Universität Aarhus

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Universität Aarhus
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Motto Solidum petit in profundis
Gründung 1928
Trägerschaft staatlich
Ort Aarhus, Dänemark
Rektor Lauritz B. Holm-Nielsen
(seit 2005)
Studenten ca. 45.000 (FTE, 2013)[1]
Mitarbeiter 6.800
davon Professoren 740
Website au.dk

Die Universität Aarhus (dänisch Aarhus Universitet, lateinisch Universitas Arhusiensis) ist mit knapp 45.000 Studenten die größte Universität in Dänemark mit Sitz in der Stadt Aarhus. Zusammen mit der Universität Kopenhagen ist sie die renommierteste Universität Dänemarks. 1997 erhielt Jens Christian Skou den Nobelpreis für Chemie. Der langjährige Gastprofessor Dale Mortensen erhielt im Jahre 2010 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.[2] In zahlreichen namhaften Rankings ist die Universität auf den vordersten Plätzen gelistet.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 11. September 1928 wurde die Universität auf private Initiative unter dem Namen Universitetsundervisningen i Jylland (Universitätsausbildung in Jütland) gegründet - als erste Universität auf dem dänischen Festland. Davor hatten Schulabgänger in Jütland nur die Wahl, zum Studieren nach Kopenhagen oder über die Grenze nach Deutschland zu gehen. Deshalb hatten die Kommune von Aarhus, Dänemarks zweitgrößter Stadt, und die Initiative Universitets-Samvirket (Universitätszusammenarbeit) seit 1921 für die Gründung einer zweiten Hochschule im Land gekämpft. Als es 1928 dann soweit war, nahmen fünf Professoren (für Philosophie sowie Deutsch, Dänisch, Englisch und Französisch) die Arbeit und 60 Studenten das Studium auf, zunächst in von der örtlichen technischen Schule angemieteten Räumlichkeiten.

Die zunächst rein humanistische Ausbildung wurde nach und nach durch weitere Studiengänge erweitert: 1933 Medizin, 1936 Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften, 1942 Theologie, 1954 Mathematik und Naturwissenschaften, 1958 Politik und 1968 Psychologie.

Durch ein neues Hochschulgesetz, das 1970 im Folketing verabschiedet wurde, gelangte die Aarhus Universitet (die Hochschule schrieb sich weiterhin mit Doppel-A, obwohl ihre Heimatstadt sich seit der Rechtschreibreform von 1948 bis zum 31. Dezember 2010 mit Å schrieb), die bis dahin immer noch von der Stadt und der Samvirket organisiert wurde, unter staatliche Leitung. Doch noch bis heute arbeitet die "AU", wie die Studenten sie zumeist abkürzen, eng mit der Stadt zusammen, wenn es um den Aufbau neuer Infrastruktur geht.

Am 1. Januar 2007 wurden die Aarhus School of Business, das Dänische Institut für Umweltforschung (Danmarks Miljøundersøgelser) und das Dänische Institut für Landswirtschaftforschung (Danmarks Jordbrugsforskning) als Fakultäten der Universität zu Aarhus eingegliedert.

Gebäude[Bearbeiten]

Universitätshauptgebäude
Campussee

Nachdem die AU zunächst in gemieteten Lokalen den Betrieb aufgenommen hatte, entschloss die Stadt bald, ihr mit einem nördlich der Stadt gelegenen Park ein eigenes Areal zur Verfügung zu stellen. Die Architekten C.F. Møller und Kay Fisker gewannen 1931 einen dazu ausgeschriebenen Wettbewerb und entwarfen daraufhin die heute noch genutzten Universitätsgebäude rund um einen natürlichen See. Die einheitliche Bauweise aus gelben Ziegeln wird auch heute noch bei Baumaßnahmen beibehalten, zuletzt 2004 beim Neubau Søauditoriet (See-Hörsaal), einem überfakultären Hörsaalgebäude am Südende des Universitätssees. Die meisten Universitätsgebäude sind durch unterirdische Tunnel miteinander verbunden, so dass es möglich ist, trockenen Fußes zu den meisten Gebäuden zu gelangen, was jedoch selten genutzt wird.

Noch heute liegen drei viertel der Fakultätsgebäude in diesem Universitätspark, der durch das enorme Wachstum der Stadtbebauung inzwischen ins Zentrum von Aarhus gerückt ist und vor allem wegen des Sees und der weitläufigen Grünflächen von Studenten und Dozenten geschätzt wird. Lediglich die Vorlesungen in Informatik (in der sog. IT-Stadt, die etwa einen Kilometer westlich des Parks liegt), Archäologie und Ethnografie (im Gut Moesgård zehn Kilometer südlich der Stadt) finden nicht auf dem Stammgelände statt.

Studenten beim jährlichen Bootsrennen im Universitätspark

Einen besonderen Bekanntheitsgrad hat das Verwaltungsgebäude der Universität am Nordende des Parks: es diente während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg der Gestapo als Hauptquartier und wurde am 31. Oktober 1944 durch britische Luftangriffe verwüstet. Noch heute unterscheidet sich die Architektur dieses Gebäudes, das auch den größten Hörsaal den store Aula (die große Aula) beherbergt, sichtlich von der sonst so einheitlichen Bauweise. Der Legende nach verzögerten die Bauarbeiter die Fertigstellung desselben jahrelang durch immer neue Arkaden und Terrassen, um die Arbeit der deutschen Besatzer zu behindern. Der Luftangriff gilt heute als einer der schwersten in der Geschichte Dänemarks, das sonst vom Krieg weitgehend verschont blieb.

Zur Universität gehört auch das auf der Halbinsel Sundewitt liegende Schloss Sandbjerg, das als Seminarzentrum dient.

Nobelparken
Mensa der School of Business & Social Sciences

Rankings[Bearbeiten]

In den vergangenen Jahren stieg die junge Universität in internationalen Rankings stetig auf.

Studenten und Dozenten[Bearbeiten]

Im Jahr 1999 waren erstmals mehr als 20.000 Studenten an der Aarhus Universität immatrikuliert. Mit der jüngsten Fusion 2007 ist die Zahl der Studenten auf rund 29.000 gestiegen, und der Stab umfasst ca. 5.580 wissenschaftliche Mitarbeiter. Vor allem bei ausländischen Studenten ist sie sehr beliebt: mehr als 500 Austauschstudenten kommen jedes Semester hierher, viele davon durch das Austauschprogramm Socrates-Erasmus.

Im Laufe der Jahre haben viele bekannte Persönlichkeiten aus der ganzen Welt an der AU studiert oder gelehrt. Dies sind (alphabetisch):

  • Lars Bak (* um 1965), Informatiker, Student
  • Tim Bollerslev (* 1958), dänischer Ökonom und Entwickler des GARCH-Modells, Student
  • Rudi Dutschke (1940–1979), Dozent bis 1979
  • Kronprinz Frederik (* 1968), Thronfolger, Abschluss 1995
  • Theodor Geiger (1891–1952), erster Hochschullehrer für Soziologie in Dänemark
  • Finn Olav Gundelach (1925–1981), Diplomat und Vizepräsident der EG-Kommission, Student (Wirtschaftswissenschaften)
  • Matthias Heymann (* 1961), Physiker und Historiker, Associate Professor
  • Louis Hjelmslev (1899–1965), Gründer der Kopenhagener Schule der strukturalistischen Linguistik, 1934–37 Dozent der vergleichenden Sprachwissenschaft und 1935–36 Dekan der Humanistischen Fakultät
  • Naser Khader (* 1963), Politiker, Student (Rhetorik)
  • Itō Kiyoshi (1915–2008), japanischer Mathematiker, Begründer der Stochastischen Analysis, Hochschullehrer 1966–1969
  • Holger Friis Johansen (1927–1996), Klassischer Philologe, Hochschullehrer 1961–1996, 1973/4 stellvertretender Rektor
  • Bjørn Lomborg (* 1965) Student bis 1991 sowie Professor 1994–2002, seit 1997 als Professor, am Institut for Statskundskab (Institut für Politikwissenschaft) meist Statistik nach seiner Promotion in Kopenhagen 1994.
  • Margrethe II. (* 1940), Königin von Dänemark, Studentin 1961–1963 (Politikwissenschaften)
  • Dale Mortensen (1939–2014), amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, Gastprofessor, erhielt während seiner Zeit in Aarhus 2010 den Nobelpreis
  • Poul Nielson (* 1943), Politiker und EU-Kommissar, Student
  • Kristen Nygaard (1926–2002), Informatiker, Turingpreisträger, 1975/76 Professor in Aarhus
  • Jens Olesen (* 1950), Lehrstuhlinhaber für Nordische Geschichte an der Universität Greifswald, Student
  • Artis Pabriks (* 1966), lettischer Politologe und Politiker, Verteidigungsminister, studierte hier
  • Bernd Raffelhüschen (* 1957), Finanzwissenschaftler an der Universität Freiburg und Mitglied der Rürup-Kommission, Student
  • Anders Fogh Rasmussen (* 1953), Politiker, ehemaliger Ministerpräsident, Generalsekretär der NATO, erlangte hier 1978 seinen Abschluss in Wirtschaftswissenschaften
  • Finn Reske-Nielsen, UN-Diplomat
  • Jens Christian Skou (* 1918), Chemiker, errang 1997 den ersten Nobelpreis für die AU
  • Bjarne Stroustrup (* 1950), Erfinder der Programmiersprache C++, erwarb hier 1975 Abschlüsse in Informatik und Mathematik
  • Vygaudas Ušackas (* 1964), litauischer Diplomat, Politiker, ehemaliger Außenminister, studierte hier Politik

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universität Aarhus – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.au.dk/fileadmin/www.au.dk/om_au/FACTS2013_WEB_110613__2_.pdf
  2. http://www.au.dk/en/research/excellentresearch/
  3. http://www.au.dk/en/about/profile/rankings/

56.16694444444410.201944444444Koordinaten: 56° 10′ 1″ N, 10° 12′ 7″ O