August Hanning

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

August Hanning (* 16. Februar 1946 in Nordwalde) ist ein deutscher Jurist und seit 1. Dezember 2005 Staatssekretär im Bundesministerium des Innern. Er ist parteilos.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ausbildung und Beruf

Er studierte bis 1975 Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau und Münster. Seine Promotion folgte im Anschluss daran ebenfalls in Münster. Ab 1976 arbeitete er als Referent in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen, ab 1977 war er als Referent im Bundesministerium des Innern tätig. Im Jahr 1981 wechselte er ins Bonner Bundeskanzleramt, wo er zunächst im Umweltressort tätig war. Von 1986 bis 1990 diente Hanning als Geheimschutzbeauftragter an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin. In dieser Funktion war er auch für den Häftlingsfreikauf zuständig. Im Jahr 1990 wechselte er zurück zum Bundeskanzleramt, wo er enger Mitarbeiter des Geheimdienstkoordinators Bernd Schmidbauer wurde. 1996 wurde er dort zum Abteilungsleiter ernannt. Am 17. Dezember 1998 wurde er Nachfolger von Hansjörg Geiger als Präsident des Bundesnachrichtendienstes. In seine Amtszeit fiel die Entscheidung des BND-Umzugs von Pullach nach Berlin. Hanning vertrat die Auffassung, dass sich der Geheimdienst auch örtlich nah bei der Regierung befinden solle. Er fasste den BND als Dienstleister der Bundesregierung auf. Für seine Arbeit erntete er einerseits besonderes Lob für die Zusammenarbeit mit anderen Behörden, andererseits wurde ihm BND-intern vorgeworfen, sich zu wenig um die Belange der Mitarbeiter zu kümmern. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein bezeichnet ihn als „eine seiner wichtigsten Stützen“. [1] Am 1. Dezember 2005 wurde Hanning zum Staatssekretär im Bundesministerium des Innern ernannt. Er ist dort für Polizeiangelegenheiten, Angelegenheiten der Bundespolizei, Innere Sicherheit, Migration, Integration, Flüchtlinge, Europäische Harmonisierung sowie die Stabsstellen Krisenmanagement und BOS-Funk zuständig.

[Bearbeiten] Forderung nach Überwachung

Im März 2009 forderte Hanning in einem interview mit der taz die lückenlose Überwachung von Terrorverdächtigen, einschließlich des Schlafzimmers und Toilette.[2]

[Bearbeiten] Affären während der Zeit als Präsident des Bundesnachrichtendienstes

Im Zusammenhang mit der Affäre um die Bespitzelung von Journalisten in den Jahren 1993 bis 1998 ist noch ungeklärt, ob auch Hanning von der vor seiner Amtszeit liegenden teilweise rechtswidrigen Observation von Journalisten durch den BND zum Zwecke der Eigensicherung erfahren hat. Auch wird dem BND immer wieder vorgeworfen, der CIA bei deren völker- und menschenrechtswidrigen Entführungs-, Verschleppungs- und Folterpraxis Hilfe geleistet zu haben. Im Falle des von 2002 bis 2006 auf Guantanamo inhaftierten türkischen Staatsangehörigen Murat Kurnaz soll sich Hanning nach Medienberichten im Jahre 2002 gegen eine Rückkehr Kurnaz in die Bundesrepublik ausgesprochen haben, als die US-Amerikaner angeboten hätten, Kurnaz freizulassen. Dabei sei selbst der BND Ende 2002 nach einer Vernehmung von Kurnaz durch deutsche Beamte auf Guantanamo zur Überzeugung gekommen, dass Kurnaz völlig unschuldig sei. Indem er sich "für eine Einreisesperre für Deutschland"[3] ausgesprochen habe, habe Hanning jedoch dafür plädiert, dass die USA Kurnaz in die Türkei und nicht nach Deutschland abschieben sollten. Die USA hätten daraufhin ihr Angebot zurückgezogen.

Beide Komplexe sind derzeit Gegenstand von Untersuchungsausschüssen des Bundestages („Ausschuss zur Untersuchung zur angeblichen Bespitzelung von Journalisten durch den BND“ und „Ausschuss zur Untersuchung von BND-Aktivitäten im Irak und CIA-Flügen im Inland“), die Hanning hierzu als Zeugen vernehmen wollen.

[Bearbeiten] Familie

August Hanning ist verheiratet und hat drei Töchter.

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Quellen

  1. Annette Ramelsberger: Deckname Offenheit. In: Süddeutsche Zeitung. 6. Oktober 2004.
  2. taz: Intime Geräusche werden gelöscht
  3. Stern: Kurnaz wirft Deutschen Folterung vor. In: Stern. 4. Oktober 2006.
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen