Zweibund

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Der Zweibund war ein geheimer Defensivvertrag, der am 7. Oktober 1879 (veröffentlicht am 3. Februar 1888) zwischen dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn abgeschlossen wurde.

Zustandekommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Berliner Kongress von 1878 sahen sich die panslawistischen Kreise in Russland durch Deutschland um den Preis des Sieges im Russisch-Osmanischen Krieg gebracht. Zar Alexander II. warnte seinen Onkel Kaiser Wilhelm I. in einem Brief vor verhängnisvollen Folgen.

Reichskanzler Otto von Bismarck schrieb daraufhin seinerseits einen 2.500 Wörter umfassenden Brief an den Kaiser, in dem er diesem sein Verständnis für Alexanders Position auszureden versuchte. Er kündigte stattdessen an, in Bad Gastein den Grafen Andrássy zwecks Bündnisverhandlungen zu treffen. Der Kaiser, der einen Bruch mit Russland vermeiden wollte, sandte seinerseits Feldmarschall Edwin von Manteuffel zum Zaren, um ein Treffen mit diesem zu ermöglichen. Bald darauf traf er mit Alexander in der Nähe von Thorn zusammen, wo der Zar gerade Manöver abhielt. Das Treffen verlief äußerst harmonisch, und der Zar bat seinen Onkel, den Brief als nicht geschrieben zu betrachten.

Bei seiner Rückreise erfuhr der Kaiser in Danzig, dass Bismarck das Verteidigungsbündnis mit Österreich weit vorangetrieben und bereits das Plazet von Kaiser Franz Joseph I. eingeholt hatte. Wilhelm schrieb seinem Kanzler einen Brief, in dem er ihn über sein eigenes Treffen mit dem Zaren informierte. Ein Bündnis mit Österreich könne auf den Zaren wie ein feindliches Bündnis wirken, das hinter seinem Rücken geschlossen wurde. Bismarck klagte daraufhin über das Schwinden seiner Kräfte und kündigte an, er werde in acht bis zehn Tagen seinen Rücktritt einreichen. Der Kaiser trat daraufhin eine Kur in Baden-Baden an.

Doch Bismarck ließ nicht locker, er veranlasste Helmuth von Moltke, eine militärische Denkschrift über die Notwendigkeit eines Bündnisses mit Österreich zu verfassen und brachte in dieser Frage ausnahmsweise sogar Kaiserin Augusta und das Kronprinzenpaar auf seine Seite. Der noch immer widerstrebende Kaiser erreichte lediglich, dass der Zar informiert wurde, es handle sich bei dem Abkommen nur um eine Art Deutscher Bund. Seiner Unterschrift unter den Vertrag fügte er die Worte bei: „Die, welche mich zu diesem Schritt veranlaßt haben, werden es dereinst dort oben zu verantworten haben.“ Der Zar zeigte jedoch in einem Brief überraschend viel Verständnis für das Bündnis der Deutschen mit ihren österreichischen Stammesbrüdern.[1]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweibund 1914, Deutsches Kaiserreich in blau, Österreich-Ungarn in rot

Der Zweibund war Teil von Bismarcks Neuaufbau seines Bündnissystems nach dem Berliner Kongress von 1878. Dieser Neuaufbau war nötig geworden, als Russland das Dreikaiserabkommen von 1873 aufhob. Das Deutsche Reich ergriff auf dem Berliner Kongress keine Partei für die russischen Forderungen, sodass der Frieden von San Stefano (vor allem zugunsten Österreichs-Ungarns) weitgehend revidiert wurde.

Ursprünglich hatte Bismarck eine umfangreiche politische und wirtschaftliche Allianz der beiden Reiche vorgeschlagen; dies wurde aber von Österreich-Ungarn (Außenminister Graf Andrássy) abgelehnt, da es in einer solchen Verbindung lediglich „Juniorpartner“ gewesen wäre. Zudem widersprach eine derart vertiefte Kooperation den Interessen der nichtdeutschen Bevölkerungsmehrheit der Donaumonarchie. Als Minimallösung wurde anschließend der Zweibund gebildet.

Er verpflichtete die Vertragspartner, sich bei einem russischen Angriff gegenseitig mit der gesamten Kriegsmacht beizustehen. Der Bündnisfall trat vertragsgemäß auch dann ein, wenn eine andere angreifende Macht russische Unterstützung erhielte. In allen anderen Fällen versicherten sich die Vertragspartner gegenseitig wohlwollende Neutralität. Das Bündnis war auf fünf Jahre geschlossen und sollte sich automatisch um drei Jahre verlängern, wenn kein Einspruch von einer der Parteien vorläge.

Mit dem Abschluss des Zweibundes beabsichtigte Bismarck, Russland seine drohende Isolation im Mächtesystem vor Augen zu führen und es so zurück zu einer Annäherung an das Deutsche Reich zu führen. Die Tatsache, dass Bismarck akzeptierte, im Falle eines französischen Angriffs auf das Deutsche Reich nur auf die Neutralität Österreich-Ungarns zählen zu können, zeigt, wie wichtig es ihm war, möglichst schnell wieder ein Bündnissystem zu Deutschlands Gunsten zu etablieren. Allerdings erwartete man im Deutschen Reich nicht, dass Frankreich das Deutsche Reich ohne russische Unterstützung angreifen würde.

Der Zweibund erreichte bereits 1881 sein Ziel und Russland schloss mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn den Dreikaiserbund. 1882 wurde der Zweibund durch den Beitritt Italiens zum Dreibund erweitert.

Nach dem Zusammenbruch des Bismarck’schen Bündnissystems ab 1890 war der Zweibund das einzige Bündnis, das für Deutschland tatsächlich Bestand hatte. Dies hatte den negativen Effekt, dass das Deutsche Reich sich in schicksalhafter Nibelungentreue umso fester an seinen einzig verbliebenen Partner Österreich-Ungarn binden zu müssen glaubte und daher in seinen außenpolitischen Möglichkeiten in der Zeit vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wesentlich eingeschränkt war.

Am Ende des Zweibundes stand die Niederlage der Vertragspartner im Ersten Weltkrieg und die vollständige Zerschlagung der preußisch-deutschen und österreichisch-ungarischen Monarchie.

Bisweilen wird auch das Bündnis zwischen Frankreich und Russland von 1894 als Zweibund bezeichnet. Zur Unterscheidung dieser beiden Bündnisse spricht man in der Forschung hier aber vom Zweiverband.

Rezeption in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zweibund wurde auch auf österreichischer Seite kritisch gesehen, insbesondere von liberaler und habsburgtreuer Seite. Solche Auffassungen vertrat etwa der ehemalige, von 1868 bis 1874 amtierende Kriegsminister Österreich-Ungarns Franz Kuhn von Kuhnenfeld. Die enge Bindung an das benachbarte, dominierende, aber politisch zunehmend isolierte Deutsche Reich wurde auch von Kronprinz Rudolf und seinem Kreis Moritz Szeps, Maurice de Hirsch als fatal angesehen, besonders als sich abzeichnete, dass Friedrich III. nur kurz regieren würde und der militaristische, von Rudolf gefürchtete und verachtete Wilhelm II. an die Regierung kommen würde. Entsprechende Bemühungen um eine Umkehr der Allianzen (Verständigung der Donaumonarchie mit Russland, Bündnis mit Frankreich und England) scheiterten aber 1888 an der unbedingten Bündnistreue Kaiser Franz Josephs I. und an der Stärke des deutschnationalen, antiliberalen Elements in der Donaumonarchie.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Angelow: Kalkül und Prestige. Der Zweibund am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Köln u. a. 2000.
  • Moritz Csáky: Ideologie der Operette und Wiener Moderne. Ein kulturhistorischer Essay zur österreichischen Identität. Wien u. a. 1998.
  • Helmut Rumpler: Der „Zweibund“ 1879. Das deutsch-österreichisch-ungarische Bündnis und die europäische Diplomatie. Wien 1996.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. S. Fischer-Fabian: Herrliche Zeiten, 1986 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach, Neuauflage Bastei Lübbe Taschenbuch Band 64206, März 2005, S. 151-160. Als Quelle dort ist angegeben Kaiser Wilhelm des Großen Briefe, Reden und Schriften, hg. v. E. Berner, 2 Bde., Berlin 1906
  2. Vgl. Brigitte Hamann: Kronprinz Rudolf. Der Weg nach Mayerling. Goldmann Tb, 1980, besonders S. 334 ff.