Die unbarmherzigen Schwestern

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Filmdaten
Deutscher Titel Die unbarmherzigen Schwestern
Originaltitel The Magdalene Sisters
Produktionsland Großbritannien, Irland
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2002
Länge 114 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
JMK 14[1]
Stab
Regie Peter Mullan
Drehbuch Peter Mullan
Produktion Frances Higson
Musik Craig Armstrong
Kamera Nigel Willoughby
Schnitt Colin Monie
Besetzung

Die unbarmherzigen Schwestern (The Magdalene Sisters) ist ein britisch-irisches Filmdrama von Peter Mullan aus dem Jahr 2002.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film spielt im Irland der 1960er Jahre und beschreibt das Leben von drei jungen Frauen, die von ihren Familien in ein Magdalenenheim gesteckt wurden: Margaret wird von ihrem Cousin vergewaltigt. Bernadette, die in einem Waisenhaus aufwächst, wird oft beim Flirten ertappt. Rose gebiert ein uneheliches Kind; ihre Eltern wollen nicht mehr mit ihr sprechen, ihr Vater und ein Priester zwingen sie, das Kind zur Adoption freizugeben.

Alle drei jungen Frauen gelangen zur selben Zeit in die Obhut der Ordensschwestern im Magdalenen-Kloster, das von der Schwester Bridget geleitet wird. Rose bekommt von Schwester Bridget den neuen Namen Patricia, den sie fortan benutzen muss, da bereits eine andere Insassin Rose heißt.

Die Mädchen arbeiten in der klostereigenen Wäscherei. Schon kleinste Vergehen wie Widerworte oder der Kontakt mit Außenstehenden werden hart bestraft. Unter anderem schneidet man ihnen die Haare ab oder schlägt sie mit Stöcken und Lederriemen. Eines der Mädchen, Una, flieht, sie wird jedoch von ihrem Vater zurückgebracht. Dabei beschimpft ihr Vater sie und die anderen Mädchen als Huren.

Die Ordensschwestern verhöhnen und demütigen die Mädchen ständig. Crispina versucht mehrfach, sich das Leben zu nehmen. Einige Zeit später beobachtet Margaret, wie diese von einem Priester zu sexuellen Handlungen gezwungen wird.

Während Margaret nach vier Jahren von ihrem Bruder abgeholt wird, stirbt eine alte Insassin im Kloster. Daraufhin beschließen Rose und Bernadette die Flucht, die ihnen auch gelingt. Sie suchen Bernadettes Cousine auf, die ihnen Kleider und Geld gibt. Der Film endet mit dem fiktiven weiteren Lebenslauf der Frauen: Während Rose nach Liverpool flieht, findet Bernadette Arbeit in dem Friseursalon ihrer Cousine, Crispina stirbt 24-jährig in einer psychiatrischen Anstalt an Magersucht, Margaret bleibt kinderlos.

Kritiken[Bearbeiten]

James Berardinelli schrieb auf ReelViews, der Film gelte als antikatholisch, was teilweise wahr sei. Der Film zeige kein ausgeglichenes, dreidimensionales Bild der Ordensschwestern. Die erzählte Geschichte sei „kraftvoll“ und „aufwühlend“. Der Film sei sehenswert, weil er gut gemacht sei und den Zuschauer zum Denken und zum Mitfühlen ermutige.[2]

Das Lexikon des internationalen Films schrieb, der Film sei eine „nach authentischen Zuständen aus der Perspektive der gefangenen Mädchen erzählte Geschichte“, die ein „eindeutiges Feindbild“ in der Gestalt des Ordens und der „restriktiven Gesellschaft“ schaffe. Der Film sei „virtuos inszeniert und gespielt“.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde im Jahr 2002 als Bester Film für den Europäischen Filmpreis nominiert. Peter Mullan gewann im Jahr 2002 den Goldenen Löwen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2002. Im Jahr 2003 gewann er Preise des Nantucket Film Festivals und des Los Angeles IFP/West Film Festivals. Peter Mullan wurde im Jahr 2003 für das Drehbuch für den BAFTA Award nominiert; Frances Higson und Peter Mullan wurden für den Alexander Korda Award for Best British Film nominiert. Das Schauspielerensemble gewann 2003 den British Independent Film Award, der Film als Bester britischer Independentfilm und Peter Mullan für das Drehbuch wurden für den gleichen Preis nominiert.

Peter Mullan wurde im Jahr 2004 für den César, den Directors Guild of Great Britain Award und den Independent Spirit Award nominiert. Er und der Film als Bester Film des Jahres gewannen 2004 den London Critics Circle Film Award.

Der Film gewann im Jahr 2004 den Political Film Society Award für Menschenrechte und wurde für den Political Film Society Award für Exposé nominiert.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film ist die Kinoversion eines (ebenfalls 2002 ausgestrahlten) irischen Fernsehfilms mit dem Titel Sinners. Die Filmcharaktere sind fiktional, die beschriebenen Umstände sind es jedoch nicht. Rund 30.000 Mädchen arbeiteten in Irland in solchen Magdalenenheimen; 1996 wurde das letzte Heim geschlossen.

Der Film wurde in Dumfries (Schottland) gedreht.[4] Er hatte seine Weltpremiere am 30. August 2002 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig; am 12. September 2002 wurde er auf dem Toronto International Film Festival vorgeführt.[5] Der Film spielte in den Kinos der USA ca. 4,9 Millionen US-Dollar ein; in den anderen Ländern wurden ca. 15,7 Millionen US-Dollar eingespielt, darunter ca. 1,3 Millionen Pfund Sterling im Vereinigten Königreich.[6]

Kontroverse[Bearbeiten]

Nach der Verleihung des Goldenen Löwen 2002 in Venedig kam es zu zahlreichen Protesten sowie Presseberichten; außerdem entstanden Websites, auf denen der Film äußerst kontrovers diskutiert wurde. Das Katholische Institut für Medieninformation und die Katholische Filmkommission für Deutschland veröffentlichten in film-dienst 01/2003 eine Stellungnahme des Präsidenten der internationalen katholischen Medienorganisation SIGNIS, P. Peter Malone, um zur Diskussion über Mullans Film beizutragen.

Einige ehemalige Insassinnen der Magdalenenheime bemängelten, der Film sei insofern realitätsfern, als die tatsächlichen Zustände in den Heimen erheblich brutaler gewesen seien.[7]

Die katholische Kirche sowie ihr nahestehende Publikationen in Italien kritisierten den Film vor 2009 scharf.[8] Der Vatikan empfahl in einer offiziellen Stellungnahme allen Katholiken, den Film nicht anzusehen.[9]

2009 erschütterte die Aufdeckung der Missbrauchsskandale durch den Ryan-Bericht und den Murphy-Bericht die Römisch-katholische Kirche in Irland. Die Berichte bestätigten die Vorwürfe des Films nicht nur gegen die Magdalenenheime, sondern auch gegen viele andere kirchlich betriebene Einrichtungen.[10] Mehrere Bischöfe mussten daraufhin zurücktreten, nachdem selbst der Vatikan sich empört über die Vorgänge in Irland geäußert hatte.[11][12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kennzeichnung der Jugendmedienkommission.
  2. James Berardinelli: Magdalene Sisters, The. A Film Review; auf: reelviews.net, 2003; zuletzt abgerufen am 3. März 2012.
  3. Die unbarmherzigen Schwestern im Lexikon des Internationalen Films, zuletzt abgerufen am 3. März 2012
  4. The Internet Movie Database (IMDb.de): Drehorte für Die unbarmherzigen Schwestern (2002); abgerufen am 25. Juni 2007
  5. The Internet Movie Database (IMDb.de): Starttermine für Die unbarmherzigen Schwestern (2002); abgerufen am 25. Juni 2007.
  6. The Internet Movie Database (IMDb.de): Budget und Einspielergebnisse: Die unbarmherzigen Schwestern (2002); abgerufen am 3. März 2012.
  7. Fiachra Gibbons: In God’s Name; in: The Guardian, Ausgabe vom 7. Februar 2003; zuletzt abgerufen am 3. März 2012
  8. Paul Badde: Alles geklaut, alles verfehlt, alles erfunden; in: Die Welt, Ausgabe vom 8. Januar 2003; zuletzt abgerufen am 3. März 2012.
  9. Die Kritik des Vatikans; Artikel in: Hamburger Abendblatt, Ausgabe vom 9. Januar 2003; zuletzt abgerufen am 3. März 2012.
  10. Sexueller Missbrauch durch Geistliche. Irische Bischöfe reichen Rücktritt ein (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung. In: tagesschau.de, 25. Dezember 2009.
  11. Missbrauchsskandal: Irische Bischöfe bieten an Heiligabend Rücktritt an; Artikel auf Spiegel-Online vom 25. Dezember 2009.
  12. Carsten Volkery: Bischofsrücktritt nach Missbrauchskandal: Irlands Katholiken misten aus; Artikel auf Spiegel-Online vom 17. Dezember 2009.