Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg

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Christian-Ludwig Ernst August Maximilian Johann Albrecht Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg (* 29. September 1912 in Ludwigslust; † 18. Juli 1996 auf Gut Hemmelmark bei Eckernförde) war von 1945 bis zu seinem Tode Chef des Hauses Mecklenburg aus der Dynastie der Obodriten.

Leben[Bearbeiten]

Christian Ludwig (rechts) mit seiner Mutter und seinem Bruder, Postkarte von 1918

Christian-Ludwig war der zweite Sohn des Großherzogs Friedrich Franz IV. von Mecklenburg und der Prinzessin Alexandra von Cumberland, Braunschweig und Lüneburg. Die Schwester seines Vaters Cecilie war die letzte deutsche Kronprinzessin. Nach der Abschaffung der Monarchie im Jahr 1919 ging die Familie auf Einladung von Königin Alexandrine, der Schwester des Großherzogs ins Exil nach Dänemark, wo man für ein Jahr im Sommersitz des dänischen Königshauses Schloss Sorgenfri lebte. 1919 kehrte man nach Mecklenburg in das Jagdschloss Gelbensande zurück. Ab 1921 lebte die Familie im Schloss Ludwigslust, welches man der Familie als Residenz zuerkannt hatte.

Nach dem Abitur absolvierte Christian-Ludwig eine land- und forstwirtschaftliche Ausbildung. Im Herbst 1935 ging er als Rekrut ins Reiterregiment 14 in Ludwigslust, mit dem er 1939 in den Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde. Als Oberleutnant und Ordonnanzoffizier kämpfte er im Frankreichfeldzug und im Krieg gegen die Sowjetunion. 1944 wurde er aufgrund des Prinzenerlasses als Angehöriger eines vormals regierenden Hauses aus der Wehrmacht entlassen. In der Folge unterstützte er seinen Vater bei der Verwaltung der herzoglichen Güter. Dieser ernannte ihn kurz vor Kriegsende zum Chef des Hauses Mecklenburg, nachdem er Christian-Ludwigs älterem Bruder Friedrich Franz (1910–2001) bereits Anfang 1943 nach seiner nicht ebenbürtigen Eheschließung die Erbfolge abgesprochen hatte.

Bei Kriegsende wurde Ludwigslust zunächst von den Engländern besetzt, bald aber der sowjetischen Besatzungsmacht übergeben, so dass Christian Ludwig zunächst mit seiner Familie nach Schloss Glücksburg in Schleswig-Holstein ging. Bald kehrte er aber nach Ludwigslust zurück, um sich um den Familienbesitz zu kümmern und wurde von der sowjetischen Militärbehörde gefangen genommen. Nach Gefangenschaft in Parchim, Godern, Schwerin und Potsdam wurde er nach Moskau geflogen, wo er in der Lubjanka zu 25 Jahren Haft als Mitglied einer Kaste, die immer schon Kriege geplant und ausgeführt hatte verurteilt wurde.

1953 wurde er nach der Intervention Konrad Adenauers für die deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion entlassen und kam Weihnachten 1953 wieder bei seiner Familie in Glücksburg an.

Am 5./11. Juli 1954 heiratete er in Glücksburg Barbara Prinzessin von Preußen (1920–1994), die älteste Tochter von Sigismund Prinz von Preußen. Seit 1954 lebten sie gemeinsam auf Gut Hemmelmark in Schleswig-Holstein. In zahlreichen Reisen hielt er den Kontakt nach Mecklenburg und nahm unter anderem an öffentlichen Anlässen wie der Wiedereröffnung des Schweriner Theaters, der Doberaner Rennbahn sowie auch der Fahnenweihe zahlreicher örtlicher Schützenvereine teil.

Christian-Ludwig war Ehrenkommendator des Johanniterordens. Er gehörte seit 1954 dem Geschäftsführenden Vorstand der Landsmannschaft Mecklenburg an und wurde später zum Ehrenvorsitzenden der Landsmannschaft ernannt.

Nachkommen[Bearbeiten]

Christian-Ludwig und Barbara hatten zwei Töchter:

  • Donata (* 11. März 1956 in Kiel), Bibliothekarin
∞ 1987 Alexander von Solodkoff (* 1951) in London.
  • Edwina (* 25. September 1960 in Kiel)
∞ 1995 Konrad von Posern (* 1964) in Eckernförde.[1]

Sammlung Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg[Bearbeiten]

Als Sammlung Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg wurden nach 1990 die erhaltenen Teile des 1945 enteigneten privaten Kunst- und Mobilienbesitzes des ehemaligen mecklenburgischen Fürstenhauses bezeichnet.[2]

1997 wurde die Sammlung der Familie restituiert. Zu diesem Zeitpunkt umfasste sie 412 Objekte. Für 260 Kunstwerke räumte die Familie dem Land einen unentgeltlichen Nießbrauch bis zum 1. Dezember 2014 ein, 152 behielt sie für sich, von denen die meisten in den Folgejahren zur Versteigerung kamen.

Nach langen Verhandlungen wurde 2014 eine Kaufvereinbarung getroffen.[3] 252 Objekte gingen unmittelbar in Landesbesitz über, ebenso der erst ab 2011 inventarisierte Dachbodenfund von Schloss Ludwigslust[4] mit insgesamt 323 Objekten. Weitere acht Kunstwerke behielt die Familie als Erinnerungsstücke, stellte sie aber teilweise als Dauerleihgaben dem Land für weitere 10 Jahre unentgeltlich zur Verfügung und räumte dem Land auf diese ein Vorkaufsrecht ein.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Solodkoff: Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg. Mecklenburg-Schwerin. Club Wien 2003. ISBN 3-933781-28-0
  • Alison Weir: Britain's Royal Family. A Complete Genealogy. The Bodley Head, London 1999. S. 292.
  • Marlene A. Eilers: Queen Victoria's Descendants. Genealogical Publishing Co., Baltimore 1987. S. 161, 162, 169.
  • Peter Hoffmann: Stauffenbergs Freund. Die tragische Geschichte des Widerstandskämpfers Joachim Kuhn. Verlag C. H. Beck, München 2007. ISBN 978-3-406-55810-8.
  • Peter Hoffmann: Oberst i. G. Henning von Tresckow und die Staatsstreichspläne im Jahr 1943. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Vol. 55, 2, April 2007. S. 331-364 (Digitalisat)
  • Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg: Erzählungen aus meinem Leben. 3. Auflage. Schwerin 1998. ISBN 3-910179-75-4.
  • Sabine Bock: Großherzogliche Kunst im Schloss Ludwigslust. Fürstenabfindung, Enteignung und Restitution. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2014. ISBN 978-3-940207-98-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.promonarchie.de/GothaAbteilung1-2004.pdf
  2. Sabine Bock: Großherzogliche Kunst im Schloss Ludwigslust. Fürstenabfindung, Enteignung und Restitution. Thomas Helms Verlag Schwerin 2014, ISBN 978-3-940207-98-2
  3. Herzogliche Sammlung verbleibt in Mecklenburg-Vorpommern, Pressemitteilung vom 25. März 2013, abgerufen am 27. März 2013
  4. Liste
  5. Nicht erworbene Stücke 2014