Cabrera (Insel)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cabrera  (Illa de Cabrera)
Der Hafen von Cabrera
Der Hafen von Cabrera
Gewässer Mittelmeer
Inselgruppe Balearische Inseln
Geographische Lage 39° 8′ 31″ N, 2° 56′ 45″ O39.1419444444442.9458333333333172Koordinaten: 39° 8′ 31″ N, 2° 56′ 45″ O
Lage von Cabrera  (Illa de Cabrera)
Länge 5,53 km
Breite 5,29 km
Fläche 15,69 km²
Höchste Erhebung Na Picamosques
172 m
Einwohner 20
1,3 Einw./km²
Hauptort Es Port

Cabrera („Ziegeninsel“) ist eine der kleineren der zu Spanien gehörenden Balearischen Inseln. Sie befindet sich südlich von Mallorca im Mittelmeer und ist die größte Insel eines Mallorca vorgelagerten Felsinsel-Archipels. Verwaltungsmäßig gehört die Inselgruppe von Cabrera zur mallorquinischen Hauptstadt Palma, speziell zum Distrikt Centre bzw. zur Zone Ciutat Antiga.[1]

Geografie[Bearbeiten]

Lage und Ausdehnung[Bearbeiten]

Die Insel Cabrera hat eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 5,53 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von 5,29 Kilometern. Ihre Fläche beträgt 15,69 km², die Länge der Küstenlinie 38 Kilometer. Der Cabrera-Archipel besteht aus 18 Inseln mit einer Gesamtfläche von 18,36 km² und einer Küstenlinie von 54 Kilometern. Außer Illa de Cabrera selbst gehören folgende Inseln zum Cabrera-Archipel:

Estel de Fora, Estel des Coll, Estel de s’Esclata Sang, Estels Xapats (zwei Inseln), Illa de l’Imperial, Illa des Conills, Illa de ses Bledes, Illa de ses Rates, Illa des Fonoll, L’Esponja, Na Foradada, Na Plana, Na Pobra, Na Redona, s’Illot de na Foradada und s’Illot Pla.

Der gesamte Archipel ist Nationalpark und praktisch unbewohnt, abgesehen von der Garnison und einigen wenigen zivilen Bewohnern. Geologisch gehört die Insel zu Mallorca, vor ca 15.000 Jahren wurde Cabrera von Mallorca abgetrennt. Administrativ ist die Insel ein Bestandteil von Palma. Sie liegt 13,6 Kilometer vor der Küste Mallorcas.

Landschaft[Bearbeiten]

Das Landschaftsbild ist ziemlich felsig und verkarstet, wofür die wilden Ziegen verantwortlich waren, die mit ihrem Appetit auf frisches Grün jeden Baumwuchs im Keim erstickten. Sie wurden vor einigen Jahren von der Insel gebracht, weil die Gefahr bestand, dass sie alles Grün abgrasen.

Insgesamt ist die Insel relativ flach mit vielen felsigen Buchteinschnitten, darunter ein sehr großer, windgeschützter Naturhafen. Die höchste Erhebung ist 172 Meter hoch. Es gibt mehrere Höhlen, unter anderem die berühmte Cova Blava („Blaue Grotte“).

Im Jahr 1991 wurde der Archipel einschließlich des umliegenden Meeresgebietes zum Nationalpark erklärt. Seit dem 1. Juli 2008 besteht in Colònia de Sant Jordi, am Plaça Es Dolç, ein Besucherzentrum des Nationalparks Cabrera.

Buchten[Bearbeiten]

vom Hafen aus im Uhrzeigersinn:

  • Cala Gandulf
  • Cala Santa Maria
  • Cala Ambuxa
  • Cala des Governador
  • Cala des Calamars
  • Cala Anciola
  • Cala Coll Roig
  • Cala Mal Entredor
  • Cala Galiota

Kaps[Bearbeiten]

ebenfalls vom Hafen aus im Uhrzeigersinn:

  • Cap Xurigué
  • Cap des Moro Botí
  • Cap Ventós
  • Cap de sa Carabassa
  • Cap Falcó
  • Punta de Anciola (mit Leuchtturm)
  • Cap Vermell
  • Cap de Llebeig

Höhlen[Bearbeiten]

  • Cova Blava
  • Cova des Mastral
  • Cova des Amich

Geschichte[Bearbeiten]

Kastell

Nach Phöniziern und Karthagern kannten auch die Römer die Insel und Plinius (ob der Jüngere oder Ältere ist ungeklärt) hat hier den Geburtsort von Hannibal vermutet. Einige Zeit gehörte sie mit den Balearen zum Byzantinischen Reich. Im 14. Jahrhundert, unter der Herrschaft der Krone Aragons, wurde über der Hauptbucht von Cabrera, einem tiefen und windgeschützten Naturhafen, eine Burg zum Schutz vor Piratenüberfällen errichtet.

Während des sogenannten Spanischen Unabhängigkeitskrieges von 1807 bis 1814 wurde auf der unbewohnten Insel ab 1809 eine Art Internierungslager für einen Teil jener französischen Gefangenen eingerichtet, die nach der Schlacht von Bailén im Jahr zuvor in spanische Hände gefallen waren. Von den insgesamt etwa 18.000 Gefangenen der Grande Armée wurden rund 12.000 auf die Insel verbracht. Ohne ausreichend Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung zu haben, starben dort zwischen 3.500 und 5.000 von ihnen.[2] Ein Denkmal in der Mitte der Insel erinnert heute an diese tragische und fast vergessene Episode der Inselgeschichte.

Im 19. Jahrhundert wurden die Leuchttürme der Insel errichtet und ein neuerlicher Besiedlungsversuch fand statt. Ein zu dieser Zeit durch die Familie Feliu erbauter Weinkeller dient heute als Raum für das Ethnografische Museum. Aufgrund der strategischen Lage wurden die Besitzungen auf Cabrera während des Ersten Weltkriegs im Jahr 1916 enteignet und eine Garnison errichtet.[3] Diese besteht noch heute. Die Insel ist militärisches Sperrgebiet, so dass die Besichtigung mit Einschränkungen verbunden ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Leuchtturm
  • Cova Blava (kastilisch Cueva Azul, „Blaue Grotte“), eine 160 Meter lange und 50 Meter breite Höhle, an der Nordseite der Cala Gandulf, die durch Reflexionen auf dem sandigen Grund blau schimmert. Die nur vom Meer aus zugängliche Grotte wird von Ausflugsbooten auf der Rückfahrt nach Mallorca angesteuert.
  • Überreste eines Festungsturms aus dem 14. Jahrhundert zum Schutz vor Seeräuberüberfällen in Es Port.
  • Denkmal von 1847 zur Erinnerung an die umgekommenen französischen Kriegsgefangenen von 1809 bis 1814
  • Seemannsfriedhof
  • Leuchtturm auf dem Punta de Anciola
  • Museum zur Geschichte der Insel

Besuch[Bearbeiten]

Von Mallorca aus fahren Ausflugsboote (Golondrinas) nach Cabrera. Von Colònia de Sant Jordi dauert die ganzjährig angebotene Überfahrt ca. 30 Minuten. Von Porto Petro dauert die vom 1. Mai bis zum 30. September täglich angebotene Fahrt ca. 75 Minuten. Für den privaten Besuch per eigenem Boot ist eine kostenlose staatliche Genehmigung erforderlich, die Anzahl der Genehmigungen pro Tag ist auf 50 beschränkt. Es darf nur im winzigen Hafen geankert werden. Private Boote dürfen nicht ankern, um den Meeresgrund in diesem Naturschutzgebiet nicht zu beschädigen. Festgemacht wird an den 50 fest verankerten Moorings (Tonnen). Der Aufenthalt ist befristet: 1 Nacht im Juli und August; 2 Nächte im Juni und September und bis zu 7 Nächte in der übrigen Zeit.

Der Haupttreffpunkt der Insel ist eine kleine Bar im Ort Es Port. Hier gibt es Kleinigkeiten zu essen und zu trinken, sowie vermutlich das einzige Telefon der Insel. Ein Auffüllen der Seglervorräte ist jedoch kaum oder gar nicht möglich.

Besucherzahlen 1995-2011
1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012
36.173 39.265 43.215 52.796 47.302 44.983 64.068 66.302 66.535 73.540 71.987 74.532 76.541 60.804 60.662 64.688 75.544 108.188
* Besucherzahlen Ministerio de Medio Ambiente[4]

Literatur[Bearbeiten]

Denis Smith, The prisoners of Cabrera. Napoleon’s forgotten Soldiers 1809 - 1814 (New York 2001).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ajuntament de Palma: Dades per a un diagnòstic dels barris de Palma, Mai 2012 (PDF; 2,2 MB)
  2. Karl J. Mayer: Napoleons Soldaten. Alltag in der Grande Armée (= Geschichte erzählt, Bd. 12), Primus Verlag, Darmstadt 2008, S. 133, ISBN 978-3-89678-366-0. In Die Balearen, Beilage der „Mallorca Zeitung“, Juni 2008, Hora Nova S.A., Seite 3, werden hingegen 6.000 bis 9.000 nach Cabrera deportierte Franzosen genannt und die Zahl der Überlebenden mit etwa 3.600 angegeben.
  3. Die Balearen, Beilage der „Mallorca Zeitung“, Juni 2008, Hora Nova S.A., Seite 3
  4. Datos de visitantes a los Parques Nacionales. 23. Mai 2013, abgerufen am 18. November 2013 (PDF; 124 kB, spanisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cabrera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien