Aubrey de Grey

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Aubrey de Grey

Aubrey David Nicholas Jasper de Grey (* 20. April 1963 in London) ist ein in Cambridge lebender britischer Bioinformatiker und theoretischer Biogerontologe. Er ist wissenschaftlicher Leiter der von ihm mitgegründeten SENS Foundation und Stifter des Methusalem-Maus-Preises.

Darüber hinaus ist de Grey ein außerordentlicher Professor des Moskauer Instituts für Physik und Technologie, sowie Mitglied der Gerontological Society of America, der American Aging Association, und des the Institute for Ethics and Emerging Technologies.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Seinen Angaben nach, lernte Aubrey de Grey seinen Vater nie kennen, während seine Mutter, eine Künstlerin, ihn zur Beschäftigung mit den Naturwissenschaften und der Mathematik ermutigte – Bereiche, in denen sie eher schwach war.[1] Er wurde in seiner Kindheit und Jugend in Sussex in der House School und der Harrow School unterrichtet. Schon als Kind wollte er seinen eigenen Angaben nach „etwas Besonderes schaffen“.[2]

Später besuchte de Grey die University of Cambridge und studierte in der Trinity Hall. Im Jahr 1985 schloss er sein Studium mit einem Bachelor in Informatik ab.[3] Als Computertechniker am Department of Genetics der Universität Cambridge in England arbeitend, konzentrierte sich de Grey intensiv auf die Entwicklung von künstlicher Intelligenz für Automatisierung, da er harte körperliche Arbeit für menschenunwürdig hält.[4]

In den späten 1990er Jahren wandte er sich der Biologie zu, weil seine Frau Adelaide de Grey (geborene Carpenter) Genetikerin und Expertin für Elektronenmikroskopie ist.[5]

Dabei musste De Grey mit Erstaunen feststellen, dass das Altern und vor allem seine Bekämpfung nicht so sehr im Fokus von Biologen und Medizinern standen, wie er immer geglaubt hatte. Darüber enttäuscht, beschloss er autodidaktisch das entsprechende Wissen zu erlangen, um das Problem selbst zu lösen.[6] Im Jahr 1999 veröffentlichte er sein Buch „The Mitochondrial Free Radical Theory of Aging“ (zu Deutsch: „Die mitochondriale Theorie der freien Radikale des Alterns“), in dem er hypothetisierte, dass schon allein die Beseitigung von Schäden an der mitochondrialen DNA die gesunde Lebensdauer erheblich erhöhen könnte. Er räumte hierbei jedoch bereits ein, dass kumulative Schäden an den Mitochondrien eine wesentliche Ursache der Seneszenz seien, aber mitnichten nicht die einzige dominante Ursache. Auf der Grundlage dieses Buches verlieh die University of Cambridge de Grey im Jahr 2000 einen Doktortitel (Ph.D.) in Biologie.

Im Jahr 2003 gründete Aubrey de Grey den Methusalem-Maus-Preis, ein Wettbewerbspreis für Forscher, die versuchen, die Lebensdauer von Hausmäusen künstlich zu verlängern. So will er den Wettbewerb auf dem Gebiet der Biogerontologie vergrößern und gegebenenfalls Fehler in seinen eigenen Theorien durch andersartige Denkansätze aufdecken und beseitigen.[7] Im Jahr 2007, schrieb de Grey das Buch Ending Aging, gemeinsam mit Michael Rae. Es enthält neben der Theorie der freien Radikale, sechs weitere zelluläre und molekulare Ursachen für Altern/Alterskrankheiten. Für jede der bekannten Schadensklassen, die er die „sieben Todsünden des Alterns“ nennt, schlägt er die Anwendung regenerativer Medizin auf molekularer und zellulärer Ebene als Bekämpfung vor.[8]

Strategies for Engineered Negligible Senescence – SENS[Bearbeiten]

Hauptartikel: SENS Foundation

Aubrey de Grey entwickelt Theorien über das menschliche Altern, das er wie eine Krankheit auf ungünstige biochemische Prozesse zurückführt, die durch gezieltes Beeinflussen gestoppt oder umgekehrt werden können. Das von de Grey vorgeschlagene Verfahren, das er als Strategien zur Bekämpfung des Alterns (Strategies for Engineered Negligible Senescence, kurz SENS) bezeichnet, basiert auf sieben von ihm propagierten Angriffspunkten. Im Jahr 2009 gründete er gemeinsam mit Michael Kope, Jeff Hall, Sarah Marr und Kevin Perrott die SENS Foundation eine Non-Profit-Organisation, um das Altern zu bekämpfen.[9]

Wissenschaftliche Akzeptanz[Bearbeiten]

Aubrey de Greys wissenschaftlichen Artikel erschienen in diversen Fachzeitschriften und auch außerhalb wissenschaftlicher Kreise erregte er Aufmerksamkeit mit seiner These, dass unbeschränkt langes menschliches Leben in 25 Jahren potenziell zu erreichen sei. De Grey argumentiert, dass das nötige Grundlagenwissen für die Entwicklung von Therapien zur Bekämpfung des Alterns heute bereits weitgehend existiere.

Der Rostocker Demograf James Vaupel hält es für durchaus möglich, dass „einige Dinge, die de Grey sagt, wahr sein könnten“. Der britische Forscher sei allerdings „zu optimistisch, was die Geschwindigkeit dieser Entwicklung betrifft“.[10]

Gesellschaftlich etablierte Sichtweisen und mangelnde öffentliche Diskussion über dieses Thema würden die Anwendung und gezielte Forschung auf diesem Gebiet jedoch behindern. Um das Ziel zu erreichen, sei sowohl die gesellschaftliche und politische Zustimmung sowie die entsprechende Ausstattung mit Forschungsmitteln, wie beispielsweise die der AIDS-Forschung, notwendig. (Das 2003 initiierte globale US-Programm zur AIDS-Bekämpfung PEPFAR (President's Emergency Plan for AIDS Relief) sah allein von 2003 bis 2008 15 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen AIDS in Entwicklungsländern vor.)[11]

Im Jahr 2005, lobte die Technology Review des MIT, in Zusammenarbeit mit der Methusalem-Stiftung, einen mit $ 20.000 dotierten Preis für den oder die Molekularbiologen aus, die nachweisen konnten, dass SENS „so falsch sei, dass es einer wissenschaftlichen Debatte unwürdig ist.“

Dies geschah als Reaktion auf heftige und persönliche Kritik an Aubrey de Grey durch Kollegen: Richard Miller, Biogerontologe an der University of Michigan, erklärte de Grey beispielsweise für „gefährlich“, weil er „mit seinen Heilsversprechen die Gerontologie in Verruf bringe“.[12] Während Sherwin Nuland, Professor für klinische Chirurgie an der School of Medicine der Yale Universität, es „als Glück ansah, dass seine [de Greys] hochfliegenden Pläne mit größter Wahrscheinlichkeit scheitern werden, da andernfalls sein Versuch uns zu erhalten mit Sicherheit zu unserer Vernichtung führen würde.“

Die Schiedsmänner in dieser Sache waren Rodney Brooks, Anita Goel, Vikram Sheel Kumar, Nathan Myhrvold, und Craig Venter. Fünf Aufsätze wurden eingereicht, von denen drei die Bedingungen der Herausforderung erfüllten. De Grey schrieb, wie in den Regeln vorgesehen, zu jedem Aufsatz einen Widerspruch und die Herausforderer schrieben darauf Antworten.

Die Schiedsmänner kamen danach zu dem Schluss, dass keiner der Herausforderer SENS zu widerlegen vermocht hätte, aber das Magazin meinte, dass eine der Widerlegungen besonders eloquent und gut geschrieben worden sei, und der Einsender erhielt $ 10.000.[13]

Bei einer Podiumsdiskussion, wurde Aubrey de Grey von Colin Blakemore am 25. April 2012 scharf kritisiert.[14][15]

Der britischer Fernsehjournalist Stephen Sackur interviewte de Grey am 8. Mai 2014 im Rahmen des St. Gallen Symposium. Hierbei äußerte er heftige Kritik an de Greys Arbeit und befürwortet Alterskrankheiten wie Krebs und Demenz unter anderem, da seiner Auffassung nach, ohne sie neue Ideen nicht schnell genug akzeptiert werden würden.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Im Jahr 2004 wurde de Grey durch die World Transhumanist Association mit dem „H. G. Wells Award for Outstanding Transhumanist Contributions of the Year“ ausgezeichnet.[17]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Aubrey De Grey, Michael Rae: Niemals alt!: So lässt sich das Altern umkehren. Fortschritte der Verjüngungsforschung. Transcript, April 2010, ISBN 978-3-8376-1336-0
  • Aubrey De Grey: The Mitochondrial Free Radical Theory of Aging. Landes Bioscience, Oktober 1999, ISBN 978-1-57059-564-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „This Man Would Have You Live A Really, Really, Really, Really Long Time. If a mouse can survive the equivalent of 180 years, why not us? Or our kids? Scientific provocateur Aubrey de Grey has a plan.“ Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  2. „Wer sterben will, darf das weiterhin.“ Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  3. „This Man Would Have You Live A Really, Really, Really, Really Long Time. If a mouse can survive the equivalent of 180 years, why not us? Or our kids? Scientific provocateur Aubrey de Grey has a plan.“ Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  4. „The 25-Year Wait for Immortality“ - Interview mit "livescience.com", in dem de Grey seinen Werdegang als Informatiker beschreibt Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  5. „Wollen Sie ewig leben“ - Technology Review Artikel Abgerufen am 27. Oktober 2014.
  6. „The 25-Year Wait for Immortality“ - Interview mit „livescience.com“, in dem de Grey seinen Werdegang als Informatiker beschreibt Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  7.  Andrzej Bartke, Holly Brown-Borg: Life extension in the dwarf mouse. In: Current topics in developmental biology. 63, Geriatrics Research, Department of Medicine, Southern Illinois University School of Medicine, 2004, S. 189–225, PMID 15536017.
  8. Aubrey de Grey, Michael Rae: Niemals Alt! So lässt sich das Altern umkehren. Fortschritte der Verjüngungsforschung. Transcript Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978–3837613360.
  9. Archiv der Zusammenfassungen. Website der SRF. Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  10. „Altern ist auf jeden Fall ungesund“ Süddeutsche Zeitung Interview (Deutsch) Abgerufen am 26. Oktober 2014.
  11. http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/COUNTRIES/AFRICAEXT/EXTAFRHEANUTPOP/EXTAFRREGTOPHIVAIDS/0,,contentMDK:21371947~menuPK:3880580~pagePK:34004173~piPK:34003707~theSitePK:717148,00.html
  12.  Rafaela von Bredow: Die Abschaffung des Sterbens. In: Der Spiegel. Nr. 30, 2005 (online).
  13. Jason Pontin: Is Defeating Aging Only a Dream? In: Technology Review. 11. Juli 2006, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  14. Daniel Kimbel: „This house wants to defeat ageing entirely“; Dr de Grey to debate Professor Colin Blakemore in Oxford, April 25th. SENS Research Foundation, 17. April 2012, abgerufen am 26. Oktober 2014.
  15. http://www.youtube.com/watch?v=wVnn2bcFcnU
  16. https://www.youtube.com/watch?v=DkBfT_EPBIo
  17. Aubrey de Grey wins 2004 H.G. Wells Award. Website der WTA. Abgerufen am 26. Oktober 2014.