Dastgah

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Dastgāh (persisch ‏دستگاه‎) ist ein modales System in der traditionellen persischen Musik. Persische Musik besteht aus zwölf prinzipiellen modalen Systemen oder Dastgāhs. Daneben sind noch über 50 weitere Dastgāhs (persisch: Dastgāh-hā) erhalten, jedoch sprechen Musiktheoretiker jeweils von den zwölf wichtigsten. Ein Dastgāh ist ein Melodietyp, auf dessen Basis der Musiker improvisiert.

Jedes Dastgāh enthält sieben grundlegende Noten und dazu viele variable Noten, welche für die Verzierung der Musik sowie zur Modulation verwendet werden. Jedes Dastgāh ist ein bestimmtes modales Variationsobjekt für die Entwicklung und vorbestimmt durch die vorhergehende Ordnung von Sequenzen. Dabei gibt es etwa 365 „atomare“ Melodien, genannt Guschehs. Ein Musiker lernt diese durch Erfahrung und Zuhören. Die ganze Sammlung von Guschehs in allen Dastgāhs wird Radif genannt. Während des Treffens des Inter-governmental Committee for the Safeguarding of the Intangible Heritage der Vereinten Nationen am 28. September 2009 in Abu Dhabi wurden Radifs offiziell in die UNESCO-Liste immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.[1][2][3][4]

Das Dastgāh ist vergleichbar mit dem arabischen Maqamsystem. Beide Systeme haben ihre Wurzeln in der Musik der Sassaniden, welche in der ganzen islamischen Welt aufgrund der arabischen Invasion im 7. Jahrhundert bekannt wurde.

Das System aus zwölf Dastgāhs und Guschehs blieb nahezu unverändert, bis es im neunzehnten Jahrhundert festgeschrieben wurde. Insbesondere durch Mîrzā Abdollāh Farāhāni (1843–1918). Kein neues Dastgāh oder großes Guscheh wurde seit dieser Festschreibung entwickelt. Wenn ein neues Āvāz oder Dastgāh entwickelt wurde, geschah dies fast immer durch Auslehnen von bestehenden Dastgāhs und Guschehs und nicht durch Neuerfindung.

Die Terminologie des Dastgāhs[Bearbeiten]

Der Ausdruck Dastgāh wurde oft verglichen mit den musikalischen Modi in der westlichen Musik. Dies spiegelt aber nicht die korrekte Bedeutung wider. Der Ausdruck kann dadurch beschrieben werden, dass ein Dastgāh normalerweise der Name eines einführenden Modus in einem Musikstück ist, welches immer und immer wieder in irgendeiner Form im Stück auftritt. Und ein Dastgāh identifiziert eine Gruppe von Modi, welche nach der Tradition zusammengehören.

Nach Angaben von Musikern stammt der Begriff Dastgāh von der Position (gāh) der Hand (dast) auf dem Hals des Instrumentes ab. Der persische Ausdruck Dastgah kann übersetzt werden als „System“.

In den gebräuchlichen Klassifikationen der persischen Musik werden Abu-atā, Afschāri, Bayāt-e Tork und Daschti als Subklassen des Dastgāh Schur angesehen. Ebenfalls wird Bayāt-e Esfahān als Subsystem von Homāyun angesehen. Dadurch reduziert sich die Anzahl an grundlegenden Dastgāhs auf sieben. Die Subklassen im konventionellen System werden Āvāz آواز genannt.

Jedes Dastgāh bzw. Āvāz hat einen Ton als Schwerpunkt, der Schāhed شاهد genannt wird.[5]

Die Dastgāhs mit ihren Āvāz[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hormoz Farhat: The Dastgāh Concept in Persian Music. Cambridge University Press, Cambridge 1990, ISBN 0-521-30542-X. (Cambridge studies in ethnomusicology, Rezension von Stephen Blum. In: Ethnomusicology, Jg. 36, Nr. 3 (Autumn 1992), S. 422–425.)
  • Khatschi Khatschi: Der Dastgah. Studien zur neuen persischen Musik, Regensburg 1962 (= Kölner Beiträge zur Musikforschung, 19)
  • Lloyd Clifton Miller: Persian Music. A Study of Form and Content of Persian Āvāz, Dastgāh & Radif. Eastern Arts, Salt Lake City UT 1995, (University of Utah, Dissertation, 5. Dezember 1991).
  • Bruno Nettl: The Radif of Persian Music. Studies of Structure and Cultural Context. Elephant & Cat, Champaign IL 1987.
  • Ella Zonis: Classical Persian Music. An Introduction. Harvard University Press, Cambridge MA 1973, ISBN 0-674-13435-4.
  • Ella Zonis: Contemporary Art Music in Persia. In: The Musical Quarterly. Jg. 51, Nr. 4 (Oktober 1965), S. 636–648.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Radif of Iranian music: Inscribed in 2009 on the Representative List of the Intangible Cultural Heritage of Humanity, UNESCO.
  2. Noruz and Iranian radifs registered on UNESCO list, Tehran Times, 1 October 2009, [1].
  3. Persian music, Nowruz make it into UN heritage list, Press TV, 1 October 2009, [2].
  4. Nowruz became international, in Persian, BBC Persian, 30. September 2009, [3].
  5. Ardavan Taheri: Das heutige System der traditionellen Musik im Iran (Die Anmerkung zum Radif).