Dobra (Łobez)

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Dobra
Wappen von Dobra Nowogardzka
Dobra (Polen)
Dobra
Dobra
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Łobez
Gmina: Łobez
Fläche: 2,32 km²
Geographische Lage: 53° 35′ N, 15° 18′ O53.58333333333315.3Koordinaten: 53° 35′ 0″ N, 15° 18′ 0″ O
Höhe: 83 m n.p.m
Einwohner: 2347
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 72-210
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZLO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 144 NowogardChociwel
DW 146 Jenikowo ↔ Strzmiele
Schienenweg: ehem. Dobra-Stargard
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goléniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 12 Ortsteilen Ortschaften
8 Schulzenämter
Fläche: 116,10 km²
Einwohner: 4482
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3218013
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeisterin: Barbara Wilczek
Adresse: Rynek 1
72-210 Dobra
Webpräsenz: www.dobragmina.pl

Dobra, früher Dobra Nowogardzka (deutsch Daber, Kreis Naugard) ist eine Stadt im Powiat Łobeski der polnischen Woiwodschaft Westpommern, unweit von Nowogard (Naugard). Andere Bezeichnungen sind Dobra, Dobra koło Nowogardu und im Sprachgebrauch der Polnischen Bahn fälschlicherweise im Plural Dobra Nowogardzkie. Die Stadt ist Sitz einer Stadt- und Landgemeinde gleichen Namens.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Geographische Lage von Dobra Nowogardzka

Die Stadt in Hinterpommern liegt am Flüsschen Dobrzenica (Daberbach), in einer moorigen Senke in dem Seendreieck Jezioro Ciesze (Teetzsee), Okrzeja (Quernsee) und Woświn (Wothschwiensee), ca. 60 Kilometer östlich von Stettin.

Stadt Dobra (Daber)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits im 12. Jahrhundert befand sich auf einer Halbinsel im Dabersee ein Burgwall, zu dem eine Pfahlbausiedlung gehörte. Erstmals wird ein Land Daber (terra Dabern) in einer Urkunde[2] aus der Zeit 1225–1264 erwähnt, die als Regest von 1640 erhalten ist. Der alte Burgwall wurde im Laufe des folgenden Jahrhunderts aufgegeben, eine neue Burg auf dem Festland zwischen den Seen wird 1295 genannt (castrum Doberen). Die neue Burg war eine Gründung des Templerordens.[3]

Südlich der Burg entstand eine neue Siedlung, die 1331 als Stadt mit Lübischem Recht erwähnt wird. Stadtgründer war wahrscheinlich der pommersche Herzog Bogislaw IV., in dessen Herzogtum Pommern-Wolgast der Ort zu dieser Zeit lag. Am 22. Juli 1373 kam Kaiser Karl IV. in die Stadt, um dort mit den pommerschen Herzögen und dem Bischof von Cammin ein Landfriedensbündnis zur Bekämpfung des Raubrittertums zu stiften. 1398 wurde der Familie von Dewitz das Land Daber als Lehen überlassen[4], was bis 1808 Bestand hatte. Als 1478 zum wiederholten Male ein Krieg zwischen den pommerschen Herzögen und dem brandenburgischen Kurfürsten um die Lehnshoheit über Pommern ausbrach, sah sich Pommernherzog Bogislaw X. am 23. August 1478 gezwungen, mit dem Kurfürsten Albrecht in Daber einen Waffenstillstand auszuhandeln, nachdem dieser bereits die südlich der Stadt gelegenen Gebiete erobert hatte.

Nachdem 1637 das pommersche Herrscherhaus der Greifen mit Bogislaw XIV. ausgestorben war, fiel nach dem Dreißigjährigen Krieg der größte Teil Hinterpommerns an Brandenburg, so auch Daber. Die Stadt wurde verwaltungsmäßig in den Daber-Dewitzschen Kreis eingegliedert. Zu dieser Zeit kam es zu langjährigen Unruhen in Daber, weil sich die Bürger gegen die von der Familie Dewitz eingeführte Gerichtsordnung und den Mahlzwang zur Wehr setzten. Ende des 18. Jahrhunderts wurden bei Daber Maulbeerplantagen zum Betrieb einer Seidenraupenzucht angelegt, mit der die Stadt einen zusätzlichen Wirtschaftszweig neben der seit Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Tuchmacherzunft erhielt.

Mit der preußischen Verwaltungsneuordnung kam Daber 1818 zum Kreis Naugard. Da sich die neu entstehenden Industriebetriebe eher in der Kreisstadt Naugard und im benachbarten Labes ansiedelten, blieb Daber eine abseits liegende Ackerbürgerstadt, die neben dem Tauchmachergewerbe lediglich noch eine Stärkefabrik aufzuweisen hatte. Die 1880 gegründete Freiwillige Feuerwehr gehörte zu den ältesten in Pommern.[5] Erst 1895 gelang der Anschluss an die Saatziger Kleinbahnen, und 1902 wurde endlich eine Kleinbahnlinie zur Kreisstadt eröffnet. Zur Zeit der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg gab Daber 1920/21 eigene Notgeldscheine aus.

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Daber eine Flächengröße von 18 km², und auf dem Stadtgebiet standen zusammen 288 Wohnhäuser an acht verschiedenen Wohnorten:[6]

  1. Daber
  2. Hospitalvorwerk
  3. Kirchenvorwerk
  4. Kleinbahnhof Daber Nord (Kr. Naugard)
  5. Kleinbahnhof Daber Süd (Kr. Naugard)
  6. Klugstraße
  7. Kreiskrankenhaus
  8. Walkmühle

Im Jahr 1925 wurden in Daber 2,260 Einwohner, darunter 13 Katholiken und 31 Juden, gezählt, die auf 609 Haushaltungen verteilt waren.[6]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Daber Teil Polens. Daber wurde in Dobra umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde auf der Grundlage der sogenannten Bierut-Dekrete ersatzlos enteignet und vertrieben.

1946 wurde der Fussballklub Sarmata gegründet. Die Schmalspurbahnverbindung nach Stargard Szczeciński (Stargard in Pommern) (PKP-Kursbuch: Linie 378) wurde 2002 stillgelegt.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1740: 670[7]
  • 1782: 649, keine Juden[7]
  • 1791: 676, keine Juden[8]
  • 1794: 994, keine Juden[7]
  • 1812: 917, darunter ein Katholik und zwölf Juden[7]
  • 1816: 957, darunter zwei Katholiken und 22 Juden[7]
  • 1831: 1.169, darunter keine Katholiken und 34 Juden[7]
  • 1843: 1.541, darunter fünf Katholiken und 60 Juden[7]
  • 1852: 1.808, darunter zehn Katholiken und 90 Juden[7]
  • 1861: 2.016, darunter sechs Katholiken und 71 Juden[7]
  • 1900: 2.305[9]
  • 1925: 2.260, darunter 13 Katholiken und 31 Juden[6]

Politik[Bearbeiten]

Patenschaft[Bearbeiten]

Die Stadt Wesselburen hat 1963 die Patenschaft für die Stadt Daber im Sinne einer Patenschaft über die aus Daber vertriebenen Einwohner übernommen.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die gesamte Altstadtanlage befindet sich unter Denkmalschutz.[11]

Marktplatz mit Rathaus von Dobra und Kirche der Heiligen Klara, 2007

Auf dem Marktplatz steht das Rathaus von 1841.

Kirche der Heiligen Klara in Dobra, 2006

Auf der rückwärtigen Seite des Marktplatzes befindet sich die Kirche der Heiligen Klara, die in der heutigen Form im 15. und 16. Jahrhundert errichtet wurde. Es ist eine spätgotische Hallenkirche, deren Langhaus mit Stichkappentonnen überwölbt ist. Der neugotische Turm ersetzte 1870 seinen eingestürzten Vorgänger. Sehenswert sind die Kanzel von 1596 im Stil der Spätrenaissance und der Hochaltar aus dem Jahr 1614. In der Nähe des Altars befinden sich ein Epitaph für den herzoglichen Rat und Kanzler Jobst von Dewitz (* 1491; † 1542) und dessen Gemahlin Ottilie, eine geborene von Arnim, sowie ein Epitaph für den herzoglichen Rat und Hofmarschall Wulff von Borcke († 1556) und dessen Gemahlin Gutte, eine geborene von Putbus.[12]

Burgruine, 2006

Nördlich des Stadtkerns liegen auf einem die Stadt um ca. 10 Meter überragenden Hügel (60 m über NN) die Ruinen der Burg Daber oder Dewitzburg. Erhalten sind Ruinen des im 15. Jahrhundert erbauten Alten Hauses und des um 1538 durch Jobst von Dewitz errichteten Neuen Hauses.[13][14] Der Burghügel war beim Bau der Anlage vom Dabersee umgeben, der aber durch Flussregulierungen im Jahr 1865 trockengelegt wurde. Die Burg war seit dem Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr bewohnt und wurde in der folgenden Zeit zum Teil abgetragen. Seit 1861 befand sich die Burgruine im Besitz der Familie von Diest, die 1862 und 1905 Erhaltungsmaßnahmen durchführte.[3] Seit 1957 steht die Burg unter Denkmalschutz, seit 2008 werden Sicherungsmaßnahmen der einsturzgefährdeten Burg durchgeführt.[15]

Blick vom Kirchturm auf das Gasthaus Taber und ein weiteres Fachwerkhaus

Die Stadt zieren einige Fachwerkhäuser, unter ihnen das älteste Wohnhaus, in der Nähe des Marktplatzes, das heute das Gasthaus Taber beherbergt.

Auf dem Friedhof befindet sich ein 1923 errichtetes Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Es wurde von den polnischen Behörden nicht beseitigt, so dass es 2001 restauriert und 2002 neu geweiht werden konnte.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt wird von keinem der größeren Verkehrswege berührt. Durch sie führen lediglich die Überlandstraße 144 von Nowogard (Naugard) nach Chociwel (Freienwalde) und die Überlandstraße 146 von Maszewo (Massow) nach Łobez (Labes). Im Norden ist Nowogard (Naugard), mit einem Bahnhof und der Fernstraße 6, 17 km entfernt. Im Süden ist Chociwel (Freienwalde), an der Bahnlinie StettinGdynia (Gdingen) und der Fernstraße 20 gelegen, 14 Kilometer entfernt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gmina Dobra[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Zur heutigen Stadt- und Landgemeinde Dobra gehören neben der Stadt Dobra acht Schulzenämter.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

In diese Ämter sind die Ortschaften Grzęzienko (Weitenhagen Vorwerk), Wrześno (Gutendorf) und Zapłocie (Hospitalvorwerk) integriert.

Seit 2004 ist Barbara Wilczek Bürgermeisterin der Gemeinde, die bei den Kommunalwahlen 2006 und 2010 mit je 52 % der Stimmen im ersten Wahlgang wiedergewählt wurde. Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern, die alle parteiunabhängigen Wählergemeinschaften angehören. [16]

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Partnergemeinden sind:[17]

Verweise[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Bath, Berlin 1865, S. 100–104 (Online, Google).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern. Teil II, Band 5, Abt. 1: Enthaltend die Eigentums-Ortschaften der Stadt Stargard und vom Naugarder Kreise die erste Hälfte, Anklam 1872, S. 414-482 (Online, MDZ)
  • Zbigniew Miler: Dobra i okolice. Wydawnictwo Grapus, Szczecin 1998, ISBN 83-908059-5-2.
  • Ernst Schünemann: Eine Wanderung durch Daber und seine Umgebung. In: Pommersches Heimatbuch 2008. Pommersche Landsmannschaft, Lübeck 2008, ZDB-ID 748528-1, S. 129–133.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Klaus Conrad (Bearb.): Pommersches Urkundenbuch. 1. Band. 786–1253 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 2, Bd. 1). 2. Auflage. Böhlau, Köln/Wien 1970, ISBN 3-412-13170-9, Nr. 227a.
  3. a b Heinrich von Diest: Burg Daber. In: Pommersches Heimatbuch 2009. Pommersche Landsmannschaft, Lübeck 2008, S. 63–66.
  4. Heinrich Gottfried Gengler: Codex iuris municipalis Germaniae medii aevi. = Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Band 1. Enke, Erlangen 1863, S.692.
  5. Ernst Schünemann: Die Dabersche Feuerwehr. In: Pommersches Heimatbuch 2008. Pommersche Landsmannschaft, Lübeck 2008, S. 47–54.
  6. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Daber im ehemaligen Kreis Naugard in Pommern (2011).
  7. a b c d e f g h i Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Bath, Berlin 1865, S. 103
  8. Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogthume Vor- und Hinter-Pommern. Leich, Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736.
  9. Meyers großes Konversations-Lexikon. 6., gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage, neuer Abdruck. Band 4: Chemnitzer bis Differenz. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S. 403.
  10. Abdruck der Patenschaftsurkunde in: Die Pommersche Zeitung. Nr. 12/2009, S. 5.
  11. Denkmalschutzregister der Woiwodschaft Westpommern in Stettin, Registernummer 81
  12. Wulf-Dietrich von Borcke: Namen, Helm und Wappenschild – Ahnenproben des pommerschen Adels in der Vormoderne. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. Heft 4/2013, ISSN 0032-4167, S. 9 f.
  13. Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Flechsig-Buchvertrieb, Würzburg 2002, ISBN 3-88189-439-X, S. 74–75.
  14. http://www.v-dewitz.de/vdfamilie/daber.htm
  15. Dobra - Germany
  16. Państwowa Komisja Wyborcza: http://wybory2010.pkw.gov.pl/geo/pl/320000/321801.html#tabs-3. 25. Dezember 2010.
  17. Dobra - gminy partnerskie [1]