Distichon

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Ein Distichon (Pl. „Distichen“; griechisch „Zweizeiler“ von δι- di- „zwei“ und στίχος stíchos ‚Vers‘, ‚Zeile‘) ist ein Verspaar bestehend aus einem Hexameter (griech. „Sechsmaß“) und einem Pentameter (griech. „Fünfmaß“).

Das metrische Schema lautet für das antike Distichon:

    _       _       _       _
 – υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ υ | – υ υ | – x
 Parcite praecipue viti(a) exprobrare puellis, 
 [Das a von vitia fällt der Elision zum Opfer; x kann lang oder kurz sein (strukturabhängig)]
    _       _
 – υ υ | – υ υ | – || – υ υ | – υ υ | –
 Utile quae multis dissimulasse fuit. (Ovid, Ars Amatoria, liber II, 640 f.)
 

und für das deutsche Distichon:

 
 – υ (υ) | – υ (υ) | – υ (υ) | – υ (υ) | – υ υ | – υ
 Nehmt euch vor allem in acht, die Gebrechen der Mädchen zu rügen,

 – υ (υ) | – υ (υ) | –      || – υ  υ  | – υ υ | –
 ja, es hat manchem genützt, dass er mit Fleiß sie nicht sah.
 

Der Unterschied liegt darin, dass die ersten vier Daktylen ( – υ υ ) des Hexameters und die ersten beiden des Pentameters in der Antike durch Spondeen ( – – ) ersetzt werden können, d.h. an die Stelle der Doppelkürze tritt eine Länge. Im Deutschen tritt stattdessen ein Trochäus ( – υ ) an die Stelle des Daktylus. Die deutsche Metrik unterscheidet Silben nicht nach ihrer Länge oder Kürze, daher greift hier nicht die antike Logik, dass zwei kurze Silben einer langen Silbe metrisch entsprechen.

Distichen fanden in der griechischen und römischen Antike und bei den Humanisten der frühen Neuzeit Verwendung als zweizeilige Epigramme oder als Bauelement der Elegie. In diesem Fall spricht man auch von elegischen Distichen. Das berühmteste komplett in Distichen verfasste antike Werk ist die Ars amatoria von Ovid.

Nach diesem Vorbild richtete sich auch die Verwendung des Distichons in der deutschen Literatur: Goethe und Schiller z. B. griffen diese Form für ihre epigrammatischen Xenien auf. Aus dieser Sammlung stammt auch Schillers bekannter Merkvers zum Distichon:

Ím Hexámeter stéigt des Spríngquells flǘssige Sáeule.
Ím Pentámeter dráuf fáellt sie melódisch heráb.

Eine spottende Parodie Matthias Claudius' dazu lautet:

Ím Hexámeter zíeht der ästhétische Dúdelsack Lúft ein.
Ím Pentámeter dráuf láesst er sie wíeder heráus.

Elegische Distichen sind in der deutschen Literatur seit Klopstock, und in der Folge vor allem bei Goethe, Schiller und Hölderlin, in Gebrauch. Fast immer geht dieser formale Rückgriff einher mit einem bewussten Anknüpfen an die antiken literarischen Vorbilder. Das Distichon ist im Deutschen stets ein „antikisierender“ Vers. Berühmt sind Goethes Römische Elegien, die sich auf die elegische Liebesdichtung eines Tibull, Properz und Ovid beziehen und aus denen die folgenden vier Distichen stammen:

Raubt die Liebste denn gleich mir einige Stunden des Tages,
Gibt sie Stunden der Nacht mir zur Entschädigung hin.
Wird doch nicht immer geküsst, es wird vernünftig gesprochen.
Überfällt sie der Schlaf, lieg ich und denke mir viel.
Oftmals hab’ ich auch schon in ihren Armen gedichtet
Und des Hexameters Maß, leise, mit fingernder Hand,
Ihr auf den Rücken gezählt. Sie atmet in lieblichem Schlummer
Und es durchglühet ihr Hauch mir bis ins Tiefste die Brust.

Ein barockes Distichon von 1657[Bearbeiten]

In seinem Musicalischen Lexicon von 1732 bezeichnet der Musikgelehrte Johann Gottfried Walther folgenden Zweizeiler vom Weimarer Hofdichter Georg Neumark, ein Lob auf die „berühmte Violdagam[b]istin Dorothee vom Ried“, als „Distichon“.[1]

Stell nur dein Spielen ein/ du ädler Musen-Chor/ Denn Dorothe vom Ried die thuts euch allen vor.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon oder Musicalische Bibliothec. Leipzig 1732. Neusatz des Textes und der Noten, hg. von Friederike Ramm, Bärenreiter Kassel usw. 2001, ISBN 3-7618-1509-3, S. 476.
  2. Georg Neumark: Fortgepflantzter Poetischer Lustwald. Bd. III, Jena 1657. S. 35/36.