„Pick-Up Artists“ – Versionsunterschied

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Ein paar Paper aus der Forschung ergänzt (Andrew Manno, Bratich und Banet-Weiser, Whitley und JunWei Zhou)
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== Szene ==
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Die Mitglieder sind über das Internet via [[Social Media]], [[Internetforum|Foren]], [[Blog]]s, [[Newsgroup]]s und [[E-Zine|E-Magazinen]] miteinander verbunden sowie in Gruppen, sogenannten ''Lairs'', in vielen Ländern organisiert.<ref>{{Literatur |Autor=Rob Whitley, JunWei Zhou |Titel=Clueless: An ethnographic study of young men who participate in the seduction community with a focus on their psychosocial well-being and mental health |Hrsg= |Sammelwerk=PLoS ONE |Band=15 |Nummer=2 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2020-02-26 |ISBN= |ISSN=1932-6203 |DOI=10.1371/journal.pone.0229719 |PMC=7043806 |PMID=32101571 |Seiten=}}</ref> Franziska Schutzbach bezeichnet PUA-Communities als „homosoziale Räume“, in denen weibliche Perspektiven nicht vorkämen und in denen Männer sich von der Interaktion mit Frauen abschotteten. Insbesondere in der englischsprachigen PUA-Szene gibt es Überschneidungen mit der [[Alt-Right]] und innerhalb der Communities kommt es zur Radikalisierung junger Männer.<ref name=":1" />
Die Mitglieder sind über das Internet via [[Social Media]], [[Internetforum|Foren]], [[Blog]]s, [[Newsgroup]]s und [[E-Zine|E-Magazinen]] miteinander verbunden sowie in Gruppen, sogenannten ''Lairs'', in vielen Ländern organisiert.<ref>{{Literatur |Autor=Rob Whitley, JunWei Zhou |Titel=Clueless: An ethnographic study of young men who participate in the seduction community with a focus on their psychosocial well-being and mental health |Hrsg= |Sammelwerk=PLoS ONE |Band=15 |Nummer=2 |Auflage= |Verlag= |Ort= |Datum=2020-02-26 |ISBN= |ISSN=1932-6203 |DOI=10.1371/journal.pone.0229719 |PMC=7043806 |PMID=32101571 |Seiten=}}</ref> Franziska Schutzbach bezeichnet PUA-Communities als „homosoziale Räume“, in denen weibliche Perspektiven nicht vorkämen und in denen Männer sich von der Interaktion mit Frauen abschotteten. Insbesondere in der englischsprachigen PUA-Szene gibt es Überschneidungen mit der [[Alt-Right]] und innerhalb der Communities kommt es zur Radikalisierung junger Männer.<ref name=":1" />

Über die Hintergründe, wieso sich junge Männer den Communities anschließen, wurden [[Einsamkeit]] und [[soziale Isolation]], fehlende männliche Rollenbilder sowie psychische Probleme (etwa [[Soziale Angststörung]]) genannt.<ref>{{Literatur |Autor=Rob Whitley, JunWei Zhou |Titel=Clueless: An ethnographic study of young men who participate in the seduction community with a focus on their psychosocial well-being and mental health |Sammelwerk=PLOS ONE |Band=15 |Nummer=2 |Datum=2020-02-26 |ISSN=1932-6203 |DOI=10.1371/journal.pone.0229719 |PMC=7043806 |PMID=32101571 |Seiten=e0229719}}</ref>


=== Kommerzielle Angebote ===
=== Kommerzielle Angebote ===
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Im Jahr 2007 startete auf [[MTV]] (ursprünglich eine Produktion von [[VH1]]) die Reality-TV-Show ''The Pickup-Artist'' mit [[Erik von Markovik]] alias ''Mystery'', der acht Männer in Pickup-Artists verwandeln soll.<ref name="VH1">{{Internetquelle |url=http://www.vh1.com/shows/the_pickup_artist/season_1/series.jhtml |titel=The Pickup-Artist |abruf=2010-09-29}}</ref> Eine zweite Staffel wurde von VH1 in Auftrag gegeben<ref name="tvweek">{{Internetquelle |url=http://www.tvweek.com/news/2008/09/vh1_slates_pickup_artist_2.php |titel=VH1 Slates ‘Pickup Artist 2’ |abruf=2010-09-29}}</ref> und ausgestrahlt.<ref name="VH1_2">{{Internetquelle |url=http://www.vh1.com/shows/the_pickup_artist/season_2/series.jhtml |titel=The Pickup-Artist 2 |abruf=2010-09-29}}</ref> Auch in Filmen wie z.&nbsp;B. ''[[Dex, der Frauenheld|The Tao of Steve]]'', ''[[Der Date Profi]]'' und ''[[Hitch – Der Date Doktor|Hitch]]'' wurde das Thema aufgegriffen und behandelt. Das Verfilmungsrecht an dem Buch ''The Game'' von Neil Strauss wurde von der Firma [[Spyglass Entertainment]] erworben.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.monstersandcritics.com/movies/news/article_1346778.php/Spyglass_pickup_film_rights_to_Neil_Strauss__The_Game |titel=Spyglass pickup film rights to Neil Strauss' 'The Game' |abruf=2010-09-29}}</ref> Dating-Coach Ross Jeffries gilt als Vorbild für die Rolle des Flirtgurus ''Frank T.J. Mackey'', den [[Tom Cruise]] in dem Film ''[[Magnolia (Film)|Magnolia]]'' spielt.<ref name="konow">{{cite news | last = Konow | first = David | title = PTA Meeting: An Interview with Paul Thomas Anderson | publisher = Creative Screenwriting | date =2000 | url = http://cigsandredvines.blogspot.com/2000/01/interview-creative-screenwriting.html | accessdate = 2012-02-16}}</ref> Der ''[[Tatort: Masken]]'' nahm sich Ende 2021 des Themas an.
Im Jahr 2007 startete auf [[MTV]] (ursprünglich eine Produktion von [[VH1]]) die Reality-TV-Show ''The Pickup-Artist'' mit [[Erik von Markovik]] alias ''Mystery'', der acht Männer in Pickup-Artists verwandeln soll.<ref name="VH1">{{Internetquelle |url=http://www.vh1.com/shows/the_pickup_artist/season_1/series.jhtml |titel=The Pickup-Artist |abruf=2010-09-29}}</ref> Eine zweite Staffel wurde von VH1 in Auftrag gegeben<ref name="tvweek">{{Internetquelle |url=http://www.tvweek.com/news/2008/09/vh1_slates_pickup_artist_2.php |titel=VH1 Slates ‘Pickup Artist 2’ |abruf=2010-09-29}}</ref> und ausgestrahlt.<ref name="VH1_2">{{Internetquelle |url=http://www.vh1.com/shows/the_pickup_artist/season_2/series.jhtml |titel=The Pickup-Artist 2 |abruf=2010-09-29}}</ref> Auch in Filmen wie z.&nbsp;B. ''[[Dex, der Frauenheld|The Tao of Steve]]'', ''[[Der Date Profi]]'' und ''[[Hitch – Der Date Doktor|Hitch]]'' wurde das Thema aufgegriffen und behandelt. Das Verfilmungsrecht an dem Buch ''The Game'' von Neil Strauss wurde von der Firma [[Spyglass Entertainment]] erworben.<ref>{{Internetquelle |url=http://www.monstersandcritics.com/movies/news/article_1346778.php/Spyglass_pickup_film_rights_to_Neil_Strauss__The_Game |titel=Spyglass pickup film rights to Neil Strauss' 'The Game' |abruf=2010-09-29}}</ref> Dating-Coach Ross Jeffries gilt als Vorbild für die Rolle des Flirtgurus ''Frank T.J. Mackey'', den [[Tom Cruise]] in dem Film ''[[Magnolia (Film)|Magnolia]]'' spielt.<ref name="konow">{{cite news | last = Konow | first = David | title = PTA Meeting: An Interview with Paul Thomas Anderson | publisher = Creative Screenwriting | date =2000 | url = http://cigsandredvines.blogspot.com/2000/01/interview-creative-screenwriting.html | accessdate = 2012-02-16}}</ref> Der ''[[Tatort: Masken]]'' nahm sich Ende 2021 des Themas an.


== Kritik ==<!--- Für Ergänzungen [[Wikipedia:Q]] beachten --->
== Kritik ==

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=== Wirksamkeit der dargestellten Methoden ===
=== Wirksamkeit der dargestellten Methoden ===
Das Nachrichtenmagazin [[Der Spiegel]] veröffentlichte ein Interview mit dem Psychologen Andreas Baranowski, der die Wirksamkeit von Techniken selbsternannter Verführungsexperten kritisch beurteilt. Die Flirt-Strategien der Seduction Community seien danach veraltet und berücksichtigen nicht neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, wie z. B. den reinen [[Placebo]]-Effekt von Neurolinguistischem Programmieren.<ref name="Spiegel">{{Internetquelle |autor=Sebastian Hofer |url=http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,805437,00.html |titel=Flirt-Techniken im Test |werk=[[Der Spiegel]] |datum=2011-12-25 |abruf=2012-02-26}}</ref> Auch der Journalist und Schriftsteller Gene Weingarten beschrieb ein dreitägiges Seduction-Seminar als wenig hilfreich.<ref name="Weingarten">{{Internetquelle |autor=Gene Weingarten |url=https://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/01/22/AR2008012202542_pf.html |titel=Man of Mystery, How to drive women wild … or maybe just away |werk=[[The Washington Post]] |datum=2008-01-27 |abruf=2012-08-06}}</ref> Für einen Artikel belegte der Journalist Hugo Rifkind ein Seminar bei Neil Strauss und beschreibt seine Erfahrung als positives Erlebnis, das das Selbstwertgefühl steigere, da man wisse, wie die Aufmerksamkeit von Frauen gewonnen werden kann. Nach Neil Strauss sollen die Methoden den Männern helfen, mit Frauen in Kontakt treten zu können. Eine Frau könne auch dann entscheiden, ob und wen sie wählt.<ref name="Lianne">{{Internetquelle |autor=George Lianne |url=http://www.macleans.ca/culture/books/article.jsp?content=20050829_111329_111329 |titel=Q&A with Author Neil Strauss |werk=Macleans |hrsg=Kenneth Whyte |datum=2005-08-29 |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20100619125551/http://www.macleans.ca/culture/books/article.jsp?content=20050829_111329_111329 |archiv-datum=2010-06-19 |abruf=2011-09-20}}</ref><ref name="Spencer">{{Internetquelle |autor=Liese Spencer |url=http://thescotsman.scotsman.com/s2.cfm?id=1923372005 |titel=Revealed: the dark arts of the ladykiller |werk=[[The Scotsman]] |hrsg=Johnston Press |datum=2005-09-12 |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20071014155702/http://thescotsman.scotsman.com/s2.cfm?id=1923372005 |archiv-datum=2007-10-14 |abruf=2011-09-20}}</ref>
Das Nachrichtenmagazin [[Der Spiegel]] veröffentlichte ein Interview mit dem Psychologen Andreas Baranowski, der die Wirksamkeit von Techniken selbsternannter Verführungsexperten kritisch beurteilt. Die Flirt-Strategien der Seduction Community seien danach veraltet und berücksichtigen nicht neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, wie z. B. den reinen [[Placebo]]-Effekt von Neurolinguistischem Programmieren.<ref name="Spiegel">{{Internetquelle |autor=Sebastian Hofer |url=http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,805437,00.html |titel=Flirt-Techniken im Test |werk=[[Der Spiegel]] |datum=2011-12-25 |abruf=2012-02-26}}</ref> Auch der Journalist und Schriftsteller Gene Weingarten beschrieb ein dreitägiges Seduction-Seminar als wenig hilfreich.<ref name="Weingarten">{{Internetquelle |autor=Gene Weingarten |url=https://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2008/01/22/AR2008012202542_pf.html |titel=Man of Mystery, How to drive women wild … or maybe just away |werk=[[The Washington Post]] |datum=2008-01-27 |abruf=2012-08-06}}</ref> Für einen Artikel belegte der Journalist Hugo Rifkind ein Seminar bei Neil Strauss und beschreibt seine Erfahrung als positives Erlebnis, das das Selbstwertgefühl steigere, da man wisse, wie die Aufmerksamkeit von Frauen gewonnen werden kann. Nach Neil Strauss sollen die Methoden den Männern helfen, mit Frauen in Kontakt treten zu können. Eine Frau könne auch dann entscheiden, ob und wen sie wählt.<ref name="Lianne">{{Internetquelle |autor=George Lianne |url=http://www.macleans.ca/culture/books/article.jsp?content=20050829_111329_111329 |titel=Q&A with Author Neil Strauss |werk=Macleans |hrsg=Kenneth Whyte |datum=2005-08-29 |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20100619125551/http://www.macleans.ca/culture/books/article.jsp?content=20050829_111329_111329 |archiv-datum=2010-06-19 |abruf=2011-09-20}}</ref><ref name="Spencer">{{Internetquelle |autor=Liese Spencer |url=http://thescotsman.scotsman.com/s2.cfm?id=1923372005 |titel=Revealed: the dark arts of the ladykiller |werk=[[The Scotsman]] |hrsg=Johnston Press |datum=2005-09-12 |offline=1 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20071014155702/http://thescotsman.scotsman.com/s2.cfm?id=1923372005 |archiv-datum=2007-10-14 |abruf=2011-09-20}}</ref>
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=== Politische Entwicklung ===
=== Politische Entwicklung ===
Die Pick-Up-Szene wird bereits seit einigen Jahren in einen Zusammenhang mit [[Politische Rechte (Politik)|rechten]] Netzwerken gebracht. Überschneidungen ergeben sich vor allem, aber nicht nur durch [[Antifeminismus]] und [[Sexismus]]. Besonders wird dabei auf die Berührungspunkte mit der [[Incel]]-Bewegung hingewiesen. Beiden Bewegungen ist ein [[Determinismus|deterministisches]], objektifizierendes und sexistisches Frauenbild zu eigen, wonach Frauen gleichzeitig eine gewisse soziale Macht in der Beziehungsanbahnung zugesprochen wird, diese jedoch als ungerechtfertigt und der natürlichen Überlegenheit des Mannes im Wege stehend bezeichnet wird. In beiden Bewegungen wird der Feminismus als Ursache der wahrgenommenen Probleme von Männern im Dating und der Beziehungsgestaltung angenommen.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.tagesspiegel.de/wissen/frauenhass-und-rechtsnationalismus-die-rache-verunsicherter-maenner/24121222.html |titel=Die Rache verunsicherter Männer |sprache=de |abruf=2021-08-11}}</ref> Auf der als Incel-Forum<ref>David M. Higgins: ''Reverse Colonization. Science Fiction, Imperial Fantasy, and Alt-victimhood'', Iowa City 2021, S. 233.</ref> geltenden Website [[Manosphere#PUAHate|PUAHate]] grenzten sich allerdings Teile der Manosphere von der Pick-Up-Szene ab, indem sie ihr Betrug vorwarfen, da ihre Techniken nicht funktionieren würden.<ref>{{cite web|url=http://www.slate.com/blogs/xx_factor/2014/05/24/elliot_rodger_the_pick_up_artist_community_s_predictable_horrible_response.html|title=The Pick-Up Artist Community's Predictable, Horrible Response to a Mass Murder|last=Hess|first=Amanda|date=2014-05-24|website=[[Slate (Magazin)|Slate]]|url-status=live}}</ref><ref name="bbc">{{cite news|last=Wendling|first=Mike|url=https://www.bbc.com/news/blogs-trending-27640474|title=The extreme misogyny of 'pick-up artist' hate|date=2014-05-31|work=[[BBC News]]|url-status=live}}</ref>
Die Pick-Up-Szene wird bereits seit einigen Jahren in einen Zusammenhang mit [[Politische Rechte (Politik)|rechten]] Netzwerken gebracht. Überschneidungen ergeben sich vor allem, aber nicht nur durch [[Antifeminismus]] und [[Sexismus]]. Besonders wird dabei auf die Berührungspunkte mit der [[Incel]]-Bewegung hingewiesen. Beiden Bewegungen ist ein [[Determinismus|deterministisches]], objektifizierendes und sexistisches Frauenbild zu eigen, wonach Frauen gleichzeitig eine gewisse soziale Macht in der Beziehungsanbahnung zugesprochen wird, diese jedoch als ungerechtfertigt und der natürlichen Überlegenheit des Mannes im Wege stehend bezeichnet wird. In beiden Bewegungen wird der Feminismus als Ursache der wahrgenommenen Probleme von Männern im Dating und der Beziehungsgestaltung angenommen.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.tagesspiegel.de/wissen/frauenhass-und-rechtsnationalismus-die-rache-verunsicherter-maenner/24121222.html |titel=Die Rache verunsicherter Männer |sprache=de |abruf=2021-08-11}}</ref> Auf der als Incel-Forum<ref>David M. Higgins: ''Reverse Colonization. Science Fiction, Imperial Fantasy, and Alt-victimhood'', Iowa City 2021, S. 233.</ref> geltenden Website [[Manosphere#PUAHate|PUAHate]] grenzten sich allerdings Teile der Manosphere von der Pick-Up-Szene ab, indem sie ihr Betrug vorwarfen, da ihre Techniken nicht funktionieren würden.<ref>{{cite web|url=http://www.slate.com/blogs/xx_factor/2014/05/24/elliot_rodger_the_pick_up_artist_community_s_predictable_horrible_response.html|title=The Pick-Up Artist Community's Predictable, Horrible Response to a Mass Murder|last=Hess|first=Amanda|date=2014-05-24|website=[[Slate (Magazin)|Slate]]|url-status=live}}</ref><ref name="bbc">{{cite news|last=Wendling|first=Mike|url=https://www.bbc.com/news/blogs-trending-27640474|title=The extreme misogyny of 'pick-up artist' hate|date=2014-05-31|work=[[BBC News]]|url-status=live}}</ref>

=== Individualisierung der Probleme ===
Andrew Manno kritisiert, dass sich die Communities einzig auf die [[Eigenverantwortlichkeit]] der Mitleidiger und den Wettbewerb fokussieren, anstatt die systematischen Ursachen zu benennen, die zu den Schwierigkeiten bei zwischenmenschlichen Beziehungen führten. Dies sei typisch für die Konstruktion von traditioneller Männlichkeit sowie die vorherrschende [[Neoliberalismus|neoliberale]] Logik, in der eine kompetitive „Winner Takes It All“-Mentalität vorherrsche und Männer zu „Jägern“ erklärt würden.<ref>{{Literatur |Autor=Andrew Manno |Titel=Toxic Masculinity, Casino Capitalism, and America's Favorite Card Game: The Poker Mindset |Verlag=Springer International Publishing |Ort=Cham |Datum=2020 |ISBN=978-3-030-40259-4 |DOI=10.1007/978-3-030-40260-0 |Seiten=63 ff.}}</ref> Die [[Kommunikationswissenschaftler]] Jack Bratich und Sarah Banet-Weiser sehen den Fokus auf Eingenverantwortlichkeit als einer der Ursachen, wieso sich die Szene weiter radikalisierte und es schließlich in den nachfolgenden PUAHate/Incel-Communities zu Frauenhass gekommen sei. Da es in dieser neoliberalen Logik für das (wiederholte) Scheitern, das einige Männer erfuhren, keine andere Erklärung als ihr scheinbar eigenes Versagen gab, habe sich Frust angesammelt, der sich später in einem Hass auf Frauen entladen habe.<ref>{{Literatur |Autor=Jack Bratich, Sarah Banet-Weiser |Titel=From Pick-Up Artists to Incels: Con(fidence) Games, Networked Misogyny, and the Failure of Neoliberalism |Sammelwerk=International Journal of Communication |Band=13 |Nummer=0 |Datum=2019-09-22 |ISSN=1932-8036 |Seiten=25 |Online=https://ijoc.org/index.php/ijoc/article/view/13216 |Abruf=2021-02-04}}</ref>


== Literatur ==
== Literatur ==

Version vom 2. Januar 2023, 14:23 Uhr

Als Pick-Up Artists (dt. Aufreiß-Künstler), kurz PUA, auch Seduction Communities oder Pick-Up Communities werden überwiegend männliche Gruppen bezeichnet, die sich durch gezielte Anwendung verschiedener Verhaltensweisen und psychologischer Methoden bessere Chancen bei der sexuellen Verführung fremder Menschen (überwiegend Frauen) versprechen. Die Gruppen werden der antifeministischen Manosphere zugerechnet.[1] Der Sozialpsychologe Rolf Pohl bezeichnet sie als frauenfeindliche und rückwärtsgewandte sektenähnliche Gemeinschaft.[2]

Geschichte

Die Entstehung der Seduction Community reicht in die Zeit zurück, als Autor Ross Jeffries das Buch How to Get the Women You Desire into Bed und eine Sammlung von NLP-Techniken unter dem Titel Speed Seduction veröffentlichte.[3] Im Jahr 1994 gründete De Lewis Payne, ein Schüler von Jeffries, die Newsgroup alt.seduction.fast (ASF), wodurch Mitte der 1990er Jahre ein Netzwerk von Internetforen, Maillists, Blogs und Websites entstand, auf denen Verführungstechniken ausgetauscht werden konnten.[3][4]

Mit dem Erfolg von The Game (auf Deutsch Die perfekte Masche), das in der „New York Times Bestseller List“ stand, durch den Artikel in der New York Times von Neil Strauss[5][6] und durch die Reality-TV-Show The Pickup-Artist[7] wurde die Seduction Community einer breiteren Öffentlichkeit über die Medien bekannt.[8][9][10][11][12] Heute gelten z. B. Neil Strauss alias Style und Erik von Markovik alias Mystery als international bekannte Vertreter dieser Szene. Jedoch wandte sich Strauss zuletzt von der Seduction Community ab und sagte, dass er sich für sein Buch The Game schäme.[13]

Ideologie

Eine Auswahl von Literatur zum Thema "Verführung"

Die Ideologie der Pick-Up Artists geht von einer natürlichen Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau aus. Frauen werden innerhalb der Szene vor allem als Objekte eines männlichen Wettbewerbs um Sex gesehen.[2] Männer können nach Ansicht der Pick-Up Artists durch Training ihre Chancen in diesem Wettbewerb verbessern.[14] Hauptzielgruppe der Seduction Communities sind Männer, die oft als Nerds oder Geeks stereotypisiert werden, und die Schwierigkeiten haben, modernen Geschlechternormen und -beziehungen zu entsprechen. Die Methoden einzelner Akteure und Gruppen innerhalb der Szene unterscheiden sich teilweise stark.[15]

Pick-Up Artists vertreten laut der Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach „ein aggressives und Hierarchie verherrlichendes Männerbild, das eng verknüpft ist mit einer objektivierenden und abwertenden Perspektive auf Frauen – nicht wenige PUAs legitimieren Gewalt.“ Die Ideologie der Pick-Up Artists basiert auf der Betonung evolutionsbiologischer Geschlechterunterschiede und der Idealisierung einer dominanten Männlichkeit (in der Szene Alpha genannt), die erlernt werde könne.[16]

Strategien

Innerhalb der Szene werden Strategien und Techniken als Game (dt. Spiel) bezeichnet. Im Game geht es darum, „Alphamännlichkeit“ zu projizieren.[16] Als Inner Game werden selbstbezogene Praktiken bezeichnet, durch die bestimmte Werte und Ziele internalisiert werden sollen. Als Outer Game werden Techniken bezeichnet, die PUAs das Erreichen ihrer Ziele bei Frauen ermöglichen soll.[15] Durch Techniken wie Push and Pull, also die „Überhäufung der Frauen mit Komplimenten und anschließender Erniedrigung“ sollen Frauen verunsichert werden. Pick-Up Artists wollen auch durch Techniken wie Neurolinguistische Programmierung Frauen manipulieren und kontrollieren. In der Szene gibt es außerdem sogenannte Last-Minute-Resistance-Techniken, durch die der Widerstand von Frauen, die Geschlechtsverkehr abgelehnt haben, gebrochen werden soll.[17] In PUA-Foren finden sich viele persönliche Schilderungen sexueller Übergriffe.[18]

Szene

Die Mitglieder sind über das Internet via Social Media, Foren, Blogs, Newsgroups und E-Magazinen miteinander verbunden sowie in Gruppen, sogenannten Lairs, in vielen Ländern organisiert.[19] Franziska Schutzbach bezeichnet PUA-Communities als „homosoziale Räume“, in denen weibliche Perspektiven nicht vorkämen und in denen Männer sich von der Interaktion mit Frauen abschotteten. Insbesondere in der englischsprachigen PUA-Szene gibt es Überschneidungen mit der Alt-Right und innerhalb der Communities kommt es zur Radikalisierung junger Männer.[16]

Über die Hintergründe, wieso sich junge Männer den Communities anschließen, wurden Einsamkeit und soziale Isolation, fehlende männliche Rollenbilder sowie psychische Probleme (etwa Soziale Angststörung) genannt.[20]

Kommerzielle Angebote

Die Ansichten und Praktiken werden von einigen Unternehmen in Seminaren, Workshops, auf Kongressen sowie in Büchern und als DVD vermarktet. Es handelt sich mittlerweile um eine große eigenständige Industrie. Im Vereinigten Königreich kosten Wochenendseminare um die 500 Pfund Sterling und Einzelsitzungen mit Coaches mehr als 100 Pfund pro Stunde.[21] Der Gesamtwert der Industrie wird auf 100 Millionen Dollar geschätzt.[22]

Bekannte Vertreter

Julien Blanc

Julien Blanc ist ein Pick-Up Artist, der für das Unternehmen Real Social Dynamics Seminare anbot.[23] Umstrittene Videos des Pick-Up-Artists Julien Blanc sorgten im Herbst 2014 weltweit für Empörung. Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes in Deutschland äußerte daraufhin, bei Veranstaltungen der sogenannten Pick-Up-Artists werde zu sexueller Gewalt gegen Frauen aufgerufen. Dies sei nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt. Weltweit formierte sich im Herbst 2014 im Internet über Twitter und eine Online-Petition Protest. Hoteliers wurden aufgefordert, die Räume für die Seminare der Pick-Up-Firma Real Social Dynamics aus den USA zu stornieren.[24] Nachdem Blanc in einem Video mit einer Vergewaltigung geprahlt hatte, wurde ihm die Einreise u. a. nach Großbritannien und Brasilien untersagt.[17]

Roosh V

Einer der bekanntesten Pick-Up Artists ist Daryush Valizadeh, der die Website Return of Kings betreibt. Er ist frauenfeindlich und spricht sich für die Legalisierung von Vergewaltigung auf Privatgelände aus, eine Forderung, die er im Nachhinein als Satire zu verteidigen versuchte. Das Southern Poverty Law Center hat die Website Return of Kings auf ihre Liste der Hassgruppen gesetzt.[25] Valizadeh initiierte auch Online-Belästigungskampagnen, z. B. gegen übergewichtige Frauen.[26]

Medien

Im Jahr 2007 startete auf MTV (ursprünglich eine Produktion von VH1) die Reality-TV-Show The Pickup-Artist mit Erik von Markovik alias Mystery, der acht Männer in Pickup-Artists verwandeln soll.[27] Eine zweite Staffel wurde von VH1 in Auftrag gegeben[28] und ausgestrahlt.[29] Auch in Filmen wie z. B. The Tao of Steve, Der Date Profi und Hitch wurde das Thema aufgegriffen und behandelt. Das Verfilmungsrecht an dem Buch The Game von Neil Strauss wurde von der Firma Spyglass Entertainment erworben.[30] Dating-Coach Ross Jeffries gilt als Vorbild für die Rolle des Flirtgurus Frank T.J. Mackey, den Tom Cruise in dem Film Magnolia spielt.[31] Der Tatort: Masken nahm sich Ende 2021 des Themas an.

Kritik

Wirksamkeit der dargestellten Methoden

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel veröffentlichte ein Interview mit dem Psychologen Andreas Baranowski, der die Wirksamkeit von Techniken selbsternannter Verführungsexperten kritisch beurteilt. Die Flirt-Strategien der Seduction Community seien danach veraltet und berücksichtigen nicht neueste wissenschaftliche Erkenntnisse, wie z. B. den reinen Placebo-Effekt von Neurolinguistischem Programmieren.[32] Auch der Journalist und Schriftsteller Gene Weingarten beschrieb ein dreitägiges Seduction-Seminar als wenig hilfreich.[33] Für einen Artikel belegte der Journalist Hugo Rifkind ein Seminar bei Neil Strauss und beschreibt seine Erfahrung als positives Erlebnis, das das Selbstwertgefühl steigere, da man wisse, wie die Aufmerksamkeit von Frauen gewonnen werden kann. Nach Neil Strauss sollen die Methoden den Männern helfen, mit Frauen in Kontakt treten zu können. Eine Frau könne auch dann entscheiden, ob und wen sie wählt.[34][35]

Politische Entwicklung

Die Pick-Up-Szene wird bereits seit einigen Jahren in einen Zusammenhang mit rechten Netzwerken gebracht. Überschneidungen ergeben sich vor allem, aber nicht nur durch Antifeminismus und Sexismus. Besonders wird dabei auf die Berührungspunkte mit der Incel-Bewegung hingewiesen. Beiden Bewegungen ist ein deterministisches, objektifizierendes und sexistisches Frauenbild zu eigen, wonach Frauen gleichzeitig eine gewisse soziale Macht in der Beziehungsanbahnung zugesprochen wird, diese jedoch als ungerechtfertigt und der natürlichen Überlegenheit des Mannes im Wege stehend bezeichnet wird. In beiden Bewegungen wird der Feminismus als Ursache der wahrgenommenen Probleme von Männern im Dating und der Beziehungsgestaltung angenommen.[36] Auf der als Incel-Forum[37] geltenden Website PUAHate grenzten sich allerdings Teile der Manosphere von der Pick-Up-Szene ab, indem sie ihr Betrug vorwarfen, da ihre Techniken nicht funktionieren würden.[38][39]

Individualisierung der Probleme

Andrew Manno kritisiert, dass sich die Communities einzig auf die Eigenverantwortlichkeit der Mitleidiger und den Wettbewerb fokussieren, anstatt die systematischen Ursachen zu benennen, die zu den Schwierigkeiten bei zwischenmenschlichen Beziehungen führten. Dies sei typisch für die Konstruktion von traditioneller Männlichkeit sowie die vorherrschende neoliberale Logik, in der eine kompetitive „Winner Takes It All“-Mentalität vorherrsche und Männer zu „Jägern“ erklärt würden.[40] Die Kommunikationswissenschaftler Jack Bratich und Sarah Banet-Weiser sehen den Fokus auf Eingenverantwortlichkeit als einer der Ursachen, wieso sich die Szene weiter radikalisierte und es schließlich in den nachfolgenden PUAHate/Incel-Communities zu Frauenhass gekommen sei. Da es in dieser neoliberalen Logik für das (wiederholte) Scheitern, das einige Männer erfuhren, keine andere Erklärung als ihr scheinbar eigenes Versagen gab, habe sich Frust angesammelt, der sich später in einem Hass auf Frauen entladen habe.[41]

Literatur

  • Eliane J. Clift: Picking Up and Acting Out: Politics of Masculinity in the Seduction Community. Hrsg.: Department of American Studies. The University of Texas, Austin 2007, S. 134.
  • Eric C. Hendriks: Ascetic Hedonism within Modern Self-Help. A Case Study of the Seduction Community. University of Chicago, Chicago 2009 ([1] [PDF; abgerufen am 16. Oktober 2022]).
  • Rachel O’Neill: Seduction: Men, masculinity and mediated intimacy. Polity Press: Cambridge, 2018; ISBN 978-1509521562
  • Neil Strauss (alias Style): The Game. Penetrating the Secret Society of Pickup Artists. HarperCollins, 2005, ISBN 0-06-055473-8.

Mediale Rezeption

Einzelnachweise

  1. Debbie Ging: Alphas, Betas, and Incels: Theorizing the Masculinities of the Manosphere. In: Men and Masculinities. Band 22, Nr. 4, Oktober 2019, ISSN 1097-184X, S. 638–657, doi:10.1177/1097184X17706401 (sagepub.com [abgerufen am 10. Januar 2021]).
  2. a b Rolf Pohl: Die Pick-Up-Artists – über das Innenleben professioneller Frauenaufreißer. In: MÄNNER. MACHT. THERAPIE. 1. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, ISBN 978-3-525-45383-4, S. 123–142, doi:10.13109/9783666453830.123 (vr-elibrary.de [abgerufen am 10. Januar 2021]).
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