Christian Wegner
Max Christian Wegner (* 9. September 1893 in Hamburg; † 14. Januar 1965 ebenda) war ein Hamburger Verleger.
Leben [Bearbeiten]
Max Christian Wegner besuchte bis zum Abitur 1912 das Johanneum in Hamburg. Im Ersten Weltkrieg wechselte Wegner als Leutnant der Reserve erst im Jahr 1917 von der Artillerie zur Fliegerei. Als Jagdflieger und Artillerie-Beobachter erhielt er 1918 das Abzeichen für Beobachtungsoffiziere, das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse und das Hamburger Hanseatenkreuz und nach über 105 Feindflügen im August 1918 das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern. Nach der Lehrzeit als Sortimentsbuchhändler und literaturhistorischem Studium an der Universität Leipzig (1914–1919) stieg er bei seinem Onkel Anton Kippenberg in den 1920er Jahren zum Prokuristen des Insel Verlages auf, wo er vornehmlich für die Insel-Bücherei zuständig war. Ab 1930 wechselte er für kurze Zeit als Geschäftsführer zum Leipziger Bernhard Tauchnitz Verlag.
Zusammen mit John Holroyd-Reece leitete Wegner ab 1932 als Direktor den von ihnen gegründeten Albatross Verlag von Paris aus. Die Auslieferung besorgte Kurt Enoch in Hamburg. Die Firma „The Albatross Verlag Hamburg GmbH“ war seit November 1931 im Handelsregister Leipzig eingetragen und druckte bei Oscar Brandstetter in Leipzig die ersten modernen Taschenbücher (Paperback) für den allgemeinen Massenmarkt in Originalsprache für eine weltweite Auslieferung. Albatross gelang es schnell, prominente Autoren wie Aldous Huxley, James Joyce, D. H. Lawrence, Sinclair Lewis, Thornton Wilder und Virginia Woolf für sich zu gewinnen und in großen Zahlen herauszugeben.
Mit der verlagseigenen Odyssey Press gab Wegner die in England vorerst noch nicht zum Verkauf freigegebenen Autoren wie James Joyce (Ulysses, 1932) und D. H. Lawrence (Lady Chatterley, 1933) in englischer Sprache heraus.
Nach seinem Ausscheiden bei Albatross ging Wegner 1936 endgültig nach Hamburg und übernahm das Grossohaus Oscar Enoch und den Verlag der Gebrüder Enoch, die er ab 1939 in Grossohaus Wegner umbenannte bzw. in Christian Wegner Verlag (ab 1936) überführte. Oscar und Kurt Enoch waren als Menschen, die aus Familien stammten, die der jüdischen Religion angehörten, von den Nationalsozialisten verfolgt worden und gezwungen worden, ihre Firmen zu verkaufen. Wegner übernahm als Autor Hans Leip, neu dazu kamen Vita Sackville-West und Jakob Johann von Uexküll und andere.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Wegner als Hauptmann und Kommandeur einer Transporteinheit aufgrund anti-nationalsozialistischer Äußerungen wegen Wehrkraftzersetzung im November 1943 vom Feldkriegsgericht des Kommandeurs der 16. Flak-Division in Brüssel zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, degradiert und 1944 nach zehnmonatiger Festungshaft im Militärgefängnis in Germersheim als einfacher Soldat „zur Bewährung“ an die Ostfront verbracht. Ihm gelang zum Kriegsende unversehrt die Rückkehr über die Ostsee nach Kiel, wo er neben Axel Springer und anderen einer der Ersten war, die 1945 eine Verlagslizenz in Hamburg erhielten.
Nach dem Krieg begann Wegner 1948 mit der Herausgabe der von Erich Trunz kommentierten Hamburger Ausgabe der Werke Johann Wolfgang von Goethes in 14 Bänden und editierte neu die Werke Friedrich Hölderlins, Georg Büchners und Heinrich von Kleists. Es folgten Pierre La Mures Roman Moulin Rouge, Neuauflagen der Tiergeschichten von Manfred Kyber sowie Bücher von Richard Benz, Rudolf Goldschmit-Jentner, Heinrich Eduard Jacob oder Elsa Sophia von Kamphoevener und Bildbände zum Beispiel der Fotografin Rosemarie Clausen. Wegner war Mitbegründer der Fischer-Taschenbücherei, deren preisgünstige und erfolgreiche Taschenbücher er ab 1952 zusammen mit dem S. Fischer Verlag herausgab.
Wegner war zu Beginn der 1950er Jahre einige Jahre lang Vorsitzender des Verleger-Ausschusses im Börsenverein des Deutschen Buchhandels. In dieser Eigenschaft organisierte er zahlreiche Buch-Ausstellungen im Ausland und 1953 Thomas Manns Rückkehr nach Hamburg und in dessen Heimatstadt Lübeck. Außerdem engagierte er sich für die Hamburger Kulturdeputation, im Aufsichtsrat des Thalia Theaters und im Beirat der Hamburger Bücherhallen.
Christian Wegner war viermal verheiratet und hatte insgesamt sieben Kinder, darunter den Autor und Verleger Matthias Wegner, den Verleger Christian Strasser und den Politiker Markus Wegner.
Besondere verlegerische Leistungen [Bearbeiten]
- Herausgabe erster moderner Taschenbuch-Reihen mit Albatross und später Fischer-Taschenbuch
- Goethes Werke: Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, hrsg. v. Erich Trunz, 1948–60, dazu Registerband 1964
Literatur [Bearbeiten]
- Maria Honeit, Matthias Wegner (Hrsg.): Gratulatio. Festschrift für Christian Wegner zum 70. Geburtstag. Wegner, Hamburg 1963
- Karl H. Pressler: Tauchnitz und Albatross. Zur Geschichte des Taschenbuches. In: Aus dem Antiquariat, Heft 1, München 1985
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wegner, Christian |
| ALTERNATIVNAMEN | Wegner, Max Christian (Taufname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Verleger |
| GEBURTSDATUM | 9. September 1893 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 14. Januar 1965 |
| STERBEORT | Hamburg |