Christoph Broelsch

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Christoph Erich Brölsch (* 14. September 1944 in Hanau) ist ein deutscher Chirurg und Pionier der Lebertransplantation. 1989 führte er die erste erfolgreiche Lebendtransplantation einer Leber durch.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Brölsch wuchs mit seinen vier Schwestern und einem Bruder in Bremen-Schwachhausen auf.[1] Sein Vater Werner Brölsch (1910–2010) war dort als Landesjugendpfarrer tätig.[1] Ende der 1950er Jahre zog die Familie nach Berlin. Nach dem Abitur im Jahr 1963 am Gymnasium Steglitz studierte Brölsch Medizin in Köln, Erlangen und Düsseldorf. Nach einer zehnjährigen Tätigkeit an der Medizinischen Hochschule Hannover unter Prof. Rudolf Pichlmayr folgte er einem Ruf an die Universität nach Chicago und bekam dort den Lehrstuhl für hepatobiliäre Transplantation (Lebertransplantation). Hier führte Brölsch 1989 die erste LebendLebertransplantation von einer Mutter auf ihr Kind in den USA durch. Zuvor hatte Brölsch ein Verfahren der Leberteilung entwickelt, bei der eine Spenderleber für zwei Empfänger verwendet werden konnte, sog. „Split-Liver“. Bei der Lebendspende wird nur ein Teil (Segment) der Leber vom gesunden Spender entfernt und dem Erkrankten eingesetzt. Das Verfahren baut darauf, dass Teile der Leber zu einem vollständigen Organ nachwachsen können. Die Schwierigkeit besteht darin, das Organ des gesunden Spenders so zu zerteilen („splitten“), dass keine lebenswichtigen Blutgefäße durchtrennt werden. Hierbei leisteten ab ca. 1999 neue bildgebende Verfahren und die 3D-Visualisierung innerer Organe entscheidende Verbesserungen der Sicherheit.[2]

1991 übernahm Christoph Brölsch die Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Von 1998 bis zu seiner Suspendierung im Jahre 2007 war er Direktor der Klinik für Allgemein- und Transplantationschirurgie in Essen. Für seine Verdienste wurde Brölsch mehrfach geehrt. Er war Arzt des Bundespräsidenten Johannes Rau.

Gerichtliche Verfahren[Bearbeiten]

Nach mehreren Fällen von Lebend-Nierenspenden unter fragwürdigen Begleitumständen leitete die Staatsanwaltschaft Essen Ermittlungen gegen den Chirurgen ein. Nach einem Enthüllungsbericht des WDR-Journalisten Wolfgang Buschfort 2007 wurde Brölsch schließlich in Essen der Bestechlichkeit, zum Teil in Tateinheit mit Nötigung, des Betruges und der Steuerhinterziehung angeklagt und erstinstanzlich zu drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, Dutzenden von Patienten nur gegen erhöhte Zahlungen Aufnahme in die landeseigene Universitätsklinik Essen gewährt zu haben. Zudem seien diese Extrazahlungen als Spenden zu Forschungszwecken deklariert gewesen, was weder den Tatsachen entsprach, noch rechtens war. Gegen das Urteil legten sowohl die Staatsanwaltschaft Essen als auch die Verteidigung Revision beim Bundesgerichtshof ein.[3][4][5] Im Juli 2011 verwarf dieser die Revision gegen das Essener Urteil.

Mit der Rechtskraft des Urteils verliert Brölsch auch seinen Pensionsanspruch als Beamter. Am 10. Oktober 2011 trat Brölsch seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne an.[6] Nach Verbüßung der Hälfte der Haftzeit kam Broelsch am 9. April 2013 auf Bewährung frei.[7]

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Hartwig Ammann, Kirchenausschusses der Bremischen Evangelischen Kirche von der Vereinigung für Bremische Kirchengeschichte e.V. (Hrsg.): Bremer Pfarrerbuch. Die Pastoren, biographische Angaben. Band 2, H.M. Hauschild GmbH, Bremen 1996, ISBN 3-929902-96-6.
  2. Die 3D-Bildgebung als Vorbereitung von Transplantationen entwickelten in Deutschland vor allem das Deutsche Krebsforschungszentrum und das Bremer Visualisierungszentrum von Heinz-Otto Peitgen, mit dem Brölsch zusammenarbeitete.
  3. Broelsch in den offenen Vollzug?. Peter Lamprecht in: Die Welt. 14. März 2010. Abgerufen am 13. August 2012.
  4. Betrugsprozess; Gericht verurteilt Starchirurgen zu drei Jahren Haft. Der Spiegel. 12. März 2010. Abgerufen am 13. August 2012.
  5. Der Kassierer. Martina Keller in: Die Zeit. S. 8. 17. September 2009. Abgerufen am 13. August 2012.
  6. Transplantationschirurg Broelsch tritt Haftstrafe an. Deutsches Ärzteblatt. 18. Oktober 2011. Abgerufen am 11. August 2012.
  7. WDR Panorama