Borommatrailokanat

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Borommatrailokanat (Thai: สมเด็จพระบรมไตรโลกนาถ - Somdet Phra Borommatrailokanat, kürzer Trailokanat (auch Trailokanāth) oder Trailok; * 1431 in Ayutthaya als Prinz Ramesuan; † 1488 in Phitsanulok) war zwischen 1448 und 1488 der 9. König des Königreichs Ayutthaya.

Leben[Bearbeiten]

Wat Chulamani in Phitsanulok mit dem Grabstein für Borommatrailokanat

Prinz Ramesuan (Rāmeśvara) war vermutlich der erstgeborene Sohn von König Borommaracha II. und wurde von diesem zum Thronfolger designiert. Einigen Autoren zufolge war seine Mutter eine Prinzessin des Königreichs Sukhothai, Tochter des Königs Sai Lue Thai. Das lässt sich allerdings nicht in historischen Quellen nachweisen und könnte auf der Missinterpretation oder fehlerhaften Lesung einer Chronik beruhen.[1] Jedenfalls wurde er in eine Zeit geboren, in der die ehemals zu Sukhothai gehörenden Gebiete, die im frühen 15. Jahrhundert zu Vasallen Ayutthayas geworden waren, immer enger an Ayutthaya gebunden wurden und 1438 endgültig Teil des Reichs wurden. Sie wurden nun Müang Nüa („nördliche Stadtstaaten“) genannt, die wichtigste dieser Städte war – nach dem Bedeutungsverlust Sukhothais in den 1430er-Jahren – Phitsanulok. Ramesuans Vater entsandte seinen Thronfolger im Alter von 15 Jahren nach Phitsanulok, um die nördlichen Städte zu verwalten und die Kontrolle der Herrscherfamilie über diese zu verstärken.[2]

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1448 kehrte er nach Ayutthaya zurück, um den Thron zu besteigen, und nahm den Namen Borommatrailokanat an. Im Jahr 1454 erließ er zwei Gesetze, eins über die zivile und eins über die militärische Hierarchie. An der Spitze der beiden Hierarchien richtete er die beiden Ministerien Kalahom (eine Art Kriegsministerium) und Mahatthai (zuständig für zivile Verwaltung und Arbeitsorganisation) ein. Auch führte er durch diese Gesetze das Sakdina-System (wörtlich „Macht über Reisfelder“) ein, nach dem jedem Adeligen und Untertan ein bestimmter Rang, messbar in einer symbolischen Flächengröße in Rai (1600 Quadratmeter), zugesprochen wurde.[3] Dieses Recht bestand bis zu den Reformen Chulalongkorns (Ramas V.) Ende des 19. Jahrhunderts fort. Auch die bis ins 20. Jahrhundert vergebenen nichterblichen Adelstitel für höhere Beamte und Militärs wurden in dieser Zeit eingeführt oder zumindert festgeschrieben. Durch diese formalisierte und institutionalisierte Staatsorganisation war die (in Südostasien chronisch knappe) Arbeitsleistung für Krieg und Bauprojekte in Ayutthaya effizienter organisiert als in anderen Reichen der Region. Dadurch hatte Ayutthaya einen Vorteil gegenüber seinen Nachbarn, die in der Regel nur auf personalen Beziehungen zwischen dem Herrscher und seinen Untergebenen aufbauten und dadurch wesentlich instabiler waren.[4]

Die aus dem untergegangenen Königreich Sukhothai hervorgegangenen nördlichen Müang waren Mitte des 15. Jahrhunderts umkämpft zwischen Ayutthaya und dem nördlich angrenzenden Königreich Lan Na, das in dieser Zeit von König Tilokarat beherrscht wurde. Sowohl Trailok als auch Tilokarat erhoben den Anspruch, der Chakravartin (universeller Herrscher der buddhistischen Welt) zu sein.[5] Lan Nas Truppen belagerten 1459 bis 1460 erfolglos Phitsanulok, in Sukhothai brach zur gleichen Zeit eine Rebellion aus. Ein Teil des lokalen Adels wollte sich Lan Na anschließen. 1463 siedelte Trailok daher mit seinem Hof nach Phitsanulok über, um näher an der Front zu sein und eine bessere Kontrolle über den Norden seines Reiches zu haben. Die Verwaltung von Ayutthaya überließ er seinem Sohn und Vizekönig (Uparat), dem späteren König Borommaracha III. 1463 konnte Sukhothai schließlich von Lan Nas zurückerobert werden. 1474/75 schlug Trailok die Truppen Lan Nas beim damaligen Sawankhalok (heute Si Satchanalai). Dadurch waren die Ansprüche Lan Nas auf die nördlichen Müang endgültig zurückgeschlagen, die Herrschaft Ayutthayas über diese gesichert. Die Geschehnisse dieses Krieges wurden in dem epischen Gedicht Yuan Phai („die Niederlage der (Tai) Yuan“) thematisiert, eines der komplexesten und bedeutendsten überlieferten literarischen Werke aus der Ayutthaya-Periode.[6] Auch wird Borommatrailokanat die Autorenschaft des Gedichts Thet Mahachat (Große göttliche Wiedergeburt) zugeschrieben, ein vom Buddhismus inspiriertes Werk, das auf der Jataka Nr. 547 beruht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Michael Vickery: A Guide through some Recent Sukhothai Historiography. In: Journal of the Siam Society, Band 66, Nr. 2, 1978, S. 182–246, auf S. 189–190.
  2. Michael C. Howard: Transnationalism in Ancient and Medieval Societies. The Role of Cross-Border Trade and Travel. McFarland, Jefferson NC 2012, S. 200.
  3. Volker Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. C.H. Beck, München 2010, S. 40–41.
  4. Sunait Chutintaranond: Cakravartin. Ideology, Reason and Manifestation of Siamese and Burmese Kings in Traditional Warfare (1548–1605). Dissertation, Cornell University, Ithaca NY 1990, S. 154–157.
  5. Grabowsky: Kleine Geschichte Thailands. 2010, S. 42–43.
  6. Klaus Wenk: Thai Literature – an introduction. White Lotus, Bangkok 1995. ISBN 974-8496-33-3.