Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord

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Lage des Biosphärenreservats in Deutschland und Frankreich

Das deutsch-französische Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord wurde 1998 als erstes grenzüberschreitendes Biosphärenreservat der UNESCO in Europa ausgewiesen. Der deutsche Teil war damit das 12. von 15 Biosphärenreservaten in Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Das Biosphärenreservat liegt im Pfälzerwald und in den nördlichen Vogesen an der Nahtstelle zwischen dem südwestdeutschen Bundesland Rheinland-Pfalz und den nordostfranzösischen Regionen Lothringen und Elsass.

Größe und Struktur[Bearbeiten]

Die Gesamtfläche des Biosphärenreservats beläuft sich auf 310.500 Hektar. Davon entfallen 180.000 Hektar auf den Naturpark Pfälzerwald in Deutschland und 130.500 Hektar auf den Regionalen Naturpark Nordvogesen (französisch Parc naturel régional des Vosges du Nord) in Frankreich. Der größte Teil ist von Wäldern bestanden, wie sie auch im gesamten Gebirgsverbund aus Pfälzerwald und Vogesen vorherrschen. Der Wald stellt etwa 74 % der Fläche, der besiedelte Anteil des Gebietes beträgt nur 5 %.

Geschichte[Bearbeiten]

1983 stellten die Träger des Naturparks Pfälzerwald und des Regionalen Naturparks Nordvogesen erste Überlegungen an, deutsche und französische Wanderwege grenzüberschreitend zu verbinden und entsprechend auszuweisen. 1985 wurde eine gemeinsame Vereinbarung zur Zusammenarbeit der beiden Naturparks unterzeichnet. 1989 erfolgte die Anerkennung des Regionalen Naturparks Vosges du Nord als Biosphärenreservat durch die UNESCO. 1996 wurde eine deutsch-französische Vereinbarung zur Schaffung eines Biosphärenreservates Pfälzerwald-Vosges du Nord unterzeichnet, das 1998 durch die UNESCO als grenzüberschreitendes Biosphärenreservat anerkannt wurde.

Zonierung[Bearbeiten]

Rechtliche Vorgaben[Bearbeiten]

Kernzone „Quellgebiet der Wieslauter“: Urwaldartige Buchenbestände am Westhang des Weißenbergs

Entsprechend der von der UNESCO vorgegebenen Zonierung werden Kernzonen ausgewiesen, in denen jegliche Nutzung ausgeschlossen ist. Das sind Gebiete, die bedeutsames Naturerbe darstellen und deren nachhaltiger Schutz geboten ist.

Darüber hinaus werden Pflegezonen festgelegt, in denen nur eine schonende, naturnahe Landnutzung stattfinden darf, sofern dadurch nicht ihr Naturerbe beeinträchtigt wird. Alle übrigen Gebietsanteile sind Entwicklungszonen.

Umsetzung[Bearbeiten]

Im Pfälzerwald wurden Kernzonen aus Waldgebieten eingerichtet, die zum Teil schon geschützt waren. Pflegezonen, die sich an die Kernzonen anschließen, haben große Anteile an bestehenden Naturschutzgebieten. Entwicklungszonen enthalten die intensiver genutzten Bereiche bzw. Siedlungsbereiche.

In den Nordvogesen wurden Kernzonen aus bereits existierenden oder in Gründung befindlichen Naturschutzgebieten gebildet, die über das gesamte Gebiet verstreut liegen. Pflegezonen bestehen hauptsächlich aus Wäldern und Tälern, Entwicklungszonen aus Ortschaften und Gewerbegebieten.

Trägerschaft und Einrichtungen[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz

Als Trägerorganisation für den deutschen Teil des Biosphärenreservats fungiert laut § 6 der Gebietsverordnung der eingetragene Verein Naturpark Pfälzerwald. Mitglieder des Vereins sind diejenigen Landkreise und kreisfreien Städte, die am Biosphärenreservat flächenmäßig Anteil haben, ferner der Bezirksverband Pfalz sowie verschiedene Wander-, Sportvereine und Umweltverbände. Damit soll die Unabhängigkeit von fachlichen und regionalen Einzelinteressen gewährleistet werden. Ziel des Vereins ist es, das Biosphärenreservat einheitlich zu entwickeln und seine Eigenart und Schönheit sowie seinen überregionalen Erholungswert zu pflegen und zu erhalten. Die Geschäftsstelle des Vereins hat seit 1997 ihren Sitz in Lambrecht (Pfalz).
Der Trägerverein Naturpark Pfälzerwald e. V. wurde auf Beschluss seiner Mitgliederversammlung vom 4. Dezember 2013 zum 31. Dezember 2013 aufgelöst und seine Aufgaben auf den Bezirksverband Pfalz übertragen. In einer Sitzung des Bezirkstages Pfalz auf dem Hambacher Schloss am 20 Dezember 2014 erfolgte die formale Beschlussfassung, so dass seit dem 1. Januar 2014 der Bezirksverband Pfalz die alleinige Trägerschaft wahrnimmt. Sitz der Geschäftsstelle des Naturparks Pfälzerwald bzw. deutschen Teils des Biosphärenreservates bleibt auch weiterhin Lambrecht. Im Rahmen der organisatorischen Neustrukturierung wurde ein Ausschuss mit 20 Mitgliedern gebildet, der in erster Linie für die vielfältigen Belange des Biosphärenreservates verantwortlich ist. Er umfasst neben Repräsentanten politischer Organisationen auch fünf Mitglieder, die bisher dem Naturpark-Vorstand angehörten. Es handelt sich um Vertreter des Pfälzerwald-Vereins (PWV), des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), des Pollichia-Vereins für Naturforschung und Landespflege, des Vereins der Naturfreunde sowie der Natursportverbände.

Das Haus der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz im Zentrum des Pfälzerwalds dient als Besucher-Informationszentrum für das Biosphärenreservat. Ein weiteres Besucher-Informationszentrum liegt in Fischbach bei Dahn und weist mehrere Teile auf: Im Biosphärenhaus macht eine Multimediaausstellung biologische und ökologische Grundprinzipien anschaulich und spielerisch erfahrbar. Ein Baumwipfelpfad führt im Zickzackkurs in durchschnittlich 18 Meter Höhe durch den Wald, 35 Meter hoch gelegene Plattformen bieten den Blick von oben auf den Pfälzer Wald. Ein etwa zwei Kilometer langer Biosphären-Erlebnisweg durch das Spießwoogtal verbindet zwölf Mitmachstationen, die dem Besucher Wissenswertes über Natur, Landschaft und Lebensräume vermitteln.

Frankreich[Bearbeiten]

Von den 115 Gemeinden, die den französischen Teil bilden, gehören zwei Drittel zum elsässischen Département Bas-Rhin im Osten und ein Drittel zum lothringischen Département Moselle im Westen. Sie haben sich zum Syndicat de coopération pour le Parc (Sycoparc) zusammengeschlossen. Das Verwaltungszentrum des Naturparks mit angeschlossenem Museum befindet sich im unterelsässischen La Petite-Pierre (deutsch Lützelstein).

Weblinks[Bearbeiten]