Baphomet

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Dieser Artikel behandelt die Figur. Für weitere Bedeutungen, siehe Baphomet (Begriffsklärung).

Mit dem Namen Baphomet oder Bafomet wurde in südfranzösischen Protokollen des Templerprozesses ein angeblich von den Tempelrittern verehrtes Symbol bezeichnet.

Ursprung und Symbolik[Bearbeiten]

Der Ursprung des Symbols ist unbekannt. Die Baphometfigur wurde mit einem weißen Bart und zwei roten Edelsteinen als Augen dargestellt.[1]

Etymologie[Bearbeiten]

Über die Herkunft und Bedeutung des Wortes Baphomet gab es einige Spekulationen:

  • Abufihamat – soll arabischen Ursprungs sein und ‚Vater des Verstehens’ bedeuten.
  • Baphomet soll eine Verballhornung des Namens Mahomet, der mittelalterlichen Schreibweise des Namens Mohamed, gewesen sein.[2]
  • Baphomet ist eine Verballhornung des gnostischen Bapho Metis (griechisch für: Taufe in Weisheit oder Aufnahme in Weisheit).[2]
  • Über die aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammende jüdische Atbash-Umkehrung wird in hebräischer Schrift aus Baphomet (ב פ ו מ ת) Sophia (ש ו פ י א).[3] Diese Entdeckung machte Hugh J. Schonfield; ein Beleg, dass die Templer sich mit der Atbash-Umkehrung beschäftigten, existiert bislang allerdings nicht.
  • Arthur Edward Waite meinte, Baphomet müsse rückwärts gelesen werden, da der Name ursprünglich in hebräischen Buchstaben geschrieben worden sei. Demnach bestünde das Ananym TEM OHP AB aus drei Abkürzungen mit der Bedeutung: „Templi omnium pacis abbas“, (= ‚der Vater des Tempels, universeller Frieden der Menschheit‘).[4]
  • Gemäß Aleister Crowley sei Baphomet eine Verballhornung von Vater Mithras (Bafomithr).[2]

Textvergleiche mit zeitgenössischer provenzalischer Literatur ergaben, dass nur in den Prozessprotokollen aus dem provenzalisch-sprachigen Raum die Schreibweise Baffomet verwendet wurde. Baffomet sei das provenzalische Wort für den Propheten Mohammed, beziehungsweise für das angebliche Idol, welches man den Moslems in einigen Chansons de geste zuschrieb. Zum Beispiel findet man die „Götter Bafum/Bafumet et Travagan“ und Mohammed als ihren Abgesandten im provenzalischen Gedicht über das Leben des Heiligen Honorat, fertiggestellt im Jahre 1300. In der Chanson Simon de Pouille, geschrieben vor 1235, spricht man von einem sarazenischen Idol genannt „Bafumetz“, und bereits der Chronist des Ersten Kreuzzugs, Raimund d’Aigulhers, nennt die Moscheen „Bafumarias“. Schon 1098 hatte Anselm von Ribemont in einem Brief aus Antiochia geschrieben, die angreifenden Muslime hätten ihren Gott „Baphometh“ angerufen. [5] Nach einem Idol befragt, beschrieben die Templer nach Meinung von Anke Krüger das, was sie über Idole aus den Chansons de gestes oder Heiligenviten wussten.[6]

Baphomet und die Templer[Bearbeiten]

Das historische Fundament des Baphomet ruht in den Protokollen, die während des Templerprozesses redigiert wurden. Einer der Anklageartikel im Prozess gegen die Templer von 1307 lautete, die Ordensbrüder würden ein „Idol verehren“. Während der unterschiedlichen Verfahren des Prozesses bekannten nur wenige Zeugen eine solche Anbetung. Die Beschreibungen variieren. In den Protokollen der Anklage ist zum Beispiel nach Aussage Larchants von einem „Idol als ein Kopf mit Bart“ die Rede, dem die Templer angeblich huldigten. Manche erklärten es zu einer schwarzen Statue, andere als einen Kopf mit zwei oder drei Gesichtern (vgl.: Ianus, Dreifaltigkeit) oder auch als vierfüßige Gestalt.

Der Terminus baffomet erscheint hierbei nur in einigen Protokollen, die in Südfrankreich aufgenommen wurden. Es wurde weder ein Beweis für die tatsächliche Verehrung noch ein existierendes Götzenbild des Baphomet gefunden. Die Aussagen in den Protokollen divergieren derart, dass es bisher nicht möglich ist, daraus einen Beleg für die Existenz und Gestalt des Baphomet zu entnehmen. Zudem wurden diese Aussagen oft unter Folter erzwungen.

Éliphas Lévis Baphomet und moderne Rezeption[Bearbeiten]

Baphomet nach einer Phantasie von Éliphas Lévi (Abbildung in seinem Werk Dogme et Rituel de la Haute Magie (1854))

Der Magier und okkultistische Schriftsteller Éliphas Lévi Zahed zeichnete im 19. Jahrhundert Baphomet erstmals als Dämon mit gehörntem Ziegenkopf, weiblichen Brüsten und einem Pentagramm auf der Stirn. Seine Darstellung entstand aus verschiedenen weitaus älteren Gottheiten heidnischen Ursprungs. So findet man gehörnte Fruchtbarkeitsgötter im alten Ägypten und bei keltischen Darstellungen. Entsprechungen der Armhaltung und Fackelsymbolik können im Mithraskult in dem Brüderpaar Cautes und Cautopates entdeckt werden, den personifizierten knabenhaften Sinnbildern von Morgen und Abend, Leben und Tod mit erhobener oder gesenkter Fackel. Lévis Baphomet ist heute weit verbreitet und wurde von Satanisten übernommen. Verwendung findet die Darstellung unter anderem in der Satanischen Bibel von Anton Szandor LaVey und auf Schallplattencovern von Bands wie Angel Witch[7][8], Death SS[9][10][11], Ringworm[12], Mysticum[13] und Blackdeath[14]. Seine Faszination erklärt sich durch ihre vielschichtige synkretistische Symbolik. Die Figur vereint Gut und Böse, Mensch und Dämon, Frau und Mann, Mensch und Tier und enthält darüber hinaus Elemente der Alchemie („Solve et coagula!“ – ‚Löse und verbinde!‘).

Der Taxil-Schwindel verursachte die Verschwörungstheorie, die Freimaurer würden Baphomet, wie ihn Lévi darstellte, als Götzen anbeten.

Im so genannten christlichen Ritus der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland spielt die die Weltseele versinnbildlichende Figur des Baphomet in der Schreibweise „Baffometus“, was abgeleitet von dem italienischen Wort bafil (=Bart), der Mann mit dem Barte bedeutet, eine gewisse Rolle. Das Symbol ist in der Große Landesloge nur auf dem Amtszeichen des Großmeisters sichtbar.[1]

Seine Beschäftigung mit den Templern ließ Alfred Schuler glauben, diese hätten ein bärtiges, Baphomet genanntes Haupt verehrt. Dies setzte er mit der Anbetung des quintessentiellen Lebens gleich, was die Tempelherren mit dem Tod gebüßt hätten, womit er sie zu verkappten Gnostikern erklärte.[15]

Solche modernen Darstellungen entbehren jeglichen historischen Kontextes mit den Tempelrittern und sind auch nicht mit Funden aus der Zeit der Templer belegbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anke Krüger: Schuld oder Präjudizierung? Die Protokolle des Templerprozesses im Textvergleich (1307–1312). In: Historisches Jahrbuch. Bd. 117, 1997, ISSN 0018-2621, S. 340–377.
  • Anke Krüger: Das „Baphomet-Idol“. Ein Beitrag zur Provenienz der Hauptvorwürfe gegen den Templerorden. In: Historisches Jahrbuch. Bd. 119, 1999, S. 120–133.
  • Allan Oslo: Die Geheimlehre der Tempelritter. Geschichte und Legende. Königsfurt, Klein Königsförde/Krummwisch 2001, ISBN 3-93-393988-7.
  • Peter Partner: The Murdered Magicians. The Templars and their Myth. Oxford University Press, Oxford u. a. 1982, ISBN 0-19-215847-3, vor allem S. 138 ff. und 164 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baphomet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe; sowie 3. aktualisierte Auflage, beide Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 97-98.
  2. a b c Ruud Vermeer: Aleister Crowley. Iris Buecher 2005. S. 148.
  3. Diese Umkehrung wurde auch als kryptologisches Rätsel in dem Roman Sakrileg (The Da Vinci Code) benutzt.
  4. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens (= Esoterik. Bd. 12179). Original-Ausgabe; sowie 3. aktualisierte Auflage, beide Goldmann, München 1993, ISBN 3-442-12179-5, S. 98.
  5. Recueil des historiens des croisades. Historiens occidentaux. Band 3. Imprimerie Impérial, Paris 1866, S. 892–893.
  6. Anke Krüger: Das „Baphomet-Idol“. 1999.
  7.  Matthias Mader: Angel Witch. In: Matthias Mader, Otger Jeske, Manfred Kerschke (Hrsg.): NWOBHM: New Wave of British Heavy Metal. The Glory Days. Iron Pages, Berlin 1995, S. 16.
  8.  Malc Macmillan (Hrsg.): Angel Witch. In: The N.W.O.B.H.M. Encyclopedia. I.P. Verlag Jeske/Mader GbR, Berlin 2012, S. 35.
  9. Death SS: The Horned God of the Witches, 1981.
  10. Death SS: Guardian Angel, Lucifer Rising Records 1997.
  11. Death SS: The Horned God of the Witches, Black Widow Records 2004.
  12. Ringworm: The Promise, Incision Records 1993.
  13. Mysticum: Lost Masters of the Universe, Planet Satan Revolution 2004.
  14. Blackdeath: Satan macht frei, Drakkar Productions 2004.
  15. Franz Wegener: Alfred Schuler, der letzte deutsche Katharer. Gnosis, Nationalsozialismus und mystische Blutleuchte. Gladbeck 2003. ISBN 3-931300-11-0. S. 32.