C. N. Annadurai

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C. N. Annadurai (Conjeevaram Natarajan Annadurai;[1] Tamil: சி. என். அண்ணாதுரை Ci. Eṉ. Aṇṇāturai [ˈaɳːaːðuɾɛi̯]; * 15. September 1909 in Kanchipuram; † 3. Februar 1969 in Tamil Nadu) war ein Politiker und Autor für Bühne (Dramatiker) und Film (Drehbuch) aus dem indischen Bundesstaat Tamil Nadu. Er war der erste Chief Minister im Bundesstaat Madras (später Tamil Nadu), der nicht von der Kongresspartei kam. Von seinen Anhängern wurde er kurz Anna (அண்ணா Aṇṇā [ˈaɳːɑː]) genannt und mit dem Ehrentitel Arignar (அறிஞர் Aṟiñar [ˈariɲər] „Weiser“) bedacht.

Politik[Bearbeiten]

Annadurai studierte Wirtschaft und Politik am Pachaiyappa's College der University of Madras und schloss mit M.A. ab. Nebenher war er für die Justice Party als Übersetzer tätig, gab das wöchentliche Gewerkschaftsmagazin Nava Yugam heraus und kandidierte 1936 für die Stadtwahl in Madras. 1937 wurde Annadurai Anhänger des Politikers E. V. Ramasami (Periyar), der 1944 aus der Justice Party die Dravidar Kazhagam formte. Annadurai trat in den 1940er Jahren gegen die Dominanz des Hindi und den Einfluss der arischen Kultur aus dem Norden auf und unterstützte Periyars Idee eines unabhängigen Staates Dravida Nadu für die „Draviden Südindiens“. 1942 gründete er die tamilische Wochenzeitschrift mit dem programmatischen Titel Dravida Nadu. Teil seiner pro-dravidischen Ideologie war die Vorstellung, dass tamilische Brahmanen eigentlich keine echten Tamilen seien und ihre Diskriminierung ein Mittel zu „sozialer Gerechtigkeit“ ist.

Streitigkeiten mit Periyar führten 1949 zur Spaltung der Partei und zur Gründung der Dravida Munnetra Kazhagam unter dem Vorsitz Annadurais. Die neue Partei übernahm zwar Periyars anti-brahmanische und antireligiöse Politik und wandte sich gegen das Kastenwesen, doch verwässerte diese Prinzipien indem sie sich einseitig auf nationalistische tamilische Rhetorik festlegte und Hindi, Nordindien und die Kongresspartei insgesamt zum Hauptfeind erklärte. 1957 errang die DMK erstmals eine nennenswerte Zahl an Sitzen im Regionalparlament des Bundesstaates Madras. 1962 wurde Annadurai erstmals Parlamentsmitglied in der Rajya Sabha. Die Inflationsfolgen nach zwei Kriegen gegen China (1962) und Pakistan (1965) sowie eine effektive Parteipropaganda mit Hilfe der tamilischen Filmindustrie begünstigten seine andauernden Proteste gegen die seit 20 Jahren regierende Kongresspartei. Die DMK gewann 1967 die Wahlen im Bundesstaat Madras und Annadurai wurde Chief Minister.

Innerhalb seiner kurzen Amtszeit von nur zwei Jahren konnte er nur wenige politische Erfolge verbuchen. Noch 1967 wurde die Umbenennung des Bundesstaates Madras in Tamil Nadu beschlossen. Sie wurde nach der Zustimmung des Parlaments in Neu-Delhi im Januar 1969, drei Wochen vor Annadurais Tod, vollzogen. Er starb an Mundhöhlenkrebs. Zur Trauerfeier kamen mehrere Millionen Menschen.[2]

Nach seinem Tod übernahm M. Karunanidhi den Parteivorsitz und dem Chief Minister-Posten. Die DMK, bzw. die von ihr abgespaltenen Parteien wie AIADMK, MDMK und DMDK (neue Partei des Filmstars Vijaykanth) benutzen noch heute sein Bild, um für Wahlstimmen zu werben.

Bühne und Film[Bearbeiten]

Annadurai verarbeitete seine politischen Ideen in Essays, Kurzgeschichten und Theaterstücken und nutzte von Beginn an den tamilischen Film für Parteipropaganda (DMK-Film). Annadurai war seit den 1940er Jahren auch als Bühnenautor tätig. Die meisten seiner Stücke habe soziale Themen wie die Ausbeutung von Frauen und Sozialschwachen. In Kambarasan kritisierte es die Heroisierung der Arier im Ramayana. Er schrieb das Historienstück Shivaji Kanda Indhu Rajyam über den Marathen-König Shivaji, mit dem Sivaji Ganesan bekannt wurde und von dem dieser seinen Künstlernamen ableitete.

Nach seinem eigenen gleichnamigen Theaterstück schrieb Annadurai das Drehbuch für Velaikkari (1949) und begann mit dem Mittel des Films seine Partei zu bewerben. Es folgten Nallathambi (1949), Ore Iravu (1951), Sorgavasal (1954) und Nallavan Vazhvan (1960). Annadurais Roman Rangoon Radha wurde 1956 von seinem Berufs- und Parteikollegen M. Karunanidhi zu einem Filmdrehbuch verarbeitet. Die Propagandafilme banden zahlreiche Referenzen zu Parteisymbolen, -farben und Anagrammen der Parteiführer ein. Die zu Stars stilisierten Darsteller hielten an geeigneter Stelle (z.B. Plädoyers in einem Gerichtssaal) Monologe mit einer Länge bis zu 30 Minuten, die Auszügen aus Annadurais politischen Reden oder Ideologien der DMK enthielten.[3]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Der Name des Geburtsorts, Conjeevaram (= Kanchipuram), und das Patronym Natarajan werden, wie in Südindien üblich, dem Namen abgekürzt vorangestellt, Annadurai ist der Rufname. Familiennamen sind in Südindien nicht üblich.
  2. Guinness Book Records, 1986 UK edition, Religions, accidents and disasters, S. 219. Largest funeral : The funeral of the charismatic CN Annadurai (died 3 February 1969), Madras chief minister, was, according to a police estimate, attended by 15 million people.
  3. Ashish Rajadhyaksha, Paul Willemen: Encyclopaedia of Indian Cinema. S. 91 – Artikel zu DMK Film

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Kannan: Anna. The Life and Times of C. N. Annadurai. New Delhi: Penguin Books India, 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: C. N. Annadurai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien