Die Panne

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Die Panne ist eine Erzählung, ein Hörspiel (1956), ein Fernsehspiel (1957) sowie eine Komödie (1979) von Friedrich Dürrenmatt.

Die Erzählung – geschrieben 1955, mit dem Untertitel Eine noch mögliche Geschichte 1956 erstmals im Arche Verlag erschienen – wurde noch vor der Buchveröffentlichung als Hörspiel am 17. Januar 1956 von Gustav Burmester im NDR Hamburg erstgesendet, 1972 von Ettore Scola unter dem Titel Die schönste Soirée meines Lebens verfilmt und schließlich am 13. September 1979 in Wilhelmsbad (Hanau) unter der Regie des Autors als Theaterstück uraufgeführt.

Inhalt[Bearbeiten]

Dürrenmatt hat der Erzählung einen kurzen „Ersten Teil“ vorangestellt, in dem er über die (selbstgestellte) Frage: „Gibt es noch mögliche Geschichten, Geschichten für Schriftsteller?“ nachdenkt. Die Menschen wollten nur noch Geständnisse und Skandalgeschichten sowie Abhandlungen des Autors über die eigene Psyche. Literatur kann, so Dürrenmatt, nicht darin bestehen, das eigene Innere nach Außen zu kehren. Er will vielmehr hinter seinem Stoff zurücktreten, ist sich aber nicht sicher, ob das noch möglich ist. Am Ende kommt er darauf, in einer Welt der Pannen zu leben. Egal, wie sehr die Welt technisiert sein wird, Pannen wird es immer geben. So lange es Pannen gibt, gibt es auch mögliche Geschichten. Mit diesem Fazit beginnt der „Zweite Teil“, die eigentliche Erzählung.

Deren Ausgangspunkt bildet eine Autopanne des Textilvertreters Alfredo Traps. Im Dorf ist kein Zimmer frei, und so verbringt er die Nacht im Haus eines pensionierten Richters. Die Einladung zu einem üppigen, von der Haushälterin des Gastgebers zubereiteten Mahl, an dem auch die Ruheständler Staatsanwalt Zorn, Verteidiger Kummer und Henker Pilet teilnehmen, wird mit der Teilnahme an einem „Spiel“ verbunden. Die Greise spielen jeden Abend ihre alten Berufe; Traps soll die Rolle des Angeklagten übernehmen.

Das Tischgespräch zeigt Traps als Karriere machenden Geschäftsmann, der die zum sozialen Aufstieg nötigen Mittel kennt und einsetzt. Zuerst noch stolz auf sein Leben, wird ihm nun klarer, dass er sich bisher zwar im Rahmen der Legalität bewegt hat, ohne jedoch einem wahrhaftigen Ethos zu folgen.

Aus Traps’ kurzer Affäre mit der Frau seines vormaligen, früh verstorbenen Chefs dreht ihm Staatsanwalt Zorn schließlich einen Strick und klagt ihn des Mordes an. In der zunehmend alkoholisierten Stimmung der Tischrunde sieht Traps sich bald nicht mehr als jemanden, der nur von „günstigen Umständen“ profitiert hat, sondern als „Täter“. Er widerspricht der Argumentation von Verteidiger Kummer, dass er unschuldig sei, „gesteht“ den Mord und bittet Richter Wucht um das Urteil. Dieser beendet den Abend, indem er den stark angetrunkenen Traps zum Tode verurteilt und vom Henker Pilet ins Zimmer der zum Tode Verurteilten zur Nachtruhe bringen lässt.

Die Werke enden unterschiedlich: In der Erzählung erhängt sich der von seiner Schuld überzeugte Traps, während er im Hörspiel und im Film am nächsten Morgen seinen Rausch ausgeschlafen und alles vergessen hat. Im Theaterstück kommen noch zusätzliche Personen hinzu und auch diese Geschichte endet mit dem Tode Traps, jedoch erschießt er sich in dieser Fassung.

Wirkung[Bearbeiten]

Die Panne wurde 1957 mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und 1958 mit dem Literaturpreis der Westschweizer Tageszeitung Tribune de Lausanne ausgezeichnet.

Die Panne ist ein anhaltend populäres Stück. Insbesondere die Frage von Schuld und Gerechtigkeit sowie unterschiedliche Bewertungen derselben machen Die Panne zu einem zeitlos aktuellen Werk der Literatur.

Buchausgaben[Bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Pfützner: Der Verdacht / Die Panne. Interpretationen und Materialien. Beyer, Hollfeld 1990; 4. A. 2008, ISBN 978-3-88805-048-0
  • Wolfgang Pasche: Interpretationshilfen Friedrich Dürrenmatts Kriminalromane. Klett, Stuttgart 1997, ISBN 3-12-922609-5
  • Liliana Mitrache: Intertextualität und Phraseologie in den drei Versionen der Panne von Friedrich Dürrenmatt. Aspekte von Groteske und Ironie. Uppsala University Library, Uppsala 1999, ISBN 91-554-4553-5 (Dissertation)