Chinua Achebe

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Chinua Achebe (2008)

Albert Chinụalụmọgụ „Chinua“ Achebe (* 16. November 1930 in Ogidi, Nigeria; † 21. März 2013 in Boston, USA[1]) war ein nigerianischer Schriftsteller, der in englischer Sprache schrieb.[2] Der Name Chinụalụmọgụ stammt aus der Igbo-Sprache und bedeutet „Gott kämpft zu meinen Gunsten“.[3] Er gilt als einer der Väter der modernen afrikanischen Literatur.

Leben[Bearbeiten]

Achebe wurde als fünftes von sechs Kindern in Ogidi, Nigeria, geboren.[4] Seine Familie gehörte den Igbo an und sein Vater war ein evangelikaler Katechist. Achebe wurde in den 1930er Jahren in einer Missionsschule in Ogidi unterrichtet und besuchte später ein College in Umuahia. Ab 1948 studierte er Anglistik, Geschichte und Theologie am University College von Ibada und schloss 1953 sein Studium ab.[4] Von 1954 an arbeitete er zwölf Jahre lang für die Nigerian Broadcasting Corporation in Lagos.

Während des nigerianischen Bürgerkrieges engagierte er sich auf Seiten Biafras und war zwischen 1967 und 1970 Sonderbotschafter in den USA und in Europa. Von 1976 bis 1990 war er Professor für Literatur an der Universität von Nsukka. 1979 eröffnete er in West-Berlin das erste Horizonte Festival der Weltkulturen. Er war an einer Reihe britischer und US-amerikanischer Universitäten Gastprofessor. Zuletzt lehrte er am Bard College in Annandale-on-Hudson, New York. Seit 1990 war er infolge eines Autounfalls von der Hüfte abwärts gelähmt und bewegte sich im Rollstuhl.

Achebe war skeptisch gegenüber Autoritäten und Vaterfiguren und äußerte sich kritisch zu Politik, Wirtschaft und der Beachtung der Menschenrechte in seinem Heimatstaat.[5] Aus Protest gegen die anhaltende Korruption in Nigeria lehnte er 2011 ein weiteres Mal den Titel des Commander of the Federal Republic, der von der nigerianischen Regierung verliehen wird, ab.[2]

Am 22. März 2013 starb er nach kurzer Krankheit im Alter von 82 Jahren in Boston, USA.

Werk und Wirken[Bearbeiten]

Achebe gilt als der Begründer der modernen nigerianischen Literatur und weltweit als einer der herausragenden englischsprachigen Schriftsteller. Seine Werke wurden in rund 50 Sprachen übersetzt.[5] Dabei entwickelte er einen eigenen Stil, der auf der Erzähltradition seiner Heimat aufbaut. Er verzichtete bewusst auf europäische Literaturkonventionen, verarbeitete jedoch nigerianische Erzählungen in seinen Romanen. Nach seinen eigenen Worten „sollte jede gute Geschichte, jeder gute Roman, eine Botschaft enthalten, einen Zweck haben“.

Sein erster Roman Things Fall Apart gilt heute als Meilenstein der afrikanischen Literatur. Das rund 200 Seiten umfassende Werk erschien 1958 auf Englisch in London. Darin erzählt Achebe die Geschichte der nigerianischen Igbo in den 1890er Jahren. Der Bildungsroman schildert in realistischer Erzählweise im ersten Teil Wirtschaft, Kultur, Traditionen, Religion und Geschlechterverhältnisse einer Dorfgemeinschaft. In einem zweiten und dritten Teil werden die Auswirkungen der neuen christlichen und kolonialistischen Einflüsse auf das Dorfleben dargestellt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Romane[Bearbeiten]

  • Things Fall Apart (1958)
    • Okonkwo oder Das Alte stürzt. edition suhrkamp, Frankfurt 1983/2002, ISBN 3-518-11138-8 (Deutsche Erstausgabe beim Aufbau-Verlag Weimar 1976).
    • Alles zerfällt. Neuausgabe, übersetzt von Uda Strätling und Reinhild Böhnke: Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 978-3-10-000540-3.
  • No Longer at Ease (1960)
    • Heimkehr in ein fremdes Land. Aus dem Englischen von Susanne Koehler. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2002.
  • Arrow of God (1964)
    • Der Pfeil Gottes. Aus dem nigerianischen Englisch von M. von Schweinitz. Überarbeitet von Gudrun Honke. Mit einem Nachwort von Thomas Brückner. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 1994.
  • A Man of the People (1966)
  • Anthills of the Savannah (1988)
    • Termitenhügel in der Savanne. Suhrkamp, Frankfurt 1991/2002.

Kurzgeschichten[Bearbeiten]

  • The Sacrificial Egg and Other Stories (1962)
  • Girls at War and Other Stories (1972)
  • African Short Stories (1984)

Gedichte[Bearbeiten]

  • Beware, Soul-Brother, and Other Poems(1971)
  • Christmas at Biafra, and Other Poems (1973)
  • Don’t Let Him Die: An Anthology of Memorial Poems for Christofer Okigbo (1978) (zusammen mit Dubem Okafor herausgegeben)
  • Aka Weta: An Anthology of Igbo Poetry (1982) (Mitherausgeber)
  • Collected Poems (2004)

Essays[Bearbeiten]

  • An Image of Africa: Racism in Conrad’s „Heart of Darkness“ (1975)
  • Morning Yet on Creation Day (1975)
  • The Trouble With Nigeria (1984)
  • Hopes and Impediments (1988)
  • Home and Exile (2000)
  • There was a Country (2012)

Kinderbücher[Bearbeiten]

  • Chike and the River (1966)
  • How the Leopard Got His Claws (1972) (zusammen mit John Iroaganachi)
  • The Flute (1975)
  • The Drum (1978)

Literatur[Bearbeiten]

  • Keith Booker (Hrsg.): The Chinua Achebe encyclopedia. Greenwood Press, Westport CT u. a. 2003, ISBN 0-325-07063-6.
  • Eckhard Breitinger: Chinua Achebe – Gründervater der afrikanischen Literatur. In: Stimmen der Zeit. Jg. 137, 2012, S. 45–57.
  • Louise Hawker (Hrsg.): Colonialism in Chinua Achebe's „Things fall apart“. Reprinted edition. Greenhaven Press, Detroit MI u. a. 2011, ISBN 978-0-7377-4650-1.
  • Jago Morrison: The fiction of Chinua Achebe. Palgrave Macmillan, Basingstoke u. a. 2007, ISBN 978-1-403-98671-9.
  • David Whittaker (Hrsg.): Chinua Achebe's „Things fall apart“. 1958–2008 (= Cross Cultures. C-C. Readings in post-colonial Literatures and Cultures in English. Bd. 137). Rodopi, Amsterdam u. a. 2011, ISBN 978-90-420-3396-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chinua Achebe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nachruf der Brown University (englisch), abgerufen am 22. März 2014
  2. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAnna Auguscik: Der Nelson Mandela der Literatur. Zeit Online, 22. März 2013, abgerufen am 27. März 2013.
  3. Bedeutung von Chinualumogu in Nigerian.name
  4. a b Biographische Angaben auf Marabout-Seite: Chinua Achebe
  5. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Ungeheuer am Scheideweg. F.A.Z., 22. März 2013, abgerufen am 27. März 2013.
  6. http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/sixcms/media.php/1290/2002%20Friedenspreis%20Reden.pdf