Bělotín

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Bělotín
Wappen von Bělotín
Bělotín (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Olomoucký kraj
Bezirk: Přerov
Fläche: 3338 ha
Geographische Lage: 49° 35′ N, 17° 48′ O49.58888888888917.800555555556297Koordinaten: 49° 35′ 20″ N, 17° 48′ 2″ O
Höhe: 297 m n.m.
Einwohner: 1.843 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 753 64
Kfz-Kennzeichen: M
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Eduard Kavala (Stand: 2010)
Adresse: Bělotín 151
753 64 Bělotín
Gemeindenummer: 512231
Website: www.belotin.cz

Bělotín (deutsch Bölten) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt sechs Kilometer nordöstlich der Stadt Hranice na Moravě (deutsch Mährisch Weißkirchen) und gehört zum (ehemaligen) Okres Přerov (deutsch Kreis Prerau).

Geographie[Bearbeiten]

Bělotín befindet sich am südlichen Fuße der Oderberge im Kuhländchen. Westlich des Dorfes liegt die Wasserscheide der Mährischen Pforte. Bělotín erstreckt sich entlang des Bělotínský potok (Böltener Bach) bis zu dessen Einmündung in den Oderzufluss Luha.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort in Mähren mit seinem neuen Eigentümer, dem Prämonstratenserkloster Hradisch bei Olmütz, 1201 in einer Urkunde des mährischen Markgrafen Vladislav Heinrich aus dem Geschlecht der Přemysliden unter dem Namen Belotyn. 1612 hieß der Ort Bellten und 1645 Beltin.

Belotyn und die weite Umgebung mit damals slawischer Bevölkerung und mit slawischen Ortsbezeichnungen wurden beim Einfall der Mongolen 1241 verwüstet und entvölkert. Die notwendige Rekolonisation wurde ab 1247 von einem der wichtigsten Berater des Königs Přemysl Ottokar II. von Böhmen, dem Olmützer Bischof Bruno von Schauenburg, der aus dem Weserbergland stammte, gefördert. Es wird in der Literatur für möglich gehalten, dass die Sage vom Rattenfänger von Hameln (an der Weser) mit der deutschen Besiedlung des fraglichen Raumes im Zusammenhang steht.[2]

Mähren gehörte in Teilen ab 1018, endgültig ab 1031 zu den Ländern der Böhmischen Krone. Diese Länder wurden nacheinander von den Dynastien der Přemysliden, Luxemburger und Jagiellonen regiert, bis sie im Jahr 1526 an das Haus Habsburg fielen. Dem deutschen Reichsverband gehörten die Länder bis 1806 an, von 1804 bis 1918 dem Kaiserreich Österreich. Von 1815 bis 1866 waren sie mit Österreich Mitglied des Deutschen Bundes.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kam es zum Zerfall der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie und zur Gründung neuer Staaten, so der Tschechoslowakei (1. ČSR) am 28. Oktober 1918 und der Republik Deutschösterreich am 12. November 1918. Bis zum Inkrafttreten des Vertrags von Saint-Germain am 16. Juli 1920 beanspruchte Österreich die überwiegend von Deutschen besiedelten Gebiete der ČSR, die schon kurz nach der Staatsgründung vom tschechoslowakischen Militär besetzt wurden. Der Hauptort des Kuhländchens, Nový Jičín (deutsch Neu Titschein), wurde am 20./21. November 1918 für den neuen Staat eingenommen.

1938 wurde Bölten infolge des Münchener Abkommens bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges dem Deutschen Reich einverleibt und dem Landkreis Neu Titschein zugeordnet. Die alteingesessene Bevölkerung erlangte die deutsche Staatsangehörigkeit am 10. Oktober 1938 durch Sammeleinbürgerung. Im Jahr 1941 wurde in Bölten das Arbeitskommando E540 des Kriegsgefangenenlagers Teschen (Oflag VIIID) errichtet, in dem vorwiegend Kriegsgefangene aus dem Vereinigten Königreich und den Ländern des Commonwealth untergebracht waren.[3]

Nach Kriegsende wurden die aufgrund der Beneš-Dekrete enteigneten und bis zur Vertreibung[4] noch in Bělotín lebenden 1106 Deutschen in der Zeit vom 30. Juni bis 25. September 1946 mit 196 Fuhrwerken in das Sammellager Hranice verbracht und von dort mit 6 Lastzügen nach Bayern und Hessen transportiert. Über die Besetzung Böltens durch die Rote Armee am 7. Mai 1945, die Ankunft tschechischer Neusiedler und den "Abschub" der Deutschen berichtete der 1945 nach Bělotín abkommandierte Unterfähnrich Al. Tylich 1979 in der Schrift "Bělotín, obec moravské brány"(deutsch: "Bělotín, Gemeinde an der Mährischen Pforte").[5]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Bělotín und der ihr verbundene Universitätschor Ostrava schlossen im Jahr 2000 einen Partnerschaftsvertrag mit der Gemeinde Hinterschmiding in Niederbayern. 2006 entstand eine weitere Partnerschaft mit der Gemeinde Höchst im Odenwald in Hessen und ausdrücklich auch mit dem "Kirchspiel Bölten" mit Sitz in Höchst.

Die Gemeinde Höchst im Odenwald hatte bereits am 2. August 1953 die "Patenschaft für die Sudetendeutsche Gemeinde Bölten", Kreis Neu Titschein übernommen, später auch für die anderen Gemeinden des "Kirchspiels Bölten": Daub, Hermitz, Kunzendorf, Litschel, Lutschitz, Neudek und Pohl mit insgesamt 3753 Einwohnern am 17. Mai 1939. Förderer des Paten- und des Partnerschaftsverhältnisses war Franz Polak, Ehrenbürger sowie römisch-katholischer Pfarrer der Gemeinden Bölten und Höchst im Odenwald.

Ortsteile[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Bělotín gehören seit 1983 die Ortsteile Kunčice (Kunzendorf I), Lučice (Lutschitz)[6] und Nejdek (Neudek).

Einwohner laut Volkszählungen 1910, 1930 und 1939: 1910 Bölten : 1464, davon 11 Tschechen; 1930 Bölten 1562,davon 168 Tschechen; Kunzendorf 352; Lutschitz 206; Neudek 316, insgesamt 2436 ; 1939 Bölten 1554

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Franz Polak (1909–2000), deutscher römisch-katholischer Geistlicher

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Festschrift zur 200-Jahrfeier der Pfarrkirche in Bölten (Ostsudetenland); Hrsg.: Franz Polak und Walter Fr. Schleser; Höchst i.Odw. 1957, http://d-nb.info/1009814419. Mit illustrierten Beiträgen über Bölten,Pohl,Neudek,Lutschitz,Kunzendorf,Hermitz, Litschel und das Kuhländchen.
  • "Bölten - Sudetenland , Patengemeinde von Höchst - Odenwald" , hrsg. von Walter Fr. Schleser ,Wien 1965 , http://d-nb.info/1005054509. Inhalt: das 1924 aufgrund eines csl.Gesetzes vom 30. Januar 1920 handschriftlich gefertigte, vom Gemeindevorsteher Josef Anders, Gemeinderat Franz Schindler und Gedenkbuchführer Johann Schramm gezeichnete, mit dem Gemeindesiegel versehene und am 29. Mai 1926 von Bezirksschulinspektor Richard Eberwein als Vertreter der CSR gegengezeichnete GEDENKBUCH DER GEMEINDE BÖLTEN (in Kopie); außerdem: Gedenktafeln mit Angaben über die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges , Fotos von Bölten und Höchst sowie Artikel über das Sudetenland und Höchst im Odenwald.
  • "Schicksal der Vertreibung", Gedenkbuch zur Patenschaft der Gemeinde Höchst i. Odw. mit den Gemeinden des Kirchspiels Bölten/Ostsudeten; Erst-Druck Erich Stockert in Bad König 1987, 2. Auflage 1988, 290 Seiten, ISBN 3-924388-03-2 .Das Gedenkbuch würdigt S.127 ff. auch die früheren Ehrenbürger : Bürgermeister Franz Klösel(*1854), Oberlehrer Emil Kretschmer (*1859), Josef Winkler(*1860) und Oberlehrer Johann Schramm(*1881) sowie als verdiente Mitbürger u.a. den letzten deutschen Bürgermeister Wilhelm Klösel, Lehrer Ernst Honus, Lehrerin Emilie Fadler, Pfarrer Rudolf Blaschke
  • Literaturverzeichnis Bölten: Private Webseite
  • "Kuhländchen, unvergessene Heimat", Jubiläumsbuch des Vereines heimattreuer Kuhländler e.V.; Leer 1998, 589 Seiten, ISBN 3-7921-0588-8.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Siehe auch die Hinweise auf das damals im Kuhländchen siedelnde rheinische Grafengeschlecht von Hückeswagen auf Burg Alt Titschein / Burg Starý Jičín im Artikel Kolonisationsgeschichte und Siedlungswerk bei http://www.kuhlaendchen.de/pages/kuhlaendchen/geschichte.php
  3. http://www.lamsdorf.com/history.html sowie http://translate.google.at/translate?hl=de&sl=en&u=http://www.lamsdorf.com/working-parties.html (Bölten: E 540) (Siehe auch Liste der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht)
  4. Renata Ripperova, die väterlicherseits einer Böltener Familie entstammt, schrieb 2012 an der Masaryk-Universität Brno eine Bachelorarbeit zum Thema "Blick der heutigen Gesellschaft auf die Vertreibung der Deutschen in den Medien, in der Informations- und Bildungspolitik": http://is.muni.cz/th/363112/pedf_b/Bachelorarbeit_Ripperova.pdf Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung_der_Deutschen_aus_der_Tschechoslowakei
  5. Näheres im Zeitzeugenbericht (Seite 6 und 7), http://members.aon.at/~wschlese/schicksalsjahr.pdf
  6. Der Ur-Ur-Enkel der 1871 von Lutschitz nach den USA ausgewanderten Eheleute Franz und Susanna Anders, Generalmajor William Anders, geb.1933 in Hongkong, war einer der drei US-Astronauten, die im Dezember 1968 mit Apollo 8 den Mond umkreisten. Siehe auch Hinweise bei http://www.kuhlaendchen.de/search/index.php?referrer=0&string=William+Anders&submit=Suche