Congresso Nacional da Reconstrução Timorense

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Flagge des CNRT

Der Congresso Nacional de Reconstrução Timorense CNRT (Kongress des timoresischen Wiederaufbaus) ist eine Partei in Osttimor, die 2007 gegründet wurde.[1]

Die CNRT stellte mit Xanana Gusmão von 2007 bis 2015 den Premierminister Osttimors und ist seit 2012 die stärkste Kraft im Nationalparlament.

Geschichte[Bearbeiten]

CNRT-Kampagne zu den Parlamentswahlen 2012
Nationaler Hauptsitz des CNRT, Rua Nu Laran, Bairro dos Grilos, Dili

Ziel des damaligen Präsidenten Osttimors Xanana Gusmão war es, bei den Parlamentswahlen 2007 mit dem CNRT anzutreten, um als Premierminister eine politisch einflußreichere Position zu erhalten, vor allem gegenüber der damaligen Regierungspartei FRETILIN. Gusmão gab dies offiziell im März 2007 bekannt, nachdem ihm eine Petition übergeben wurde, in der ihn 6.250 CNRT-Mitglieder aufforderten nach seiner Amtszeit als Präsident in der Politik zu bleiben.

In der Petition heißt es:„Osttimor braucht eine starke politische Partei mit einer guten Führung und einem Führenden, den die Bevölkerung liebt. Deswegen wollen wir Xanana. Wir vertrauen nur Dir.“

Die FRETILIN kritisierte, dass die neue Partei als Abkürzung CNRT verwendet, wie der ehemalige Dachverband des osttimoresischen Widerstandes gegen die indonesische Besatzung (Conselho Nacional de Resistência Timorense), der noch heute viel Sympathie in der Bevölkerung hat. Ein Mitglied des FRETILIN-Zentralkomitee nannte es die „Entführung eines mächtigen historischem Symbols“.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2007 unterstützte der CNRT den späteren Wahlsieger José Ramos-Horta, einen engen politischen Freund und Weggefährten Gusmãos.

Bei den Parlamentswahlen am 30. Juni 2007 erhielt der CNRT 24,10 % der Stimmen und 18 der 65 Sitze im Parlament. Damit lag er hinter der FRETILIN, die 29,02 % und 21 Sitze errang. Die FRETILIN erhob daher Anspruch auf die Führung in einer zukünftigen Regierung, sei es als Minderheitsregierung oder in einer Koalition, doch der CNRT konnte ein Bündnis mit der Partido Democrático PD und der Coligação ASDT/PSD (der gemeinsamen Parteiliste von Associação Social-Democrata de Timor und Partido Social Democrata) eingehen. Diese Allianz der Parlamentarischen Mehrheit, kurz AMP, verfügte mit 37 Sitzen über eine knappe Mehrheit im Parlament. Nach erfolglosen Verhandlungen mit der FRETILIN und Vermittlungsversuchen durch Staatspräsident Ramos-Horta wurde schließlich Xanana Gusmão mit der Regierungsbildung beauftragt und stand nun einer AMP-Regierung als Premierminister vor. Daneben hatte er auch die Ministerposten für Verteidigung und für Natürliche Ressourcen, Mineralien und Energie inne.

2012 erhielt der CNRT bei den Parlamentswahlen 36,66 % und bildet nun mit 30 Abgeordneten die stärkste Fraktion im Parlament. Gusmão führt nun eine Koalition mit der PD und der Frenti-Mudança FM. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses äußerten sich Vertreter des CNRT im nationalen Fernsehen abfällig über die FRETILIN, die nun als zweitstärkste Partei wieder in die Opposition gehen musste.[2] Infolgedessen kam es zu Unruhen in den Außenbezirken Dilis bei denen ein FRETILIN-Anhänger von einem Polizisten erschossen wurde.[3] 15 weitere Personen, darunter vier Polizisten, wurden verletzt. 60 Autos und sieben Häuser wurden zerstört. 16 Personen nahm die Polizei fest, als diese die An-Nuur-Moschee, Osttimors größte Moschee, beschädigten.[4] CNRT-Generalsekretär Babo entschuldigte sich für die harschen Worte seiner Parteikollegen.[5]

Gusmão trat 2015 vorzeitig als Premierminister zurück. Als Nachfolger schlug er das FRETILIN-Mitglied Rui Maria de Araújo vor. Nachdem auch der CNRT diesen Wunsch unterstützte.[6] Zwei der vier neuen Staatsminister stellt der CNRT. Auch Xanana Gusmão ist als beratender Minister und Minister für Planung und strategische Investitionen wieder in der Regierung.

Mitglieder[Bearbeiten]

Xanana Gusmão

Parteiämter[Bearbeiten]

Am 30. April 2007 wurde Gusmão zum Vorsitzenden des CNRT gewählt. Generalsekretär wurde Dionísio Soares Babo, sein Stellvertreter ist Duarte Nunes. Sprecher der Partei ist Virgílio Simith.[7]

CNRT-Mitglieder mit Regierungsämtern[Bearbeiten]

Weitere Mitglieder vom CNRT sind:

  • Dionísio da Costa Babo Soares, Staatsminister, Koordinator für Verwaltungsangelegenheiten und Minister für Innere Administration
  • Tomás do Rosário Cabral, 2012 bis 2015 Staatssekretär für die Dezentralisierung der Verwaltung, seit 2015 Vizeminister für Staatsadministration
  • Ilídio Ximenes da Costa, seit 2012 Staatssekretär für Berufsbildung und Beschäftigungspolitik
  • Vítor da Costa, 2012 bis 2015 Staatssekretär für soziale Sicherheit (inzwischen Mitglied bei Frenti-Mudança)
  • Cirilo José Cristóvão, seit 2015 Verteidigungsminister
  • Rafael Pereira Gonçalves, 2012 bis 2015 Staatssekretär für Fischerei
  • Bendito Freitas, 2007 bis 2012 Staatssekretär für berufliche Entwicklung, 2012 bis 2015 Minister für Bildung und Kultur
  • Xanana Gusmão, 2007 bis 2015 Premierminister, seit 2015 beratender Minister und Minister für Planung und strategische Investitionen
  • Francisco da Costa Guterres, seit 2007 Staatssekretär für Sicherheit
  • Francisco Kalbuadi Lay, seit 2012 Minister für Tourismus, seit 2015 auch für Kultur und Kunst
  • Veneranda Lemos, 2012 bis 2015 Staatssekretär für Unterstützung und Förderung der Privatwirtschaft, seit 2015 Staatssekretärin für die Unterstützung und sozio-ökonomische Förderung von Frauen
  • Jaime Lopes, seit 2012 Staatssekretär für Grundstücke und Eigentum
  • Miguel Marques Gonçalves Manetelo, 2007 bis 2015 Staatssekretär für Jugend und Sport, seit 2015 Vizeministerin für Soziale Solidarität
  • Hermenegildo Ágio Pereira (ehemals PSD), Staatssekretär für den Ministerrat und Regierungssprecher 2007 bis 2012, 2012 bis 2015 Minister für den Ministerrat, seit 2015 Staatsminister und Minister des Präsidiums des Ministerrat
  • Januário da Costa Pereira, 2007 bis 2012 Staatssekretär für Elektrizität, Wasser und Urbanisation, 2012 bis 2015 Staatssekretär für Elektrizität, seit 2015 Vizeminister für öffentliche Bauvorhaben, Transport und Telekommunikation I
  • Júlio Tomás Pinto, 2007 bis 2015 Staatssekretär für Verteidigung
  • Alfredo Pires, Staatssekretär für Natürliche Ressourcen 2007–2012, seit 2012 Minister
  • Jacinto Rigoberto Gomes de Deus, Staatssekretär für Sozialhilfe und Naturkatastrophen 2007 bis 2012, 2012 bis 2015 Vizeminister für Soziale Solidarität
  • Idelta Maria Rodrigues, 2007 bis 2015 Staatssekretärin für Gleichstellung
  • Luís Vaz Rodrigues, seit 2012 Staatssekretär für Öffentlichkeitsarbeit
  • Nélio Isaac Sarmento, 2012 bis 2015 Staatssekretär für Medien, seit 2015 Staatssekretär für Sozialkommunikation
  • Virgílio Simith, 2012 bis 2015 Vizeminister für Grundschulen und Sekundärschulen
  • Dulce de Jesus Soares, 2012 bis 2015 Vizeministerin für Grundbildung, seit 2015 Vizeministerin für Bildung I
  • Ivo Jorge Valente, 2012 Interims-Minister für Justiz, 2012 bis 2015 Vizeminister für Justiz, seit 2015 Minister für Justiz
  • Valentino Varela, 2007 bis 2015 Staatssekretär für Viehzucht
  • Maria Terezinha Viegas, seit 2012 Staatssekretärin für parlamentarische Angelegenheiten
  • Marçal Avelineo Ximenes, 2012 bis 2015 Vizeministerin für Hochschulen und Wissenschaft
  • Maria Isabel de Jesus Ximenes, seit 2012 Staatssekretärin für Kunst und Kultur

Allgemein wird der CNRT als Zusammenschluss um eine Person, nämlich Xanana Gusmão beschrieben. Um ihn herum sammelten sich demnach Geschäftsleute, die von Verträgen mit der Regierung profitieren, Veteranen, die treu zu Gusmão stehen und ehemalige Befürworter der Autonomie innerhalb Indonesiens beim Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999, die durch das Streben Gusmãos nach Aussöhnung wieder integriert wurden.[8]

Die Jugendorganisation des CNRT nennt sich OJP.

Belege[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Congresso Nacional da Reconstrução Timorense – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Financial Times, 27. März 2007, Gusmão joins new opposition party
  2. Australia Network News: Hundreds mourn victim of E Timor post-poll violence, 17. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012
  3. East Timor Legal Blogspot: Police officer who shot dead Armindo Pereira Alves suspended, 20. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012
  4. Edmonton Journal: East Timor president calls for security forces to restore order after post-election violence, 16. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012
  5. The Australian: Timor turning the corner on poll violence , 21. Juli 2012, abgerufen am 21. Juli 2012
  6. Webseite des Staatspräsidenten Osttimors: H.E. President of Republic, Taur Matan Ruak Accepts the Proposal of the Most Voted Party on nominee-Prime Minister, 10. Februar 2015, abgerufen am 10. Februar 2015.
  7. Channel News Asia, 30. April 2007, Timor Leste president elected head of new party
  8. International Crises Group: Timor-Leste’s Elections: Leaving Behind a Violent Past?, Update Briefing, Asia Briefing N°134, Dili/Jakarta/Brussels, 21 February 2012 (PDF; 1,4 MB)