Ditidaht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Traditionelles Territorium der Ditidaht und heutiges Hauptreservat

Die Ditidaht (früher auch Nitinat) sind kanadische Indianer und gehören zu den Nuu-chah-nulth, einer der auf Vancouver Island an der Pazifikküste wohnhaften Indianerstämme oder First Nations. Dabei gehören sie zur südlichsten Gruppe. Sie sprechen das südliche Wakash, das der Sprache der Makah (in Washington) recht nahesteht.

Ihr Wohngebiet liegt am Nordende des Nitinat Lake, rund 50 km südlich von Port Alberni. Im April 2010 wurden 725 Menschen zu den Ditidaht gerechnet.

Die heutige Ditidaht Nation ist eine Allianz von mindestens zehn lokalen Gruppen (local groups), von denen jede ein bestimmtes Gebiet beansprucht und sich um einen Häuptling (chaabat') und seine Familie schart.[1] Jede dieser Gruppen benannte sich dementsprechend nach einer Örtlichkeit oder nach einem Häuptling.

Geschichte[Bearbeiten]

Entsprechend der mündlichen Überlieferung stammt das ursprüngliche Volk der Ditidaht (da7uu7aa7tx) vom Nitinat Lake, jedoch war dies vor der „Großen Flut“. Dieses da7uu7aa7tx-Volk verband sich später mit den diitiid7aa7tx, dem Volk, das von Tatoosh Island über die Juan De Fuca Strait kam und sich am Jordan River (diitiida) ansiedelte. Die Ditidaht (anglisiert) sind also die Leute vom Diitiida, dem Jordan River. Sie werden auch gelegentlich als Nitinaht bezeichnet, weil bei den weiter nördlichen Nuu-chah-nulth-Dialekten aus dem „D“ ein „N“ wird. Möglicherweise waren einige der Zuwanderer von der Südseite der Wasserstraße Überlebende der Katastrophe, die um 1700 Ozette zerstörte und den südlichsten Nuu-chah-nulth-Stamm damit auslöschte.

Frühe Zahlenangaben (ab 1849) schwanken zwischen wenigen hundert und tausend Menschen. 1881 heißt es, dass an vier Orten rund 280 „Nitinat“ lebten. 1889 schätzte man noch 220, 1914 nur noch 155. Heute schätzt man ihre Zahl auf 350, von denen 120 im Malachan Indian Reserve leben. Nach Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development waren 718 Menschen als Angehörige des Stammes anerkannt, davon lebten 172 im Reservat, 60 in anderen Reservaten, die übrigen außerhalb.[2]

Die mündliche Überlieferung kennt Grenzstreitigkeiten mit Nachbarstämmen, die mitunter zu Kriegen und Kriegsbündnissen führten. Da die unterliegenden Stämme oftmals dezimiert und die Gefangenen als Sklaven mitgenommen wurden, kam es immer wieder zu Amalgationen, so dass die Stammesgrenzen heute nicht immer klar sind. Dr. Robert Brown bereiste die Region 1864 und bemerkte zum Gebiet der Ditidaht: „Sie haben - oder hatten - viele Dörfer, von Pachena Bay Richtung Westen und Karleit (östlich von Bonilla Point) nach Osten, daneben drei Dörfer im Nettinaht Inlet, elf Fischstellen am Nettinaht River, drei Stellen am Cowichan Lake und einen bei Squitz (Skutz-Fälle) am Cowitchan River selbst.“

Der Stamm, der sich vielleicht vor 1800 gar nicht als Einheit betrachtete, setzte sich aus etwa zehn Wohnhausgruppen zusammen, die sich jeweils als „Die Leute von...“ entsprechend ihrem Dorfnamen benannten. Inzwischen ließen sich rund 250 Orts- und Platznamen identifizieren.

W.C. Grant siedelte sich im Auftrag von James Douglas 1849 bei Sooke an. Er hörte erstmals von den „Patchana“ (wohl Pacheedaht) und „Nittinat“, wobei letztere zahlreicher gewesen sein sollen.

Gouverneur James Douglas zählte 1853 bei den „Netenet“ um Port San Juan 250 „Männer mit Bart“, 258 Frauen, 29 Jungen und 2 Mädchen, insgesamt 539 - wobei die geringe Zahl der Mädchen vielleicht einen Hinweis auf zu niedrige Angaben liefert. Darauf deutet auch ein Brief der beiden Händler Peter Francis und W. E. Banfield (nach ihm wurde Bamfield benannt) von 1855 hin, die von 800 „Nettinets“ berichten. Ende der 1850er Jahre ging er jedoch eher von 600 aus, während Robert Brown von über tausend berichtet.

Harry Guillod, Indian Agent zählte 1881 „90 Nitinat men“ bei einer Gesamtbevölkerung von nur noch 280, die sich auf vier „rancheries zwischen Cape Beale and Pacheena“ (Port San Juan) verteilten. 1883 zählte man 271, 1889 nur noch 220. 1914 zählte man sogar nur noch 155 und 40 Familien. Die erste starke Dezimierung lässt sich wohl durch die Pockenepidemie von 1862 erklären, die zweite geht wohl partiell auf die feindselige Indianerpolitik British Columbias zurück.

Erst 1890 nahm die Joint Indian Reserve Commission Kontakt mit ihnen auf und handelte 17 Reservate aus, die zwar die Dörfer umfassten (wie Malachan und Waayaa), aber auch Stellen für Kanubau oder Fischfang, die normalerweise gar nicht bewohnt waren, oder gar einen Friedhof. Waayaa (auch Whyac genannt) wurde zudem in den 1960er Jahren aufgegeben. Im 19. Jahrhundert war es von einem starken Zaun umgeben, der nächtliche Angriffe verhindern sollte. Clo-oose (tluu7uus), das als Ausgrabungsort bekannt wurde, wird seit den 60er Jahren nur noch im Sommer bewohnt.

Einige Orte galten als Orte besonderer Zeremonien, wie der der tluukwaali, die als "Blackface Society" oder Wolfstanz bekannt sind. Sie tanzten für gewöhnlich bei ilhuu (Il-clo Indian Reserve No. 12) an der Westseite des Nitinat-Sees.

Die Ditidaht haben sich zwar 1978 dem Nuu-chah-nulth-Rat angeschlossen, verhandeln aber nicht gemeinsam mit der kanadischen Regierung. Stattdessen sind sie im Dezember 1993 in eigenständige Verhandlungen eingetreten, denen sich 1997 die benachbarten Pacheedaht angeschlossen haben. Derzeit befassen sich die Verhandlungen mit Parks und Schutzzonen, Wild, Zugvögeln und Fischen.

Mit der Einrichtung des Pacific Rim National Park im Jahr 2001 hat die Zahl der Touristen sprunghaft zugenommen. Dabei haben die angrenzenden Stämme zusammen mit der Parkverwaltung die Aufgabe übernommen, den West Coast Trail, einen der drei Abschnitte des Parks, zu unterhalten. Dazu gründete man die Quu’as-Partnerschaft, ein corporate joint venture der Ditidaht, Pacheedaht und Huu-ay-aht mit Parks Canada. Zudem unterhalten die Ditidaht ein eigenes Ditidaht First Nation Nitinat Lake Visitor Centre.

Im Januar 2003 unterzeichneten Ditidaht und Pacheedaht eine Handelslizenz auf zehn Jahre über 300.000 Kubikmeter Holz, im nächsten Monat erhielten sie 250.000 CAD für ein waldwirtschaftliches Ausbildungsprogramm. Im Februar 2005 unterzeichneten die Ditidaht, dass sie weitere 173.500 Kubikmeter über 5 Jahre gegen 1,6 Millionen CAD verkaufen wollen.

2006 gab es nur noch acht Sprecher des Ditidaht oder Nitidaht. Ab 2003 beschloss der Ditidaht-Rat für 4,2 Millionen Dollar den Bau einer Schule, um Schüler in ihrer Sprache zu unterrichten. 2005 verließ der erste Schüler mit Highschool-Abschluss die Schule. Professor Michael Fortescue erarbeitete inzwischen ein rund 500 Seiten umfassendes Wörterbuch - da die Sprache vor 2002 ausschließlich gesprochen wurde, entwickelte man ein Alphabet mit 53 Zeichen.

Im April 2010 wurden 725 Menschen zu den Ditidaht gerechnet, davon lebten 183 in den Reservaten im Barclay District und um Renfrew, 490 außerhalb der Reservate, die übrigen 62 waren auf andere Reservate verstreut.[3] Im Juni 2007 waren es noch 690. Das Hauptreservat ist das Malachan Indian Reserve #11 am Ostrand des Nitinaht Lake. Die insgesamt 17 Reservate umfassen 725,3 ha.[4]

Auch wenn die Ditidaht stolz auf ihre sprachliche Eigenheit sind und sich sehr bewusst vom „Westcoast“ absetzen, der Sprache der mittleren und nördlichen Nuu-chah-nulth-Gruppen, und auch politisch eigene Wege gehen, so teilen sie doch zahlreiche Kulturelemente. So haben auch hier bestimmte Familien einen Anspruch auf unberührbare Plätze (tupaat). Tupaat ist ein ererbtes Vorrecht oder Privileg, das sich oftmals auf zeremonielle Vorrechte bezieht. So kann Tupaat bis heute aus bestimmten Gesängen, Tänzen, Spielen, Familiengeschichten, aber auch bestimmten Musikinstrumenten, Geräten oder Gegenständen bestehen, die bei Feiern eine Rolle spielen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wayne Suttles (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Bd. 7: Northwest Coast. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1990. ISBN 0-87474-187-4
  • Matthew Kwong: Standing by their words, zu finden hier: [3].
  • Nancy Turner, John Thomas, B.F. Carlson, R.T. Ogilvie: Ethnobotany of the Nitinaht Indians of Vancouver Island, Occasional Papers Series No. 24, British Columbia Provincial Museum, Victoria 1983.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Dies und das Folgende nach der offiziellen Seite der Ditidaht ([1]).
  2. Ditidaht
  3. Nach Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development, First Nation Profiles (Ditidaht)
  4. Nach den Angaben des Department of Indian Affairs and Northern Development, First Nation Profiles: [2].