Bohemund von Tarent

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Bohemund und der Patriarch Daimbert reisen 1104 nach Apulien zurück. Miniatur aus einer Ausgabe der Histoire d'Outremer, 13. Jahrhundert.

Bohemund von Tarent (auch: Boëmund, Bohemond, Bohemund I., Bohemund von Antiocha etc.) (* 1051/52; † 7. März 1111) aus dem normannischen Adelsgeschlecht Hauteville war ab 1085 Fürst von Tarent, ab 1096 einer der Anführer des Ersten Kreuzzugs und ab 1098 Fürst von Antiochia.

Leben[Bearbeiten]

Bohemund war der älteste Sohn von Robert Guiskard und dessen erster Frau Alberada von Buonalbergo (Aubrée de Bonauberge). Er wurde vermutlich in San Marco Argentano in Kalabrien geboren. Eigentlich auf den Namen Marcus getauft, gab ihm sein Vater, nachdem er eine Geschichte über einen Riesen Buamundus gehört hatte, dem von Geburt an riesigen Kind den Namen Bohemund.

Er nahm am griechischen Feldzug seines Vaters (1080–1085) gegen Alexios I. teil, und führte die Normannen während der Rückkehr seines Vaters nach Süditalien (1082–1084) bis nach Thessalien, wo er von Alexios schließlich zurückgeschlagen wurde.[1]

Fürstentum Tarent[Bearbeiten]

Nach des Vaters Tod (1085) wurde Bohemund mit Tarent belehnt, nicht jedoch mit dem lukrativeren Apulien, das sein Halbbruder Roger Borsa erhielt.

Erster Kreuzzug[Bearbeiten]

1096 griffen Bohemund und sein Onkel Roger I. Amalfi an, das sich erhoben hatte, als Gruppen von Kreuzfahrern auf dem Weg nach Konstantinopel durch Italien zogen. Bohemund schloss sich ihnen mit einem eigenen Kontingent an, setzte über die Adria in das heutige Albanien und zog über die alte Via Egnatia nach Osten. Er kam am 9. April 1097 in Konstantinopel an und war bei der Durchquerung Kleinasiens und der Schlacht von Doryläum dann der faktische Anführer des Ersten Kreuzzugs.[2]

Anna Komnena, die Tochter des Kaisers, gibt in der Alexiade eine Beschreibung Bohemunds als einzigem der Kreuzfahrer; sie traf ihn zum ersten Mal, als sie 14 Jahre alt war und war von ihm fasziniert:

„Nun war [Bohemund] so, kurz gesagt, wie niemand zuvor im Land der Römer jemals gesehen worden war, weder von den Barbaren noch von den Griechen (da er wie ein Wunder für die Augen zu sehen war, und sein Ruf Furcht einflößend). Lasst mich die Erscheinung des Barbaren genauer beschreiben: seine Statur war so groß, dass er die Größten fast um eine Elle überragte, schmal in Taille und Hüfte, mit breiten Schultern, einem großen Brustkorb und mächtigen Armen. Und im Ganzen war der Körper weder zu schlank noch zu massig, sondern perfekt proportioniert und, man kann sagen, in Übereinstimmung mit dem Kanon des Polykleitos gebaut… Seine Haut war am ganzen Körper sehr weiß, und in seinem Gesicht war die Weiße durch Röte gemäßigt. Sein Haar war gelblich, hing aber nicht bis auf die Hüften herab wie bei den anderen Barbaren; da der Mann nicht übertrieben stolz auf seine Haare war, trug er es bis zu den Ohren kurz geschnitten. Ob sein Bart rötlich war oder in einer anderen Farbe, kann ich nicht sagen, da das Rasiermesser sehr eng darüber gefahren war und eine Oberfläche glatter als Kreide hinterlassen hatte… Seine blauen Augen deuteten sowohl einen hohen Sinn als auch Würde an; seine Nase und Nasenlöcher atmeten frei die Luft; seine Brust entsprach seinen Nasenlöchern, und seine Nasenlöchern… der Breite seiner Brust. Die Natur seiner Nasenlöcher hat dem hohen Sinn, der aus seinem Herzen sprudelt, freien Durchgang gegeben. Eine gewisse Anmut umgab diesen Mann, wurde aber teilweise getrübt durch einen allgemeine Eindruck des Schrecklichen… Er war in Sinn und Körper so gemacht, dass Mut und Leidenschaft in ihm ihren Höhepunkt entgegen strebten und sich nach dem Krieg sehnten. Sein Witz war vielfältig und listig und in der Lage, aus jeder Notlage einen Ausweg zu finden. Im Gespräch war er gut unterrichtet, und die Antworten, die er gab, waren ganz unwiderlegbar. Dieser Man von solch einem Format und solchem Charakter war dem Kaiser nur im Schicksal, in der Beredsamkeit und anderen Gaben der Natur unterlegen.“

Fürst von Antiochia[Bearbeiten]

Als Politiker war Bohemund entschlossen, den Enthusiasmus der Kreuzfahrer für seine eigenen Ziele einzuspannen. Er war der erste, der (im Oktober 1097) vor Antiochia Stellung bezog und hatte großen Anteil an der Belagerung der Stadt. Durch Verrat gelang am 2. Juni 1098 die Eroberung Antiochias, aber erst der Sieg über Kerbogas großes Ensatzheer in einer folgenden zweiten Belagerung sicherte den Besitz der Stadt, die Bohemund auch gegen Raimund IV. von Toulouse im Folgenden als eigenes Fürstentum behauptete. Bohemund blieb in Antiochia, während die übrigen Kreuzfahrer sich auf den Weg nach Süden machten, zur Belagerung Jerusalems.

Erst zum Ende des Jahres 1099 pilgerte er zusammen mit Balduin von Boulogne nach Jerusalem und erfüllte damit sein Kreuzzugsgelübde. Im Dezember 1099 wurde er dort vom apostolischen Legaten und Patriarchen von Jerusalem Daimbert von Pisa offiziell mit dem Fürstentum Antiochia belehnt.[3]

Nach dem Tod des Gottfried von Bouillon am 18. Juli 1100 wurde Bohemund auch die Krone von Jerusalem angetragen. Die Annahme wurde ihm aber unmöglich, da er noch im selben Jahr in die Gefangenschaft des Danischmenden-Emirs Danischmend Ghazi geriet, aus der er sich erst 1103 dank der Großzügigkeit eines armenischen Fürsten loskaufen konnte. Nach einer erfolglosen Unternehmung gegen Hârran (siehe Schlacht von Harran), die seine Pläne vereitelte, sein Herrschaftsgebiet nach Osten auszudehnen, kehrte Bohemund 1104 wieder nach Italien zurück, um ein Heer zu sammeln.

Ehe[Bearbeiten]

Auf seiner Reise durch Europa gewann er 1106 die Hand von Konstanze, der Tochter des französischen Königs Philipp I.. Abt Suger von Saint-Denis beschrieb die Hochzeit wie folgt:

Bohemund kam nach Frankreich, um mit allen Mitteln die Hand von Herrn Ludwigs jüngere Schwester Konstanze zu erlangen, einer jungen Frau von außergewöhnlicher Erziehung, eleganter Erscheinung und schönem Gesicht. So groß war der Ruf der Tapferkeit des französischen Königreichs und des Herrn Ludwig, dass sogar die Sarazenen bei der Aussicht auf diese Hochzeit erschreckt waren. Sie war nicht versprochen, da sie die Vereinbarung mit Hugo, Graf von Troyes, gebrochen hatte, und eine weitere ungeeignete Partie zu vermeiden wünschte. Der Fürst von Antiochia war erfahren und reich sowohl an Geschenken als auch Versprechen; er verdiente die Heirat völlig, die mit großem Prunk durch den Bischof von Chartres in Anwesenheit des Königs, der Herrn Ludwig und vieler Erzbischöfe, Bischöfe und Edelmänner des Reiches zelebriert wurde.

Mit Konstanze hatte er zwei Söhne. Der Ältere, Bohemund II. (* 1108; † 1130), wurde sein Erbe und Nachfolger. Der Jüngere, Johann (* vor 1111; † 1115/1120), starb jung in Apulien.

Kampf gegen Byzanz[Bearbeiten]

Geblendet durch diesen Erfolg, entschloss sich Bohemund, seine Armee nicht für die Verteidigung Antiochias gegen die Griechen, die ihn nach Harran von Kilikien aus angegriffen hatten, sondern für den direkten Angriff auf sie einzusetzen. Er wandte sich gegen Epirus, belagerte Durazzo, aber Alexios I., unterstützt von Venedig, erwies sich als zu stark, so dass Bohemund sich 1108 dem erniedrigenden Vertrag von Devol unterwerfen musste, in dem er den byzantinischen Kaiser als Lehnsherren anerkannte.

Bohemund starb 1111, ohne in den Osten zurückzukehren, und wurde in Canosa in Apulien begraben.

Siehe auch: Geschichte von Tarent

Literatur[Bearbeiten]

Die anonyme Gesta Francorum, geschrieben von einem von Bohemunds Gefolgsleuten, und Anne Komnenes Alexiade sind die Primärquellen für Bohemunds Leben.

  • B. von Kugler: Bohemund und Tancred, Fürsten von Antiochien. Tübingen 1862.
  • L. von Heinemann: Geschichte der Normannen in Sicilien und Unteritalien. Leipzig 1894.
  • Reinhold Röhricht: Geschichte des ersten Kreuzzuges. Innsbruck 1901.
  • Reinhold Röhricht: Geschichte das Königreichs Jerusalem. Innsbruck 1898.
  • R.B. Yewdale: Bohemond I., Prince of Antioch. New York 1924.
  • Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. C.H.Beck, München 1995, ISBN 3-406-39960-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bohemund von Tarent – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Runciman, S. 74
  2. Vgl. Runciman, S. 148 ff.
  3. Vgl. Runciman, S. 292
Vorgänger Amt Nachfolger
–– Fürst von Tarent
1085–1111
Bohemund II.
–– Fürst von Antiochia
1098–1111
Bohemund II.