C/1927 X1 (Skjellerup-Maristany)

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C/1927 X1 (Skjellerup-Maristany)
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 26. Dezember 1927 (JD 2.425.240,5)
Orbittyp langperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,99984
Perihel 0,176 AE
Aphel 2202 AE
Große Halbachse 1101 AE
Siderische Umlaufzeit ~36.500 a
Neigung der Bahnebene 85,1°
Periheldurchgang 18. Dezember 1927
Bahngeschwindigkeit im Perihel 100,4 km/s
Geschichte
Entdecker J. F. Skjellerup, E. Maristany u. a.
Datum der Entdeckung 27. November 1927
Ältere Bezeichnung 1927 IX, 1927k
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

C/1927 X1 (Skjellerup-Maristany) war ein Komet, der in den Jahren 1927 und 1928 auch am Tage mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird aufgrund seiner außerordentlichen Helligkeit zu den „Großen Kometen“ gezählt.

Entdeckung und Beobachtung[Bearbeiten]

Nur wenige helle Kometen in der Geschichte standen so ungünstig am Himmel wie dieser. Es konnte theoretisch gezeigt werden, dass die geometrischen Bedingungen für die Sichtbarkeit eines Kometen derart sein können, dass seine Beobachtung unmöglich wird. Dieser Komet war nahe an diesem schlechtesten aller Fälle. Wenn er nicht so außergewöhnlich hell geworden wäre, hätte er in der kurzen Zeit seines Erscheinens leicht übersehen werden können.[1]

Der Komet wurde zuerst am Morgenhimmel des 27. November 1927 von mindestens 10 Personen bemerkt. Es ist unmöglich zu sagen, wie viele unabhängige und unerkannte Entdeckungen es gegen Ende November und Anfang Dezember gab. Eine der ersten Entdeckungen erfolgte in Neuseeland am 28. November, aber die Nachricht darüber verspätete sich leider. Der erste Bericht, der die zuständigen Behörden erreichte, war von John Francis Skjellerup, einem Südafrikaner, der zu der Zeit in Melbourne lebte und bereits 5 Jahre zuvor den kurzperiodischen Kometen 26P/Grigg-Skjellerup wiedergefunden hatte. Seine Entdeckung war ein Glücksfall, da er gar keine Absicht hatte, Kometen zu suchen. Er wurde frühmorgens unsanft durch ein Geräusch geweckt, weil eine Katze etwas umgestoßen hatte. Als er feststellte, dass der Himmel aufgeklart war, wollte er die Gelegenheit nutzen und fand dabei rasch den neuen Kometen.

Am nächsten Morgen gab es eine weitere unabhängige Entdeckung durch einen Beobachter in New Plymouth und dann noch eine weitere durch Edmundo Maristany in La Plata am 6. Dezember.[2] Zu der Zeit hatte der Komet bereits eine Helligkeit von 2 mag erreicht und hatte einen Schweif von 3° Länge. Durch seine starke südliche Deklination konnte der Komet Anfang Dezember sowohl am Morgen- als auch am Abendhimmel gesehen werden, aber nur tief über dem Horizont in der Dämmerung. Er erschien als hell glitzerndes gelbes Objekt mit einem blassgelben Schweif, der sich zum Ende hin aufweitete.

Um die Zeit seines Periheldurchgangs stand der Komet für kurze Zeit nördlich und sehr nahe der Sonne und konnte dann auch von der Nordhalbkugel aus beobachtet werden. Am Vormittag des 15. Dezember wurde der Komet zufällig bei einer Sonnenbeobachtung am Kodaikanal-Sonnenobservatorium in Indien aufgefunden, weitere Beobachtungen gab es an den folgenden Tagen in Hannover und an den Sternwarten von Bergedorf, Sonneberg, Potsdam, Yerkes, Wellesley und Harvard, als Helligkeiten von 1 mag und Schweiflängen von 8° berichtet wurden.

An diesen wenigen Tagen um die Mitte Dezember war der Komet ein auffälliges Objekt und konnte vielfach am Tageshimmel beobachtet werden. Skjellerup selbst konnte ihn am 15. Dezember nur 2° von der Sonne entfernt sehen. Der Komet wurde dabei heller als der Große Januarkomet C/1910 A1 und erreichte am 16. Dezember mindestens –6 mag. Er war damit auch heller als die Großen Sonnenstreifer C/1843 D1, C/1882 R1 und C/1965 S1 (Ikeya-Seki). Diese extreme Helligkeit lag nicht nur an seiner geringen Periheldistanz, sondern auch am Effekt der Vorwärtsstreuung des Sonnenlichts durch die Eis- und Staubpartikel um den Kometenkern, als er nahezu zwischen Sonne und Erde stand. Bereits zwei Tage später war die Helligkeit nämlich bereits wieder bis auf etwa –1 mag gesunken und am 20. Dezember gelang die letzte Beobachtung am Tageshimmel nur noch mit einem Teleskop.

Bald darauf stand der Komet wieder südlich der Sonne und die Helligkeit nahm schnell ab. An den letzten Dezembertagen und den ersten Januartagen wurden aber noch Schweiflängen von bis zu 35° berichtet. Die Schweifbeobachtungen am 3. Januar 1928 waren die letzten Sichtungen des Kometen mit bloßem Auge, im Laufe des Februars sank die Helligkeit von 9 auf 10 mag und die letzte Sichtung erfolgte am 28. April in Johannesburg.[3][4]

Der Komet erreichte am 8. Dezember eine Helligkeit von 1 mag.[5] Nach anderen Angaben erreichte die Helligkeit im Maximum –6 mag.[6]

Wissenschaftliche Auswertung[Bearbeiten]

Am 16. Dezember wurde der Komet von einem Waldarbeiter in Flagstaff am Tageshimmel entdeckt, der seine Beobachtung an das Lowell-Observatorium meldete, das anscheinend zuvor keine Information über den Kometen erhalten hatte. Carl Otto Lampland stellte daraufhin in den folgenden Tagen zum ersten Mal überhaupt Messungen an einem Kometen im infraroten Licht an, indem er ihn am Tageshimmel mit einem Radiometer durch ein 42-Zoll-Spiegelteleskop vermaß.[7] Erst beim Kometen C/1965 S1 (Ikeya-Seki) wurden wieder Beobachtungen im Infraroten durchgeführt.

Durch die starke Vorwärtsstreuung des Sonnenlichts im Staub der Kometenhülle während der Zeit, als der Komet zwischen Sonne und Erde durchging, überdeckte das Kontinuum im Spektrum des Kometen alle Emissionslinien, die möglicherweise zu sehen gewesen wären. Dieses spektroskopische Verhalten ähnelte dem des Januarkometen C/1910 A1. Und ebenso wie bei diesem konnten einige Tage später starke Natrium-Linien festgestellt werden.[3]

Umlaufbahn[Bearbeiten]

Kurz nach dem Erscheinen des Kometen berechnete Bahnelemente wurden zunächst dahingehend interpretiert, dass es eine Wiederkehr des Kometen 122P/de Vico von 1846 sein könnte.[8] Dies erwies sich später als falsche Annahme.

Für den Kometen konnte aus 34 Beobachtungsdaten über einen Zeitraum von 115 Tagen durch Brian Marsden eine elliptische Umlaufbahn bestimmt werden, die um rund 85° gegen die Ekliptik geneigt ist.[9] Der Komet läuft damit in einer fast senkrecht zu den Bahnebenen der Planeten stehenden Bahn. Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet am 18. Dezember durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 26,4 Mio. km Sonnenabstand im Bereich weit innerhalb der Umlaufbahn des Merkur. Bereits am 12. Dezember war die größte Annäherung an die Erde mit 0,75 AE/112,1 Mio. km Abstand erfolgt und am 14. Dezember hatte er mit 97,5 Mio. km die kleinste Distanz zur Venus erreicht. Am 31. Dezember passierte der Komet dann in 38,6 Mio. km Abstand den Merkur und am 6. Februar 1928 folgte noch ein außergewöhnlich naher Vorbeigang am Mars in nur 28,6 Mio. km Abstand.

Der Komet bewegt sich auf einer extrem langgestreckten elliptischen Bahn um die Sonne, die fast senkrecht zur Ekliptik steht. Nach den mit einer gewissen Unsicherheit behafteten Bahnelementen hatte seine Bahn vor seiner Passage des inneren Sonnensystems im Jahr 1927 noch eine Exzentrizität von etwa 0,99970 und eine Große Halbachse von etwa 600 AE, so dass seine Umlaufzeit bei etwa 15.000 Jahren lag. Durch die Anziehungskraft der Planeten wurde seine Bahnexzentrizität aber auf etwa 0,99984 und seine Große Halbachse auf über 1100 AE vergrößert, so dass sich seine Umlaufzeit mehr als verdoppelte. Er wird demnach möglicherweise erst nach 36.500 Jahren in das innere Sonnensystem zurückkehren.[10]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. van Biesbroeck: Comet Notes. Comet 1927 k (Skjellerup-Maristany). In: Popular Astronomy. Vol. 36, 1928, S. 117 (PDF; 81 kB).
  2. J. Hartmann: Komet Skjellerup-Maristany. In: Astronomische Nachrichten. Vol. 231, 1928, Sp. 413–416 (PDF; 414 kB).
  3. a b D. A. J. Seargent: The Greatest Comets in History: Broom Stars and Celestial Scimitars. Springer, New York 2009, ISBN 978-0-387-09512-7, S. 146–151.
  4. Peter Grego: Blazing a Ghostly Trail: ISON and Great Comets of the Past and Future. Springer, Cham 2013, ISBN 978-3-319-01774-7, S. 130–133.
  5. Donald K. Yeomans: NASA JPL Solar System Dynamics: Great Comets in History. Abgerufen am 19. September 2014 (englisch).
  6. P. Moore, R. Rees: Patrick Moore’s Data Book of Astronomy. Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-89935-2, S. 271.
  7. J. N. Marcus: Another Unsung Lowell Observatory Achievement: The First Infrared Observation of a Comet. In: ASP Conference Proceedings. Vol. 471. Astronomical Society of the Pacific, San Francisco 2013, S.181. (PDF; 286 kB).
  8. Maud W. Makemson: Concerning the Identification of Comet Skjellerup-Maristany. In: Popular Astronomy. Vol. 36, 1928, S. 284–286 (PDF; 253 kB).
  9. NASA JPL Small-Body Database Browser: C/1927 X1. Abgerufen am 7. Oktober 2014 (englisch).
  10. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).