Łobez

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Łobez
Wappen von Łobez
Łobez (Polen)
Łobez
Łobez
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Łobez
Fläche: 11,75 km²
Geographische Lage: 53° 38′ N, 15° 37′ O53.63333333333315.616666666667Koordinaten: 53° 38′ 0″ N, 15° 37′ 0″ O
Höhe: 76 m n.p.m
Einwohner: 10.438
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 73-150
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZLO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 147 (Nowogard -) Wierzbięcin ↔ Łobez
DW 148 Starogard Łobeski ↔ Drawsko Pomorskie
DW 151 ŚwidwinGorzów Wielkopolski
Schienenweg: PKP-Linie 202: Stargard SzczecińskiKoszalin-Danzig
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Gmina (Stadt- und Landgemeinde)
Gemeindegliederung: 21 Schulzenämter
Fläche: 227,68 km²
Einwohner: 14.356
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 63 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3218023
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Ryszard Sola
Adresse: ul. Niepodległości 13
73-150 Łobez
Webpräsenz: www.lobez.pl
Luftbild (2005)
Stadtkern mit Kirche
Kirche des Heiligsten Herzens Jesu

Łobez ([ˈwɔbɛs] anhören?/i, deutsch Labes) ist eine Stadt mit etwa 10.440 (2014)[2] Einwohnern in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sie ist Sitz des Powiats Łobeski und einer Stadt- und Landgemeinde.

Geographie[Bearbeiten]

Die Kreisstadt liegt am Fluss Rega in 76 Metern Meereshöhe und befindet sich im mittleren Teil der Woiwodschaft Westpommern in Hinterpommern. Stettin ist etwa 80 Kilometer entfernt, die Nachbarstädte Nowogard (deutsch Naugard) und Drawsko Pomorskie (deutsch Dramburg) 30 bzw. 18 Kilometer. Łobez liegt an der Bahnlinie Stargard SzczecińskiGdynia, ist auf der Straße jedoch nur über untergeordnete Straßen zu erreichen, von denen sich aber fünf im Ort treffen. Die Umgebung ist von weitläufigen Waldgebieten geprägt.

Stadt Łobez[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Grund von frühzeitlichen Ausgrabungsfunden ist davon auszugehen, dass die spätere Stadt Labes eine slawische Vorgängersiedlung hatte, die unmittelbar südwestlich der späteren mittelalterlichen Stadt lag. 1271 nennt eine Urkunde einen Borco dominus de Lobis („Borko, Herr von Lobis“). Dies ist ein Hinweis auf die adlige Familie von Borcke, in deren Besitz der Ort war.

Die Besiedlung der Stadt Labes ist wohl aus wilder Wurzel erfolgt. Die Stadtrechtsverleihung erfolgte wohl vor 1295 durch die Familie Borcke. Jedenfalls wurde die Stadt im Jahre 1295 unter dem Namen Lobese bereits als civitas bezeichnet. Später, für das Jahr 1348, ist lübische Stadtrecht nachgewiesen, doch galt dieses nur in einzelnen Rechtsgebieten. Eine Bestätigung der Stadtprivilegien durch die Familie Borcke erfolgte im Jahre 1460, was durch eine Abschrift aus dem Jahre 1623 überliefert ist. Die Borcke blieben bis in das 19. Jahrhundert hinein die Stadtherren von Labes.

Landesherren waren bis 1637 die Herzöge von Pommern. Danach starb das pommersche Herrscherhaus der Greifen aus und Hinterpommern, in dem auch Labes lag, kam zu Brandenburg-Preußen.

In den Jahren 1637 und 1685 wurde Labes von Stadtbränden zerstört. Nach dem Wiederaufbau beherrschten Tuchmacher und Schuhmacher das wirtschaftliche Leben. 1792 nahm ein Kupferhammer den Betrieb auf, der fast achtzig Jahre existierte. Labes war eine Ackerbürgerstadt. Neben einigen Bauern gab es das Gut Zühlsdorf und das Gut Labes B. Einige Kilometer außerhalb Richtung Prütznow lag das Gut Labes A und D.

Bekannt wurde Labes auch durch die Herstellung von Holzpantinen (= Schlurren, daher der Spitzname Schlurr-Lobs). Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Labes Kreisstadt des Kreises Regenwalde. Es entstanden das Landratsamt, das Amtsgericht und das Finanz- und Katasteramt. Als Labes 1859 an die Bahnlinie StargardKöslin angeschlossen wurde war dies gleichzeitig der Beginn einer verstärkten Industrialisierung. Entscheidend waren daran die Brüder Kaiser mit ihrer Maschinen- und einer Drahtzaunfabrik beteiligt. Ihr Vater Reinhold Kaiser aus Prütznow hatte schon auf Grund eines am 1. November 1898 mit der Stadt Labes geschlossenen Vertrages die Elektrizitätsversorgung von Labes aufgebaut und Labes mit Strom aus seinem in Prütznow von der Rega betriebenen Elektrizitätswerk versorgt. Große Bedeutung kam der Einrichtung des Landgestütes in Labes zu, die 1876 von der preußischen Regierung veranlasst wurde. Es war das einzige Gestüt in Pommern und auf die Zucht von Hengsten spezialisiert. Auch die Stärkefabrik, die die Kartoffelernte der umliegenden Orte verarbeitete, hatte eine über Labes hinausgehende Bedeutung. Ferner gab es eine Schälmühle, eine Getreidemühle und eine Kalksandsteinfabrik.

Die positive Entwicklung der Stadt lässt sich an den Einwohnerzahlen ablesen. Während sie 1885 5.225 Einwohner hatte, lebten zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 7.300 Menschen in der Stadt.

Mit der Einführung der Reformation in Labes um 1537 wurde die Bevölkerung evangelisch. Das älteste erhaltene Kirchenbuch der Stadt Labes umfasst die Jahre 1647 bis 1764; es konnte im Jahre 2013 für die Kirchenbuchstelle des Evangelischen Zentralarchivs erworben werden.[3] Um 1927 bestanden in der Stadt zwei evangelische Kirchengemeinden. Eine römisch-katholische Minderheit wurde im 19. Jahrhundert durch den Pfarrer aus Köslin betreut. In den Jahren 1932–1937 betreute sie der Pfarrer und Widerstandskämpfer August Froehlich von Dramburg aus,[4] ab 1938 erfolgte die Betreuung durch die Pfarrei in Schivelbein.

Nach der Eroberung durch die sowjetischen Truppen im März 1945 zerstörten diese die Innenstadt weitgehend durch Brände. Durch die Westverschiebung Polens siedelten sich an Stelle der vertriebenen deutschen Einwohner viele vertriebene Menschen aus Ostpolen in Łobez an. Nach der Übernahme durch die polnische Verwaltung wurde die Stadt in Łobez umbenannt.

In Labes liegt der Ursprung des Labeser Krippenspiels, welches nach 1945 von Flüchtlingen nach Norddeutschland gebracht wurde und dort seit 1973 regelmäßig aufgeführt wird.

Liste der Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister von 1632 bis 1949:[5][6]

1632 Carsten Beleke      1790 Jahncke
1670 Bernd Bublich 1775 Johann Gottfried Severin
1700 Paul Belecke 1805 Heinrich (?) Falck
1702 Theele 1806 Zuther (andere Daten 1712)
1723 F. C. Hackebeck 1806 Nemitz
1734 F. W. Weinholz 1809 Johann Georg Falck
1736 Schulze 1823–1840 Johann Friedrich Rosenow
1732 Hackenberken 1842–1844 Adols Ludwig Ritter (intermistisch)
1745 M. C. Frize 1844–1845 Albert Wilhelm Rizky
1746 Johann Friedrich Thym 1846–1852 Heinich Ludwig Gotthilf Hasenjäger
1752 Johann Gottsried Severin vor 1859 Hasenjaeger
1753 ? J. F. von Flige 1852–1864 Carl Albert Alexander Schüz
1757 Johann Friedrich Thym 1921 Willi Kieckbeusch
1757 Heller 1945 Hackelberg, Teofil Fiutowski, Stefan Nowak, Feliks Mielczarek
1767 Gottlieb Timm 1946 Władysław Śmiełowski
   1948 Tadeusz Klimski
   1949 Ignacy Łepkowski

Bürgermeister seit 1989:

Marek Romejko
Jan Szafran
Halina Szymańska
2002–2006 Marek Romejko
seit 2006 Ryszard Sola

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Friedhof mit Lapidarium und Friedhofskapelle
links: Gedenkstein für Otto Puchstein
Lapidarium im Friedhof
Rolandsäule - 2013
Jahr  Gesamt-Bevölkerung[7] 
1680 etwa 800
1740 1191
1782 1160
1794 1339
1812 1797
1816 1939
1831 2443
1843 3207
1861 4756
1885 5225
1895 5187
1912 5098
1925 5873
1939 7310
1946 4144
1957 6026
Jahr   Jüdische Bevölkerung[8][9] 
1705 2 Familien
1753 1 Familie
1782 15
1794 18
1812 38
1816 62
1831 61
1840 90
1843 100
1852 121
1861 167
1867 175
1871 138
1903 105
1925 43
1939 11
1940 0

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Deutsch-Polnische Gedenkstätte
Gedenkstein für Otto Puchstein
  • Ein Wahrzeichen von Labes war das Roland-Denkmal zum Andenken an die 208 gefallenen Labeser des Ersten Weltkrieges.[10] Es wurde durch Spenden der Bevölkerung finanziert und 1925/1926 in freiwilliger, kostenloser Gemeinschaftsarbeit auf dem 100 m hohen Denkmalsberg am Hainholz errichtet.
Sieben Steinsäulen, in die die Tafeln mit den Namen der Gefallenen eingelassen waren und die mit schweren Eichenbalken verbunden waren, bildeten den Opferring. In ihm stand auf einem Sockel die auf die Stadt herabblickende Rolandsäule. Um den Sockel war eine dicke Kette geschmiedet.
Der Aufgang zum Denkmal war künstlerisch gestaltet. Eine Treppe führte durch mehrere Wallringe, auf denen künstliche Hünengräber und Runensteine angelegt wurden, hinauf. 1945 wurde das Denkmal zerstört. Der früher unbewaldete Denkmalsberg ist heute bewaldet.
  • 1993 wurde im Friedhof von Łobez eine Deutsch-Polnische Gedenkstätte errichtet, in die Teile des zerstörten Roland-Denkmales (z.B. ein Sonnen-Runenstein) mit einbezogen wurden.
  • Vor dem Friedhof von Łobez wurde 1993 ein Gedenkstein (Lapidarium) für den deutschen Archäologen Otto Puchstein eingeweiht. Puchstein (1856–1911) war u.a. Grabungsleiter in Baalbek.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Franz Andreas von Borcke (1693–1766), königlich-preußischer Generalleutnant und Chef des Infanterie-Regiments Nr. 20
  • Ferdinand Nemitz (1805–1886), deutscher Jurist, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
  • Felix Genzmer (1856–1929), deutscher Architekt
  • Otto Puchstein (1856–1911), deutscher klassischer Archäologe
  • Walter Goehtz (1878–1946), deutscher Verwaltungsbeamter, Bürgermeister der Städte Plathe und Greifenberg

Gmina Łobez[Bearbeiten]

Das Amt der Gemeinde und Stadt Łobez (Labes)

Die Gmina (Stadt- und Landgemeinde) Łobez umfasst eine Fläche von 227 km³. Hier leben mehr als 14.000 Einwohner.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Łobez gehören die Schulzenämter (sołectwo)

  • Bełczna (Neukirchen)
  • Bonin (Bonin)
  • Dalno (Lindenfelde)
  • Dobieszewo (Dübzow)
  • Grabowo (Grabow)
  • Karwowo (Karow)
  • Klępnica (Glietzig)
  • Łobżany (Labes A D)
  • Meszne (Wedderwill)
  • Niegrzebia (Negrepp)
  • Poradz (Muhlendorf)
  • Prusinowo (Prütznow)
  • Rożnowo Łobeskie (Rosenow)
  • Rynowo (Rienow)
  • Suliszewice (Zülzefitz)
  • Tarnowo (Tarnow)
  • Unimie (Unheim)
  • Worowo (Wurow)
  • Wysiedle (Woitzel)
  • Zachelmie (Löpersdorf)
  • Zagórzyce (Saagen)
  • Zajezierze (Schönwalde)

In diese sind die Ortschaften Budziszcze (Karolinenhof), Byszewo (Büssow), Kołdrąb (Kupferhammer), Polakowo (Dieckborn), Pomorzany, Przyborze (Piepenhagen), Rynowo-Kolonia (Rienow), Trzeszczyna (Heinrichsfelde), Zachełmie (Löpersdorf), Zakrzyce (Philippsthal) und Zdzisławice (Christienhof) integriert.

Partnergemeinden[Bearbeiten]

Versöhnungskreuz in Aulzhausen (Bayern)

Partnergemeinden sind:[11]

  • Affing (Deutschland), seit 1997, Ursprung: „Deutsch-Polnisches Versöhnungskreuz“ seit 1994 in Aulzhausen
  • Svalöv (Schweden), seit 2000
  • Kėdainiai (Litauen), seit 2002
  • Paikuse (Estland), seit 2003
  • Wiek (Deutschland), seit 2008
  • Guča (Serbien), seit 2010
  • Istra (Russland), seit 2011

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern. Abriß ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Bath, Berlin 1865, S. 240–242. (Volltext bei Google Books)
  • Ernst Zernickow: Geschichte der Stadt Labes in Pommern von der Gründung bis zu Mitte des 19. Jahrhunderts. Labes 1922.
  • Adam Kogut, Anna Dargiewicz, Barbara Smolska Nazarek: Gmina i miasto Łobez. przewodnik turystyczny. (= Gemeinde und Stadt Łobez. Reiseführer.; Łobez commune and town. Tourist guidebook.). Wydawnictwo Tekst, Bydgoszcz 2001, ISBN 83-7208-020-8. (polnisch – deutsch – englisch)
  • Peter Johanek, Franz-Joseph Post (Hrsg.); Thomas Tippach, Roland Lesniak (Bearb.): Städtebuch Hinterpommern. (Deutsches Städtebuch, Band 3, 2). Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-018152-1, S. 135–138.
  • Stadtamt der Stadt Łobez (Hrsg.): Łobez. Urzędu Miejskiego u. a., Łobez u. a. 2004, ISBN 83-917628-5-8. (Fotos aus Vergangenheit und Gegenwart; polnisch – deutsch – englisch)
  • Zbigniew Harbuz: Kalendarium ziemi i powiatu łobeskiego. Łabuź, Łobez 2007, ISSN 1509-6378, S. 1–60.
  • Heimatfreunde der Kreisstadt Labes in Pommern (Hrsg.): Labes - unsere liebe Heimatstadt. Band 1, Band 2 (1979), Band 3, Selbstverlag.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Łobez – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 11. Juli 2014.
  2. Główny Urząd Statystyczny. Baza Demografia. Stan i struktura ludności (Stand: 31. März 2014)
  3. Siegfried Hannemann, Inger Buchard, Dieter Wallschläger: Das Labeser Kirchenbuch. Glückliches Ende nach einer Odyssee. In: Die Pommersche Zeitung. Nr. 1/2014, S. 12–13.
  4. biografie.pisz.pl
  5. Zbigniew Harbuz - Kalendarium
  6. Gustav Kratz: Die Städte.., S. 242.
  7. Peter Johanek, Franz-Joseph Post (Hrsg.); Thomas Tippach, Roland Lesniak (Bearb.): Städtebuch Hinterpommern. Deutsches Städtebuch, Band 3, 2, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2003, ISBN 3-17-018152-1, S. 136.
  8. Zbigniew Harbuz - Łabuź - Kalendarium (PDF; 592 kB)
  9. Lobez - (Virtuelles Schtetl)
  10. Roland-Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges - (Wiki.Genealogy)
  11. Łobez - współpraca zagraniczna [1]