Barlinek

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Barlinek
Wappen von Barlinek
Barlinek (Polen)
Barlinek
Barlinek
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Myślibórz
Fläche: 17,54 km²
Geographische Lage: 53° 0′ N, 15° 12′ O5315.2Koordinaten: 53° 0′ 0″ N, 15° 12′ 0″ O
Einwohner: 14.263
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 74-320
Kfz-Kennzeichen: ZMY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 151 ŚwidwinGorzów Wielkopolski
DW 156 Lipiany ↔ Klesno
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 20 Ortsteile
Fläche: 258,77 km²
Einwohner: 19.810
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 77 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3210013
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Zygmunt Siarkiewicz
Adresse: ul. 28 lutego 16
74-320 Barlinek
Webpräsenz: www.barlinek.pl
Stadtpanorama
Marktplatz um 1900

Barlinek [bar'ljinɛk] (deutsch: Berlinchen) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern im Powiat Myśliborski. Die Gmina Barlinek ist eine Stadt- und Landgemeinde, die ihren Sitz in Barlinek hat.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt in der Neumark am Nordufer des Berlinchener Sees (Nipperwitzsee) im Tal des Flusses Płonia (Plöne) in einer Hügel- und Seenlandschaft im Süden der Woiwodschaft Westpommern. Die nächste größere Stadt, Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe), befindet sich 30 Kilometer südlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Dass Berlinchen seinen Namen Berliner Fischern verdankt, die sich im 13. Jahrhundert an der Plöne niederließen und ihrer Siedlung einen Namen im Gedenken an ihre alte Heimat gaben, ist wohl nur eine Sage ohne nachprüfbaren Wahrheitsgehalt. Nachgewiesen ist, dass an der engsten Stelle des Plönetals um 1270 von dem Müller Heinrich Toyte eine Mühle betrieben wurde, die sich im Besitz der brandenburgischen Markgrafen Otto und Albrecht befand. Die Markgrafen waren bestrebt, das von ihnen erst vor kurzem in Besitz genommene Gebiet, die Neumark, gegen die nördlichen Konkurrenten, die pommerschen Herzöge, zu sichern. Dies geschah unter anderem durch eine konsequente Siedlungsoffensive. Da die Mühle im Plönetal nahe der pommerschen Grenze lag, beauftragten sie den Müller Toyte mit der Urkunde vom 25. Januar 1278 mit der Gründung der Stadt „Neu Berlyn“.[2] Zur finanziellen Sicherung des Vorhabens überließen sie Toyte ein Drittel aller Einnahmen der künftigen Stadt. Die Stadt war vor allem als Gegenpol zur nur wenige Kilometer nördlich gelegenen pommerschen Burg Bernstein ausersehen. Diese Aufgabe hatte sich jedoch bald erledigt, denn schon 1280 eroberten die Brandenburger Bernstein. Es galt künftig nur noch, den strategisch wichtigen Plöneübergang zu sichern, deshalb wurde Anfang des 14. Jahrhunderts eine steinerne Befestigungsanlage errichtet. Wann die Stadt den Namen Berlinchen annahm, ist nicht überliefert.

1348 verlieh Markgraf Ludwig den Bürgern der Stadt die Holzgerechtsame in der Landsberger Heide. Es war ihnen dadurch erlaubt, kostenlos Bauholz zu beziehen. Dieses Recht bestand bis 1859. Ein großer Brand legte 1499 fast die gesamte Stadt in Asche. Im Dreißigjährigen Krieg hatte Berlinchen schwer zu leiden. An einer wichtigen West-Ost-Verbindung gelegen, war die Stadt fast ständig von einer Kriegspartei besetzt, denen sie Abgaben zu leisten hatte und von denen sie auch in anderer Weise geplündert wurde. Hinzu kamen die Pestepidemien der Jahre 1626 und 1631, sodass am Ende des Krieges von ehemals 206 Häusern nur noch 108 bewohnt waren. 1665 und 1672 brachen nochmals Brände aus, die schwere Schäden anrichteten und zum Beispiel die Kirche und das Rathaus vernichteten.

Hatten sich die brandenburgischen Herrscher in den letzten Jahrhunderten wenig um die Weiterentwicklung der Neumark gekümmert, so wendete sich die Lage nach Gründung des preußischen Königreiches 1701 zum Positiven. Ein neues Siedlungsprogramm brachte auch für Berlinchen einen Zuwachs an Einwohnern und mit der Etablierung des Tuchmacherhandwerks eine neue Lebensgrundlage. Die Einführung von regelmäßigen Wochenmärkten ab 1713 sorgte für die weitere Konsolidierung des Wirtschaftslebens. Schließlich profitierte die Stadt auch von dem Trockenlegungsprogramm für den Warthe- und Netzebruch, das Friedrich der Große 1770 veranlasste. Der Fortschritt ist an den steigenden Bevölkerungszahlen abzulesen. Von weniger als 1000 Einwohnern zu Beginn des Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung bis 1790 auf 1700 Menschen.

Rückschläge erlitt Berlinchen durch den Siebenjährigen Krieg, der eine längere Besetzung durch russische Truppen mit sich brachte, und durch die napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Stadt zur Durchmarschstation der Franzosen wurde. Mit der politischen Stabilisierung nach dem Wiener Kongress von 1815 konnte sich Berlinchen schnell wieder erholen und wies schon bald ein reges Handwerkstreiben aus, für das über 200 Meister zumeist aus dem Brauerei- und Tuchmachergewerbe sorgten. Auch Seidenraupenzucht wurde betrieben. Berlinchen begann zu einem beliebten Erholungsort für bürgerlicher Berliner Familien und insbesondere Oberschüler zu werden.[3] Für weiteren Fortschritt sorgten 1860 der Ausbau der Straßenverbindung nach Landsberg und 1893 die Eröffnung der Eisenbahnlinie Soldin–Arnswalde.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde eine öffentliche Wasserleitung und Kanalisation verlegt, ab 1920 sind die Einwohner mit Gas und Elektrizität versorgt. Die Stadt hatte sich inzwischen von einer unbedeutenden Ackerbürgerstadt zu einem regionalen Handels- und Industriezentrum entwickelt und war 1921 mit 5896 Einwohnern neben der Kreisstadt Soldin zweitgrößte Stadt im Landkreis. Nachdem Berlinchen wegen seiner landschaftlich reizvollen Lage auch vom aufstrebenden Fremdenverkehr entdeckt wurde, konnte es sich bald mit dem Titel „Perle der Neumark“ schmücken. Bis 1939 erhöhte sich die Einwohnerzahl nochmals auf 7603. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Berlinchen an Polen und erhielt den Namen Barlinek.

Gemeinde[Bearbeiten]

St.-Bonifatius-Kirche in Barlinek

Zur Stadt- und Landgemeinde Barlinek gehören die Ortschaften (deutsche Namen bis 1945)[4]:

  • Dziedzice (Deetz)
  • Dzikowo (Dieckow)
  • Dzikówko (Neu Dieckow)
  • Jarząbki (Steinwehrsruh)
  • Krzynka (Kriningswerder)
  • Lutówko (Albertinenburg)
  • Łubianka (Breitebruch)
  • Moczkowo (Tobelhof)
  • Moczydło (Mückeburg)
  • Mostkowo (Chursdorf)
  • Okunie (Wuckensee)
  • Osina (Espenbusch)
  • Ożar (Berlinchener Feld)
  • Płonno (Klausdorf)
  • Równo (Ruwen)
  • Rychnów (Richnow)
  • Strąpie (Trampe)
  • Swadzim (Swadzim)
  • Żydowo (Siede)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kirche des Unbefleckten Herzens Mariens (gotisch)
  • Stadtmauer
  • Bürgerhäuser
  • katholische Kirche St. Bonifatius (1923 von Wilhelm Fahlbusch)

Verkehr[Bearbeiten]

Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe), die nächstgrößere Stadt, befindet sich 30 Kilometer südlich und ist über die Woiwodschaftsstraße 151 (droga wojewódzka 151) zu erreichen. Über die Woiwodschaftsstraße 156 gelangt man nach Lipiany ( Lippehne) bzw. nach Strzelce Krajeńskie (Friedeberg Nm.).

Seit Schließung der Bahnstrecke von Choszczno (Arnswalde) nach Głazów (Glasow) besteht kein Bahnanschluss mehr.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Barlinek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Genealogische Informationen[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 196.
  3.  Johannes Schmidt: Die Französische Domschule und das Französische Gymnasium zu Berlin: Schülererinnerungen 1848-1861. Kovac, Hamburg 2008, ISBN 978-3-8300-3478-0.
  4. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  5. http://www.barlinek.pl