Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke

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Kalligrafische Nachschrift zu Rilkes Cornet
Prospekt der ersten zwölf Ausgaben der Insel-Bücherei 1912

Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke ist der Titel einer kurzen Erzählung von Rainer Maria Rilke (1875–1926). Sie entstand unter dem Titel Der Cornet nach Angaben des Autors innerhalb von einer Nacht im Jahr 1899 in der „Villa Waldfrieden“ in Berlin-Schmargendorf. Eine überarbeitete Version schenkte er 1904 Stefan Zweig; auf ihr basierte die (wenig erfolgreiche) erste Buchveröffentlichung von 1906 beim Verlag Axel Juncker. Im Mai 1912 kündigte der Insel Verlag an, eine neue Buchreihe mit einem Preis pro Band von 50 Pfennig herauszubringen. Nach dem Erwerb der Rechte von Juncker wurde Rilkes Erzählung die Nummer 1 der Insel-Bücherei (siehe Abbildung). In dieser Ausgabe wurde sie sofort - wie auch viele andere Werke dieser Reihe - zum Bestseller; die Publikumsresonanz hält bis heute (2012) an.

Handlung[Bearbeiten]

Ausgangspunkt der Erzählung ist ein Regest (die Zusammenfassung einer Urkunde) in einer alten Chronik. Das Dokument berichtet von der Übertragung des Besitzanteils Christoph Rilkes, der 1663 im Türkenkrieg gefallen war, an seinen Bruder Otto. Alternativ zum kurzen Chronikeintrag bietet Rilke die Geschichte vom Zug des Christoph Rilke von Langenau nach Ungarn und seinem dortigen Tod an.

Der 18-jährige Adelige reitet mit anderen Soldaten nach Ungarn, um gegen die dort eingefallenen Türken zu kämpfen. Ein französischer Marquis wird dabei sein Freund. Von einer Rose, die der Marquis von seiner Geliebten erhalten hat, schenkt er von Langenau beim Abschied ein Rosenblatt, das ihn beschützen soll. Aufgrund eines Empfehlungsschreibens wird von Langenau zum Cornet, zum Fahnenträger ernannt. Seiner Mutter schreibt er daraufhin stolz einen Brief, den er neben dem Rosenblatt verwahrt. Jenseits des Grenzflusses Raab – an deren Ufern die entscheidende Schlacht bei Mogersdorf stattfinden sollte – übernachtet von Langenau mit seiner Kompanie in einem Schloss. Mit der Gräfin verbringt er die Nacht im abseits gelegenen Turmzimmer. Während der Nacht wird das Schloss von den Türken angegriffen und in Brand gesteckt. Um die Fahne zu retten und zu seiner bereits aufgebrochenen Truppe zu gelangen, verzichtet er auf Waffenrock und Helm, läuft durch die brennenden Gemäuer und reitet aus dem Schloss. Mit der brennenden Fahne findet er sich allein mitten unter den Feinden wieder und fällt.

IB 1, Rilke: Cornet, EA, Rizzi-Buntpapiereinband

Wirkung[Bearbeiten]

Die lyrisch-impressionistische Prosa vermittelt Gefühle von Jugend und Lebenshunger, Liebe und Tod. Besonderer Popularität erfreute sich die Soldatenballade aus dem 17. Jahrhundert in der Zeit der beiden Weltkriege. Das letztlich zeitlos-universelle Schicksal des jungen Soldaten schwankt zwischen Glorifizierung des Heldentodes und der Sinnlosigkeit (jungen) Sterbens, Gefühlen von überzogener Ehre, Verlust und Traurigkeit. Dem Langemarck-Mythos zufolge hatten die „jungen“ Regimenter das Deutschlandlied auf den Lippen und „Rilkes Cornet im Tornister“.[1][2]

Buchausgaben[Bearbeiten]

Am 23. Mai 1912 erschien Rilkes Werk als erster Band der Insel-Bücherei in einer Auflage von 10.000 Exemplaren, die sofort vergriffen war und den Erfolg der Reihe begründete. Bis 2006 erreichte der Cornet 54 Auflagen mit 1,14 Millionen Exemplaren. 1987 erschien eine von Max Schwimmer im Zweiten Weltkrieg während eines Fronteinsatzes privat illustrierte Ausgabe in einer kleinen Auflage als bibliophile Reprintedition. Zum 100-jährigen Jubiläum der Insel-Bücherei 2012 folgte dann auch eine illustrierte normale Reihenausgabe des „Cornet“ mit Schabblättern von Karl-Georg Hirsch (Jubiläumsprogramm, Nummer 1350).

Vertonungen[Bearbeiten]

Das Stück wurde mehrfach vertont:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joachim Güntner: Manipulation der Massen, Neue Zürcher Zeitung vom 8. Juli 2006
  2. Vgl. zum Werk und seiner Rezeption auch Horst Nalewskis Nachwort zur IB-Ausgabe des Leipziger Verlagshauses 1987 (Insel-Bücherei 1/B, S. 77 ff.)