Mongkut

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Porträt König Mongkuts im Großen Palast
Unterschrift: S[omdet] P[hra] P[oramenthra] M[aha] Mongkut, Rex Siamensium

König Mongkut, (Rama IV.) (* 18. Oktober 1804 in Bangkok, Thailand; † 18. Oktober 1868 ebenda) gab sich selbst den Namen Phra Chomklao Chaoyuhua, der auch in Thailand verwendet wird (Thai: พระบาทสมเด็จ พระจอมเกล้าเจ้าอยู่หัว, gesprochen: [pʰrábàːt sǒmdèt pʰráʔ ʨɔːmklâw ʨâw jùː hǔːa]). Er war König von Siam von 1851 bis 1868 und ist der Urgroßvater des amtierenden Königs.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Mongkut mit Tonsur und Mönchsrobe

Prinz Mongkut war der Enkel des Begründers der Chakri-Dynastie Phra Puddha Yodfa (Rama I.) und der Sohn von König Phuttaloetla (Rama II.) und dessen erster Gemahlin Königin Sri Suriyendra. Der erste Sohn des Königspaars war bei der Geburt 1801 gestorben. Prinz Mongkut war fünf Jahre alt, als sein Vater im Jahre 1809 zum König gekrönt wurde. Nach dessen Tod hätte gemäß der Erbfolge eigentlich Prinz Mongkut Thronfolger sein sollen, aber sein einflussreicher Halbbruder Nangklao wurde vom Thronrat bevorzugt und als Rama III. gekrönt. Daher entschied sich Prinz Mongkut Mönch zu werden.

Die Zeit als buddhistischer Mönch[Bearbeiten]

Im Alter von 20 Jahren wurde Prinz Mongkut, wie es die Tradition verlangte, im Wat Samorai (wörtlich „Kloster mit den Ankersteinen“, heute: Wat Ratchathiwat) zum Mönch ordiniert (Mönchsname: Vajirañāṇo). Als er nach 3-jährigem Studium die Abschlussprüfung der Pali-Sprache mit Auszeichnung absolvierte, wurde er vom König zum Leiter des Pali-Prüfungsgremiums ernannt. Bei ausgedehnten Pilgerfahrten besuchte er die alten Hauptstädte Ayutthaya und Sukhothai, wo er die Stein-Stele fand, auf der König Ram Khamhaeng die Erfindung der Thai-Schrift bekanntgegeben hatte. In Nakhon Pathom entdeckte er den vom Dschungel überwucherten Phra Pathom Chedi. Er lernte das ganze Land sozusagen „von unter her“ kennen. Später, nachdem er zum Abt des Wat Bowonniwet berufen worden war, gründete er den Thammayut-Orden. In seiner Klosterzeit lernte er Latein und Englisch und setzte sich intensiv mit der europäischen Wissenschaft (besonders der Astronomie) und Kultur auseinander. Zu seinen Gesprächspartnern zählten z. B. der französische Bischof Jean-Baptiste Pallegoix und die protestantischen amerikanischen Missionare Dr. Caswell und Dr. Bradley. In diesem Zusammenhang ist von Prinz Mongkut dieser Kommentar zum Christentum überliefert: „Was ihr die Leute lehrt zu tun, ist bewundernswert. Was ihr sie aber lehrt zu glauben, ist töricht.“

Krönung zum König von Siam[Bearbeiten]

König Mongkut 1866 im Ornat
König Mongkut in europäischer Uniform; Photographie von John Thomson, 1865 oder ’66
König Mongkut mit seinem Sohn und Thronfolger Prinz Chulalongkorn

Als König Rama III. 1851 starb, wurde Prinz Mongkut von seinem Amt als Abt abberufen und am 15. Mai um 7:30 Uhr in einer grandiosen Zeremonie als Phrabat Somdet Phra Chom Klao Chaoyuhua (thailändisch พระบาทสมเด็จพระจอมเกล้าเจ้าอยู่หัว, im Westen bekannt als „Rama IV.“) zum König von Siam gekrönt. Er bestieg den Thron als ein Mann, der sowohl sein eigenes Land als auch das Ausland gut kannte.

Die Politik von Rama IV.[Bearbeiten]

Rama IV. führte eine alte Tradition aus Ayutthaya fort, indem er seinen jüngeren Bruder Chuta Mani als Uparat (etwa: „Zweiter König“) einsetzte, der als König Pinklao für die Verteidigung und das Militär zuständig war.

Bildungspolitik[Bearbeiten]

Rama IV. ließ für Kinder der Hofschranzen und seinen zahlreichen Nachwuchs im Palast eine Schule einrichten. Die Schüler wurden angehalten, die englische Sprache zu erlernen. Seine Kinder wurden anfangs von der englischen Gouvernante Anna Leonowens erzogen. [1]

1855 gründete er im Dusit-Palast eine erste Druckerei, in der das Amtsblatt Government Gazette hergestellt wurde.

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Für die Stabilisierung der Wirtschaft schloss Mongkut Handelsabkommen mit England, den USA, Dänemark und Frankreich ab und ließ die Königliche Münze errichten. Die starke Erweiterung des Handelsvolumens, insbesondere zwischen Siam und England, sorgte für die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Hauptstadt, Bangkok wuchs deshalb kräftig und musste um Kanäle und Straßen (unter anderem die Thanon Silom - Silom-Straße) erweitert werden. War zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch China der wichtigste Handelspartner des Reiches, so trat nach der Schwächung des Reiches der Mitte als Folge der Opiumkriege England an dessen Stelle.

Außenpolitik[Bearbeiten]

König Mongkut (Rama IV.) setzte die seit König Narai bewährte Schaukelpolitik gegenüber den Kolonialmächten erfolgreich fort und konnte somit Siams Unabhängigkeit wahren. Gegenüber China verhielt sich Mongkut selbstbewusster als seine Vorgänger und versuchte den Eindruck zu vermeiden, Siam wäre dessen Vasall[2]. Er wusste besser als die anderen Monarchen in Südostasien, welche Weltsicht Europa hatte und dass eine Tributpflicht gegenüber China seinem Reich nichts nützen würde.

Rama IV. als Autor und Wissenschaftler[Bearbeiten]

Kulturgeschichte[Bearbeiten]

Wie seine Vorgänger verfasste Rama IV. auch selbst Bücher, vor allem zur Geschichte und zu den Sitten des Landes, aber auch über die Legende des Smaragd-Buddha, der im Wat Phra Kaeo in Bangkok seinen Platz gefunden hatte. Er führte auch das Urheberrecht in Siam ein.

Astronomie[Bearbeiten]

Seine Liebe zur Wissenschaft brachte ihm indirekt den Tod: er hatte die Sonnenfinsternis vom 18. August 1868 vorausberechnet, in der Bahn des Kernschattens bei Prachuap Khiri Khan (99,7° O, 11,45° N11.6599.7Koordinaten: 11° 39′ 0″ N, 99° 42′ 0″ O) einen Beobachtungsstand erbauen lassen und viele Wissenschaftler und Würdenträger wie den Gouverneur von Singapur, Sir Henry Orde eingeladen. [3] Die Sonnenfinsternis fand exakt so statt, wie der König es berechnet hatte. Der Platz lag jedoch in einem Sumpfgebiet voller Moskitoschwärme, so dass der König sich mit Malaria infizierte, an der er am 18. Oktober 1868, seinem 64. Geburtstag, in Bangkok verstarb.

Zum Nachfolger wurde sein ältester Sohn Chulalongkorn bestimmt, der den Herrschernamen Phrabat Somdet Phra Chula Chomklao Chaoyuhua annahm.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe dazu: Aus der thailändischen Wikipedia: Frauen und Kinder von Rama IV. (auf Thai)
  2. Stuart-Fox (2003), S. 119
  3. siehe: Artikel der Mahidol-Universität (auf Englisch)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rama IV – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien