Deutscher Turn- und Sportbund

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Flagge des DTSB
Generalprobe von Sportlern im Rahmen eines Begleitprogramms zur 90. IOC-Session in Ost-Berlin, 1985
10 Mark Gedenkmünze der DDR anlässlich 40 Jahre Deutscher Sportausschuss (Deutscher Turn- und Sportbund) aus dem Jahr 1988
Ehrenplakette des DTSB an einer Hauswand in Bechstedt-Wagd
Mitgliederentwicklung des DTSB

Der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) war die zentrale für den Sport zuständige Massenorganisation der DDR.

Inhaltsverzeichnis

Organisation [Bearbeiten]

Der DTSB wurde als letzte Massenorganisation der DDR am 27./28. April 1957 gegründet und löste damit faktisch den Deutschen Sportausschuss (DS) ab. Gleichzeitig übernahm der DTSB einige wichtige Aufgaben des Staatlichen Komitees für Körperkultur und Sport. Der DTSB wurde in der Praxis unmittelbar durch das ZK der SED angeleitet. Zuständig war die Abteilung Sport unter der Leitung von Erich Honecker (bis 1971), Paul Verner (1971–1984) und Egon Krenz (1984–1989).

Die beim DS zuvor als Sektionen vertretenen Sportarten wandelten sich unter dem Dach des DTSB in Sportverbände um, aus der Sektion Fußball entstand also beispielsweise der Deutsche Fußball-Verband (DFV).

Der DTSB gliederte sich in 15 Bezirksorganisationen, die jeweils weiter auf Kreis-, Stadt- und Stadtbezirksebene unterteilt waren. Die Armeesportvereinigung Vorwärts der NVA sowie die Sportvereinigung Dynamo der inneren Sicherheitsorgane (MfS, Volkspolizei, Zoll) gehörten dem DTSB offiziell mit dem Status einer Bezirksorganisation an, waren de facto aber eigenständig.

Als Präsident des DTSB wirkte von 1961 bis 1988 Manfred Ewald, der als Präsident des NOK, Vorsitzender der geheimen Leistungssportkommission sowie als Mitglied des ZK der SED die zentrale Rolle im DDR-Sportsystem innehatte. Der erste Präsident des DTSB von 1957 bis 1961 war jedoch Rudi Reichert. Nach Ewalds Entmachtung 1988 übernahm Klaus Eichler bis zur Wende seine Position. Martin Kilian leitete als letzter DTSB-Präsident 1990 die Auflösung des Sportbundes. Die meisten der im DTSB vertretenen Sportverbände traten einem Sportverband im Deutschen Sportbund (DSB) bei.

Breitensport [Bearbeiten]

1989 hatte der DTSB rund 3,7 Millionen Mitglieder, also über zwanzig Prozent der DDR-Bevölkerung. Die sportliche Betätigung stand durchaus im Interesse der Staatsführung. Vor allem Kinder und Jugendliche sollten zum Sporttreiben motiviert werden und wurden flächendeckend in Schulsportgemeinschaften organisiert. Für die Sportförderung wurden auch ganze Gemeinden ausgezeichnet mit einer Ehrenplakette wie in Bechstedt-Wagd.

Die gewerkschaftlichen Betriebssportgemeinschaften waren die Grundorganisation des DTSB in den Volkseigenen Betrieben, die als Trägerbetriebe fungierten.

Leistungssport [Bearbeiten]

Der Breitensport diente auch der systematischen Suche nach Talenten für den Leistungssport, etwa über die Kinder- und Jugendsportschulen und die Kinder- und Jugendspartakiaden. Als Zentren des Leistungssports fungierten die Sportclubs, bei denen alle Spitzensportler der DDR konzentriert wurden. Die großen sportlichen Erfolge, die die DDR seit den 1970er Jahren insbesondere bei Olympischen Spielen feiern konnte, wurden dabei sowohl innen- als auch außenpolitisch konsequent als Leistungsbeweis des DDR-Sozialismus insgesamt dargestellt.

Sportverbände im DTSB [Bearbeiten]

Im Deutschen Turn- und Sportbund waren folgende Sportverbände vereint:[1]

Mitgliederverteilung auf die Sportarten [Bearbeiten]

Im Jahr 1988 verteilten sich die Sporttreibenden und Übungsleiter auf folgende Weise auf die Sportsektionen.[2]

Sportart Anzahl Sporttreibende Anzahl Übungsleiter
Angeln 527.696 10.942
Basketball 14.644 1.243
Billard 11.009 1.361
Bogenschießen 4.668 545
Boxen 20.908 1.868
Eissport 8.995 631
Faustball 10.779 1.345
Fechten 6.584 673
Federball 27.069 2.480
Fußball 575.667 39.207
Gewichtheben 25.630 2.465
Handball 152.975 13.225
Hockey 6.152 576
Judo 54.544 4.891
Kanu/Kajak 26.768 2.082
Kegeln 204.126 17.369
Leichtathletik 180.605 15.583
Motorsport 85.134 5.064
Pferdesport 53.818 5.951
Radsport 27.226 2.816
Ringen 23.686 2.106
Rollsport 4.704 381
Rudern 14.275 1.103
Rugby 1.213 103
Schach 43.374 4.523
Schlitten/Bob 3.759 447
Schwimmen 83.509 6.911
Segeln 31.318 2.231
Ski/Biathlon 48.438 4.100
Tennis 47.274 3.185
Tischtennis 126.376 12.084
Turnen 408.476 26.542
Versehrtensport 14.080 1.249
Volleyball 134.924 12.454
Wandern/Bergsteigen/Orientierungslauf 86.123 6.844
Allgemeine Sportgruppen 513.453 35.265
Sonstige Sektionen 155.756 12.920
Spielleute 17.157 1.924
insgesamt 3.782.892 264.689

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Deutscher Turn- und Sportbund (DTSB). In: Andreas Herbst; Winfried Ranke; Jürgen Winkler: So funktionierte die DDR. Lexikon der Organisationen und Institutionen. Bd. 1. (Rororo 6348), Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1994, ISBN 3-499-16348-9, S. 234–243 (239–243)
  2. Statistisches Jahrbuch 1989 der Deutschen Demokratischen Republik

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Deutscher Turn- und Sportbund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien