Świdwin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Świdwin
Wappen von Świdwin
Świdwin (Polen)
Świdwin
Świdwin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Świdwiński
Fläche: 22,51 km²
Geographische Lage: 53° 46′ N, 15° 47′ O53.76666666666715.783333333333Koordinaten: 53° 46′ 0″ N, 15° 47′ 0″ O
Einwohner: 15.725
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 78-300 bis 78-301
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZSD
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 151: Świdwin–Gorzów Wielkopolski
DW 152: PłotyBuślary
DW 162: Drawsko PomorskieKołobrzeg
Schienenweg: PKP-Bahnstrecke Nr. 202: Stargard in PommernDanzig
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde, auch: Landgemeinde
Einwohner: 15.725
(31. Dez. 2013)[1]
Gemeindenummer (GUS): 3216011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jan Owsiak
Adresse: Plac Konstytucji 3 Maja 1
78-300 Świdwin
Webpräsenz: www.swidwin.pl

Świdwin (deutsch Schivelbein) ist eine Kreisstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie hat etwa 15.000 Einwohner und ist Verwaltungssitz einer Landgemeinde (gmina wiejska) mit über 6000 Bewohnern.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt am linken Ufer des Flusses Rega im Zentrum der Woiwodschaft Westpommern (Hinterpommern) und an den nordwestlichen Ausläufern der Pommerschen Schweiz. Im Norden erstreckt sich ein großes Waldgebiet mit dem 176 m hohen Kłorowka (Klorberg). Stettin ist etwa 100 km entfernt, die Ostsee bei Kołobrzeg (Kolberg) erreicht man nach 44 km. Świdwin liegt an der Bahnlinie Stargard SzczecińskiKoszalinDanzig (PKP-Kursbuch: Linie 202). Von hier aus bestand ehemals auch Anschluss an die nach Połczyn Zdrój (PKP-Kursbuch: Linie 421), die jedoch seit 2006 stillgelegt ist und zurückgebaut wird.

Stadt Świdwin (Schivelbein)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Schivelbein hatte in seiner fast siebenhundertjährigen Geschichte mehrmals seine herrschaftliche Zugehörigkeit gewechselt. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts gehörte das Gebiet um Schivelbein zum Einflussbereich des pommerschen Herzogs Barnim I.. Im Jahre 1248 übereignete der Herzog einen Teil seines Landes, zu dem auch das Schivelbeiner Gebiet gehörte, an den Bischof Hermann von Cammin. Zur gleichen Zeit bemühten sich die brandenburgischen Markgrafen, die von ihnen beherrschte Neumark nach Norden auszudehnen. So kam es dazu, dass der Camminer Bischof schon zwanzig Jahre später das Schivelbeiner Gebiet an die Brandenburger weiterverkaufte.[2] 1319 erwarb die Familie Wedell die Stadt Schivelbein, musste sie aber, nachdem sie verarmt war, 1384 an den Deutschen Ritterorden abtreten. Um 1447 war Walther Kersekorf Ordensvogt in Schivelbein, der im Zeitraum 1424–1434 Komtur von Danzig gewesen war.[3] Nach einem erneuten Verkauf 1455 kam die Stadt dann wieder nach Brandenburg, und danach dauerte es dann gut 360 Jahre, ehe Schivelbein nach der preußischen Verwaltungsreform von 1816 wieder zu Pommern kam. Dort war es dann Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, ehe es bei einer abermaligen Gebietsreform 1932 in den Landkreis Belgard eingegliedert wurde.

Schivelbein (etwa 1860) mit Eisenbahn im Vordergrund

Anhand eines Siegels, das die Jahreszahl 1296 trägt, ist belegt, dass Schivelbein zu dieser Zeit bereits als Stadt existierte. Seine Geschicke wurden von einem von der Bürgerschaft gewählten Rat geleitet. Es muss der Stadt wirtschaftlich gut gegangen sein, denn in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden eine massive Stadtbefestigung und die Marienkirche errichtet. Nach der Übernahme durch den Deutschen Orden verschlechterten sich jedoch die Verhältnisse. Der Orden war nicht in der Lage, die Stadt vor den dauernden Überfällen der Raubritter zu schützen, sodass sich die Bürger an den brandenburgischen Kurfürsten um Hilfe wandten. So kam es dazu, dass Schivelbein 1455 wieder unter brandenburgische Herrschaft kam. Die ungünstige Lage, das Schivelbeiner Land war von drei Seiten von Pommern eingegrenzt, beeinträchtigte den Handel allerdings weiterhin, doch herrschte wenigstens über 150 Jahre Frieden. Die Bevölkerungszahl nahm deutlich zu, und mit den schließlich 74 entstandenen Brauereien entwickelte sich Schivelbein zu einer der bedeutendsten Braustädte der Region. Stadtbrände verhinderten jedoch immer wieder ein weiteres Aufstreben, so zerstörte 1619 ein Feuer die gesamte Innenstadt samt Kirche. Noch schwerer traf es die Stadt im Dreißigjährigen Krieg. Sie geriet zwischen die Fronten der schwedischen und kaiserlichen Truppen, und im Kampf um das Schivelbeiner Schloss ging die Stadt in Flammen auf. Mit dem Komtur Georg von Winterfeld flüchteten viele Bürger nach Polen, und am Ende des Krieges waren von ehemals etwa 250 Wohnhäusern noch höchstens 30 übrig. Nach der erfolgten Beseitigung der Kriegsschäden, verwüstete 1689 ein Brand die Stadt. Der Wiederaufbau mit Hilfe durch den brandenburgischen Kurfürsten und später durch König Friedrich Wilhelm I. wurde erst gegen 1720 abgeschlossen. Zu dieser Zeit lebten um die 500 Menschen in der Stadt.

ehemalige Synagoge
Schloss
Schloss

Mit der strukturellen Erholung Schivelbeins entwickelten sich auch Handel und Gewerbe positiv. Die Tuchmacher wurden zur führenden Zunft, gefolgt von den Schuhmachern. Schon zur Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich die Bevölkerungszahl verdoppelt. Erneute Rückschläge kamen mit dem Siebenjährigen Krieg durch russische Besetzung und den napoleonischen Kriegen mit französischen Truppen in der Stadt. Durch geschicktes Finanzgebaren des Schivelbeiner Magistrates, der unter anderem große Teile des städtischen Landbesitzes verkaufte, konnte nach 1815 die Weiterentwicklung der Stadt vorangetrieben werden. Die bisher einer Ausbreitung der Stadt in Wege gestandenen Befestigungsanlagen wurden abgetragen und es entstanden neue Siedlungsgebiete. Innerhalb von fünfzig Jahren verfünffachte sich die Bevölkerungszahl auf über 5000 Einwohner (1875: 5638). War Schivelbein bisher überwiegend eine Ackerbürgerstadt gewesen, verlagerte sich der Schwerpunkt nun zu einem pulsierenden Handelsplatz. Dazu trugen auch der Bau der neuen Chaussee nach Stargard bei, der 1848 abgeschlossen war, sowie der Bahnanschluss, der 1859 erfolgte. Eine Bereicherung für die Stadt war die Gründung der Landwirtschaftsschule, die im Jahre 1877 erfolgte. Der Erste Weltkrieg richtete in Schivelbein keine Schäden an.

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung Schivelbein eine Flächengröße von 30,7 km², und in dem Stadtgebiet standen zusammen 775 Wohnhäuser an insgesamt neun Wohnorten:[4]

  1. Botenhagen
  2. Emilienhof
  3. Neu Schivelbein
  4. Papiermühle
  5. Rittergut Schivelbein
  6. Schivelbein
  7. Stadthof
  8. Wachholzhausen
  9. Walkmühle

Im Jahr 1925 wurden in Schivelbein 8.447 Einwohner, darunter 86 Katholiken und 166 Juden, gezählt, die auf 2.298 Haushaltungen verteilt waren.[4]

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gab es nochmals eine Steigerung der Einwohnerzahl auf 9726 (1939). Anfang 1945 begaben sich die Einwohner Schivelbeins vor den anrückenden sowjetischen Truppen auf die Flucht. Infolge der Kampfhandlung wurde fast die gesamte Innenstadt zerstört, nur das Schloss, die Stadtkirche und das Steintor blieben verschont. Nachdem die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt wurde, zogen in die unbeschädigten Häuser der Außenbezirke polnische und ukrainische Zuwanderer ein, die aus Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen. 1946 wurde Schivelbein in Świdwin umbenannt.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1719, 522[5]
  • 1750: 1.129[5]
  • 1801: 1.607[5]
  • 1816: 1.806, darunter 78 Juden und keine Katholiken[5]
  • 1831: 2.668, davon zehn Katholiken und 122 Juden[5]
  • 1843: 3.422, davon 14 Katholiken und 142 Juden[5]
  • 1852: 4.250, davon 39 Katholiken und 160 Juden[5]
  • 1861: 5.043, davon 41 Katholiken und 253 Juden[5]
  • 1925: 8.447, davon 86 Katholiken und 166 Juden[4]
  • 1939: 9.726

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde die frühere Altstadt zum größten Teil mit Plattenbauten neubebaut – nur wenige Bürgerhäuser blieben erhalten. Dagegen wurden die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt wiederhergestellt.

  • Die Marienkirche ist eine dreischiffige Backsteinbasilika aus dem 14. Jahrhundert, die 1947–1950 mit schlichtem Pyramidenturmhelm wiederaufgebaut wurde.
  • Das frühmittelalterliche Schloss mit seinem aus Findlingen gebauten Hauptgebäude sowie das Steintor sind weitere Beispiele der Backsteingotik.
  • Der Bismarck-Turm im Stadtpark am Ortsende Richtung Drawsko, an der Woiwodschaftsstraße 162

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Louis Arthur von Briesen (1819–1896), preußischer Offizier, zuletzt Generalleutnant
  • Rudolf Virchow (1821–1902), deutscher Pathologe und Politiker
  • Ludwig Senff (1833-1885), Dr. med., deutscher Arzt in Schievelbein von 1857-1859, Militärarzt und Balneologe
  • Otto Georg Bogislaf von Glasenapp (1853–1928), deutscher Beamter, Vizepräsident der Reichsbank
  • Walter Zechlin (1879–1962), deutscher Diplomat, Pressechef der Reichsregierung von 1925 bis 1932
  • Erich Zechlin (1883–1954), deutscher Diplomat, Gesandter in Kowno (1933), später in Helsinki
  • Hans-Joachim von Mellenthin (1887–1971), deutscher Marineoffizier, Widerstandskämpfer und Agronom
  • Wilhelm Petzsch (1892–1938), deutscher Professor für Vorgeschichte
  • Albert Altenburg (1894–1950), deutscher Holzschnitzer und Architekt
  • Karl Gleu (1901–1986), deutscher Chemiker, Professor in Frankfurt am Main
  • Johannes Poeppel (1921–2007), deutscher General, Inspekteur des Heeres
  • Bärbel Kozian (* 1940), deutsche Politikerin (PDS, CDU), ehemalige Abgeordnete der Volkskammer sowie des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern

Gmina Świdwin[Bearbeiten]

Wappen der Gmina Świdwin
Lage der Gmina Świdwin im Powiat

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt Świdwin ist Verwaltungssitz der Landgemeinde (gmina wiejska) Świdwin, gehört ihr als eigenständige Stadtgemeinde jedoch nicht an. Die Gmina Świdwin umfasst eine Fläche von 247,34 km² um die Stadt Świdwin mit 6128 Einwohnern.[6]

Im Gemeindegebiet befindet sich ein Fliegerhorst der Polnischen Luftstreitkräfte.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gmina gliedert sich in folgende 18 Schulzenämter:

Diesen Schulzenämtern sind weitere, kleinere Orte zugeordnet:

Partnergemeinde[Bearbeiten]

  • Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 341-345 (Volltext).
  • Werner Reinhold: Chronik der Städte Belgard, Polzin und Schivelbein und der zu den beiden Kreisen gehörenden Dörfer. Schivelbein 1862, 224 Seiten.
  • Stadt und Land Schievelbein seit Wiedererlangung an die Mark Brandenburg. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates, Band 15, Berlin Posen Bromberg 1834, S. 289-317 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Świdwin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. vergl. z. B.: Ältere Geschichte der Stadt und de Landes Schivelbein bis zur Gelangung desselben an den Deutschen Orden. In: Allgemeines Archiv der Geschichtskunde des Preußischen Staates, Band 5, Berlin Posen Bromberg 1832, S. 348-360.
  3. Walther Kersekorf, Deutscher Ordensvogt der Neumark und Comthur von Danzig. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates, Band 8, Berlin Posen Bromberg 1832, S. 351-360.
  4. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Schivelbein im ehemaligen Kreis Belgard in Pommern (2011)
  5. a b c d e f g h Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 344.
  6. „Ludność – Stan i Struktura w przekroju Terytorialnym“. Główny Urząd Statystyczny, 30. Juni 2010, archiviert vom Original am 7. November 2010, abgerufen am 3. Februar 2014 (PDF; 561 kB).