Charles Francis Hall

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Charles Francis Hall

Charles Francis Hall (* 1821 in Rochester, New Hampshire; † 8. November 1871 im Thank God Harbor, Grönland) war ein US-amerikanischer Polarforscher.

Werdegang[Bearbeiten]

Halls Interesse für die Arktis wurde durch die zahlreichen Suchaktionen nach dem verschollenen John Franklin Mitte des 19. Jahrhunderts geweckt, 1860–1862 beteiligte er sich schließlich selbst. Gemeinsam mit einheimischen Inuit erforschte er den südöstlichen Teil der Baffininsel. Dort fand er Spuren der Expedition Martin Frobishers, jedoch keine von Franklin. Hall war der erste Forscher seit fast drei Jahrhunderten, der diesen Teil der Arktis besuchte. Über seine Reise verfasste er ein Buch mit dem Titel Arctic Researches and Life among the Esquimaux (1864).

Halls zweite Expedition (1864–1869) führte ihn auf die Boothiahalbinsel und auf King William Island. Diese zweite Expedition trug sehr viel zur geographischen Erforschung der kanadischen Arktisregion bei. Außerdem fand er Spuren von Franklins verschollener Expedition. 1871 schließlich erhielt er das Kommando über eine von der US-Regierung ausgestattete Expedition zum Nordpol. An Bord der Polaris gelang es ihm, den Robeson-Kanal zwischen Ellesmere Island und Grönland zu durchfahren und einen neuen Rekord aufzustellen: Hall erreichte 82°11' nördliche Breite, bis zu jenem Zeitpunkt war niemand dem Nordpol näher gewesen.

Im Winterquartier der Expedition, dem Thank God Harbor im Norden Grönlands, verstarb Hall plötzlich. Auf der Rückreise wurde die Polaris bei einer Eispressung beschädigt und von einem Teil der Mannschaft verlassen. Erst nach einer mehr als halbjährigen Drift auf einer Eisscholle durch die Baffin Bay bis in die Labradorsee wurden die Männer von einem Walfänger gerettet. Kapitän Budington setzte die Polaris auf eine Sandbank und überwinterte mit dem Rest der Expeditionsteilnehmer. Schließlich wurden auch sie von einem Walfänger aufgenommen.[1]

Halls Tod und das Scheitern der Polaris-Expedition zog eine offizielle Untersuchung nach sich. Als Ergebnis der Befragung aller Beteiligten wurde angenommen, Hall sei an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben. Im Rahmen der Recherchen für eine Biografie führte der US-amerikanische Historiker und Autor Chauncey C. Loomis (1930–2009) im Jahr 1968 eine Expedition zu Halls Grab. Die Leiche wurde exhumiert, jedoch war das Gewebe trotz der arktischen Temperaturen schon zu stark zersetzt, so dass eine Autopsie nur eingeschränkt durchgeführt werden konnte. Laboruntersuchungen der entnommenen Haar- und Fingernagelproben ergaben, dass Hall in seinen letzten Lebenswochen tödliche Dosen von Arsen zu sich genommen hatte.

Ehrung[Bearbeiten]

Charles Francis Hall zu Ehren ist die Hall-Insel, eine Insel des Franz-Josef-Landes in der Arktis benannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Charles Francis Hall: Life with the Esquimaux. Low, Son & Marston, London 1864, Vol. I und Vol. II (abgerufen am 7. Januar 2010).
  • Chauncey C. Loomis: Verloren im Ewigen Eis – Der rätselhafte Tod des Arktisforschers Charles Francis Hall. Malik, München 2001, ISBN 3-89029-210-0.
  • Richard Parry: Die Männer der Polaris – die wahre Geschichte der tragischen Arktis-Expedition von 1871. Goldmann, München 2002, ISBN 3-442-71183-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Krämer (Hrsg.): Die Entdeckung und Erforschung der Erde. Brockhaus Verlag, 3. Aufl., Leipzig 1961, S. 260

Weblinks[Bearbeiten]