Arto Tunçboyacıyan

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2006 in Kars

Arto Tunçboyacıyan (armenisch Արտո Թունջբոյաջյան; * 4. August 1957 in Galata (Istanbul), Türkei) ist ein türkischer Musiker. Er ist Angehöriger der armenischen Minderheit der Türkei.

Leben[Bearbeiten]

Seine Karriere begann Tunçboyacıyan im Alter von elf Jahren, als er mit seinem Bruder zusammen traditionelle Musik spielte und aufnahm und sich zunehmend in Europa und der Türkei als professioneller Studio- und Sessionmusiker etablierte. Charakteristisch ist die Verwendung von Töpfen als Perkussionsinstrument und der Einbezug von armenisch geprägten Gesangspassagen in das Schlagzeugspiel.

1981 übersiedelte Tunçboyacıyan in die USA. Seitdem tritt er weltweit als Sideman (u. a. von Chet Baker, Joe Zawinul, Don Cherry und Al Di Meola), aber auch als Solomusiker auf. 1985 wurden dann seine ersten beiden Solo-Alben auf dem holländischen Label Keytone veröffentlicht: Virginland und Main Root. 1991 bildete er mit Marc Johnson und Ben Monder die Gruppe Right Brain Patrol, deren Potentiale seiner Ansicht nach nicht vollständig realisiert werden konnten.[1]

Tunçboyacıyan nahm gemeinsam mit dem armenischen Oud-Spieler Ara Dinkjian die Platten Tears of Dignity und Onno auf. Onno ist die Hommage an seinen Bruder, Onno Ohannes Tunçboyacıyan (Onno Tunç), der 1996 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Der Komponist und Arrangeur Onno Tunç gilt als einer der größten Einflüsse auf Tunçboyacıyan, musikalisch wie auch persönlich.

Ebenso wie Ara Dinkjian und Armen Donelian war Tunçboyacıyan von 1989 bis 2000 Mitglied der Gruppe Night Ark und nahm mehrere Alben mit ihnen auf (Picture, Moments, Wonderland und Petals On Your Path). 1998 beteiligte er sich an dem italienischen Projekt Triboh, zusammen mit der Sängerin Maria Pia De Vito und der Pianistin Rita Marcotulli. Dabei entstand die CD Triboh für das italienische Label Polosud. Im selben Jahr gründete er die Armenian Navy Band, mit der bis heute auftritt.

Im Jahr 2000 sah Serj Tankian Artos Auftritt bei den 'Armenian Music Awards' in Los Angeles und beteiligte ihn an den Aufnahmen des im folgenden Jahr veröffentlichten Albums Toxicity von Serjs Band System of a Down, unter anderem durch einen ihm gewidmeten Bonus-Track. Weitere zwei Jahre später, 2003, gründeten die beiden die gemeinsame Band Serart, die unter Serjs Label Serjical Strike läuft, und veröffentlichten das erste und bis jetzt einzige Album gleichen Namens (Stand: Juli 2008).

Sein Album Every Day is a New Life entstand mit dem Saxophonisten Paul Winter, in dessen Earth Band er mehrere Jahre spielte, und anderen US-amerikanischen Musikern aus diesem Kontext. Aile Muhabbeti (tr. „Familienliebe“) entstand in der Türkei als Filmsoundtrack, interpretiert und komponiert von Tunçboyacıyan mit verschiedenen armenischen und türkischen Musikern. Seinen anatolischen Fans widmete er das Album Türkçe Sözlü Hafif Anadolu Müziği (tr. „Türkischsprachige leichte anatolische Musik“). Dieses Album, aufgenommen im Winter 2002/03 erschien 2005 in der Türkei.

Im Februar 2004 spielte er in Jerewan ein neues Solo-Album Artostan mit Liedern aus seinen Solo-Konzerten ein. 2005 erschien die CD Love Is Not In Your Mind als Duo-Projekt mit dem Pianisten Vahagn Hayrapetyan der Armenian Navy Band, die er seiner Mutter widmete.

2008 half Tunçboyacıyan der bekannten türkischen Pop-Sängerin Sezen Aksu bei ihrem Album Deniz Yıldızı.

Auswahldiskografie[Bearbeiten]

  • Virgin Land, Keytone Records, 1989
  • Main Root, Keytone Records, 1989
  • Right Brain Patrol, JMT, 1992 (und Neuauflage Winter & Winter, 2004)
  • Tears of Dignity (mit Ara Dinkjian), Libra Music /Svota Music, 1996
  • Onno, Libra Music/Svota Music, 1998
  • Triboh (mit Maria Pia De Vito und Rita Marcotulli), PoloSud, 1998
  • Avcı, Svota Music/Imaj Müzik, 1998
  • Every Day is a New Life, Living Music, 2000
  • Aile Muhabbeti, Svota Music, 2001
  • Serart (mit Serj Tankian), Sony Music, 2003
  • Türkçe Sözlü Hafif Anadolu Müziği, Imaj Müzik – Heaven and Earth, 2004
  • Artostan, Svota Music/ Heaven and Earth, 2005
  • Love Is Not In Your Mind (mit Vahagn Hayrapetyan), Heaven and Earth, 2005
  • Ararat, 2007
  • Deniz Yıldızı, 2008 (mit Sezen Aksu)

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Interview mit Tunçboyacıyan in der Jazzthetik: Im Prinzip Ja - Arto Tunçboyacıyan