Aldous Huxley

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Aldous Huxley (in Buenos Aires)

Aldous Leonard Huxley (* 26. Juli 1894 in Godalming, Surrey (England); † 22. November 1963 in Los Angeles) war ein britischer Schriftsteller, der in die Vereinigten Staaten auswanderte. Er entstammt väterlicherseits der Familie Huxley, die mehrere Wissenschaftler hervorbrachte, und mütterlicherseits der britischen Intellektuellenfamilie Arnold; der Schriftsteller und Kulturkritiker Matthew Arnold war ein Großonkel Huxleys.

Leben[Bearbeiten]

Huxley wurde als Sohn des Schriftstellers Leonard Huxley und dessen erster Frau Julia Arnold in Großbritannien geboren. Seine Mutter starb 1908, als Huxley gerade 14 Jahre alt war. Drei Jahre später erkrankte er am Auge, wodurch sein Sehvermögen stark eingeschränkt wurde. Wegen dieser Sehbehinderung wurde er vom Dienst im Ersten Weltkrieg freigestellt. Sein Bruder war der Biologe und Schriftsteller Julian Huxley, sein Halbbruder der Biologe und Nobelpreisträger Andrew Fielding Huxley, sein Großvater war Thomas Henry Huxley.

Aldous Huxleys erstes Buch The Burning Wheel wurde 1916 veröffentlicht, als er 22 Jahre alt war. Er studierte Literatur am Balliol College, Oxford. Als er Anfang 21 war, machte er die Schriftstellerei zu seinem Beruf. Seine Romane erzählen von einer Entmenschlichung der Gesellschaft durch wissenschaftlichen Fortschritt (zum Beispiel die Dystopie Brave New World, deutsch: Schöne neue Welt), gleichzeitig schrieb er auch über pazifistische Themen (zum Beispiel Geblendet in Gaza). Huxley wurde stark von Frederick Matthias Alexander beeinflusst, den er sogar als Romanfigur in Geblendet in Gaza aufnahm.

Während des Krieges verbrachte er die meiste Zeit in Garsington Manor, dem Wohnsitz von Lady Ottoline Morrell. In seinem späteren Roman Crome Yellow (1921) karikierte er den Lebensstil von Garsington, was seine Freundschaft mit den Morrells aber nicht beeinträchtigte. Er heiratete Maria Nys, die er in Garsington kennengelernt hatte.

Nach dem Krieg war er als Journalist und Kunstkritiker beschäftigt. Durch den Einfluss der buddhistischen Lehre und von politischen Ereignissen in Europa wurde er (in den dreißiger Jahren) vom beobachtenden Satiriker zu einem leidenschaftlichen Reformator, der versuchte, die Welt durch eine universale mystische Religion zu heilen.

1937 zog Huxley nach Kalifornien. Hier setzte seine zweite Schaffensphase ein, die geprägt war von einer neuen Hinwendung zum Menschen. Der dezidierte Kritiker und scharfzüngige Realist lernte 1938 Jiddu Krishnamurti kennen. Er wandte sich den großen Weisheitslehren der Welt zu und entdeckte in ihnen ein Band, welches sich am ehesten mit dem Begriff Mystik definieren lässt. Beredtes Zeugnis dieser Erkenntnis liefert The Perennial Philosophy. Der Roman After Many a Summer ist bereits Ausdruck dieser neuen Zuwendung, die am deutlichsten in Time must have a stop zu Tage tritt. 1953 ließ er sich auf ein von Humphry Osmond betreutes Experiment ein, welches die Wirkung von Meskalin auf die menschliche Psyche zum Inhalt hatte. In der folgenden Korrespondenz mit dem Autor prägten beide das Wort psychedelic für die Wirkung dieser Substanz. Die Essays The Doors of Perception und Heaven and Hell beschreiben diese Wirkung und das Experiment, welchem er sich bis zu seinem Tod noch etwa zehn mal unterzog. Zeichen dieser, nicht nur sein Schreiben betreffenden, Veränderung ist auch sein letzter Roman Island, in welchem er eine positive Utopie seiner Dystopie Brave New World entgegensetzte.

Rezeption[Bearbeiten]

Huxley war mit dem Biologen J. B. S. Haldane befreundet und parodierte ihn und seinen Vater John Scott Haldane durch Figuren in seinen Werken. Darüber hinaus beeinflusste J. B. S. Haldanes Werk Daedalus über die Entwicklung von Föten in künstlichen Gebärmüttern Huxleys Roman Brave New World.[1]

Im Jahre 1949 gründete er mit John Maynard Hutchins das Aspen Institute For Humanistic Studies. Am 22. November 1963 starb Aldous Huxley an Kehlkopfkrebs. Kurz vor seinem Tod ließ er sich von seiner zweiten Ehefrau Laura (1911–2007) intramuskulär 100 Mikrogramm LSD verabreichen.

Berühmt wurde Aldous Huxley vor allem durch Romane und zahlreiche Essays. Er veröffentlichte aber auch Kurzgeschichten, Gedichte, Reiseberichte und schrieb Drehbücher. In seinen Romanen untersuchte und kritisierte Huxley gesellschaftliche Sitten, Ideale und Normen und den möglichen Missbrauch wissenschaftlicher Errungenschaften durch den Menschen. Die Werke seiner früheren Schaffensphase können als eher humanistisch motiviert gelten. Später wandte er sich vor allem spirituellen Themen zu, wie Parapsychologie und mystische Philosophie.

Werke[Bearbeiten]

Briefe[Bearbeiten]

  • James Sexton (Hrsg.): Aldous Huxley. Selected Letters. Ivan Dee Books, Chicago, Ill. 2007, ISBN 978-1-56663-629-2.

Drehbuch[Bearbeiten]

Erzählungen[Bearbeiten]

  • Limbo. Six stories and a play. Chatto & Windus, London 1970, ISBN 0-7011-0805-3. (EA London 1920)
  • Mortal Coils and other stories. Chatto & Windus, London 1971, ISBN 0-7011-0808-8. (EA London 1922)
    • Glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Erzählungen. Piper, München 1985, ISBN 3-492-00723-6.
  • Little Mexican. Six stories. Chatto & Windus. London 1973, ISBN 0-7011-0807-X. (EA London 1924)
    • Der kleine Mexikaner. Erzählungen. Piper, München 1986, ISBN 3-492-00756-6 (formal falsche ISBN).
  • Two or Three Graces. Four stories. Chatto & Windus, London 1963 (EA London 1928)
    • Zwei oder drei Grazien. Ein kleiner Roman. Insel-Verlag, Leipzig 1931.
  • Brief Candles. Four stories. Penguin, Harmondsworth 1973, ISBN 0-14-002349-6. (EA London 1930)
    • Nach dem Feuerwerk. Vier Novellen. Insel-Verlag, Leipzig 1940.
  • Collected Short Stories.Chatto & Windus, London 1974, ISBN 0-7011-0793-6. (EA London 1957)
    • Meistererzählungen.Piper, München 1979, ISBN 3-492-02477-7.
    • Meisternovellen. Manesse, Zürich 1951.

Essays[Bearbeiten]

  • Grey Eminence. Biography Father Joseph. Vintage Books, London 2005, ISBN 0-09-947782-3 (EA London 1941).
  • The Art of Seeing. Flamingo, London 1994, ISBN 0-00-654746-X (EA New York 1942).
    • Die Kunst des Sehens. Was wir für unsere Augen tun können. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-20216-9 (EA München 1982).
  • „Literature and science“ and „Science, liberty and peace“. Chatto & Windus, London 1970, ISBN 0-7011-1690-0 (EA London 1946).
    • Literatur und Wissenschaft. Piper, München 1964.
    • Wissenschaft, Freiheit und Frieden. Steinberg, Zürich 1947.
  • Themes and Variations. ISBN 0-7011-0817-7 (EA London 1950).
    • Themen und Variationen. Piper, München 1952.
  • The Doors of Perception. Flamingo, London 1994, ISBN 0-00-654731-1 (EA London 1954).
  • Collected Essays. Chatto & Windus, London 1958.
  • Brave New World Revisited. Vintage Books, London 2004, ISBN 0-09-945823-3. (EA New York 1958)
    • Wiedersehen mit der schönen neuen Welt. Piper, München 1994, ISBN 3-492-10670-6. (Früherer Titel: Dreißig Jahre danach oder Wiedersehen mit der wackeren neuen Welt. 1960)
  • Moksha. Aldous Huxley's Classic Writings on Psychedelics and the Visionary Experience. Park Street Press, Rochester, Vt. 1999, ISBN 0-89281-758-5.
    • Moksha. Auf der Suche nach der Wunderdroge. Piper, München 1998, ISBN 3-492-20287-X (EA München 1983).
  • Huxley and God. Essays. Harper Press, San Francisco 1992, ISBN 0-8245-2252-4.
  • The olive tree and other essays. Chatto & Windus, London 1960.
  • Do what you will. 12 essays. Chatto & Windus, London 1956.
  • On the margin. Notes and essays. Chatto & Windus, London 1956.
  • Music at night and other essays. Including „vulgarity in literature“. Chatto & Windus, London 1960.

Kinderbuch[Bearbeiten]

  • The crows of Pearblossom. Chatto & Windus, London 1976, ISBN 0-7011-5089-0 (EA London 1967).
    • Die Krähen von Pearblossom und die Geschichte, wie dieses und jenes und überhaupt etwas sehr Komisches geschah. Fischer, Frankfurt/M. 2007, ISBN 978-3-596-85211-6.

Lyrik[Bearbeiten]

  • The Burning Wheel. Poems (Adventures all Series; Bd. 7). Blackwell, Oxford 1916.
  • Selected poems. Appleton, New York 1925.

Philosophische Schriften[Bearbeiten]

  • Ends and Means. An enquiry into the nature of ideals and into the methods employed for their realization. Chatto & Windus, London 1969 (EA New York 1937).
    • Ziele und Wege. Eine Untersuchung des Wesens der Ideale und der mittel zu ihrer Verwirklichung. Cornelsen, Berlin 1949.
  • The Perennial Philosophy. Chatto & Windus, London 1974, ISBN 0-7011-0812-6 (EA London 1946).

Reiseberichte[Bearbeiten]

  • Along The Road. Notes and essays of a tourist. Triad Books, London 1986, ISBN 0-586-08510-6 (EA London 1925).
  • Jesting Pilate. The diary of a journey. Flamingo, London 1994, ISBN 1-4179-2478-0 (EA London 1926).
  • Beyond the Mexique Bay. Flamingo, London 1994, ISBN 0-586-08481-9 (EA London 1934).
  • All lives are a crazy thing. ISBN 0-586-08225-7 (formal falsche ISBN) 1922,

Romane[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Aufsätze
  • Reimer Jehmlich: Aldous Huxley, Ape and Essence. In: Hartmut Heuermann (Hrsg.): Der Science-Fiction-Roman in der angloamerikanischen Literatur. Interpretationen. Bagel, Düsseldorf 1986, ISBN 3-590-07454-X, S. 101–117.
  • Alexander Kupfer: Ansichten eines modernen Heiligen. Aldous Huxley und die Droge. In: Ders.: Die künstlichen Paradiese. Rausch und Realität seit der Romantik. Ein Handbuch. Metzler, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-02178-5, S. 625–649 (EA Stuttgart 1996; zugl. Dissertation, Universität Düsseldorf 1994).
  • Stefan Lampadius: The world state as a superhuman organism. From H. G. Wells to Aldous Huxley. In: Richard Nate (Hrsg.): Culture and Biology. Perspectives on the European Modern Age. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2011, ISBN 978-3-8260-4553-0, S. 257–276.
  • Nicolas Langlitz: „Better living through chemistry“. Entstehen, Scheitern und Renaissance einer psychedelischen Alternative zur kosmetischen Psychopharmakologie. In: Christopher Coenen (Hrsg.): Die Debatte über „Human Enhancement“. Historische, philosophische und ethische Aspekte der technologischen Verbesserung des Menschen. Transcript-Verlag, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8376-1290-5, S. 263–286.
  • Jerome Meckier: Aldous Huxley's modern myth „Leda“ and the poetry of ideas. In: Journal of the English Literature History, Bd. 58 (1991), Heft 2, S. 439–469, ISSN 0013-8304.
  • Bernfried Nugel: Aldous Huxley's concept of „Human Potentialities“. In: Eva Oppermann (Hrsg.): Literatur und Lebenskunst. Festschrift für Gerd Rohmann zum 65. Geburtstag. University Press, Kassel 2006, ISBN 3-89958-167-9, S. 146–156.
  • Eberhard Rohse: Hominisation als Humanisation. Die Figur des Affen als anthropologische Herausforderung in Werken der Literatur nach Charles Darwin, Wilhelm Busch, Wilhelm Raabe, Franz Kafka, Aldous Huxley. In: Studium generale. Vorträge zum Thema Mensch und Tier, Bd. 6: Wintersemester 1987/88. Verlag M. & H. Schaper, Alfeld-Hannover 1989, ISBN 3-7944-0158-1, S. 22–56 (Kapitel 5: „Herrschaft des Pavians“ als Weltverhängnis im Zeichen Belials – Aldous Huxley, S. 50–55).
Monographien
  • Jörg Auf dem Hövel: Pillen für den besseren Menschen. Wie Psychopharmaka, Drogen und Biotechnologie den Menschen der Zukunft formen. Verlag Heinz Heise, Hannover 2008, ISBN 978-3-936931-44-0.
  • Sybille Bedford: Aldous Huxley. A biography. Ivan Dee Books, Chicago, Ill. 2002.
  • Harold Bloom: Aldous Huxley. Chelsea House, Philadelphia 2003, ISBN 0-7910-7040-9.
  • Lothar Fietz: Aldous Huxley - Prätexte und Kontexte. (Human Potentialities, Bd. 6). LIT-Verlag, Münster 2005, ISBN 3-8258-8497-X.
  • Lothar Fietz: Menschenbild und Romanstruktur in Aldous Huxleys Ideenromanen (Studien zur Englischen Philologie/N.F.; Bd. 13). Niemeyer-Verlag, Tübingen 1969 (zugl. Habilitationsschrift, Universität Tübingen).
  • Ulrike Kretschmer: Der Mensch. Affe oder gottähnliches Wesen? Philosophisch-anthropologische Vorstellungen im Werk Aldous Huxleys LIT-Verlag, Münster 1998, ISBN 3-8258-3708-4 (zugl. Dissertation, Universität Münster 1997)
  • Bharathi Krishnan: Aspects of structure, technique and quest in Aldous Huxleys major novels. Almqvist & Wiksell, Uppsala 1977, ISBN 91-554-0669-6.
  • Jerome Meckier: Aldous Huxley. From poet to mystic (Human Potentialities; Bd. 11). LIT-Verlag, Münster 2011, ISBN 978-3-643-90101-9.
  • Sabine Menninghaus: Vorstellungsweisen künstlerischer Transformation. Naturwissenschaftliche Analogien bei Aldous Huxley, James Joyce und Virginia Woolf. LIT-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4424-2 (zugl. Dissertation, Universität Münster 1999).
  • Thomas Nöske: Clockwork Orwell. Über die kulturelle Wirklichkeit negativ-utopischer Science Fiction. Unrast-Verlag, Münster 1997, ISBN 3-928300-70-9.
  • Theo Schumacher: Aldous Huxley mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. 2. Auflage. Rowohlt, Reinbek 1992, ISBN 3-499-50368-9 (EA Reinbek 1987).
  • Ronald T. Sion: Aldous Huxley and the search for meaning. A study of the eleven novels. McFarland, Jefferson, N.C. 2010, ISBN 978-0-7864-4746-6.
  • Ingrid Sonnhütter: Stundenblätter. Aldous Huxley, „Brave New World“. 3. Auflage. Klett, Stuttgart 1987, IS„“BN 3-12-925111-1 (EA Stuttgart 1983).
  • Robert Southwick (Hrsg.): Aldous Huxley, „Brave New World“. Longman, Harlow 2008, ISBN 978-0-582-06016-6 (EA London 1991).
  • Gerhard Wagner (Hrsg.): Aldous Huxley. Representative Man (Human Potentialities; 5). LIT-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7663-2.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem. (A short story of nearly everything). Goldmann-Verlag, München 2005, ISBN 3-442-46071-9, Kapitel 16, S. 307–308.
  2. Pride and Prejudice (1940) in der Internet Movie Database (englisch)
  3. 1969 als Oper uraufgeführt, siehe Die Teufel von Loudun, von Ken Russell 1971 verfilmt, siehe Die Teufel (Film).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aldous Huxley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien