Andreas Hild

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Andreas Hild (* 1961 in Hamburg) ist ein deutscher Architekt.

Er studierte Architektur an der Technischen Universität München und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich bei Miroslav Šik. Hild zählte zu den ersten Studenten, mit denen Šik das Konzept der Analogen Architektur entwickelte. 1992 erfolgte die Gründung des Architekturbüros "Hild und Kaltwasser", das nach dem Tod von Tillmann Kaltwasser als "Hild und K Architekten" weitergeführt wurde. Büropartner und -teilhaber ist Dionys Ottl.

Das Büro ist in erster Linie in den Bereichen Bauen im Bestand, Wohnungsbau sowie Büro- und Gewerbebau tätig. Hild und K Architekten zeichnen sich durch eine unangepasste Haltung gegenüber architektonischen Konventionen aus. Tabus wie das noch in den 90er Jahren gültige Verdikt des Ornaments oder das denkmalpflegerische Gebot zur säuberlichen Trennung von Bestands- und Neubau sind nicht ihre Themen. Hergebrachte Grenzen stellen sie im Rahmen einer intellektuellen Neukonzeption in Frage.

Die 1999 fertiggestellte Fassadensanierung Belziger Straße [1] in Berlin etwa gewinnt ihren Reiz durch die reliefhafte Umsetzung einer vergrößerten Originalzeichnung: Die Gründerzeitfassade des Wohnhauses sollte anhand des ursprünglichen Eingabeplans wiederhergestellt werden. Dieser Bauauftrag wurde buchstäblich aufgefasst, die Originalzeichnung 1:1 vergrößert und als negatives Putzrelief auf die Fassade übertragen. Dabei wurde offensichtlich, dass die Eingabeskizze niemals identisch umgesetzt worden war. Die verfahrensbedingten Verschiebungen und Verformungen des Ornaments spielen ästhetisch reizvoll mit den Tücken historischer Rekonstruktion und der unvermeidlichen Differenz zwischen Entwurf und Gebäude.

Das 2000 erbaute Wohnhaus in Aggstall [2] spielt mit traditionellen regionalen Bauformen: Ein asymmetrisches Satteldach ermöglicht bei gleichbleibender Firsthöhe die Ausbildung zweier ausreichend hoher, gut belichteter Geschosse. Die korngelb geschlämmte Ziegelfassade reflektiert in ihrem geometrischen Muster die Unregelmäßigkeit und das Lichtspiel traditionell verputzter Mauerwerksflächen.

Der Schwerpunkt des architektonischen Schaffens von Hild und K Architekten liegt in München. Die hier vorgefundene Formensprache – etwa der Schule um Theodor Fischer – entwickeln sie fort und interpretieren sie zugleich in ganz zeitgenössischer Art und Weise neu.

Die Wohnanlage „Klostergarten Lehel“ [3] aus dem Jahr 2009 wird in Fassade und Struktur entscheidend geprägt von wiedereingebauten neuromanischen Fensterelementen des Vorgängerbaus, eines ehemaligen Refektoriums. Die beinahe fünf Meter hohen Mauerbögen sind räumlich in Split-Level-Einheiten integriert. Dahinterliegende hohe Hallen erschließen weitere Ebenen in gängiger Geschosshöhe.

Die Architektur des „Hotel Louis“ am Viktualienmarkt [4], das ebenfalls 2009 fertiggestellt wurde, verschränkt unterschiedliche Münchner Bautraditionen: Stilelemente des Barock und der Wiederaufbauarchitektur der 1950er Jahre.

Die 2011 abgeschlossene Sanierung und der Umbau des Institutsgebäudes 0505 der TU München [5] nimmt architektonische Eigenheiten des Bestandbaus mit seinem markanten Stahlbetonskelett auf und entwickelt sie weiter.

Hild war Gast- oder Vertretungsprofessor an der Universität Kaiserslautern, der Fachhochschule München, der HfbK Hamburg, der TU Graz und der TU Darmstadt. Seit Oktober 2013 hat er den Lehrstuhl für Entwerfen und Denkmalpflege an der Architekturfakultät der TU München inne. Er hält Vorträge in ganz Deutschland, Europa und den USA.

In seinen architekturtheoretischen Schriften bezieht Hild Positionen fernab der ausgetretenen akademischen Wege. So schlägt er beispielsweise in „Gebäude, Gebilde, Gemenge“ die Annäherung von objekthafter und formaler Architektursprache vor. In seinem Aufsatz „Gedacht / Gebaut“ geht es um die Aufweichung herkömmlicher Grenzen zwischen historischer und zeitgenössischer Architektur und damit auch um eine neue Position in der Denkmalpflege.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Dieter Weiß: Arts and Techs. Hild und K Architekten. In: Deutsche Bauzeitschrift, Heft 2/2002.
  • Martin Tschanz: Die Verbildlichung der Geschichte. In: Christoph Merian Verlag S AM No 5 Katalog zur Ausstellung „Ornament neu aufgelegt / Re-Sampling Ornament“ (01. Juni-21. September 2008) im Schweizerischen Architekturmuseum Basel, 5/2008.
  • Mechthild Stuhlmacher, Mark Pimlott, Martin Tschanz: HildundK. Recent Works. Gustavo Gili, Barcelona 2007, ISBN 978-8-42522159-0.
  • Wolfgang Bachmann: Große Oper. Wohnanlage 'Klostergarten Lehel' in München. In: Baumeister, Heft Januar 2010.
  • Andreas Hild: Gebäude, Gebilde, Gemenge. In: Ben Pell (Hrsg.): Modulierte Oberflächen. Ornament und Technologie in der Gegenwartsarchitektur. Birkhäuser, Basel 2010, ISBN 978-3-0346-0220-4.
  • Andreas Hild: Gedacht / Gebaut. In: Der Architekt, Heft 5/2010, ISSN 0003-875X
  • Heinz Wirz (Hg.): Hild und K. 2. Band der Reihe De aedibus international. Quart Verlag, Luzern 2011, ISBN 978-3-03761-015-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.hildundk.de/?p=105
  2. http://www.hildundk.de/?p=83
  3. http://www.hildundk.de/?p=143
  4. http://www.hildundk.de/?p=146
  5. http://www.hildundk.de/?p=145