Christian Felix Weiße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christian Felix Weisse, Gemälde von Anton Graff, ca. 1769, Gleimhaus Halberstadt

Christian Felix Weiße (* 28. Januar 1726 in Annaberg; † 16. Dezember 1804 in Stötteritz) war ein deutscher Schriftsteller und Pädagoge. Weiße zählt zu den bedeutenden Vertretern der Aufklärung und gilt als Begründer der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Leben[Bearbeiten]

Christian Felix Weiße
Gedenkstein für Christian Felix Weiße auf dem Alten Johannisfriedhof in Leipzig

Christian Felix Weiße wurde 1725 als Sohn von Christian Heinrich Weiße, Rektor der Lateinschule im erzgebirgischen Annaberg und Lehrer für orientalische und neuere europäische Sprachen, und dessen Ehefrau Christiane Elisabeth geb. Kleemann, geboren. Als er ein halbes Jahr alt war zog die Familie nach Altenburg, wo er ab dem zehnten Lebensjahr das Gymnasium besuchte. Zu dieser Zeit unternahm er seine ersten lyrischen Versuche.

Später übersiedelte seine Familie nach Leipzig. 1745 bis 1750 studierte er an der dortigen Universität Philologie und Theologie. Während seines Studiums lernte er u.a. Christian Fürchtegott Gellert, Gotthold Ephraim Lessing, Friederike Caroline Neuber, Gottlieb Wilhelm Rabener und Ewald Christian von Kleist kennen. Sie waren sowohl Verehrer als auch Kritiker seiner Werke.

Nach Beendigung seines Studiums nahm Weiße eine Stelle als Hauslehrer beim Grafen von Geyersberg an, der zu dieser Zeit ebenfalls in Leipzig studierte. 1759 übernahm er auf Wunsch Christoph Friedrich Nicolais die Redaktion der Bibliothek der schönen Wissenschaften, reiste aber im selben Jahr mit seinem Schüler Johann Heinrich von Geyersberg nach Paris. Von Paris zurück kündigte Weiße seine Hauslehrerstelle und ging als Gesellschafter des Grafen Schulenburg nach Schloss Burgscheidungen an der Unstrut.

1761 wurde Weiße Kreissteuereinnehmer in Leipzig und erbte 1790 das Rittergut Stötteritz bei Leipzig. Möglich wurde dies u.a. durch das Mäzenatentum des Grafen Schulenburg.

Neben seiner Lyrik und seinen Dramen hatte Weiße sehr großen Erfolg mit seiner Zeitschrift Der Kinderfreund, die von 1775 bis 1782 in 24 Bänden erschien und als erste Kinderzeitschrift Deutschlands gilt.

Am 16. Dezember 1804 starb Christian Felix Weiße in Stötteritz. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Johannisfriedhof.

Er war mit Christiane Platner verheiratet, welche 1813 verstorben ist. Aus dieser Ehe ist der Sohn Christian Ernst Weiße bekannt. Christian Felix Weiße war der Patenonkel von Theodor Grotthuß.

Ehrungen[Bearbeiten]

Zu Weißes 100. Geburtstag, am 28. Januar 1826, wurde auf Anregung des Annaberger Superintendenten Carl Heinrich Gottfried Lommatzsch im Friedrichsaal des Museums (heute Erzhammer/Haus des Gastes) die „Weiße-Stiftung-Annaberg“ als „Versorgungsanstalt für notleidende Knaben“ gegründet. Als Vorstand der Stiftung wirkte viele Jahre Weißes Schwiegersohn, Samuel Gottlob Frisch. Sechshundert Kinder bildeten auf dem Marktplatz ein großes „W“ und begingen „ab sechs Uhr die Feyerlichkeiten im Locale des Museums. Die Zöglinge der Weißischen-Stiftung erschienen in ihrer Kleidung im blauen Tuch. Auf der ersten Reihe der Sitze saßen die Pflegeeltern“, berichtet das Annaberger Tageblatt am 29. Januar 1926.

Die Weißestraße in (Leipzig-)Stötteritz ist nach ihm benannt. Auch in Annaberg-Buchholz trägt eine Straße seinen Namen, jedoch ist diese seit Jahren falsch, weil „Weise-Straße“ geschrieben.

Trivia[Bearbeiten]

Zu einem geflügelten Wort wurden die Anfangszeilen seines Gedichts Der Aufschub:

„Morgen, morgen, nur nicht heute!
Sprechen immer träge Leute“.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Titelvignette zu „Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes“, von Daniel Chodowiecki

Libretti für deutsche Singspiele[Bearbeiten]

  • Der Teufel ist los (1752), Musik (1766): Johann Adam Hiller
  • Die Liebe auf dem Lande (1768), Musik (1768): Johann Adam Hiller

Lyrik[Bearbeiten]

  • Amazonen-Lieder. Leipzig 1762 (Digitalisat in der Digitalen Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern)

Komische Opern[Bearbeiten]

  • Die Jagd (1770), Musik: Johann Adam Hiller
  • Die verwandelten Weiber (1778)
  • Der lustige Schuster (1778)
  • Der Dorfbalbier (1778)

Lustspiele[Bearbeiten]

  • Amalia (1765, publiziert 1766)
  • Die Freundschaft auf der Probe (1768)
  • Lustspiele, 3 Bände (1783)
  • Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er zerbricht; oder der Amtmann. Ein Schauspiel in Einem Aufzuge (1786). Neuausgabe mit einem Nachwort hrsg. von Alexander Košenina. Wehrhahn, Hannover 2013, ISBN 978-3-86525-354-5.

Tragödien[Bearbeiten]

  • Die Befreyung von Theben (1764)
  • Trauerspiele, 5 Bände (1776–1780)

Jugend- und Sachbücher[Bearbeiten]

  • Kleine Lieder für Kinder (1766)
  • Lieder für Kinder. Leipzig: Weidmann 1767 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Neues ABC-Buch (1772)
  • Der Kinderfreund (24 Bände, 1775–1782)
  • Briefwechsel der Familie des Kinderfreundes (12 Bände, 1784–1792)
  • Achthundert neue noch nie gedruckte Räthsel (1791)

Autobiografie[Bearbeiten]

  • Christian Felix Weißens Selbstbiographie (1806) Digitalisat

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • Edward Moore: Fabeln für das schöne Geschlecht von E. Moore. Aus dem Englischen von Christian Felix Weisse. Weidmann & Reich, Leipzig 1762.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carola Cardi: Das Kinderschauspiel der Aufklärungszeit. Eine Untersuchung der deutschsprachigen Kinderschauspiele von 1769–1800. Lang, Frankfurt am Main u.a. 1983. (= Europäische Hochschulschriften; Reihe 1, Deutsche Sprache und Literatur; 693) ISBN 3-8204-7715-2
  • Anne-Kristin Mai: Christian Felix Weiße 1726–1804. Leipziger Literat zwischen Amtshaus, Bühne und Stötteritzer Idyll. Biographische Skizze und Werkauswahl. Sax Verlag, Beucha 2003, ISBN 3-934544-53-3
  • Bettina Hurrelmann: Jugendliteratur und Bürgerlichkeit. Soziale Erziehung in der Jugendliteratur der Aufklärung am Beispiel von Christian Felix Weisses 'Kinderfreund' 1776–1782. Schöningh, Paderborn 1974. (= Informationen zur Sprach- und Literaturdidaktik; 5) ISBN 3-506-74055-5
  • Walter Huettemann: Christian Felix Weisse und seine Zeit in seinem Verhältnis zu Shakespeare. Dissertation, Universität Bonn 1912
  • Walter Pape: Das literarische Kinderbuch. Studien zur Entstehung und Typologie. de Gruyter, Berlin u.a. 1981, ISBN 3-11-008474-0
  • Jacob Minor: Christian Felix Weiße. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 41, Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 587–590.
  • Gotthard B. Schicker, „Felix Weiße – Kinderfreund aus Annaberg“ in Dicknischl – Erzgebirgsleute von damals und heute, Druck- und Verlagsgesellschaft Marienberg mbH, 2008, ISBN 978-3-931770-76-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Christian Felix Weiße – Quellen und Volltexte
 Commons: Christian Felix Weiße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien