Sakrileg (Roman)

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Sakrileg ist der Titel der 2004 erschienenen Übersetzung eines Thrillers von Dan Brown, der 2003 unter dem Titel The Da Vinci Code erschien. Der Roman verbindet Unterhaltung mit Verschwörungstheorien und einer alternativen Sicht auf die gesamte Kirchen- und die französische Geschichte. Er wurde in 44 Sprachen übersetzt. Brown gibt auf seiner Website an, dass der Roman bisher weltweit rund fünfzig Millionen mal verkauft worden sei (Stand: Mai 2006). Eine Verfilmung mit Tom Hanks und Audrey Tautou in den Hauptrollen kam am 18. Mai 2006 unter dem Titel The Da Vinci Code – Sakrileg in die Kinos.

Handlung[Bearbeiten]

Der Louvre bei Nacht (2007)

Robert Langdon, Symbol-Forscher und Professor der Harvard University, der schon der Protagonist des Romans Illuminati war, befindet sich aus beruflichen Gründen in Paris, als er mitten in der Nacht einen merkwürdigen Anruf erhält: Jacques Saunière, der Chefkurator des Louvre wurde in einer Galerie des Museums ermordet aufgefunden. Wenige Minuten später steht ein Beamter des DCPJ vor seiner Tür im Hôtel Ritz und teilt ihm mit, dass Saunière, mit dem Langdon für diesen Abend verabredet war, in der Grande Galerie ermordet wurde. Im Museum sieht Langdon eine bizarre Szene: Saunière liegt nackt auf dem Boden und hat die Gliedmaßen von sich gestreckt. Er hat sich mit seinem eigenen Blut ein Pentagramm auf den Bauch gemalt und eine rätselhafte Botschaft neben sich geschrieben, die durch UV-Licht sichtbar gemacht wird:

Proportionsstudie nach Vitruv (1485/90)

„13 3 2 21 1 1 8 5
O DRACONIAN DEVIL!
OH LAME SAINT!“

(Deutsch: O drakonischer Teufel! Oh lahmer Heiliger!)

Als der Polizeichef Bezu Fache den Strahl des UV-Lichts erweitert und ein Kreis um die Leiche sichtbar wird, erkennt Langdon die Anspielung auf die Proportionsstudie nach Vitruv, eines der bekanntesten Werke Leonardo da Vincis. Von Sophie Neveu, einer Kryptologin in der Dechiffrierabteilung der Pariser Polizei, erfährt Langdon, dass es eine Nachricht der amerikanischen Botschaft für ihn gebe, bei der es sich in Wirklichkeit aber um eine Botschaft auf dem Anrufbeantworter von Neveu handelt.

Dort erfährt Langdon, dass er als Hauptverdächtiger in diesem Mordfall gilt, weil unter der Nachricht noch der Hinweis P.S. Robert Langdon suchen stand. Dieser Hinweis wurde jedoch inzwischen von Fache entfernt. Neveu, eine Enkelin Saunières, hält den Amerikaner jedoch für unschuldig, da sie die Buchstaben „P.S.“ im Hinweis als Anspielung auf ihren Kosenamen Prinzessin Sophie versteht.

Durch ein Ablenkungsmanöver gelingt es den beiden, etwas Zeit zu gewinnen, die sie allerdings nicht zur Flucht nutzen, da sie inzwischen die Botschaft Saunières entschlüsselt haben: Die Zahlen gehören zur Fibonacci-Folge und sollten die Kryptologieabteilung und damit Neveu anlocken. Die nächsten beiden Zeilen weisen nicht auf Teufel oder Heilige hin, sondern sind Anagramme, mit denen sich die Kryptologin schon als Kind beschäftigte. Die eigentliche Botschaft lautet:

Mona Lisa (1505)

„1 1 2 3 5 8 13 21
LEONARDO DA VINCI!
THE MONA LISA!“

Auf dem Sicherheitsglas des berühmten Gemäldes, der Mona Lisa, entdeckt Neveu eine mit einem Spezialstift geschriebene Botschaft, die sie diesmal schnell entziffern kann. Aus dem Anagramm “SO DARK THE CON OF MAN” wird der englische Titel des Gemäldes der Felsgrottenmadonna, nämlich “MADONNA OF THE ROCKS”.

Felsgrottenmadonna (1486)

Auf der Rückseite des Gemäldes hat Saunière vor seinem Tod einen ungewöhnlichen Schlüssel versteckt, den Neveu sofort wiedererkennt. Sie hat ihn als Kind schon einmal gesehen, als ihr Großvater ihr erklärte, dass dieser Schlüssel ein großes Geheimnis berge. Langdon erkennt anhand der eingravierten Buchstaben PS und des Symbols der Lilie, dass Saunière der Prieuré de Sion angehörte. Wie sich später herausstellt, war der Kurator sogar der Großmeister der Bruderschaft, die als Nachfolger der Tempelritter des Mittelalters das Geheimnis um den Heiligen Gral bewahrt. Nun steht die Bruderschaft vor ihrer größten Krise. Denn neben dem Großmeister wurden auch seine drei Seneschalle ermordet. Das Geheimnis der Familie, das Saunière seiner Enkelin anvertrauen wollte, droht, für immer verloren zu gehen.

Hinter den Morden scheint die Organisation Opus Dei zu stecken, die durch den mordenden Albino Silas und Bischof Manuel Aringarosa vertreten wird. Die Protagonisten gehen davon aus, dass die katholische Kirche das geheime Wissen der Prieuré de Sion unter allen Umständen unter Verschluss halten möchte, weil sonst die Grundfesten der Kirche erschüttert würden.

Das Abendmahl (1498)

Während ihrer Flucht vor der Polizei entdecken Langdon und Neveu eine Adresse auf dem Schlüssel. In der Rue Haxo befindet sich die Zürcher Depositenbank, in der Saunière ein Schließfach besaß. Die beiden öffnen den Tresor mit der umgekehrten Fibonacci-Folge als Zahlencode und entnehmen ihm ein Kästchen aus Rosenholz, das ein Kryptex enthält.

Dieses von Brown erfundene und im Roman Leonardo da Vinci zugeschriebene tragbare Gefäß ist ein hohler Zylinder, der aus fünf Messing-Ringen besteht, ähnlich einem Zahlenschloss. In jeden Ring sind umlaufend Marmorplättchen eingelegt, in die jeweils ein Buchstabe eingraviert ist. Ist das richtige Passwort eingestellt, lässt sich der Zylinder öffnen. Im Inneren ist eine Rolle aus Papyrus. Die Rolle ist um eine zerbrechliche, mit Essig gefüllte Phiole gewickelt. Versucht man das Kryptex mit Gewalt zu öffnen, zerbricht die Phiole und der Essig zersetzt das Papyrus.

Das Gefäß deutet Langdon als den legendären Schlussstein, den Silas in einer früheren Szene vergeblich in der Kirche Saint-Sulpice suchte. Mit ihrem ungewöhnlichen Gepäck steigen sie zuerst in einen Geldtransporter, der vom Bankchef André Vernet, einem Geschäftsfreund Saunières, gefahren wird. Als dieser sie bedroht, um an das Kryptex zu kommen, überwältigen sie ihn und fahren mitten in der Nacht zu Sir Leigh Teabing, der auf Château Villette in der Nähe von Versailles lebt. Der Brite gilt als führender Experte in Sachen Heiliger Gral und klärt Sophie über dessen wahre Natur auf.

Teabing und Sophie werden nun von Silas attackiert, den sie aber überwältigen können. Gemeinsam mit Butler Rémy Legaloudec und dem gefesselten Mörder fliegen sie in Teabings Privatjet nach London. Während des Flugs beschäftigen sie sich mit dem Kryptex. Unter einem Rosen-Emblem im Deckel des Kästchens findet Langdon eine in Spiegelschrift verfasste Botschaft:

“An ancient word of wisdom frees this scroll
and helps to keep her scatter’d family whole
A headstone praised by templars is the key
and atbash will reveal the truth to thee.”

„Ein uralt Wort der Weisheit befreit die Roll’.
und hilft vereinen ihre zerstreute Familie voll.
Der Schlüssel ist ein gepriesener Templerstein,
und Atbasch schenket dir die Wahrheit ein.“

Die drei Schatzsucher können das Rätsel relativ schnell lösen: Der Stein der Templer ist der Gott Baphomet. Wenn man seinen Namen mit dem Atbash-Code übersetzt und einige Besonderheiten des hebräischen Alphabets berücksichtigt, erhält man „σοφία“ („sophia“), das griechische Wort für „Weisheit“. Damit ist das zur Öffnung des Kryptex benötigte Lösungswort mit fünf Buchstaben gefunden, doch darin findet sich nur ein weiteres Kryptex und folgende Botschaft:

Newtons Grab in der Westminster Abbey (2006)

“In London lies a knight a Pope interred.
His labor’s fruit a Holy wrath incurred.
You seek the orb that ought be on his tomb.
It speaks of Rosy flesh and seeded womb”

„In London liegt ein Ritter, den ein Papst begraben.
Seiner Arbeit Frucht ihm heil’gen Zorn hat eingetragen.
Du suche die Kugel, die auf seinem Grab sollt’ sein.
Sie spricht von rosig’ Fleisch und samenvollem Mutterleib.“

In London liegt ein Ritter, der von einem Papst begraben wurde? Das führt Teabing zur Temple Church, einer zentralen Stätte des Ordens der Tempelritter, der 1307 von Papst Clemens V. aufgehoben wurde. Die Spur erweist sich jedoch als falsche Fährte. Remy und Silas, die beide für den anonymen „Lehrer“ arbeiten, welcher die Fäden im Hintergrund zieht, kommen herein und entführen Teabing und das Kryptex.

Hierbei handelt es sich jedoch um eine Täuschung, denn der „Lehrer“ ist Teabing selbst. Während Silas schließlich bei Opus Dei Zuflucht sucht und dort versehentlich Bischof Aringarosa anschießt, ermordet Teabing seinen an einer Erdnuss-Allergie leidenden Butler, auf dessen Hilfe er nun keinen Wert mehr legt. Dies tut er mit einem Flachmann, der den gelösten Bodensatz einer Dose Erdnüsse enthält. Langdon und Neveu kommen derweil bei einer Recherche in der Bibliothek der Lösung näher. Mit „Pope“ ist in diesem Fall nicht das englische Wort für „Papst“ gemeint, sondern der englische Schriftsteller Alexander Pope, der die Grabrede für Isaac Newton schrieb. An dessen Grab in der Westminster Abbey finden sie die Nachricht: „Ich habe Teabing. Gehen Sie durchs Kapitelhaus, durch den Südausgang in den öffentlichen Garten.“ In dem Anbau offenbart ihnen Teabing, dass er der Drahtzieher sei und Saunière als Verräter ansehe, da er die Gralsdokumente nicht zur Jahrtausendwende veröffentlicht hatte. Langdon gelingt es, das Kryptex zu öffnen. Teabing erfährt das Lösungswort, jedoch nicht den Inhalt des Kryptex, da vorher die Polizei mit Fache eintrifft und ihn abführt.

Die fehlende Kugel, auf die in der Botschaft des ersten Kryptex hingewiesen wird, stellt sich als der „Apfel“ heraus, der Newton auf den Kopf gefallen sein soll und ihn so zur Entdeckung der Gravitation führte. Langdon und Neveu reisen nach Schottland, denn die letzte Botschaft scheint auf die Rosslyn-Kapelle zu verweisen:

“The Holy Grail ’neath ancient Roslin waits.
The blade and chalice guarding o’er Her Gates.
Adorned in masters’ loving art, She lies.
She rests at last beneath the starry skies.”

„Der Heilige Gral unter alt Roslin verharrt.
Von Schwert und Kelch sind ihre Tore wohl bewahrt.
Sie liegt, von des Meisters feiner Kunst geschmückt.
Zuletzt ruht sie, unter den Sternenhimmel gerückt.“

Hier trifft Sophie ihren Bruder und ihre Großmutter und erfährt, dass sie selbst eine Nachfahrin der Merowinger und damit von Jesus ist. Aber die Frage, wo sich der Heilige Gral befindet, ist damit noch nicht geklärt. Dieses Geheimnis lüftet Langdon erst, als er zurück in Paris ist. Dort folgt er einer Reihe von Markierungen quer durch die Stadt: der Rosenlinie (eine Fiktion Browns, siehe Meridian von Paris). Die Spur endet im Louvre, dessen Eingangsbereich eine gläserne Pyramide Inversée ist, eine Pyramide, die nach unten zeigt. Sie erinnert ihn an den Kelch, der als Symbol des Göttlich-Weiblichen gilt. Das Geheimnis ruht in der kleineren Pyramide an deren Ende, „umgeben von der Kunst großer Meister unter dem Sternenhimmel“.

Dargestellte Thesen[Bearbeiten]

Brown lässt die Personen in seinem Buch folgende Thesen vertreten: Maria Magdalena repräsentiere einen „Kult der Großen Mutter“, der innerhalb der frühen Christenheit existierte. Sie sei Jesu Ehefrau und die Mutter seiner Tochter Sarah gewesen. Ihr Leib, der Jesu Nachkommenschaft getragen habe, sei der legendäre Heilige Gral, wie man in Leonardo da Vincis kodiertem Gemälde „Das Abendmahl“ sehen könne. Ursprünglich sei sie es gewesen, die von Jesus ausersehen wurde, eine Glaubensgemeinschaft zu gründen. Diese Rolle wird biblisch Petrus zugesprochen.

Das Wissen über Maria Magdalena als Ehefrau Jesu sei vom Konzil von Nizäa im Jahr 325 unterdrückt worden, das im Kontext mit Kaiser Konstantins Eroberung der Alleinherrschaft im Jahr zuvor zu sehen sei. Er soll es auch gewesen sein, der Jesus als göttlich erklärt und damit eigennützige Ziele verfolgt hatte. Jesu Jünger hatten ihn gemäß Brown nicht als Gott angesehen.

Die Gebeine Maria Magdalenas und die geheimen Dokumente, die die wirkliche Geschichte erzählten, seien auf dem Tempelberg gefunden worden, als Jerusalem im ersten Kreuzzug erobert wurde. Diese „Wahrheit“ über Christus und Maria Magdalena sei durch eine Geheimgesellschaft namens Prieuré de Sion am Leben erhalten worden, die später den Templerorden gegründet hat. Vielen berühmten Persönlichkeiten, wie Leonardo da Vinci und Isaac Newton, wird nachgesagt, dort eine hohe Position bekleidet zu haben.

Diese Geschichte stehe in enger Beziehung mit den 1945 entdeckten gnostischen Evangelien von Nag-Hammadi.

Der altfranzösische Ausdruck für den Heiligen Gral Sangreal heiße richtig gelesen Sang Real, was übersetzt „königliches Blut“ bedeutet. Damit seien die Merowinger gemeint, die als Nachkommen Maria Magdalenas und Jesu bezeichnet werden und deren Stammbaum heute noch in Frankreich fortgeführt werden soll.

Browns Variante der Gralslegende[Bearbeiten]

Der Heilige Gral wird von Brown als der weibliche Mutterschoß und die weibliche Gebärfähigkeit im Allgemeinen und im Speziellen der Mutterschoß von Maria Magdalena interpretiert.

Demnach sei er ein Symbol für die Verehrung der Urmutter und die Fähigkeit der Frau, Leben hervorzubringen. Diese Vorstellung decke sich sowohl mit der symbolischen Form (Kelch oder Gefäß) als auch inhaltlich mit den Überlieferungen anderer Beschreibungen, die ihn als einen Ort des Ursprungs, des Paradieses, des Gleichgewichtes, der Harmonie oder als Kessel der Wiedergeburt bezeichneten.

Allerdings ergänzt Brown diese symbolische Deutung des Grals um einen materiellen Aspekt. Diesen bilden die sterblichen Überreste Maria Magdalenas sowie die Dokumente ihrer Ehe und Kinder mit Jesus Christus. All das wurde laut Brown von den Templern in den Trümmern des Tempels gefunden und bedrohe die Existenz der Kirche, da es deren Jesusbild falsifiziere. Zum Schutz des wahren Grals seien von der Prieuré de Sion unterschiedliche Methoden entwickelt worden, zum Beispiel die eigentliche Legende vom Heiligen Gral, die zugleich auch intensiv mit Symbolen des göttlichen Weiblichkeitskultes verknüpft ist.

Das Abendmahl (Ausschnitt)
Das Abendmahl (vergrößerter Ausschnitt)

In seinem Werk „Das Abendmahl“ zeige Leonardo da Vinci die Wahrheit: Jesus zur rechten Seite sitze nicht, wie von der Kunstgeschichte allgemein angenommen, der bartlose Jünger Johannes, sondern Maria Magdalena, und zwischen den beiden werde ein mit der Spitze nach unten zeigendes Dreieck angedeutet. Dies sei sowohl das Symbol für den Mutterschoß als auch für das göttlich Weibliche. Die komplementären Farben der Kleidung von Jesus und Maria Magdalena ergänzten sich wie das Männliche und Weibliche. Die Körperhaltung der beiden entspreche ebenfalls der V-Form. Außerdem fehle der Kelch auf dem Bild, weil Maria Magdalena selbst ja der Heilige Gral sei. Eine Verschiebung von Maria Magdalena von der linken auf die rechte Seite Jesu Christi vollende das Werk.

Dan Browns Quellen[Bearbeiten]

Als Hauptquellen für Browns Roman gilt das 1982 erschienene Buch Der Heilige Gral und seine Erben (Holy Blood, Holy Grail) von Henry Lincoln, Michael Baigent und Richard Leigh. Die Autoren bezogen sich auf gefälschte Dokumente Pierre Plantards, der sich damit als Nachfahre der Merowinger ausgeben wollte, ergänzten diese allerdings ihrerseits um eine Abstammung von David und Jesus.

Baigent, Lincoln und Leigh sind auch die Quelle für die Theorien bezüglich der Urkunden zur Prieuré de Sion, die von Abbé Bérenger Saunière in der Kirche Sainte Marie-Madeleine in Rennes-le-Château gefunden worden seien. Nach ihm ist der ermordete Kurator und Großmeister Jacques Saunière in Browns Roman benannt.

Nach Auffassung Baigents und Leighs stellt die Verwendung von Motiven ihres Buchs im Roman eine Verletzung ihrer Urheberrechte dar. Beide haben deshalb eine Urheberrechtsschutzklage gegen den Verlag Random House erhoben, die jedoch von einem Londoner Gericht abgewiesen wurde.[1][2]

Brown weist im Roman verschlüsselt auf seine Quellen hin: Der Name des Gralsexperten Leigh Teabing ist ein Anagramm aus den Namen der Autoren Leigh und Baigent. Der Hinweis auf Henry Lincoln, den dritten Autor, besteht im körperlichen Zustand des kranken Teabing, der dem Lincolns sehr ähnelt. Außerdem wird ihr Hauptwerk „Der heilige Gral und seine Erben“ im 60. Kapitel des Romans ausdrücklich erwähnt.

Weitere Quellen Browns sind:

  • Das apokryphe Philippusevangelium, aus dem er in Kap. 58 Spruch 55 zitiert: „Und die Gefährtin von Christus ist Maria Magdalena. Der Herr liebte sie mehr als alle anderen Jünger, und er küsste sie oftmals auf ihren [Mund]. Die übrigen Jünger […] sagten zu ihm: ‚Weshalb liebst du sie mehr als uns alle?‘“
  • „Beyond God the Father: Towards a Philosophy of Women’s Liberation“, 1973, dt. „Jenseits von Gottvater, Sohn & Co“ und „Gyn-Ecology: The Metaethics of Radical Feminism“, 1978, dt. „Gyn/Ökologie. Die Metaethik des Radikalen Feminismus“ von Mary Daly
  • „The Templar Revelation: Secret Guardians of the True Identity of Christ“ von Lynn Picknett und Clive Prince, 1997
  • „The Woman with the Alabaster Jar: Mary Magdalen and the Holy Grail“, 1993 und „Goddess in the Gospel: Reclaiming the Sacred Feminine“, 1998 von Margaret Starbird: „Maria Magdalena und der weibliche Fruchtbarkeitskult“

Rezeption[Bearbeiten]

Brown gibt an, in seinem Roman historische Fakten mit Fiktion zu verknüpfen, so zum Beispiel im Mai 2006 in einem Interview mit dem ZDF-Kulturmagazin aspekte. Die im Buch kolportierten Verschwörungstheorien sind sowohl von Seiten der römisch-katholischen Kirche und anderer christlicher Konfessionen als auch von nicht-kirchlicher Seite kritisiert worden. Einzelne Vertreter der römisch-katholischen Kirche raten ihren Gläubigen davon ab, das Werk zu lesen.[3]

Brown sagt auf den ersten Seiten von Sakrileg: „Sämtliche in diesem Roman erwähnten Werke der Kunst und Architektur und alle Dokumente sind wirklichkeits- bzw. wahrheitsgetreu wiedergegeben.Historiker, Theologen und Kunsthistoriker weisen jedoch darauf hin, dass Browns Quellen sich teilweise auf gefälschte Dokumente berufen und ihre Schlussfolgerungen ebenfalls akademischem Konsens widersprechen. Die Süddeutsche Zeitung zum Beispiel bezeichnete das Buch mit seinen aus „Wahn und Unsinn“ bestehenden Spekulationen als „schönstes Beispiel der paranoiden Geschichtswissenschaft“, Der Tagesspiegel kritisiert Browns Methode, „eine Menge Fakten und Tatsachen zu verwenden und sie mit mehrdeutigen Stellen aus den apokryphen Schriften und einigen kulturgeschichtlichen Betrachtungen rund um die Legende vom Heiligen Gral anzureichern“.

Browns Behauptung, dass auf Leonardos Abendmahl rechts neben Jesus Maria Magdalena zu sehen sei, wird von akademischen Kunsthistorikern nicht geteilt. Es wird vielmehr darauf verwiesen, dass die Darstellung des traditionell langhaarig und bartlos gemalten Apostels Johannes zumeist noch relativ kindliche, beinahe feminine Züge trage und es deswegen unwahrscheinlich sei, dass Leonardo durch eine weitverbreitete Darstellungsweise etwas Besonderes zum Ausdruck habe bringen wollen. Auf dem Bild sind dreizehn Personen zu sehen; die Person links von Christus würde damit Maria Magdalena und den Apostel Johannes in einer Person vereinen. Außerdem wird in dem Bild nicht das Abendmahl direkt gezeigt, sondern die Szene, nachdem Jesus sagte, dass ihn einer der Anwesenden verraten hat. Damit ist auch das „V“ zwischen Jesus und Johannes geklärt, der sich einfach nach hinten lehnt, um verstehen zu können, was man ihm sagt. Der Autor beruft sich beinahe ausschließlich auf mehrere Bücher zweier Fernsehjournalisten statt auf kunsthistorische Fachwerke.

Viele Wissenschaftler lehnen Browns Interpretationen auch deshalb entschieden ab, weil sie historische Irrtümer enthalten und viele wichtige Elemente außer Acht lassen wie z. B., dass die Gralslegende erst im Mittelalter entstand und der einzige Bezug zum biblischen Text Josef von Arimathäa ist, der das Blut Jesu in einer Schale aufgefangen haben soll. Selbst wenn man diese Schale mit dem Heiligen Gral gleichsetzt, hätte Leonardo keinen Grund gehabt, diese Schale beim letzten Abendmahl darzustellen, da sie zur Kreuzigungsszene gehöre.

Die Göttlichkeit Jesu wird bereits im Neuen Testament mehrfach angesprochen und wurde in der kirchlichen Orthodoxie nie in Frage gestellt. Das erste Konzil von Nicäa entschied nicht darüber, ob Jesus als Gott oder als Mensch anzusehen sei, sondern stellte fest, dass er mit Gott-Vater „wesensgleich“ und nicht, wie die Arianer behaupteten, nur „wesensähnlich“ sei. Die These, Jesus sei nur als Mensch anzusehen, stand nicht zur Debatte. Brown gibt fälschlich an, die Abstimmung auf diesem Konzil sei äußerst knapp ausgefallen – in Wahrheit gab es nur drei Gegenstimmen zum Konzilsentscheid, während der Rest der anwesenden Bischöfe zustimmte.

Eine ausführliche Kritik aus theologischer Sicht bietet Darrell L. Bock, Professor für Neues Testament, in seinem Buch „Breaking The Da Vinci Code”. Unter anderem stellt er fest: „Maria Magdalena war eine gläubige Jüngerin, eine Zeugin für Kreuz, Begräbnis und Auferstehung Jesu. […] Sie war nicht mit Jesus verheiratet; zumindest gibt es keinen Beweis dafür in der Bibel oder außerhalb ihrer.“ (Lit.: Bock, S. 29) Bock fasst zusammen: „Zwei historische Behauptungen des Thrillers halten stand: 1. Frauen wurden in ihrer Stellung emporgehoben durch das, was Jesus lehrte (jedoch möglicherweise nicht so sehr, wie manche annehmen möchten). 2. Maria Magdalena war keine Prostituierte. Die übrigen Grundlagen der Geschichte sind aus Sand hergestellt.“ (Lit.: Bock, S. 154).

Das Philippusevangelium, das Brown als Beleg für die Ehe zwischen Jesus und Maria Magdalena anführt, gehört zu den späten apokryphen Evangelien. Da es erst rund 250 Jahre nach Jesu Tod verfasst wurde, hat es nur geringen Anspruch auf Authentizität. Die Ausschlag gebende Stelle im Original ist lückenhaft überliefert, deren Übersetzung daher höchst unsicher.

Ganz offensichtlich falsch ist die Bezeichnung „Schriftrollen“ für die Nag-Hammadi-Texte. Bei ihnen handelt es sich um Kodizes, also Bücher. Die in der deutschen und englischen illustrierten Ausgabe abgebildete Qumran-Rolle hat mit dem Roman nichts zu tun, steht obendrein auf dem Kopf und ist spiegelverkehrt abgebildet.[4]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dan Browns umfangreiche Zeugenaussage. Massimo Introvigne nennt sie „eine faszinierende Autobiographie des Schriftstellers“
  2. Dan Brown gewinnt auch das Berufungsverfahren
  3. Artikel Radio Vatikan, der sich ausdrücklich darauf beruft, dass der Vatikan keinen Boykottaufruf macht
  4. Alexander Schick: Jesus Christus, Leonardo da Vinci (Factum Magazin, 4, 2005) – PDF

Literatur[Bearbeiten]

  • Dan Brown: Sakrileg. (orig.: The Da Vinci Code), Lübbe, 2004, ISBN 3-7857-2152-8 (Der Originalroman)
  • Darrell L. Bock: Die Sakrileg-Verschwörung. Fakten und Hintergründe zum Roman von Dan Brown. Brunnen-Verl., Gießen 2006 (engl.: Breaking The Da Vinci Code, 2004) ISBN 3-7655-1926-X (historische und theologische Hintergründe aus der Sicht eines Neutestamentlers)
  • Dan Burstein (Hrsg.): Die Wahrheit über den Da-Vinci-Code. Goldmann, München 2004, ISBN 3-442-15330-1
  • Walter-Jörg Langbein: Das Sakrileg und die Heiligen Frauen. Das Geheimnis um Jesu Nachkommen. Rütten und Loening, Berlin 2004, ISBN 3-352-00655-5
  • Marie-France Etchegoin, Frédéric Lenoir: Das Geheimnis des Da-Vinci-Code. Geheimbünde, Verschwörungen, codierte Gemälde und die wahren Schauplätze in Dan Browns „Sakrileg“. Serie Piper, München 2005, ISBN 3-492-24630-3 (französischer Originaltitel Code Da Vinci: L’enquête), (von einer auf Kriminalfälle spezialisierten Journalistin beim „Nouvel Observateur“ und einem Soziologen, Philosophen und Schriftsteller, Chefredakteur der Zeitschrift „Le Monde des religions“)
  • Marc Hillefeld: Ein Code wird geknackt. Dan Browns Roman „Sakrileg“ entschlüsselt! vgs, Köln 2004, ISBN 3-8025-3420-4
  • Sharan Newman: Schlüssel zum Da-Vinci-Code. Die wahren Hintergründe von „Sakrileg“. Ullstein, Berlin 2005, ISBN 3-548-36785-2
  • Erwin W. Lutzer: Der ’Da Vinci Code’. Fakt oder Fiktion? Dan Browns „Sakrileg“ entlarvt. Christl. Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2005, ISBN 3-89436-468-8
  • Alexander Schick, Michael Welte et al.: Das wahre Sakrileg. Die verborgenen Hintergründe des Da-Vinci-Codes – Das Geheimnis hinter Dan Browns Weltbestseller. Knaur, München 2006, ISBN 3-426-77955-2 (Website des Autors zum Buch mit Textauszügen)
  • Hank Hanegraaff und Paul L. Maier: Dan Browns Sakrileg (The Da Vinci Code). Daten, Fakten und Hintergründe. CLV, Bielefeld 2006, ISBN 3-89397-553-5 (PDF), (In Teil 1 beschreibt der Historiker, Theologe und Romanautor Paul L. Maier Fehler in Sakrileg, in Teil 2 stellt der Präsident des konservativen evangelikalen Christian Research Institute, Hank Hanegraaff, seine „historische Wahrheit“ aufgrund der Bibel und theologischer Forschungen dar.)
  • Oliver Mittelbach: Dan Browns Thrillerschauplätze als Reiseziel. 4. Auflage, Verlag books&friends, Essen 2006, ISBN 3-9809408-4-5 (Sakrileg-Tour durch Paris und London, Illuminati-Tour durch Rom, Diabolus-Tour durch Sevilla.)
  • Joachim Valentin (Hrsg.): Sakrileg – eine Blasphemie? Dan Browns Werk kritisch gelesen. Aschendorff, Münster 2007, ISBN 978-3-402-11785-9.

Weblinks[Bearbeiten]