Afrikanische Literatur

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Die afrikanische Literatur umfasst Literatur in verschiedenen Sprachen – europäischen und afrikanischen – mit verschiedenen Stilen und Themen sowie historischen Hintergründen. Einige Merkmale, die in der Literatur schwarzafrikanischer Autoren immer wieder auftauchen, sind die Kolonialgeschichte und die Kolonialkriege, die Enttäuschungen der nachkolonialen Zeit aufgrund der Gewaltherrschaft und Korruption der Eliten und dem daraus folgenden Zerfall der Gesellschaft. Vorbilder und Stoffe sucht sich die afrikanische Literatur in der vorkolonialen Geschichte und in der mündlichen Tradition.

Mit dem Studium der traditionellen, mündlich überlieferten afrikanischen Literatur beschäftigt sich die Afrikanistik.

Mündliche Literatur[Bearbeiten]

Die mündlich überlieferte Erzählkultur (Oralliteratur) hat vielfältige Formen. Märchen und Fabeln sind Allgemeingut, während die Heldenepen und Chroniken unter Barden weitergegeben werden. Zu diesen Barden gehören beispielsweise die Griots bei den Yoruba, die früher an Königshöfen angestellt waren. Auch heute noch verdienen sich einige Barden mit dem Singen von Chroniken und Preisgesängen bei Festen ihren Lebensunterhalt.

Die schwarzafrikanische Kultur ist nicht grundsätzlich schriftlos. Schriftsysteme wie die Tifinagh- und die Nsibidi-Schrift haben sich für die Überlieferung der Volksliteratur aber offenbar als unpraktisch erwiesen. Janheinz Jahn kommt in Muntu. Umrisse der neoafrikanischen Kultur[1] zu dem Schluss, dass die Wiedergabe mit einer Sprechtrommel einer schriftlichen Aufzeichnung gleichwertig und dem tropischen Klima, das Papier schnell verrotten lässt, besser angepasst sei. Eine schriftlose Kultur sei nicht zwingend weniger fortgeschritten, sondern besitze Werte, die in Schriftkulturen verloren gegangen seien.

Die Aufzeichnung und Übersetzung mündlicher afrikanischer Literatur ist unter anderem Hermann Baumann, Leo Frobenius und Robert Sutherland Rattray zu verdanken. Den Erzählungen und Liedern galt neben den Sprachstudien das Hauptinteresse der Ethnographie, bis die Analyse der Sozialstruktur das Studium der Volksliteratur verdrängte. Danach befassten sich ethnologisch nicht geschulte Missionare mit ihr, soweit sie sie verstehen konnten. Auch Frobenius selbst, der von 1904 bis 1935 zwölf Forschungsexpeditionen durch ganz Afrika unternahm, verstand keine afrikanische Sprache. Er ließ sich die Geschichten von den Erzählern der umliegenden Dörfer vortragen und hatte Übersetzer, die sie auf Englisch oder Französisch übertrugen. Seine deutschen Übersetzungen, beispielsweise die Heldenepen Pui und Dausi, veröffentlichte er ohne Originaltext in mehreren Sammelbänden.

Historische Literaturen[Bearbeiten]

Ägypten[Bearbeiten]

Hauptartikel: Altägyptische Literatur

Die altägyptische Literatur von ca. 2800 v. Chr. bis 300 n. Chr. ist in vielfältigen Formen überliefert. Die verwendeten Sprachen sind die Alt-, Mittel- und Neuägyptische Sprache sowie das Demotische. Da die Literatur nach dem Untergang der altägyptischen Kultur nicht durch Abschreiben überliefert wurde, beschränken sich die heutigen Kenntnisse auf archäologische Funde. Die ältesten Zeugnisse aus dem Alten Reich sind die religiösen Pyramiden- und Sargtexte und die Autobiographien, aus dem Mittleren Reich sind der Ipuwer-Papyrus oder die Geschichte von Sinuhe bekannt. Aus dem Neuen Reich sind auch Kriegstagebücher und Briefe (Papyrus Anastasi I) überliefert, sowie die neu begründete Jenseitsliteratur, die sich, wie beispielsweise das bekannte Totenbuch, auf das Leben nach dem Tod bezieht.

Frankophone Literatur[Bearbeiten]

Französisch wird in West-, Ost- und Nordafrika gesprochen.

Négritude[Bearbeiten]

Hauptartikel: Négritude

Die Négritude ist eine politische und literarische Bewegung, die auf die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung von W.E.B. Du Bois zurückgeht. Die Idee der Négritude war die Rückbesinnung auf afrikanische Kulturtraditionen und die Ablösung von Europa. Sie wurde zudem vom Sozialismus, vom Humanismus und von der deutschen Romantik beeinflusst. Die Négritude beruft sich auch auf die Theorien von Leo Frobenius in seiner Kulturgeschichte Afrikas, was von einigen Afrikanisten als Missverständnis angesehen wird.

1934 gründete der Senegalese Léopold Sédar Senghor gemeinsam mit dem Guyaner Léon-Gontran Damas und Aimé Césaire aus Martinique die Zeitschrift L'Etudiant Noir, deren Vorbilder die Crisis von der NAACP in den USA und die kommunistische Zeitschrift Légitime Défense in Paris waren. In der ersten Nummer benutzte Césaire den Begriff „Négritude“ und machte ihn durch sein Gedicht Cahier d'un retour au pays natal (1939), das als Beginn der literarischen Négritude gilt, bekannt. Senghor, Dichter und von 1960 bis 1980 auch erster Staatspräsident des unabhängigen Senegal, definierte die Négritude als „Gesamtheit der kulturellen Werte in der schwarzen Welt, wie sie sich im Leben, in den Institutionen und in den Werken der Schwarzen ausdrücken.“[2] Senghors Grundidee war eine Mischung der Kulturen, nicht eine Vorherrschaft europäischer oder afrikanischer Werte. Die Orientierung am Kommunismus, an der sich Senghor nie beteiligt hatte, und die Einordnung der Négritude in den Surrealismus endete nach dem Zweiten Weltkrieg. Viele schwarze Soldaten kämpften in der Kolonialarmee Frankreichs und kamen von der Illusion des weißen Übermenschen, die sie in der Schule von den Kolonialherren übernommen hatten, ab. In der Folge verwendeten die Schriftsteller der Négritude vermehrt Begriffe aus westafrikanischen Sprachen und Motive der afrikanischen Mythologie. Der Grund dafür, dass die Literatur dennoch in französischer Sprache geschrieben ist, liegt einerseits in der konsequent frankophonen Schulbildung der Elite, andererseits im Interesse an französischen Verlagen und Lesern. Senghor veröffentlichte auch Gedichte in Serer, seiner Muttersprache. 1948 wurde die Négritude auch in Europa bekannt, als Senghor die Anthologie de la nouvelle poésie nègre et malgache de langue française herausgab, zu der Jean-Paul Sartre das Vorwort Orphée noir schrieb. Seit 1947 vertritt die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Présence Africaine die Négritude in Paris.[3]

Die Négritude formulierte die Forderung „Retour aux sources!“ („Zurück zu den Quellen!“). Ein Thema ihrer Literatur war deshalb die Wiederentdeckung der Quellen der afrikanischen Kultur. Diese Kultur, die auf dem Land teilweise noch in traditioneller Weise vorhanden war, sollte jenen, die die Geisteshaltung der Europäer übernommen hatten, an die Quellen zurückführen. Die von den afrikanischen Schriftstellern bisher meist unbeachtete mündliche Literatur wurde gesammelt und ins Französische übersetzt, weitere Fabeln und Märchen nach dem Muster der überlieferten neu gedichtet. Ein Beispiel bietet der Senegalese Birago Diop mit seinen Sammlungen Les contes d'Amadou Kouma (1947) und Nouveaux contes d'Amadou Kouma (1958), in denen die Grenze zwischen eigener Dichtung und der Überlieferung nicht mehr festzustellen ist. Die Literatur befasste sich auch mit den afrikanischen Königreichen. Auf der Suche nach einer Vergangenheit, die der Europas gleichwertig war, und die von den Kolonialherren stets abgetan worden war, stieß man in den 1940er und 1950er Jahren zu den sudanesischen Pyramiden und Königreichen, zu den Reichen Timbuktu, Ghana und Simbabwe. Die Darstellung der Größe und Bedeutung dieser Reiche war nicht selten überhöht. Der erste historische Roman, Doguicimi (1933) von dem Beniner Paul Hazoumé, behandelte das Königreich Dahomey, nach dem sich der Staat Benin benannt hat.

Antikoloniale Literatur[Bearbeiten]

Anders als die Négritude wollte die antikoloniale Literatur der 1950er und 1960er Jahre das koloniale System unmittelbar erschüttern. Sie drückte sich durch den Roman aus. Frankophone Romanciers wie die Kameruner Mongo Beti und Ferdinand Oyono, der Senegalese Ousmane Sembène sowie Benjamin Matip und Jean Malongo aus der Republik Kongo thematisierten die Abhängigkeit von der Kolonialmacht und wurden radikaler angesichts des französischen Desinteresses an Reformen. Ihre Romane hatten das Ziel, die politische Haltung der Leser zu beeinflussen. Um dies zu erreichen, schildern die Romane häufig Einzelschicksale von Afrikanern, an denen die Diskriminierung durch weiße Geschäftsmänner, Kolonialbeamte oder Missionare deutlich wird. Die Parteilichkeit schloss eine differenzierte Darstellung keineswegs aus, wie nicht zuletzt Sembènes hervorragender Roman Holzstücke Gottes über einen Streik unter der Kolonialherrschaft zeigt.

Heutige frankophone Literatur[Bearbeiten]

In den 1970er und 1980er Jahren wollten sich Autoren wie Francis Bebey, Ahmadou Kourouma und Jean Pliya auf die ursprünglichen traditionellen Aufgaben, die afrikanische Künstler hatten, zurückbesinnen. Sie wandten sich vom französischen Publikum ab und richteten sich an eine neue afrikanische Leserschaft, denen sie politische Werte vermitteln wollten. In Kamerun, Senegal und den benachbarten Ländern wurden neue Verlage gegründet, das Verlagshaus Editions CLE beispielsweise förderte gezielt junge westafrikanische Talente. Afrikanisches Vokabular konnte zunehmend verwendet werden, da für ein sachkundiges afrikanisches Publikum geschrieben wurde. Die Romane bezogen sich anders als früher auf einzelne Kulturen und Regionen und ab 1990 auch auf globalere Erfahrungen der Schriftsteller.

Anglophone Literatur[Bearbeiten]

Die englische Sprache ist in West-, Ost- und im südlichen Afrika verbreitet. Ihre Literatur wird seit den 1950er Jahren international beachtet.

Westafrika[Bearbeiten]

Stand vor den 1960er Jahren die mündliche Tradition im Mittelpunkt, gingen viele Autoren nach der Unabhängigkeit zu einer Kritik an der gegenwärtigen Gesellschaft, an den neu entstandenen Gewaltherrschaften und an der Korruption über. Viele bedeutende Autoren Westafrikas kommen aus Nigeria, auch einer der ersten modernen westafrikanischen Autoren, Amos Tutuola (The Palm Wine Drinkard, 1952). Als eigentliche Gründerfigur gilt Chinua Achebe, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2002. Seine Bücher thematisieren den Kolonialismus und haben das erklärte Ziel, das von der kolonialistischen Literatur z. B. Joseph Conrads vermittelte Bild eines primitiven Afrikas zu berichtigen. Weitere Vertreter dieser desillusionierenden Literatur, die im Vergleich mit der Négritude auch Tigritude genannt wird, waren Wole Soyinka und der Ghanaer Ayi Kwei Armah. Eine starke Wirkung hatte der Biafra-Krieg, der sowohl bei Achebe und Soyinka, als auch in dramatischen Kriegsromanen behandelt wird. In den 1950er Jahren kam zudem eine Großstadtliteratur nach amerikanischem Vorbild auf (Cyprian Ekwensi), veröffentlicht in auf dem Markt vertriebenen Heftchen der sogenannten Onitsha-Marktliteratur. In den 1970er Jahren meldeten sich verstärkt Frauen literarisch zu Wort, beispielsweise die Nigerianerin Buchi Emecheta und die Ghanaerin Ama Ata Aidoo. Die Themen der 1980er und 1990er Jahre waren die Demokratisierungsbewegung und die Kritik an der Militärdiktatur. Diese Kritik kostete Ken Saro-Wiwa das Leben: er wurde 1995 von der Militärdiktatur Sani Abachas zum Tode verurteilt.

Ostafrika[Bearbeiten]

Die Entwicklung der anglophonen ostafrikanischen Literatur vollzog sich zunächst vor allem im Umfeld der ugandischen Makerere-Universität. Dort entstand um 1970 ein Zentrum der ostafrikanischen Literaturszene, das sich auch auf Kenia konzentrierte. Bekannte Autoren, die große Beachtung fanden, waren Okot p'Bitek (Lawinos Lied) und Taban lo Liyong. Die anglophone ostafrikanische Literatur hat jedoch einen anderen Hintergrund als die westafrikanische. In Ostafrika sind bereits Swahili und weitere afrikanische Sprachen als traditionsreiche Literatursprachen verbreitet. Deshalb haben englisch schreibende Autoren meist eine andere Muttersprache als Swahili und die anglophone ostafrikanische Literatur erschien ein Jahrzehnt später als die westafrikanische. Wichtig für die Verbreitung der anglophonen Literaturen waren Zeitschriften wie Transition. Zu den bedeutendsten Schriftstellern Kenias zählt Ngũgĩ wa Thiong'o. Mit dem Zusammenbruch der früheren Ostafrikanischen Gemeinschaft geriet die ostafrikanische Literatur in eine Krise, die die Schließung zahlreicher Literaturzeitschriften zur Folge hatte. Seitdem hat die anglophone Literatur in Ostafrika zwar bedeutende Einzelpersönlichkeiten wie Nuruddin Farah hervorgebracht, kann aber an die 1960er und 1970er Jahre nicht mehr anschließen.

Südliches Afrika[Bearbeiten]

John M. Coetzee (* 1940)

Bedeutende Länder sind vor allem Simbabwe und Südafrika. In Simbabwe entwickelte sich erst spät eine moderne Schriftliteratur der schwarzen Bevölkerung. Die Romane von Stanley Nyamfukudza und Dambudzo Marechera sind von den Rebellenbewegungen geprägt worden, betrachten den Widerstand gegen die Kolonialherren allerdings nüchtern und selbstkritisch, nicht glorifizierend wie in anderen Ländern. In Südafrika begannen weiße Autoren bereits im 19. Jahrhundert, literarische Werke zu veröffentlichen. Schwarze Autoren folgten in den 1920er und 1930er Jahren; R. R. R. Dhlomo und sein Bruder Herbert Isaac Ernest Dhlomo, Thomas Mofolo und Sol Plaatje schufen eine eigenständige Literatur. Während des Apartheidsystems richteten sich viele Autoren unter großem politischem Druck gegen dieses. Andere, z. B. der Romanautor Alex La Guma und der Dichter Dennis Brutus, gingen ins Ausland. Die einzelnen Strömungen, also die Exilliteratur, die schwarze Literatur mit Vertretern wie Zakes Mda und Mongane Wally Serote und die weiße Literatur mit den Literaturnobelpreisträgern Nadine Gordimer und John M. Coetzee sowie André Brink, Breyten Breytenbach und Athol Fugard waren voneinander abgeschottet und begannen erst mit dem sich abzeichnenden Ende der Apartheid, sich einander zu nähern.

Schriftliche Literatur in afrikanischen Sprachen[Bearbeiten]

Südafrika[Bearbeiten]

In Südafrika wurden isiXhosa, Sotho (Nord- und Süd-Sotho) und isiZulu zu bedeutenden Literatursprachen. Im frühen 19. Jahrhundert kamen die Völker in Kontakt mit Europäern, die die Lese- und Schriftkultur sowie Druckerpressen nach Südafrika brachten. In der Folge entstanden unterschiedliche Genres, wobei Xhosa und Zulu unterworfen wurden, die Sotho aber der europäischen Kolonialisierung entgingen. Die ersten Autoren standen unter dem Einfluss der Missionare und waren christlich geprägt. So übersetzte der Xhosa Tiyo Soga das religiöse Werk The pilgrim's progress von John Bunyan und der Xhosa-Dichter Ntsikana schrieb Kirchenlieder. Weltbekannt wurde 1925 Chaka von Thomas Mofolo. Die Buchveröffentlichungen seit 1910 waren vielfach der Zensur der Missionare und später des Apartheidregimes und der Sprachüberwachung ausgesetzt. Die Gründung einer Reihe von Verlagen und die heutige Anerkennung der afrikanischen Sprachen lassen auf die Förderung der Literatur in afrikanischen Sprachen hoffen.

Westafrika[Bearbeiten]

Obwohl in Westafrika 400 Sprachen gesprochen werden, haben nur die Hauptsprachen eine bedeutsame literarische Tradition. Außerdem kann man beobachten, dass in den anglophonen Ländern mehr in afrikanischen Sprachen publiziert wird, als in den frankophonen. Absoluter Vorreiter ist hier Nigeria, mit den drei großen Sprachen Yoruba, Hausa und Igbo. Die Literatur in Yoruba entstand bereits im 19. Jahrhundert, da die christlichen Yoruba ein frühes Interesse an der westlichen Erziehung zeigten. So entstanden seit 1886 zahlreiche Gedichtsammlungen. Der erste Roman, Itan Emi Segilola von Isaac Thomas, erschien 1930 als Fortsetzungsroman in einer Lagoser Zeitung. Ihm folgten weitere Romane, unter anderem von Daniel Fagunwa. Die Hausa im Norden Nigerias wurden mehr vom Islam als von westlichen Einflüssen geprägt. Ihre Literatur ist weniger umfangreich als die der Yoruba, reicht aber bis Usman dan Fodio zurück. Einen eher geringen Beitrag zur nigerianischen Literatur haben bisher die Ibo geleistet. Anstrengungen zur Förderung der Literatur in Ibo waren weitgehend erfolglos, erst in den 1970er Jahren traten einige Romanciers wie Tony Ubesie hervor. Auch die Sprachen Twi und Fante, die in Ghana gesprochen werden, haben sich zu Literatursprachen entwickelt. Für das frankophone Westafrika gibt es vor allem in den Sprachen Bamanankan (Bambara)/ Dyula, Fula und Wolof schriftliche Literatur.

Ostafrika[Bearbeiten]

Die klassische islamische Swahili-Dichtung, vorherrschend an der Küste Kenias, reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Sie handelte meist von religiösen Themen, beispielsweise vom Leben Mohammeds, oder von historischen Ereignissen. Wichtige Dichter waren Malenga al-Kilify, Aidarusi bin Athumani, Mwengo bin Athumani und Sayyid Abdul bin Nassir. Romane in Swahili entstanden erst in den 1950er Jahren in Kenia und besonders in Tansania, wo sich erst in den letzten Jahrzehnten mit Autoren wie Abdulrazah Gurnah oder Moyez Vassanji eine nennenswerte englischsprachige Literatur entwickelt hat.

Lusophone Literatur[Bearbeiten]

Die portugiesische Sprache ist in Angola, Mosambik, Guinea-Bissau, Kap Verde und São Tomé und Príncipe, den ehemaligen Kolonien von Portugal, verbreitet.

Angola[Bearbeiten]

Als das erste Werk der angolanischen Literatur gilt der Gedichtband Espontaneidades da minha alma von José da Silva Maia Ferreira, der 1849 in Luanda erschien. Ferreira gehörte der kreolischen Gesellschaft an, die die literarische Bewegung Angolanidade entwickelte. Diese Bewegung wird in den Romanen von O segredo da morta (1929) von António de Assis Júnior bis A gloriosa familía (1997) von Pepetela thematisiert und bildet somit den Leitfaden durch die angolanische Literatur. Mit der Gründung der Zeitschrift Mensagem durch Agostinho Neto als Reaktion auf kolonialistische Repressionen ab 1920 begann eine literarische und später auch politische Aufbruchsstimmung, die in der Unabhängigkeitsbewegung MPLA mündete. Wichtige Werke des Unabhängigkeitskampfes waren die sozialkritische Camaxilo-Trilogie (ab 1949) von Castro Soromenho und der Roman Mayombe (1980) von Pepetela. Pepetela war selbst aktiver Guerillakämpfer der MPLA, Neto wurde nach der Unabhängigkeit 1975 erster Präsident.

Mosambik[Bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Mosambikanische Literatur

In den 1920er Jahren entstanden erste literarische Werke im Umkreis einer urbanen Schicht assimilierter Intellektueller. Vor allem durch die Gründung von Zeitschriften entwickelte sich eine Literaturszene, die sich im Laufe der 30er und 40er Jahre von der kolonialen Literatur ablöste. In den 1950er Jahren dominierte das Thema der Moçambicanidade. Damit war die verstärkte Hinwendung zur afrikanischen Identität gemeint. Herausragende Autoren waren Noémia de Sousa und José Craveirinha. Zunehmend kritisch gegenüber dem repressiven Kolonialsystem wurden zahlreiche Schriftsteller verhaftet. Mit dem Beginn des Unabhängigkeitskriegs 1964 trat die Literatur in eine nationalistisch-kämpferische Phase ein. Nach der Unabhängigkeit wandelte sich die mosambikanische Literatur. Nachdem lange Zeit die Lyrik dominiert hatte, wurden nun vermehrt narrative Werke publiziert, in denen die Autoren persönlichere und intimere Themen behandelten. Von großem Einfluss auf die Literatur war der bis 1992 wütende Bürgerkrieg. Bedeutende mosambikanische Autoren der Gegenwart sind Mia Couto, Suleiman Cassamo, Paulina Chiziane und Lília Momplé.

Kap Verde[Bearbeiten]

In Kap Verde wird neben Portugiesisch die Mischsprache kapverdisches Kreol gesprochen, in der Eugénio Tavares und Pedro Cardoso in den 1930er Jahren Gedichtsammlungen veröffentlichten, die aber nicht zur Literatursprache geworden ist. Die ersten Schriftsteller zu Beginn des Jahrhunderts, Baltasar Lopes da Silva, Jorge Barbosa und Manuel Lopes, wurden von literarischen Bewegungen in Brasilien beeinflusst. Sie veröffentlichten nach 1936 in der Zeitschrift Claridade Gedichte und Kurzgeschichten, zum Beispiel die berühmte Kurzgeschichte O enterro de nhâ Candinha Sena (1957) von António Aurélio Gonçalves. Der einzige Roman von Baltasar Lopes da Silva, Chiquinho (Roman) (1947), war wegweisend für die kapverdische Literatur. Die Autoren der nachkolonialen Zeit suchen die Annäherung an Afrika und haben seit 1977 die Zeitschrift Raîzes (Wurzeln). Der Rechtsanwalt Germano Almeida, der heute bekannteste Autor, entlarvt in seinen humoristischen Romanen die Scheinheiligkeit der kapverdischen Moral. A morte do meu poeta (1998) gilt als der erste Nationalroman des 1975 unabhängig gewordenen Kap Verde.

São Tomé und Príncipe[Bearbeiten]

Aus São Tomé und Príncipe stammt der erste afrikanische Dichter portugiesischer Sprache, Caetano da Costa Alegre. Ein weiterer Dichter war José Francisco Tenreiro. Er studierte wie da Costa Alegre in Portugal und schrieb ein Essay über die Entstehung der Négritude aus afroamerikanischen, kubanischen und brasilianischen Vorbildern (Acerca da literatura „negra“). Auch seine Gedichtbände Ilha de santo nome (1942) und Coraçao em Africa (1964) werden mit der Négritude in Verbindung gebracht. Die Schriftstellerinnen Alda do Espírito Santo und Maria Manuela Margarido wurden beide während der Kolonialzeit von der portugiesischen Geheimpolizei PIDE inhaftiert. Versuche, die Kreolsprache Saotomense als Literatursprache zu etablieren, sind bis heute erfolglos geblieben.

Buchmessen und Literaturpreise[Bearbeiten]

Eine bedeutende internationale Buchmesse war bisher die Zimbabwe International Book Fair (ZIBF)[4], die seit 1983 in der Hauptstadt Harare stattfindet. Nachdem sich der Präsident Simbabwes, Robert Mugabe, ablehnend über die Präsenz Homosexueller auf der Buchmesse geäußert hatte, wurden Forderungen nach einer Verlegung der Buchmesse nach Kapstadt in Südafrika laut. Tatsächlich wurde in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse im Juni 2006 die Buchmesse Kapstadt eröffnet. Zuvor wurde in Johannesburg bereits die International South African Education, Training, School Supplies and Book Market Exhibition veranstaltet. Weitere Buchmessen finden in Lagos (Nigeria, seit 1994), Accra (Ghana, seit 1996) und Lusaka (Sambia) statt; eine internationale Kinderbuchmesse wird seit 1992 in Lomé (Togo), eine panafrikanische Kinderbuchmesse seit 1992 in Nairobi (Kenia) organisiert.

International angesehene Preise sind der Grand Prix littéraire de l'Afrique noire für frankophone und der African Commonwealth Writers Prize für anglophone Literatur. Ein weiterer namhafter Literaturpreis ist der Noma-Preis für afrikanische Literatur für in afrikanischen Verlagen erschienene Bücher, der seit 1980 von Kodansha gestiftet wird, das erste Mal an Mariama Bâ. Für afrikanische (auch arabische) Dichtung wird der Tchicaya-U-Tam'si-Preis verliehen. In Deutschland zeichnet der LiBeraturpreis Schriftstellerinnen aus Afrika neben Asien und Lateinamerika aus.

Bisher wurde der Nobelpreis für Literatur drei Schriftstellern und einer Schriftstellerin aus Afrika verliehen:

Jahr Name Nationalität
1986 Wole Soyinka Nigeria
1988 Nagib Mahfuz Ägypten
1991 Nadine Gordimer Südafrika
2003 John Maxwell Coetzee Südafrika

Siehe auch[Bearbeiten]

Listen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einführungen[Bearbeiten]

  • Manfred Loimeier, Wortwechsel. Gespräche mit afrikanischen Autorinnen und Autoren. Horlemann, Bad Honnef 2002.
  • Holger Ehling, Peter Ripken: Die Literatur Schwarzafrikas. München 1997. (Autorinnen und Autoren in Einzelporträts)
  • Almut Seiler-Dietrich: Wörter sind Totems. Heidelberg 1995.
  • Almut Seiler-Dietrich: Afrika interpretieren. (24 Werke afrikanischer Autorinnen und Autoren in Einzeldarstellung sowie ein Überblick über die afrikanische Literatur des 20. Jahrhunderts.)

Gesamtdarstellungen[Bearbeiten]

  • J. Jahn: Geschichte der neo-afrikanischen Literatur. Düsseldorf 1965.
  • Hjördis Jendryschik: Afrikanische Bauformen des Erzählens. Spezifische Eigenarten des frankophonen Romans Schwarzafrikas. Lang, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-631-43570-3
  • Tibor Keszthelyi: Afrikanische Literatur : Versuch e. Überblicks. Aus d. Ungar. übers. von Péter Lieber. Aufbau-Verl., Berlin 1981
  • Kesteloot Lilyan: Histoire de la litterature negro-africaine. Karthala, Paris 2001, ISBN 2-84586-112-5 (französisch)
  • Rainer Strzolka: Bibliotheken in Afrika. In: Bibliothek. Forschung und Praxis 23.1999.2, 157-194
  • Rainer Strzolka: Bibliotheken in oralen Kulturen: das Beispiel Afrika". 2. Aufl. in zwei Bänden. Hannover: Koechert 2000
  • Abiola Irele, Simon Gikandi (Hrsg.): The Cambridge history of African and Caribbean literature. 2 Bände. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-59434-0
  • Markus Kessel: »Aus Negern Afrikaner machen«. Die Vermittlung subsaharisch-afrikanischer Literaturen in deutscher Übersetzung seit Ende der 1970er Jahre. SAXA Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-939060-27-7 Inhaltsverzeichnis

Enzyklopädien[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Janheinz Jahn: Muntu. Umrisse der neoafrikanischen Kultur. Düsseldorf 1958, Kapitel 7: Hantu
  2. Definition zitiert in: Janheinz Jahn: Geschichte der neoafrikanischen Literatur. Düsseldorf 1966
  3. http://www.presenceafricaine.com/
  4. http://www.zibf.org/