Augustiner-Bräu

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Dieser Artikel beschreibt die Brauerei in München. Für die Brauerei in Salzburg siehe Augustiner Bräu Kloster Mülln.
Augustiner-Bräu Wagner KG
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Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1328
Sitz Stadtwappen München München
Leitung Martin Leibhard, Werner Mayer[1]
Mitarbeiter ca. 350 (2011)[2]
Branche Bierbrauerei
Website Augustiner-Bräu
Augustinerbrauerei

Die Augustiner-Bräu Wagner KG ist die älteste noch bestehende Brauerei in München. Augustiner-Bräu ist gleichzeitig der Markenname der dort produzierten Biere.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Anordnung des Freisinger Bischofs und des bayerischen Herzogs siedelten sich ab 1294 Mönche des Augustinerordens vor den Toren Münchens an. Um 1320 wurde das Augustinerkloster innerhalb der Stadtmauern fertiggestellt. Spätestens ab 1328 betrieben die Mönche in diesem Kloster eine Brauerei. Augustiner ist damit die älteste noch bestehende Münchner Brauerei und gleichzeitig das älteste Münchner Handelsgewerbe.[3][4]

1803 übernahm der Staat im Zuge der Säkularisation das Kloster samt Brauerei, bevor die Brauerei wenig später privatisiert wurde und sich 1817 in der Neuhauser Straße niederließ. Das dortige Stammhaus kann noch besichtigt werden. Am 5. März 1829 erwarb das Ehepaar Anton und Therese Wagner die Augustiner-Brauerei. Nach dem Tod Antons im Jahre 1845 übernahm Therese Wagner die Leitung der Brauerei, bis 1858 ihr ältester Sohn Joseph das Erbe antrat. Unter seiner Leitung florierte die Brauerei, und seine Initialen „J. W.“ sind daher bis heute im Firmenlogo verewigt. 1885 wurde der Hauptsitz ins mittlerweile denkmalgeschützte backsteinerne Kellerareal an die Landsberger Straße verlegt, das davor als Lagerkeller für das Mathäserbräu genutzt worden war.[5] Nach Josephs Tod 1900 führten dessen Söhne Richard und Max Wagner die Brauerei. 1941 übernahm Richards Sohn Rudolf die Leitung und wandelte sie in eine Kommanditgesellschaft um. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Brauereigebäude sehr schwer beschädigt, jedoch bald danach wieder aufgebaut.[6][4] Rudolf Wagner steigerte die Bierproduktion auf etwa 300.000 Hektoliter und widerstand Übernahmeangeboten, unter anderem von der Hacker-Brauerei und dem Oetker-Konzern.[7]

Als Rudolf Wagner 1981 ohne Nachkommen und Hinterlassung eines Testaments starb, fiel die Brauerei an eine Erbengemeinschaft, bestehend aus seiner Cousine Edith Haberland-Wagner (1899–1996), Tochter von Max Wagner, sowie fünf weiteren, größtenteils in Nordamerika lebenden Cousinen und Vettern, die Nachkommen der Schwestern von Richard und Max Wagner waren. Edith Haberland-Wagner übernahm anschließend 50 % der Anteile an der Brauerei. Die Geschäfte wurden nun von den Komplementären Hans Inselkammer, Ferdinand Schmid und Karl Großmann geleitet, während die Erben als Kommanditisten eintraten.[6] Auf Anraten von Ferdinand Schmid verfügte Edith Haberland-Wagner in ihrem Testament die Gründung der gemeinnützigen Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, der sie ihren Mehrheitsanteil vermachte, um eine Übernahme und anschließende Zerschlagung durch größere Brauereigruppen zu verhindern.[8]

Unternehmen[Bearbeiten]

Besitzstruktur[Bearbeiten]

Die Brauerei befindet sich heute zu 51 % im Besitz der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung. Die Stiftung verwendet den ihr zustehenden Gewinn zur Förderung von kulturellem und sozialem Engagement, vor allem im Raum München.[9] Geschäftsführer der Stiftung war bis zu seinem Tod am 19. November 2013 Ferdinand Schmid. Eine Woche vor seinem Tod bestimmte er als seine Nachfolgerin die in Paris geborene Catherine Demeter. Sie entstammt der Augustiner-Gründerfamilie Wagner und ist seit Dezember 2013 neuer Vorstand der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung.[10]

Die übrigen 49 % verteilen sich auf mehrere Komplementäre, von denen Jannik Inselkammer, der Sohn von Hans Inselkammer, mit 35 % den größten Anteil hielt. Jannik Inselkammer war bis zu seinem Unfall-Tod im März 2014 neben Werner Mayer auch Geschäftsführer der Brauerei.[11] Sein Nachfolger wurde Martin Leibhard, der als Sohn eines früheren Braumeisters des Unternehmens auf dessen Betriebsgeländes aufgewachsen ist, seitdem Brauer lernte und Brauereiwesen studierte und seit 2003 Tucher Bräu leitete.[1]

Absatz[Bearbeiten]

Augustiner-Bier wird vor allem im Großraum München verkauft. 2011 waren dort zwei Drittel der im Handel verkauften Flaschen „Helles“ von Augustiner.[2] Außerhalb Südbayerns werden beispielsweise in Sachsen Ausflugsgaststätten wie auf Schloss Augustusburg oder Schloss Lichtenwalde von Augustiner beliefert. Außerdem wird Augustiner in ausgewählten Gasthöfen in Wertheim, Berlin und Bregenz ausgeschenkt.

Der Gesamtausstoß bezifferte sich 2005 auf etwa 950.000 Hektoliter, 2010 waren es knapp 1,3 Millionen Hektoliter.[2] Das Unternehmen betreibt eine eigene Tennenmälzerei.[2]

Gastronomie[Bearbeiten]

Das Unternehmen ist seit 1994 in der Systemgastronomie aktiv und betreibt mittlerweile (Stand 2011) mehr als 60 standardisierte Gastrobetriebe.[2]

Sortiment[Bearbeiten]

Wird vom „Augustiner“ gesprochen, so ist meist das „Helle Vollbier“ gemeint. Insgesamt gibt es acht verschiedene Sorten, welche teilweise nur saisonal und/oder nur im Großraum München erhältlich sind.

  • Helles: die meistverkaufte Sorte, nach der dominierenden Farbe des Etikettes scherzhaft auch „Grüner August“, „Grüner Mönch“ oder einfach „Gustl“ oder – zur Unterscheidung zum Edelstoff – auch „Grünes Helles“ genannt, ist ein Vollbier mit einem Alkoholgehalt von 5,2 % und einem Stammwürzegehalt von 11,5 %. Die Gestaltung des Flaschenetikettes ist seit mehreren Jahrzehnten unverändert.
  • Edelstoff: helles Exportbier mit 5,6 % Alkohol und 12,7 % Stammwürze
  • Oktoberfestbier: Der im März speziell gebraute Wiesn-Edel, der auf dem Oktoberfest ausgeschenkt wird und auch in Flaschen erhältlich ist. Es ist in der Regel das stärkste der Oktoberfestbiere und wies 2013 einen Alkoholgehalt von 6,4 % bei 13,6 % Stammwürze auf.[12] Es stammt als einziges der Oktoberfestbiere noch aus den traditionellen Holzfässern, den sog. Hirschen.[13]
  • Weißbier
  • Pils
  • Dunkles: Ein untergäriges Dunkelbier
  • Heller Bock: ein Bockbier mit einem Alkoholgehalt von zirka 7 %, das im Mai und Juni vorwiegend in München erhältlich ist.
  • Maximator: ein dunkles Starkbier mit hoher Stammwürze und einem Alkoholgehalt von 7,5 %, das nur in der Fastenzeit vor Ostern ausgeschenkt wird und auch in Flaschen verkauft wird.

Bis auf die Sorte „Pils“ werden die Biere in „Euro-Flaschen“ abgefüllt. Alkoholarme Biere und Biermischgetränke produziert die Augustiner-Brauerei nicht. Alkoholfreie Getränke werden seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr produziert.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augustiner-Bräu – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Sueddeutsche.de: Leibhard wird Nachfolger von Inselkammer, 1. Juli 2014
  2. a b c d e Andreas Bernhard: Das Augustiner-Gefühl. Aus: Süddeutsche Zeitung Magazin. Heft 38/2011. (online)
  3. Christian Lankes: Münchner Augustiner - Von Bierfässern, Fatschenkindln und Hirschgeweihen. Haus der Bayerischen Geschichte, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  4. a b Geschichte. Augustiner Brauerei KG, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  5.  Landeshauptstadt München, Kulturreferat (Hrsg.): KulturGeschichtsPfad8. München 2014, S. 56.
  6. a b Christian Schäder: Münchner Brauindustrie 1871–1945. Die wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung eines Industriezweiges. Tectum Verlag, Marburg 1999, ISBN 978-3828880092, S.73 f.
  7. Hermann Bößenecker: Der Eremit von Augustiner. Aus: Die Zeit. 32/1980. (online)
  8. Die Seele des Augustiner. Nachruf auf Ferdinand Schmid. Bayerisches Fernsehen, 23. November 2013, abgerufen am 21. Dezember 2013 (shockwave/flash).
  9. Patrick Guyton: Edith Haberland macht eine Brauerei zum Wohltäter. tagblatt.de, 26. Dezember 2010, abgerufen am 21. Dezember 2013.
  10. Astrid Becker: Eine Frau für Augustiner : Catherine Demeter übernimmt den Vorstandsposten der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung - eine Überraschung, in: Süddeutsche Zeitung, 12. Dezember 2013, Seite 58
  11. http://www.tz.de/muenchen/stadt/jannik-inselkammer-per70988/jannik-inselkammer-stirbt-unfall-heli-skiing-kanada-trauer-augustiner-gesellschafter-muenchen-3437043.html
  12. Wiesnbierprobe: Beschreibung der Oktoberfestbiere 2013. Abgerufen am 13. Januar 2014.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAnnette Baronikians: Die Tradition lebt – mit Hirschen. Abendzeitung München, 9. September 2009, abgerufen am 16. Januar 2014.
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48.1388711.54341Koordinaten: 48° 8′ 19,9″ N, 11° 32′ 36,3″ O