Vorislamisches Arabien

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Nabatäische Handelsstraßen im vorislamischen Arabien.

Die Geschichte des vorislamischen Arabien lässt sich seit assyrischen Inschriften und Reliefs aus dem Jahre 853 v. Chr. nachweisen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Aufzeichnungen des Assyrerkönigs Salmanassar III. berichten vor allem über Kriegszüge, geben jedoch auch Informationen über Alltagsleben und Religion. So sind auf den Reliefs des Nordwestpalastes von Niniveh aus der Zeit Aššurbānipals Araber abgebildet, die zu zweit auf Kamelen reiten und die assyrischen Truppen mit Pfeilen beschießen. Der vordere Reiter lenkt das Kamel, das nur mit einer einfachen, durch Riemen an Hals und Schweif befestigten Decke angetan ist, dabei mit einem Stab. Die Reiter haben schulterlanges Haar und einen kurzen Vollbart und sind nur mit einem voluminösen Lendenschurz bekleidet.

In der Schlacht von Karkara 853 v. Chr. zwischen dem Salmanassar III. und einer Koalition zwölf syrischer Staaten nahm auch Gindibu, König der Araber (Arbāyu) mit 1.000 Kamelreitern teil.[2] Immer wieder nennen assyrische Inschriften des 7. und 8. Jahrhunderts v. Chr. Herrscher der „Aribi“, die den Assyrern tributpflichtig sind oder ihnen Hilfstruppen stellen.[3]

Die Geschichte der arabischen Stämme verläuft heterogen. Die ersten arabischen Staaten bildeten sich nicht im assyrischen Machtbereich, sondern im Südwesten der arabischen Halbinsel. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den dortigen Monsunregen, der Ackerbau, Sesshaftigkeit und das Entstehen von Städten möglich machte.[3]

Über die „Weihrauchstraße“ trieben die arabischen Karawanen Handel mit dem Norden und den Regionen des östlichen Mittelmeers. Auch in der Genesis finden diese Karawanen Erwähnung.[4]

Um 312 v. Chr. unternahm Antigonos, ein Diadoche Alexanders des Großen einen Feldzug gegen die Nabatäer. Diese erreichten ihren Zenit an Macht und Ausdehnung im ersten Jahrhundert v. Chr., wobei sich das von ihnen kontrollierte Gebiet vom Hedschas über das gesamte Gebiet östlich des Jordan bis ans östliche Mittelmeer und bis ins syrische Kernland erstreckte. Die Nabatäer gerieten auf dem Roten Meer in Konflikt mit den ägyptischen Ptolemäern, zugleich wurde der Kontakt zum römischen Reich enger. Als dieses schließlich den ständigen Konkurrenten der Narabäer, die Judäer besiegte, Jerusalem zerstörte und Palästina zur römischen Provinz erklärten, sah dies zunächst nach einem Vorteil für die Narabäer aus. Doch wurden auch sie schließlich 106 von den Römern besiegt. Das Narabäerreich wurde als Provinz Arabia römische Provinz.[5]

Die Himyariten, die bereits Kolonien an der nordafrikanischen Küste gegründet hatten, trafen als erste Araber auf die Römer. Diese versuchten nach Südarabien vorzudringen. 25/24 v. Chr. scheiterte die römische Arabien-Expedition unter Aelius Gallus. Dabei teilten die Römer Arabien in drei Teile: Arabia felix (das glückliche Arabien), Arabia deserta (das wüstenhafte Arabien) und Arabia petrea (das steinerne Arabien). Arabia petrea wurde erst wesentlich später als der privilegierte Südwesten zur Heimat großer Staaten.[6]

111 bis 114 bauten die Römer die Trajansstraße von Nord nach Süd durch die arabischen Provinzen von Bostra nach Petra und Aela. Von 244 bis 249 war mit Philippus Arabs sogar ein Arabischstämmiger römischer Kaiser.[1]

Der arabische Staat von Palmyra verdankte seinen Aufstieg als Handelszentrum dem Niedergang Petras. Als Bewohner der Übergangsregion zwischen Römern und Persern konnten sie sich zur regionalen Großmacht entwickeln. Dieser Großmachtsstatus wurde von den Römern, insbesondere unter Hadrian, der das Land 129 besuchte, gefördert. Durch zunehmende Unabhängigkeit und Macht konnten die Palmyrer 260 die Perser besiegen und erreichten unter Königin Zenobia ihre Blütezeit. Doch als ihr Sohn Vaballathus sich den Titel „Caesar Augustus“ anmaßte und Münzen auf diesen Namen prägen ließ, fühlten die Römer sich in ihrem Hegemonialstreben verletzt. Kaiser Aurelian marschierte schließlich in Palmyra ein, nahm Königin Zenobia gefangen und beendete 272/273 die Existenz des palmyrischen Staates.[7]

Sprache[Bearbeiten]

Wie auch arabische Kultur und Geschichte uneinheitlich waren, so waren es auch Sprache und Schrift. Die Südaraber nutzten ihre eigene Sprache und Schrift, aus denen später die semitischen Sprachen und Schriften Äthiopiens hervorgingen. Die Nordaraber übernahmen viele Einflüsse ihrer Nachbarn in ihre Kultur. So schrieben die Narabäer mit einem aus dem Aramäischen abgeleiteten Alphabet, aus dem sich später die arabisch Schrift entwickelte. Auch die Palmyrer bedienten sich einer aramäisch inspirierten Schrift.[8]

Im Arabien des sechsten Jahrhunderts verfügte die eigene Dichtung bereits über eine komplexe Gestalt und Vielfalt. In der Poesie der zahlreichen altarabischen Dichter spielten Lob des eigenen Stammes, Verhöhnung der Feinde, Satire und Kritik, aber auch Panegyrik und Beschreibung natürlicher Erscheinungen die entscheidenden Rollen. In Ukaz bei Mekka gab es bereits damals Dichterwettbewerbe auf Jahrmärkten. Zu dieser Zeit verfügt das Arabische bereits über ein sehr reiches Vokabular.[9]

Religion[Bearbeiten]

Das arabische Pantheon setzte im Wesentlichen sich aus den semitischen Sterngottheiten Mond (Almakah bei den Sabäern, Aglibol bei den Palmyrern oder Sin in Hadramaut) Sonne (Schams) und Venus (Athtar) zusammen.[10] Weitere wichtige Göttinnen waren Allāt und Manāt, al-ʿUzzā (die Allmächtige, vielleicht ʿAṯṯara), Kusrā, die Mondgöttin der Hawkum im Gebiet von Ḥarîb und die nabatäische Kutbā. al-ʿUzzā ist aus nabatäischen und südarabischen Inschriften bekannt. Byzantinische Autoren setzten sie mit Aphrodite gleich. In der Antike wurde sie auch in Mekka angebetet. Sie scheint mit dem Planeten Venus verbunden gewesen zu sein, wie auch die babylonische Ištar.

Ruḏā (rḏw) war eine wichtige prä-islamische Göttin. Sie wird, zusammen mit Nahī auch in zahlreichen nordarabischen und safaitischen (rḏw/rḏy) Inschriften erwähnt, man bittet sie hier unter anderem um Regen, sie scheint aber auch eine Göttin des Krieges gewesen zu sein. Darstellungen einer nackten Göttin werden oft als rḏy gedeutet. Eine thamudische Inschrift nennt sie „Herrin des Todes“. Aus islamischen Quellen ist bekannt, dass eine Statue der Ruḏā im Gebiet der Thamūd auf Befehl des Propheten zerstört wurde, ihre Verehrung hat sich also über mindestens 1200 Jahre erhalten. Ihr Name wird von ʾrd, Erde abgeleitet, sie war also vermutlich eine Vegetationsgöttin. Auch aus Ugarit war eine Göttin ʾArṣai als Tochter des Baʿal bekannt.

Eine Staatsinschrift Assurhaddons berichtet, wie sein Vater Sanherib in der Oase Admutu unter anderem Standbilder der Göttinnen Atarsamlin, Dâa, Nuhâa, Rudâu (ruldayu), Abirillu und Atarqurumâ erbeutete, die er nach Niniveh bringen ließ. Später konnte der Araberkönig Hasael von Assurhaddon eine Rückgabe der Statuen erreichen, auf diesem war allerdings vorher der Name des Gottes Aššur und des Königs Assurhaddon eingemeißelt worden. Außerdem wurde sein Tribut um 65 Kamele und 10 Esel erhöht und der Großkönig setzte ihm Tabuâ als Königin zur Seite.

In der Kaaba von Mekka wurde ein schwarzer Stein verehrt, der zahlreiche Pilger anzog. Unter den arabischen Nomaden waren Götter als Anbetungsobjekte weit weniger verbreitet als Geister, Kobolde und verhext Orte. Um „böse“ Geister gnädig und Schutzgeister günstig zu stimmen, wurden Opfer- und Weihgaben dargebracht.[10]

Als „Sprachrohre“ der Götter dienten Priester, auch Orakel und Weissagungen waren Glaubensbestandteile. Doch auch das Christentum und vor allem das Judentum hatten Einfluss auf die altarabische Religion. Im Norden hatten ganze Stämme der Araber das Judentum angenommen. Die „Hanifen“, die damaligen Konfessionsfreien unter den Arabern galten als Sinnsuchende. Ihr Streben spielte eine Rolle im Entstehen des Islams, das durch die allgemeine religiöse Orientierungslosigkeit gefördert wurde.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Altheim, Ruth Stiehl: Die Araber in der alten Welt, 5 Bde. (Berlin 1964-1969)
  • M. Höfner, Die vorislamischen Religionen Arabiens (1970)
  • A. G. Lundin, die arabischen Göttinnen Ruḏā und al-'Uzzā. In: R. Stiegener (Hrsg.), A-Hudhud, FS Maria Höfer (Graz 1981, 211-217).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Alfred Schlicht: Geschichte der arabischen Welt, S. 15, Reclam, Stuttgart, 2013
  2. www.politische-bildung-brandenburg.de: Das vorislamische Arabien Seite 58 (PDF; 998 kB)
  3. a b Schlicht, 2013, S. 16
  4. Schlicht, 2013, S. 16 f.
  5. Schlicht, 2013, S. 19
  6. Schlicht, 2013, S. 18
  7. Schlicht, 2013, S. 20
  8. Schlicht, 2013, S. 25
  9. Schlicht, 2013, S. 26 f.
  10. a b Schlicht, 2013, S. 27
  11. Schlicht, 2013, S. 27. f.