag, Schwerin 2000, ISBN 3-910150-16-0.
  • Günter Möbus: Wie Hiddensee zur Insel wurde. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2001, ISBN 3-931185-87-7.
  • Marion Magas (Hrsg.): Versteckte Insel im verschwundenen Land. Mit Texten von G. Kunert, V. Braun und anderen, Eigenverlag, 2001, ISBN 3-00-018132-6.
  • Unda Hörner: Auf nach Hiddensee! Die Bohème macht Urlaub. Edition Ebersbach, Berlin 2003. ISBN 978-3-934703-60-5.
  • Ruth Negendanck: Hiddensee. Die besondere Insel für Künstler. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2005, ISBN 3-88132-288-4.
  • Lutz Mohr: Hiddensee – Das „Capri“ Mecklenburg-Vorpommerns. Zur Geschichte und Sagenwelt der Insel und ihres verschollenen Klosters. In: Stier und Greif. Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern. Jg. 18, Schwerin 2008, S. 123–141
  • Manfred Faust: Hiddensee. Die Geschichte einer Insel. Demmler Verlag, Ribnitz-Damgarten 2009, ISBN 978-3-910150-67-6.
  • Adolf von Wilbrandt: Hiddensee, Hrsg. Ute Fritsch, Verlag Jena 1800, Jena 2009, ISBN 978-3-931911-37-9 (Neuauflage des ältesten Hiddensee-Romans von 1910 mit historischen Bildern zu den Schauplätzen)
  • Arved Jürgensohn: Hiddensee, das Capri von Pommern. Neisse Verlag, Dresden 2013, ISBN 978-3-86276-091-6. (Nach der Originalausgabe Kloster auf Hiddensee / Liegnitz 1924).
  • Ute Fritsch: Mit Ringelnatz auf Hiddensee – Ein poetischer Spaziergang, Verlag JENA 1800, Berlin 2014, ISBN 978-3-931911-39-3
  • Hans-Christof Wächter/Heinz Teufel: Hiddensee. Eine Insel für jede Jahreszeit, Ellert & Richter Verlag, Hamburg 1992 ISBN 3-89234-309-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hiddensee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Hiddensee – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexander Ettenburg: Die Insel Hiddensee bei Rügen und das westliche Rügen. Bergen auf Rügen 1912. Neu herausgegeben von Tomas Güttler, Hamburg 2014, S. 5.
  2. Topographische Karte 1:25.000 1444 Vitte
  3. a b c d Arnold Gustavs: Die Insel Hiddensee. Ein Heimatbuch. Carl Hinstorff Verlag, Rostock 1953, S. 37–39.
  4. Arnold Gustavs: Die Insel Hiddensee. Ein Heimatbuch. Carl Hinstorff Verlag, Rostock 1953, S. 81.
  5. Sonnenschein. Rügen hält die Spitze. In: Südkurier vom 3. Januar 2009
  6. Hermann Hoogeweg: Geschichte des Klosters Hiddensee. Hrsg.: Buchhandlung Leon Sauniers. Stettin 1924.
  7. Bettina Jungklaus: Anthropologische Untersuchungen an zehn Skeletten vom Gelände des Zisterzienserklosters Hiddensee. In: Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und Archäologischen Landesmuseum (Hrsg.): Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern: Jahrbuch. Band 57, 2010, ISSN 0947-3998, S. 359–368.
  8. Projekt Hiddensee, Zisterzienserkloster. In: anthropologie-jungklaus.de. Abgerufen am 4. Juni 2017.
  9. Claudia Hoffmann: Der Goldschmuck von Hiddensee. In: WELT-KULTUR-ERBE. Nr. 01/2009, OCLC 265909878
  10. Hiddensee von Herbert Ewe, VEB Hinstorff Verlag Rostock 1986
  11. Schatzsucher. Eine Chronik des Grimmener Erdölbetriebes. Erdölmuseum Reinkenhagen (Memento vom 9. Februar 2013 im Internet Archive)
  12. Marion Magas: Hiddensee – Versteckte Insel im verschwundenen Land. DDR-Zeitzeugnisse von Inselfreunden und Lebenskünstlern. 2. Auflage. Berlin 2010, ISBN 3-00-018132-6, S. 31–40, 57–59, 171–174.
  13. Lutz Seiler: „Kruso“. MDR Figaro, 9. September 2014, archiviert vom Original am 15. September 2014; abgerufen am 8. November 2014.
  14. http://www.ndr.de/ratgeber/reise/ruegen_hiddensee/Urlaub-an-der-Ostsee-Tipps-fuer-die-Insel-Hiddensee,hiddensee24.html
  15. Auto Straßenverkehr Heft 8/1979
  16. Hiddensee: Kein Platz für Hektik. In: Spiegel Online. 10. August 2002, abgerufen am 9. Juni 2018.
  17. Georg Zivier: Romanisches Café, Berlin 1965, S. 92.
Dieser Artikel wurde am 16. August 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.