Doktor Schiwago (2002)

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Filmdaten
Deutscher Titel Doktor Schiwago
Originaltitel Doctor Zhivago
Produktionsland GB, Deutschland, USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2002
Länge 213 Minuten
Stab
Regie Giacomo Campiotti
Drehbuch Andrew Davies
Produktion Anne Pivcevic,
Hugh Warren
Musik Ludovico Einaudi
Kamera Blasco Giurato
Schnitt Joe Walker
Besetzung

Doktor Schiwago (Originaltitel: Doctor Zhivago) ist ein US-amerikanisch-deutsch-britisches Filmdrama aus dem Jahr 2002. Regie führte Giacomo Campiotti, das Drehbuch schrieb Andrew Davies nach dem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1957 von Boris Leonidowitsch Pasternak.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film spielt in Russland vor und nach der Oktoberrevolution. Jurij Schiwagos Vater vertraut sein Vermögen dem mächtigen Rechtsanwalt Victor Komarovsky an, der es verspekuliert. Deswegen begeht der Vater vor Jurijs Augen Selbstmord. Danach lebt Jurij als Waise bei Pflegeeltern.

Jurij wird Arzt und lernt die Schülerin Lara Guichard kennen, in die er sich verliebt. Er heiratet jedoch die Tochter seiner Pflegeeltern Tonja Gromyko, die eher seiner gesellschaftlichen Schicht entspricht. Währenddessen hat die Mutter der jungen Lara Antipova Angst, von ihrem Freund, eben jenem Victor Komarovsky, verlassen zu werden. Um ihn zu halten, liefert sie Lara an Komarovsky für eine Affäre aus, wird dann aber eifersüchtig, streitet wegen häufigem Heimkehren ihrer Tochter nach Mitternacht und will sich umbringen. Jurij Schiwago wird als Notarzt gerufen und rettet der Mutter von Lara das Leben. Lara will Komarovsky wegen ständigen Missbrauchs schließlich erschießen, trifft aber daneben.

Lara wird zusammen mit ihrem späteren Mann, dem Revolutionär Pascha Antipow, Zeugin des brutalen Vorgehens der Kosaken gegen die gegen den Zaren protestierende Bevölkerung. Komarovsky offenbart ihr, dass er in die Pläne der Staatsmacht eingeweiht war. Lara erwähnt die Möglichkeit einer Revolution, worauf Komarovsky erwidert, dass auch eine neue Regierung ihn brauchen würde.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ist Schiwago an der Front tätig. Dort wird er verwundet und trifft Lara, die als Krankenschwester arbeitet und ihren Mann sucht. Die Kompanie zieht sich zurück, und die Verletzten werden auf ein Gut gebracht, wo Lara die Oberschwester von Schiwago wird. Schiwago schreibt dies seiner Frau, die eifersüchtig auf Lara ist. Deshalb schickt er Lara nach Hause.

Bald darauf kehrt auch Schiwago nach Hause zurück. Nach der Revolution ist der Alltag völlig verändert: die Familie hat ihre gesellschaftliche Stellung verloren und muss ihr Haus mit zahlreichen anderen Menschen teilen. Schiwago arbeitet in einem Krankenhaus, wo er seinen Vorgesetzten vor einer Typhus-Epidemie warnt – obwohl diese nach der offiziellen Richtlinie lediglich der Propaganda der Feinde der Revolution entspringen sollte. Sein bester Freund, auch Arzt und verliebt in Tonja, drängt ihn dazu, mit seiner Familie Moskau zu verlassen. Er warnt Schiwago, dass dieser umerzogen werden soll.

Schiwago erfährt, dass Lara in einem Ort am Ural lebt. Er und seine Familie ziehen in den Ural, wo sein Schwiegervater ein Anwesen besitzt. Auf der Fahrt in den Ural lernt er einen Jungen kennen, der in Ketten transportiert wird, obwohl er keines Verbrechens schuldig ist. Der Junge will in seinen Heimatort zurückkehren, aber er wird nach wenigen Schritten von den Leuten des Kommandanten Strelnikow, der die Bevölkerung terrorisiert, erschossen. Schiwago wird zu diesem geführt – es stellt sich heraus, dass er ihn zuvor als Pascha kannte. Strelnikow bezeichnet in einem Streitgespräch das Leben einzelner Personen als bedeutungslos, aber dann lässt er doch Schiwago frei.

Im Ural kann Schiwago wieder als Arzt arbeiten. Er besucht Lara und sie leben ihre Liebe aus. Seine Frau ahnt, dass etwas los ist. Eines Tages, als er ihr alles erzählen und die Beziehung zu Lara beenden will, wird er nach seinem Besuch bei Lara von bolschewistischen Partisanen aufgegriffen, verschleppt und zum Dienst als Arzt an der Front gezwungen. Nach Monaten gelingt es ihm, zu fliehen. Völlig erschöpft durch den langen Fußmarsch in eisiger Kälte wird er von Lara gefunden und wieder gesundgepflegt. Lara erzählt ihm, dass seine Familie die Gegend verlassen hat und dass seine Frau ihn bittet, nur dann nachzukommen, wenn er sich ganz für sie entscheidet. Schiwago und Lara nehmen jedoch ihre Beziehung wieder auf.

Komarovsky erscheint bei Lara und versucht sie dazu bringen, mit ihm zusammen nach Wladiwostok zu fliehen. Auch Schiwago würde er mitnehmen. Laras Ehemann ist parteiintern in Ungnade gefallen, und damit ist auch ihre eigene Position in der Gesellschaft nicht mehr sicher. Lara und Schiwago lehnen zunächst ab, aber als Komarovsky Schiwago bei einem zweiten Besuch berichtet, dass Pascha erschossen wurde und Lara auch bedroht ist, willigt er ein.

Schiwago gibt vor, dass er Lara auf ihrer Reise mit Komarovsky begleiten wird, folgt ihr aber in Wirklichkeit nicht, weil er Komarovsky, der nur Zerstörung verbreitet hat, nicht ertragen kann. Pascha, der entgegen Komarovskys Behauptung doch noch lebt, taucht auf und zeigt Reue darüber, tausende Menschen sinnlos erschossen zu haben. Schiwago kehrt allein nach Moskau zurück und sucht dort seine Frau, die aber ins Ausland ausgewiesen wurde.

Lara ist schwanger von Schiwago und bekommt einen Sohn, den sie auch Jurij nennt. Jahre später kehrt sie nach Moskau zurück, um Schiwago zu suchen. Schiwago ist schwer krank und sieht in einem Café Lara und seinen Sohn vorbeigehen. Er versucht, Lara zu folgen, bricht dann aber zusammen und stirbt. Lara nimmt Abschied von dem Toten und wird kurz darauf verhaftet und deportiert. Ihr Sohn bleibt allein zurück, mit den Gedichten des Vaters in der Hand.

Kritiken[Bearbeiten]

Bob Wake lobte auf culturevulture.net das „erstklassige“ Drehbuch und die „energische“ Regie.[1]

Die Zeitschrift TV Spielfilm schrieb, die „Tele-Oper“ sei „nicht frei von Kitsch, dennoch ergreifend“. Sie reiche an den Film aus dem Jahr 1965 nicht heran, aber biete dem Zuschauer ein „aufwändiges und durchaus fesselndes Hochglanzmelodram“ mit Keira Knightley als „Hauptattraktion“.[2]

Laut Lexikon des Internationalen Films erreicht „das bildgewaltige, sehr gefühlvolle Fernseh-Historien- und Liebesdrama [...] zwar nicht die epische Dichte von David Leans Kinoklassiker 1965, entwickelt aber durchaus eigenständige Qualitäten.“ Es werde „getragen von überzeugenden Darstellern“.[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Giacomo Campiotti als Bester Neuer Regisseur, der Film in der Kategorie Bestes Drama und die Kostümedesignerin Annie Symons wurden im Jahr 2003 für den BAFTA TV Award nominiert. Der Film wurde 2003 für den Ton für den RTS Television Award nominiert, im Jahr 2004 folgte eine Nominierung als Beste Miniserie für den Golden Satellite Award.

Hintergründe[Bearbeiten]

Der Film wurde in Prag und in der Slowakei gedreht.[4] Er wird häufig als eine Miniserie ausgestrahlt; die Ausstrahlungen erfolgten bisher u.a. in Großbritannien, Italien, den USA, Finnland, Schweden, Brasilien und in der deutschsprachigen Schweiz, in Deutschland erlebte der Film als Miniserie seine erste Ausstrahlung zu Weihnachten 2007 auf dem TV-Sender Tele 5.[5] Dieselbe Romanvorlage war bereits im Jahr 1965 mit Omar Sharif und Julie Christie in den Hauptrollen als Doktor Schiwago verfilmt worden.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. uk.rottentomatoes.com, abgerufen am 23. Dezember 2003
  2. TV Spielfilm, abgerufen am 23. Dezember 2003
  3. Zeitschrift film-dienst und Katholische Filmkommission für Deutschland (Hrsg.), Horst Peter Koll und Hans Messias (Red.): Lexikon des Internationalen Films - Filmjahr 2007. Schüren Verlag, Marburg 2008, ISBN 978-3-89472-624-9
  4. Filming locations für Doctor Zhivago, abgerufen am 23. Dezember 2007
  5. Premierendaten für Doctor Zhivago