Chiericati-Palast

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Der Chiericati-Palast ist ein Gebäude der Renaissance in der nord-italienischen Stadt Vicenza. Es wurde 1550 von dem Architekten Andrea Palladio für Graf Girolamo Chiericati geplant. Der Bauherr war von der Basilika in Vicenza, die ebenfalls von Palladio umgestaltet und 1549 eingeweiht worden war, so beeindruckt, dass er den Stil für sein Haus als Vorbild nehmen wollte. Der Bau begann 1551, wurde aber durch den Tod des Grafen 1557 unterbrochen. Weitere Arbeiten wurden vom Sohn des Grafen, Valerio Chiericati, in Auftrag gegeben, jedoch nur für die Innenausstattung. So stand das Gebäude fast ein Jahrhundert als unvollendete Ruine. Gleichwohl zog Valerio Chiericati bereits 1570 in den Palast ein und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1609. Endgültig fertiggestellt wurde der Chiericati-Palast wahrscheinlich jedoch erst um 1680 unter Leitung des Architekten Carlo Borella.

Das Gebäude an der heutigen Piazza Mateotti (früher Piazza d’Isola) - in unmittelbarer Nähe zu Palladios Teatro Olimpico - steht leicht erhöht auf einer der Klassischen Antike entlehnten Krepis, um es vor den häufig vorkommenden Überschwemmungen zu schützen. Heute ist hier die Städtische Kunstgalerie von Vicenza beheimatet.

Zusammen mit anderen Villen Palladios in Norditalien wurde der Palast im Jahre 1994 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

Architektur[Bearbeiten]

Es sind zahlreiche Stilelemente aus der klassischen Antike verwendet worden. Die Hauptfassade besteht im Erdgeschoss aus drei Loggien, während der mittlere Teil im Obergeschoss geschlossen ist. Die oberen Säulen sind ionisch, die unteren dorisch. Der Grundriss des Palastes ist streng symmetrisch um einen inneren Hof angelegt. Die Eingangsfassade zeigt sich zur Piazza Mateotti mit dem mittig angeordneten Portikus, von dem man in das Vestibül gelangt. Darüber befindet sich der große Saal, dessen Fläche bis an die Säulen des Obergeschosses (Piano Nobile) heranreicht. So entsteht die für den Palast charakteristische Fassadengliederung mit der durchgängigen Loggia im Erdgeschoss und den fünf Fensteröffnungen über dem Eingang.[1]

Das Kranzgesims des Gebäudes wurde um 1700 mit Statuen und Kandelabern geschmückt, die im ursprünglichen Entwurf Palladios nicht vorgesehen waren.[2] Sowohl die Decken der Loggien als auch der Innenräume sind reich verziert und mit Gemälden geschmückt.

Museum[Bearbeiten]

1838 erwarb die Stadt Vicenza das Gebäude von der Familie Chiericati mit dem Ziel, dort die kommunale Kunstsammlung unterzubringen. Nach einer umfangreichen Renovierung durch die Architekten Giambattista Berti und Miglioranza wurde das Museo Civico 1855 eingeweiht. Der Grundstock der Sammlung stammt aus großzügigen Stiftungen Vincentiner Bürger aus dem 18. Jahrhundert , darunter Gemälde von Tintoretto, Van Dyck, Sebastiano und Marco Ricci, Luca Giordano, Tiepolo und Piazzetta.

Die Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Drucke und Grafiken und eine Münzsammlung. 33 Zeichnungen von Palladio wurden von Gaetano Pinali im Jahr 1839 dem Museum gestiftet. Unter den Gemälden befindet sich eine Reihe bedeutender Altarbilder aus der Kirche des ehemaligen Ospedale San Bortolo, darunter Werke von Bartolomeo Montagna, Giovanni Bonconsiglio, Cima da Conegliano, Giovanni Speranza und Marcello Fogolino. Unter den nichtsakralen Bildern befinden sich sieben Lünetten zum Thema "Verherrlichungen venezianischer Podestà" von Jacopo Bassano, Francesco Maffei und Giulio Carpioni.

Die jüngste Stiftung stammt aus dem Nachlass des Verlegers und Autors Neri Pozza (1912–1988), der der Stadt Vicenza seine Sammlung zeitgenössischer Kunst vermacht hat. Sie umfasst u.a. Werke von Carlo Carrà, Filippo De Pisis, Virgilio Guidi, Osvaldo Licini, Ottone Rosai, Gino Severini, Emilio Vedova, Mario Mafai, Arturo Martini und Pablo Picasso.

Literatur[Bearbeiten]

  • Reclams Kunstführer. Italien. Bd 2. Oberitalien Ost. Stuttgart 1965. S. 1123–1125.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Wundram, Thomas Pape: Andrea Palladio, Köln: Benedikt Taschen Verlag, 1988
  2. Palladio: I quattro libri dell’architettura. 1570.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palazzo Chiericati (Vicenza) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

45.54916666666711.549166666667Koordinaten: 45° 32′ 57″ N, 11° 32′ 57″ O