André Chapelon

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André Chapelon (* 26. Oktober 1892 in Saint-Paul en Cornillon, Loire; † 22. Juli 1978 in Paris) war ein französischer Maschinenbauingenieur.

Leben[Bearbeiten]

Chapelon gilt als einer der fähigsten Dampflokomotivkonstrukteure überhaupt. Er begann seine berufliche Laufbahn als "Ingénieur des Arts et Manufactures" in der ersten Hälfte der 1920er-Jahre bei der Compagnie Paris-Lyon-Méditerranée (P.L.M.). 1925 wechselte er in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Bahngesellschaft Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (P.O.).

Bedingt durch die wirtschaftlich schlechte Lage der Zwischenkriegszeit musste Chapelon bei der finanziell schwachen P.O. sich vor allem mit der Verbesserung vorhandener Maschinen beschäftigen. Abweichend vom im Dampflokomotivbau üblichen konstruktiven Vorgehen nach Faustregeln und Erfahrungswerten ging er mit wissenschaftlicher Akribie auf die technischen Details der Konstruktionen ein. Hierin ist der Erfolg seiner Entwürfe wesentlich begründet.

SNCF 242 A1

Bemerkenswerte Erhöhungen der Leistung erreichte er beim Umbau der Lokomotiven durch konsequente Anwendung thermodynamischer Erkenntnisse. In diesem Rahmen war er ein besonderer Befürworter von Verbundmaschinen. Chapelon gelang es, den thermischen Wirkungsgrad seiner Lokomotiven auf einen Betrag von über 12 Prozent zu steigern, ein Betrag, der anderenorts nie erreicht wurde.

1934 wurde Chapelon zum Chefingenieur der zur P.O.MIDI zusammengeschlossenen Bahnen der P.O. und MIDI berufen.

Nach einer Studienreise 1938 in die USA plante Chapelon leistungsfähigere Neubauten, die eine Synthese aus der Konstruktionsgrundsätze zweier führender Dampflokbau-Nationen erreichen sollten und ihrer Zeit weit voraus gewesen wären. Der Zusammenschluss der vier großen französischen Netze zur SNCF setzte jedoch neue Prioritäten, denen diese Pläne zum Opfer fielen. So war es Chapelon nie vergönnt, für Frankreich eine von Grund auf neue Lokomotive zu konstruieren. Lediglich für Brasilien konnte er von Grund auf neue Lokomotiven entwerfen.

Bekannte und erfolgreiche Lokomotiv-Umbauten Chapelons waren die 4701 der P.O., seinerzeit (1931) mit 3000 PS die stärkste Lokomotive Europas, die 240 P und die SNCF 242 A 1, die mit Leistungen bis 5300 PS als größte und leistungsfähigste Dampflokomotiven Europas galten.

Bei Testfahrten wurden bei der 242 A 1 Zughakenleistungen von rund 6000 PS gemessen, dies entspricht einer Kesselleistung von etwa 6600 PS.

Sein Sachverstand wurde auch nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben genutzt, um Probleme der Spurhaltung bei hohen Geschwindigkeiten zu bewältigen. Chapelon trug somit auch zum Erfolg der französischen Hochgeschwindigkeitszüge (TGV) bei.

André Chapelon war zuletzt "Ingénieur en Chef Honoraire" der SNCF.

Literatur[Bearbeiten]

  • La locomotive à vapeur, A. Chapelon, Baillère editor Paris, 1938 and 1952 editions.
  • Les PACIFICS du P.O.- MIDI et l'oeuvre d'André Chapelon au réseau d'Orléans, M. Maillet, EDITIONS DU CABRI editor 1980.
  • L'oeuvre d'André Chapelon à la S.N.C.F. et son influence mondiale, M. Maillet, EDITIONS DU CABRI editor.
  • W. Messerschmidt, Abschied - André Chapelon..zum Gedenken, LM 93, Franckh 1978
  • A. Lepage, A. Chapelon - Lebenswerk eines großen Ingenieurs, LM 25, 26, Franckh 1967
  • E. Born, 231 - Entwicklung und Geschichte der Pazifik-Lokomotive, Franckh 1965

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]