Doppeldecker (Flugzeug)

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Curtiss Wright Travel Air E4000
Doppeldecker im Formationsflug auf der ILA 2006

Als Doppeldecker werden Flugzeuge mit zwei vertikal gestaffelt angeordneten Tragflächen bezeichnet.

Der Hauptvorteil gegenüber einem Eindecker ist, dass die beiden Tragflächen miteinander verstrebt (mit Stielen zur Aufnahme von Druck- und Zugkräften) und verspannt werden können (mit – oft profilierten – Drähten zur Aufnahme von Zugkräften) und so eine strukturelle Einheit bilden, die bei gleichem Gewicht stärker als ein freitragender Einzelflügel ist.

Die größere Stabilität ermöglicht außerdem die Verwendung dünnerer Tragflächenprofile, was den Luftwiderstand verringert. Dieser Vorteil wird allerdings durch die gegenseitige Beeinflussung des Luftstromes beider Einzeltragflächen zunichtegemacht, so dass einzelne Tragflächen aerodynamisch meist überlegen sind. Auch erzeugen Verstrebung und Verspannung zusätzlichen Luftwiderstand, so dass man in den 1930er Jahren beim Bau von Hochleistungsflugzeugen vollständig zu Eindeckern überging.

Bei gleicher Flügelfläche und -tiefe braucht ein Doppeldecker nur die halbe Flügelspannweite eines Eindeckers, wovon vor allem die Rollwendigkeit profitiert. Dies kommt daher, dass sich die Flügelmasse durch geringere Spannweite näher am Schwerpunkt befindet, was dem Flugzeug ein geringeres Trägheitsmoment verleiht. Die geringere Spannweite ist außerdem ein Vorteil bei der Handhabung des Flugzeugs am Boden und seiner Unterbringung.

Viele frühe Flugzeuge, darunter auch das erste erfolgreiche Motorflugzeug der Gebrüder Wright, waren Doppeldecker. Vor allem im Ersten Weltkrieg wurden auch Flugzeuge mit drei (oder sogar mehr) übereinanderliegenden Tragflächen gebaut, die grundsätzlich die gleichen Vor- und Nachteile wie Doppeldecker aufwiesen.

Bis auf wenige Ausnahmen wie die PZL M-15 Belphegor (Turbojetantrieb) und die Antonow An-3 (Turbopropantrieb) werden Doppeldecker serienmäßig mit Kolbenmotoren angetrieben.

Die schnellsten Doppeldecker findet man bei den „National Championship Air Races“. Doppeldecker der Typen Pitts Special, Starduster, Knight Twister, Mong und Smith Minplane erreichen hier Geschwindigkeiten von bis zu 370 km/h.

Anderthalbdecker[Bearbeiten]

Eine besondere Bauform des Doppeldeckers ist der Anderthalbdecker.[1] (englisch sesquiplane) Dieser Begriff wird angewendet auf:

  1. einen Doppeldecker mit einem Unterflügel, der eine deutlich geringere Spannweite als der Oberflügel hat,
  2. einen Doppeldecker, dessen Oberflügel zweiholmig, dessen Unterflügel aber einholmig ausgeführt wurde,
  3. einen Doppeldecker, dessen Unterflügel eine deutlich geringere Flügeltiefe besitzt als der Oberflügel oder
  4. einen Doppeldecker, dessen Oberflügel eine deutlich geringere Spannweite als der Unterflügel besitzt (Beispiel: Fiat CR.1).

Die Merkmale 2 und 3 treten häufig gemeinsam auf. Der Hauptgrund für die Konstruktion von Anderthalbdeckern der Typen 1 bis 3 dürfte wohl die nach unten deutlich verbesserte Sicht gewesen sein.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Heinz A. F. Schmidt: Lexikon Luftfahrt. 2. Auflage. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1972, S. 106.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz A.F. Schmidt: Lexikon der Luftfahrt, Motorbuch Verlag, 1971, S. 32, ISBN 3-87943-202-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Doppeldecker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Doppeldecker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien