Das alte Gewehr

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Filmdaten
Deutscher Titel Das alte Gewehr
Originaltitel Le Vieux Fusil
Produktionsland Frankreich, Deutschland
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1975
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe FSK 18, 16 (gekürzte Fassung)
Stab
Regie Robert Enrico
Drehbuch Robert Enrico,
Claude Veillot,
Pascal Jardin
Produktion Pierre Caro,
Alain Belmondo
Musik François de Roubaix
Kamera Etienne Becker
Schnitt Eva Zora
Besetzung

Das alte Gewehr (im deutschsprachigen Raum auch unter dem Alternativtitel Abschied in der Nacht bekannt) ist ein französisch-deutscher[1] Spielfilm von Robert Enrico aus dem Jahr 1975 mit Philippe Noiret und Romy Schneider basierend auf dem Massaker von Oradour im Jahr 1944.

Handlung[Bearbeiten]

Der Chirurg Julien Dandieu, Pazifist und Humanist und Mitglied der Résistance, lebt im Jahre 1944 während des Zweiten Weltkriegs in Montauban, in der „zone libre“ (freien Zone) im Südwesten Frankreichs. Dort führt er ein bourgeoises und glückliches Leben mit seiner Frau Clara und seiner Tochter Florence, die er über alles liebt. In Rückblenden wird die Liebesgeschichte des ungleichen Ehepaares – sie kapriziös und lebensfroh, er verschlossen und fast ein wenig linkisch, aber einander sehr zugetan – erzählt.

Angesichts der bevorstehenden Besetzung von Montauban bittet er seinen Freund François, seine Frau Clara und seine Tochter zu seinem Familienstammsitz, einem Schloss auf dem Land, zu fahren. Dort glaubt er seine Familie bis zum Ende des Krieges in Sicherheit. Eine Woche später will Julien seine Familie am Wochenende besuchen. Als Julien ankommt, hat die SS-Panzer-Division „Das Reich“ das Dorf, in dem sich das Schloss befindet, im Zuge der Partisanenbekämpfung zerstört. Die SS-Soldaten erschießen Florence zusammen mit der Dorfbevölkerung und vergewaltigen Clara. Danach ermordet die SS Clara mit einem Flammenwerfer.

Der sonst so sanfte und friedfertige Arzt nimmt blutige Rache: Nach seiner Rückkehr auf das Schloss bewaffnet sich Julien mit dem alten Jagdgewehr seines verstorbenen Vaters, um die SS-Soldaten zu erschießen. Dabei nutzt er seine Ortskenntnisse in dem unübersichtlichen Schlossgelände mit seinen zahlreichen verwinkelten Gängen, treibt die Deutschen wie Wild in Fallen und tötet sie einen nach dem anderen im Alleingang. Im Showdown stellt er den Anführer der SS und tötet ihn als letzten mit einem Flammenwerfer. Der höchste Nazi stirbt damit den gleichen Tod, den Dandieus Frau Clara zuvor durch die SS-Soldaten gestorben war.

Dandieu verlässt den Ort des Geschehens und wird im Dorf völlig derangiert von seinem Freund François mit dem Auto aufgelesen. Während der Fahrt bricht er zusammen.

Rezeption[Bearbeiten]

Bei der Veröffentlichung in den französischen Kinos lobte die Pariser Kritik einhellig Enricos Film. Die Tageszeitung L’Express bezeichnete ihn als den „besten Film“ des Regisseurs, während das Wochenmagazin Journal du Dimanche davon sprach, dass Das alte Gewehr „mitten ins Ziel“ treffe. Der Spiegel kritisierte seinerzeit die Darstellung der Deutschen in dem Kriegsfilm. Sie seien keine „ernst zu nehmende Feinde, sondern ... Karikaturen: versoffen ... geil, großmäulig, feige, brutal.“[2] Ebenso stimmte die zeitgenössische Kritik des deutschen film-dienstes ein und sah in Das alte Gewehr keinen wahren Antikriegsfilm. Es werde „nicht einmal der Stand eines ‚Interessantheits‘-Diagramms zur Zeitgeschichte erreicht“, der Film sei „zum Schauerstück missraten“, in dem Gewalt und Mordlust hier nicht „analytischem Bemühen“ unterliegen, sondern „nur Anlass für primitive Spannungsmache und blutrünstige Effekte“ sind.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Das alte Gewehr erhielt im Jahr 1976 mit dem César in der Kategorie Bester Film den erstmals verliehenen nationalen Filmpreis Frankreichs. Ebenfalls ausgezeichnet wurden Hauptdarsteller Philippe Noiret und die Filmmusik von François de Roubaix, während Enricos Film in sechs weiteren Kategorien nominiert war. Nicht nominiert wurde Romy Schneider, die seinerzeit für ihr Porträt einer Pornodarstellerin in Andrzej Zulawskis Drama Nachtblende den Vorzug erhielt und bei der Preisverleihung die Trophäe für die Beste Hauptdarstellerin entgegennehmen durfte. Mehrere Monate später wurde Noiret auch mit dem italienischen David di Donatello als bester ausländischer Darsteller bedacht. 1985 wurde der Film mit einem Ehrenpreis bei der César-Verleihung, dem César des Césars, ausgezeichnet.

Zensur[Bearbeiten]

Der Film ist ein Beispiel für praktizierte Filmzensur in Westdeutschland: Eigens für die westdeutsche Premierenfassung Abschied in der Nacht wurden Alternativ-Szenen gedreht und eingeschnitten, die besonders menschenverachtende Dialoge der Deutschen im französischen Original milderten und relativierten. Besonders brutale Szenen wurden entfernt.[4] In der DDR kam der Film unter dem Titel Das alte Gewehr synchronisiert, aber unzensiert in die Kinos und später ins Fernsehen. Erst 2007 kam die deutsche (ehemalige BRD)-Uncut-Version als DVD unter dem Titel Abschied in der Nacht mit den deutschen Extra-Szenen als Bonus-Material auf den deutschen Markt.[5] Bis heute gehört Das alte Gewehr zu den in Deutschland unbekanntesten Filmen mit Romy Schneider.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. deutsches-filminstitut.de Abgerufen am 9. Juli 2009
  2. vgl.  Dieter Wild: Barbaren am Werk. In: Der Spiegel. Nr. 39, 1975, S. 156 (online).
  3. vgl. Bastian, Günther: Das alte Gewehr. In: film-dienst 24/1975
  4. Änderungen in der deutschen Premierenfassung im Vergleich zum französischen Original
  5. Uncut-Version von Abschied in der Nacht auf DVD