Anselm Haverkamp

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Anselm Haverkamp (* 18. Juli 1943 in Bonn) ist ein deutsch-amerikanischer Allgemeiner Literaturwissenschaftler und Philosoph der Konstanzer Schule .

Biographie[Bearbeiten]

Haverkamp ging nach seiner Habilitation 1984 von Konstanz nach Yale und leitet seit 1989 an der New York University als Professor of English das Poetics Institute. Nach 1994 beteiligte Haverkamp sich als Gründungsprofessor für Literaturwissenschaft am Aufbau der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), wo er das Heinrich-von-Kleist-Institut für Literatur und Politik einrichtete. Seit 2009 hat er auch eine Honorarprofessur für Philosophie an der Universität München inne und verwaltet seit April 2013 die Professur für Rhetorik an der Leuphana Universität Lüneburg.

Haverkamp war seit 1979 Mitglied der Poetik und Hermeneutik, deren Kolloquienbände XIII und XV er mit herausgab. Er entwickelte die Rezeptionsästhetik der Konstanzer Schule (Wolfgang Iser, Hans Robert Jauß, Wolfgang Preisendanz) unter dem Eindruck der Yale School of Deconstruction (Paul de Man, Jacques Derrida) weiter zu einer Latenztheorie der Literatur.[1]

Maßgebliche Teilstücke von Haverkamps Latenztheorie sind die Theorie der Metapher im Anschluss an die Metaphorologie des Philosophen Hans Blumenberg, sowie die Wissenschaftsgeschichte der Rhetorik und des Verhältnisses von Philosophie und Literatur. Wesentliche historische Bezugsgrössen sind die Poetik des Aristoteles, die Rhetorik Quintilians und die Ästhetik von Alexander Gottlieb Baumgarten. Neuere Anreger sind Walter Benjamin und Jacques Derrida, Hans Blumenberg und Stanley Cavell; als theoretisch relevanten literarischen Autoren gilt Haverkamps durchgehende Aufmerksamkeit Ovid, Dante und Shakespeare, Keats, Hölderlin und Joyce. Haverkamp hat seine Latenztheorie inzwischen auf den Bereich der Historischen Epistemologie, der Kunsttheorie und der Rechtstheorie ausgedehnt und ist ständiger Beiträger und Mitarbeiter der Zeitschriften "Texte zur Kunst" (Berlin) und "Law and Literature" (Berkeley).

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

Herausgeber / Mitautor
  • Theorie der Metapher (= Wege der Forschung. Bd. 389). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1983, ISBN 3-534-07832-2 (Studienausgabe. 2., um ein Nachwort zur Neuausgabe und einen bibliographischen Nachtrag ergänzte Auflage. ebenda 1996, ISBN 3-534-13152-5).
  • mit Manfred Frank: Individualität (= Poetik und Hermeneutik. Bd. 13). Fink, München 1988, ISBN 3-7705-2473-X.
  • mit Renate Lachmann: Memoria. Vergessen und Erinnern (= Poetik und Hermeneutik. Bd. 15). Fink, München 1993, ISBN 3-7705-2736-4.
  • Gewalt und Gerechtigkeit. Derrida – Benjamin (= Edition Suhrkamp 1706 = NF 706). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-518-11706-8.
  • Die Sprache der Anderen. Übersetzungspolitik zwischen den Kulturen (= Fischer 12783). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-12783-1.
  • Die paradoxe Metapher (= Edition Suhrkamp 1940 = NF 940). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-11940-0.
  • Hans Blumenberg: Ästhetische und metaphorologische Schriften (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1513). Auswahl und Nachwort von Anselm Haverkamp. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-931659-61-5.
  • Walter Benjamin after the Twentieth Century. The Future of a Past (= Cardozo Law Review. Bd. 26, Nr. 3, ISSN 0270-5192). Cardozo Law School, New York NY 2005.
  • Symposium: Derrida/America, The present state of America's Europe. (= Cardozo Law Review. Bd. 27, Nr. 2). Cardozo Law School, New York NY 2005.
  • Hans Blumenberg: Theorie der Unbegrifflichkeit. Aus dem Nachlass herausgegeben von Anselm Haverkamp. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-58480-4.
  • Hans Blumenberg: Paradigmen zu einer Metaphorologie (= Suhrkamp Studienbibliothek. Bd. 10). Kommentiert von Anselm Haverkamp. Unter Mitarbeit von Dirk Mende und Mariele Nientied. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-518-27010-3.
  • mit Rüdiger Campe und Christoph Menke: Baumgarten-Studien. Zur Genealogie der Ästhetik. August Verlag, Köln 2014, ISBN 978-3-941360-38-9.
Einzelautor
  • Typik und Politik im Annolied. Zum „Konflikt der Interpretationen“ im Mittelalter. Metzler, Stuttgart 1979, ISBN 3-476-00420-1.
  • Laub voll Trauer. Hölderlins späte Allegorie. Fink, München 1991, ISBN 3-7705-2675-9.
  • Hamlet, Hypothek der Macht (= Copyrights. Bd. 3). Kulturverlag Kadmos, Berlin 2001, ISBN 3-931659-30-5 (2., erweiterte Auflage. ebenda 2004, ISBN 3-931659-42-9).
  • Figura cryptica. Theorie der literarischen Latenz (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft 1574). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-29174-2.
  • Latenzzeit. Wissen im Nachkrieg. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2004, ISBN 3-931659-61-5.
  • Metapher. Die Ästhetik in der Rhetorik. Bilanz eines exemplarischen Begriffs. Fink, München 2007, ISBN 978-3-7705-3751-8.
  • Diesseits der Oder. Frankfurter Vorlesungen. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2008, ISBN 978-3-86599-055-6.
  • Begreifen im Bild. Methodische Annäherungen an die Aktualität der Kunst (= Kleine Edition. Bd. 1). August-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-941360-02-0.
  • Shakespearean Genealogies of Power. A whispering of nothing in Hamlet, Richard II, Julius Caesar, Macbeth, The merchant of Venice, and The winter's tale. Routledge, London u. a. 2011, ISBN 978-0-415-59344-1.
  • Die Zweideutigkeit der Kunst. Zur historischen Epistemologie der Bilder (= Kleine Edition. Bd. 10). August-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-941360-23-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Katrin Truestedt: Anselm Haverkamp—Geschichte und Latenz. In: Stephan Moebius, Dirk Quadflieg (Hrsg.): Kultur – Theorien der Gegenwart. 2., erweiterte und aktualisierte Auflage. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-16775-6.